Hallo Nikita,
danke für Deine lange Antwort. Da weiß ich ja gar nicht, wo ich am besten anfange.
Also zunächst einmal war ich dann wohl eher wie Deine Schwester. Ich war weniger aufmüpfig, gut in der Schule und hab es schnell aufgegeben, Widerworte zu leisten, weil ich letztlich sowieso nur verlieren konnte. Und dennoch macht mir die Situation zu schaffen!
Wenn ich jetzt an meinen Bruder denke, der hat immer so viel schlucken müssen - klar, er hat auch kontra gegeben oder eben einfach "nicht funktioniert" (sprich: er ist der Bitte meiner Eltern was zu tun, eben nicht nachgekommen und eine Bitte gleicht einem Befehl, dem man sich nicht zu widersetzen hat - kennst Du bestimmt) und er war in seinem Leben nicht so zielstrebig, hat das leider nicht immer so gut laufen lassen (jobmäßig), obwohl er echt fit ist in dem, was er macht. Es scheint, als lebe er nur für den Moment. Ich möchte damit nur sagen: Wie muss es ihm erst gehen? Wie hält er das überhaupt aus und wie lange kann er das überhaupt noch aushalten?
Und das gewisse Lapalien derart dramatisiert wurden, das kenne ich auch gut. Ich kann mich auch ehrlilch gesagt nicht an längere Zeiträume in Harmonie erinnern. Irgendeiner stand immer "an der Anklagebank" und waren das nicht wir innerhalb der Familie, dann hatte es mein Dad auf seinen Bruder oder seine Schwester abgesehen oder oder oder...
Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, ich könnte dutzende dieser Geschichten erzählen. Die haben sich in meinem Kopf festgefressen und egal wie oft ich sie erzähle, sie lassen mich nicht los.
Also was Du da schreibst, hört sich für mich noch viel schlimmer an als das, was ich in meiner Erinnerung habe. Aber vielleicht ist das auch mein Problem, ich habe so vieles einfach ausgeblendet. Ich bin hier zahlreiche Male auf Menschen getroffen, die viele Ereignisse chronologisch ordnen und genau berichten konnten - ich konnte das nie, was jetzt z. B. meine Gewaltbeziehung betrifft. Da ist vieles wie weggewischt (Schutzfunktion?). Vielleicht schleppe ich vieles daher noch so lange mit mir rum, ich weiß es nicht.
Und nein, ich wohne nicht im gleichen Haus mit meinen Eltern
😱 Die Wohnung gehört ihnen, sie war als Altersvorsorge oder ~wohnsitz gedacht. Wir haben einen normalen Mietvertrag, aber mein Vater hat mir kürzlich "nahegelegt" zu kündigen.
Im Grunde ist unser Verhältnis richtig gekippt, als es mir mit meinem Ex-Mann so schlecht ging, ich habe das kurz eingangs von diesem Thread angeschnitten. Und zu dem Zeitpunkt habe ich überhaupt erst angefangen aufzuschauen, zu versuchen hinter die Kulissen zu blicken und eben nicht immer alles als "normal" abzutun.
Ich glaube übrigens auch, dass man antrainiertes Verhalten wieder abtrainieren kann. Nur: Wie lange wurde das antrainiert und wie lange kann es ergo dauern, bis man das Verhaltensmuster wieder los ist? Klar, das hängt auch immer von der einzelnen Sache ab.
Was Du bzgl. des übermäßigen Entschuldigen geschrieben hast, das war die Lektion 1 meiner Psych.: Ich muss mich für nichts rechtfertigen! Ich habe es nämlich auch wie oft geschafft, mich aus einer Normalität heraus durch zu viele Erklärungen in eine total blöde Lage zu manövrieren - eben weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, wo andere keine Minute drüber nachdenken und viel lockerer mit umgehen können. Das habe ich auch meist im Griff - klar in emotionalen Momenten ist das nach wie vor nicht leicht. Aber das hab ich begriffen und somit kann ich das angreifen.
Sonst tappe ich leider noch viel zu oft im Dunkeln.
Deinen verletzten Gefühlen Luft machen hilft, aber wenn in deinen Worten nur Verurteilung steckt, machst du dir vielleicht nicht wirklich Luft sondern steigerst dich in eine für dich vorhandene Welt rein, die nicht ganz der Realität entspricht.
Liebe Truth, was Du schreibst, klar hast Du Recht mit den 2 Seiten. Aber so ganz verstehe ich nicht, worauf Du hinauswillst (außer, dass ich mich vielleicht verrannt habe, ja kann sein, ich weiß es nicht, aber ich möchts gern wissen, daher bin ich ja hier). Möchtest Du mir damit sagen, dass ich mir vieles zurechtlege oder selbst dramatisiere? Im Blut hab ich dieses Verhalten ganz sicher, ja... auch wenn ich das überhaupt nicht schätze. Mir wäre es auch viel lieber, ich könnte da ruhiger ran gehen oder das einfach lässig abschütteln und meinen Weg gehen - weiß nicht, wie ich's beschreiben soll.
Ich danke Euch jedenfalls für Eure Kommentare, ich schmeiß das alles in einen Topf, dann wird kräftig geschüttelt und dann schau ich, was vielleicht für mich Sinn machen könnte
😉