Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Schrei nach Luft – wenn Eltern die eigenen Kinder kaputtmachen

Hallo Nikita,

hat mich sehr berührt, was du da so geschrieben hast. Ich frag mich jetzt, wie schafft sie es, dich immernoch zu verletzen und dich einzuschüchern? Du hast erklärt, wie du dich fühlst dabei, aber hat dir während deiner Therapie niemand irgendwelche Werkzeuge in die Hand gegeben, wie du dich in solchen Situationen verbal abgrenzen kannst? Was ich bei dir in den Zeilen lese, ist dass du dich innerlich abgrenzst. Aber das reicht nicht. Solange du dich "nur" innerlich abgrenzst, bist du ihr ausgeliefert, fällst ihr zum Opfer, weil du dich verletzt fühlst und dich nicht direkt wehrst. Wie ein eingeschüchtertes Reh, dass die Flucht ergreift. Andererseits, wenn sie dir so großen Schaden anrichtet, frage ich mich, ob vielleicht ein ganz strikter Kontaktabbruch besser ist den du ihr aber vorher auf jeden Fall mitteilen solltest. Aber erträgst du das? Du scheinst dich immer noch nach ihrer Liebe, Anerkennung und Zuneigung zu sehnen. Was für eine Rolle spielt dein Vater in der ganzen Geschichte? Hält er sich raus?

Liebe Grüße
Truth
 
Hallo Truth,
genau die gleiche Frage stelle ich mir auch: Warum schaffe ich es nicht, trotz all der guten Therapien und der vielen Fortschritte. Therapeuten sagen darauf in der Regel, dass das Zeit braucht. Situationen wie die von Anfang dieser Woche sind ein Fehler meinerseits: Ich war emotional und das ist ein gefundenes Fressen für diese Frau. Ich weiß das, habe aber in dem Moment einfach falsch reagiert. Ich habe das an anderer Stelle gepostet, kurz gefasst hatte ich ein juristisches Problem, bei dem ich ihren Rat brauchte. Das lief auch die ganzen Wochen ganz gut, sie ist hat eine juristische Ausbildung, kennt sich super aus. Dienstag aber war ich mit den Nerven runter, das hat sie am Telefon gemerkt und hat mir sofort wieder Vorwürfe gemacht (die gar nichts mit dem Thema zu tun hatten). Nach dem Motto „Ich hab dir doch gesagt, dass das nicht klappt, was du dir vorstellst.“ Ich habe gar keine Lebensberatung gewollt, sondern einen Tipp, wer für meinen derzeitigen Fall zuständig ist, also welche Behörde. Das hätte sie mir auch beantwortet, wenn ich bloß nicht Nerven gezeigt hätte. Das ist so wie bei Haien: Wenn sie einmal Blut riechen, bist du dran 😀
Aber mal im Ernst: Das ist so eine perverse Logik bei meiner Mutter: Mit ihr kommt man bestens klar, solange man nicht die geringste Spur von Schwäche zeigt. Wenn das passiert – und Kinder sind schwach, einfach weil sie sich noch entwickeln müssen – hackt sie auf einem rum. Ich will hier nicht pausenlos fiese Geschichten aus meiner Kindheit erzählen, aber sie verdeutlichen eben so gut, wie diese Frau tickt. Wenn sie mich als Kind geprügelt hat und ich habe natürlich geweint, schrie sie immer, sie hört erst auf, wenn ich mit dem Geflenne aufhöre. Und das war dann auch so.

Mein Vater ist ein sehr lieber Mensch aber in Bezug auf meine Mutter ein Pantoffelheld. Er hätte sich so ziemlich alles von ihr bieten lassen. Er war beruflich sehr stark eingespannt und meistens Wochen am Stück unterwegs; er hat kaum was mitbekommen. Aber man darf seine Verantwortung nicht runterspielen, er hätte das sehen und etwas tun müssen.

Ein Kontaktabbruch mit meiner Mutter ist etwas worüber ich schon seit vielen Jahren nachdenke. Wir hatten mal zwei Jahre keinen Kontakt. Besser ging es mir dadurch nicht. In meiner Familie hat es soviel Streit und Krieg gegeben und eine Auseinandersetzung würde wieder dazu führen. Ich möchte keinen Familienkrieg mehr, da ich damit aufgewachsen bin. Aus diesem Grund halte ich einen höflichen, aber seltenen Kontakt für das beste, aber ich versuche immer, wenn das gut läuft, mich besser mit ihr zu verstehen. Das geht dann nach einigen Wochen oder Monaten daneben.
Insofern muss ich Dir Recht geben: Ich suche immer noch ihre Anerkennung. Ich hasse es das zuzugeben, aber das ist wohl der Kern des Problems.
LG MissNikita
 
Hallo Nikita,

würde es dir helfen, wenn du wüsstest, warum deine Mutter Schwäche nicht tolleriert? Ich meine, da muss doch in ihr auch ein riesengroßes Distaster sein? So zu reagieren zeigt eigentlich nur, wie krank sie ist. Und dass sie unter Zwängen leidet, ist ja offensichtlich. Was weißt du über deine Mutter? Das Frage ich nicht, um sie zu entlasten!! Für mich tragen Mütter und Väter die größte Verantwortung - aber es sind "auch" Menschen mit ihren Vorgeschichten. Was deinen Vater angeht. Den nimmst du mir ein bisschen zu sehr in Schutz. Nicht richtig hinzusehen und vor allem nichts zu unternehmen ist mindestens genauso schlimm, wie die "Taten" deiner Mutter. Auch er ist verantwortlich für seine Kinder. Eine Kindheit mit einer dominanten, herrischen und verletzenden Mutter ist kein Leckerbissen. Kommt noch ein Vater dazu, der so viel Schwäche an den Tag legt, ist das Disaster komplett. Du hattest kein Vorbild, wie man sich wehrt! Hast vielleicht noch den Schmerz von deinem Vater gespürt oder seine Ohnmacht? Vielleicht ist es ja seine Ohnmacht, die du nachlebst. Frag dich mal, wie es heute aussehen würde, hättest du erlebt, dass es einen in eurer Familie gibt, der deine Mutter in ihre Schranken weist. Nicht nur das, deine Schwester ist ihr ja auch noch hinterhergekrochen.... Das sind Familienkonstellationen aus denen kannst du nur einen Ausweg finden, wenn du jeden einzelnen in deiner Familie und in seinen Rollen richtig verstehst - letztendlich verstehst du dann auch deine Rolle richtig.

Hab jetzt nur so darauf logeschrieben. Deine Geschichte regt bei mir so viele Gedanken an. Vielleicht sind nicht alle richtig aber ich möchte sie dir trotzdem schreiben.

Liebe Grüße
Truth
 
Hallo Nikita,

danke für Deine lange Antwort. Da weiß ich ja gar nicht, wo ich am besten anfange.

Also zunächst einmal war ich dann wohl eher wie Deine Schwester. Ich war weniger aufmüpfig, gut in der Schule und hab es schnell aufgegeben, Widerworte zu leisten, weil ich letztlich sowieso nur verlieren konnte. Und dennoch macht mir die Situation zu schaffen!

Wenn ich jetzt an meinen Bruder denke, der hat immer so viel schlucken müssen - klar, er hat auch kontra gegeben oder eben einfach "nicht funktioniert" (sprich: er ist der Bitte meiner Eltern was zu tun, eben nicht nachgekommen und eine Bitte gleicht einem Befehl, dem man sich nicht zu widersetzen hat - kennst Du bestimmt) und er war in seinem Leben nicht so zielstrebig, hat das leider nicht immer so gut laufen lassen (jobmäßig), obwohl er echt fit ist in dem, was er macht. Es scheint, als lebe er nur für den Moment. Ich möchte damit nur sagen: Wie muss es ihm erst gehen? Wie hält er das überhaupt aus und wie lange kann er das überhaupt noch aushalten?

Und das gewisse Lapalien derart dramatisiert wurden, das kenne ich auch gut. Ich kann mich auch ehrlilch gesagt nicht an längere Zeiträume in Harmonie erinnern. Irgendeiner stand immer "an der Anklagebank" und waren das nicht wir innerhalb der Familie, dann hatte es mein Dad auf seinen Bruder oder seine Schwester abgesehen oder oder oder...

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, ich könnte dutzende dieser Geschichten erzählen. Die haben sich in meinem Kopf festgefressen und egal wie oft ich sie erzähle, sie lassen mich nicht los.
Also was Du da schreibst, hört sich für mich noch viel schlimmer an als das, was ich in meiner Erinnerung habe. Aber vielleicht ist das auch mein Problem, ich habe so vieles einfach ausgeblendet. Ich bin hier zahlreiche Male auf Menschen getroffen, die viele Ereignisse chronologisch ordnen und genau berichten konnten - ich konnte das nie, was jetzt z. B. meine Gewaltbeziehung betrifft. Da ist vieles wie weggewischt (Schutzfunktion?). Vielleicht schleppe ich vieles daher noch so lange mit mir rum, ich weiß es nicht.

Und nein, ich wohne nicht im gleichen Haus mit meinen Eltern 😱 Die Wohnung gehört ihnen, sie war als Altersvorsorge oder ~wohnsitz gedacht. Wir haben einen normalen Mietvertrag, aber mein Vater hat mir kürzlich "nahegelegt" zu kündigen.

Im Grunde ist unser Verhältnis richtig gekippt, als es mir mit meinem Ex-Mann so schlecht ging, ich habe das kurz eingangs von diesem Thread angeschnitten. Und zu dem Zeitpunkt habe ich überhaupt erst angefangen aufzuschauen, zu versuchen hinter die Kulissen zu blicken und eben nicht immer alles als "normal" abzutun.

Ich glaube übrigens auch, dass man antrainiertes Verhalten wieder abtrainieren kann. Nur: Wie lange wurde das antrainiert und wie lange kann es ergo dauern, bis man das Verhaltensmuster wieder los ist? Klar, das hängt auch immer von der einzelnen Sache ab.

Was Du bzgl. des übermäßigen Entschuldigen geschrieben hast, das war die Lektion 1 meiner Psych.: Ich muss mich für nichts rechtfertigen! Ich habe es nämlich auch wie oft geschafft, mich aus einer Normalität heraus durch zu viele Erklärungen in eine total blöde Lage zu manövrieren - eben weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, wo andere keine Minute drüber nachdenken und viel lockerer mit umgehen können. Das habe ich auch meist im Griff - klar in emotionalen Momenten ist das nach wie vor nicht leicht. Aber das hab ich begriffen und somit kann ich das angreifen.

Sonst tappe ich leider noch viel zu oft im Dunkeln.
Deinen verletzten Gefühlen Luft machen hilft, aber wenn in deinen Worten nur Verurteilung steckt, machst du dir vielleicht nicht wirklich Luft sondern steigerst dich in eine für dich vorhandene Welt rein, die nicht ganz der Realität entspricht.
Liebe Truth, was Du schreibst, klar hast Du Recht mit den 2 Seiten. Aber so ganz verstehe ich nicht, worauf Du hinauswillst (außer, dass ich mich vielleicht verrannt habe, ja kann sein, ich weiß es nicht, aber ich möchts gern wissen, daher bin ich ja hier). Möchtest Du mir damit sagen, dass ich mir vieles zurechtlege oder selbst dramatisiere? Im Blut hab ich dieses Verhalten ganz sicher, ja... auch wenn ich das überhaupt nicht schätze. Mir wäre es auch viel lieber, ich könnte da ruhiger ran gehen oder das einfach lässig abschütteln und meinen Weg gehen - weiß nicht, wie ich's beschreiben soll.

Ich danke Euch jedenfalls für Eure Kommentare, ich schmeiß das alles in einen Topf, dann wird kräftig geschüttelt und dann schau ich, was vielleicht für mich Sinn machen könnte 😉
 
Zuletzt bearbeitet:
Eben weil meine Mutter so unberechenbar war und immer etwas zum Ausrasten fand. Das hat mir vermittelt, dass es keine Sicherheit auf der Welt gibt. In diesem Sinne bin ich mit permanenter Angst aufgewachsen.
ich glaube, das ist genau mein aktuelles Problem... das ich Angst habe, was als nächstes kommen könnte 😕 Und auch, dass es keine Sicherheit auf dieser Welt gibt, könnte mein Leitspruch gewesen sein so viele Jahre. Ich habe daher auch viele Probleme in meinen Beziehungen gehabt, bin immer wieder an meine Grenzen gestoßen und hab gedacht, wofür anstrengen, wenn mir "das, was mir gut tut" letztlich doch wieder genommen wird. Denn das hat mein Leben lange Zeit ausgemacht, dass mir immer das genommen wurde, wo ich gerade am meisten dran hing.

So ein Hin und Her läuft schon seit drei oder vier Jahren und ich frage mich alles Ernstes, wie oft ich noch eins auf die Schnauze brauche, bis ich aufgebe.
Genauso bei mir auch! Eins drauf kriegen, sich zurückziehen, vorsichtig wieder neutral annähern, Vertrauen aufbauen und wieder eins drauf kriegen und von vorn :mad: Wie blöd kann man sein, das immer wieder mitzumachen? Natürlich trage ich eine große Teilschuld daran, weil ich mich dem nicht entziehen kann und vielleicht noch Futter liefere für dieses - nennen wir es mal gegenseitige Verhalten.
 
Insofern muss ich Dir Recht geben: Ich suche immer noch ihre Anerkennung. Ich hasse es das zuzugeben, aber das ist wohl der Kern des Problems.
Da ist ganz sicher der Schlüssel zu allem, habe ich auch schon erkannt. Meine Psych. sagte mir: Die Eltern sind die 1. und wichtigste Beziehung im Leben eines Menschen. Ist es da nicht klar, dass man geliebt und geachtet werden möchte? Dass man das vielleicht umso mehr benötigt, desto weniger man es in der Kindheit erfahren durfte?

Möchte nochmal wiederholen, dass ich mit allem, das ich schreibe, nicht meine Eltern anklagen möchte, logisch, dass manchmal auch Ärger aus meinen Worten spricht... der hängt ja sehr eng mit Schmerz zusammen. Ich möchte einfach diesen Teufelskreis durchbrechen und ich bin der Meinung, dass nur ich diesen Richtungswechsel auslösen kann.

Hast vielleicht noch den Schmerz von deinem Vater gespürt oder seine Ohnmacht? Vielleicht ist es ja seine Ohnmacht, die du nachlebst. Frag dich mal, wie es heute aussehen würde, hättest du erlebt, dass es einen in eurer Familie gibt, der deine Mutter in ihre Schranken weist.
Truth, das hast Du sehr gut erkannt in meinen Augen. Ich bin sehr froh über Deine Gedanken 🙂
 
Hallo Vienne,
ich glaube keiner der dies nicht selbst erlebt hat, kann verstehen das man immer wieder hofft das es sich doch noch ändert.
Es werden immer wieder andere Gründe vorgeschoben um einem endgültigen Schlußstrich hinaus zu zögern. Schließlich sind es ja die Eltern und man ist jahrelang dahin gedrillt worden, dankbar zu sein. Fragt sich nur wofür, vieleicht für die nicht gelernte Liebe und zu seinen Gefühlen zu stehen. Aber dafür hat man ja Diziplin und Gehorsam erlernt und muß immer funktionieren wie es erwartet wird. Bei mir war es soweit das mir und meiner jetzigen Familie massivst gedroht wurde, wenn wir aus dem Haus das wir von meinen Eltern gemietet hatte ausziehe. Aber selbst nach der erfolgten Trennung, ist bis jetzt noch nicht entgültige Ruhe eingekehrt. Bekomme in regelmäßigen abständen immer noch schöne Briefe mit Vorwürfen und verdrehten Tatsachen. So wie es die 😱"ach so undankbare Tochter/Miststück von ihren perfekten Eltern" 😱verdient hat.
 
Liebe Truth,
meine Mutter hat sehr viele Probleme. Sie hatte ebenfalls keine schöne Kindheit (Gewalt, ihr Vater hat viel getrunken), war in einer unglücklichen Ehe. Sie hatte nie die Kraft, sich aus ihren Fesseln zu befreien. Ihre Eltern haben ihr verwehrt Abi zu machen und zu studieren.
All das hat sie an mich weitergegeben. Nur habe ich mich immer gewehrt, was meine Mutter sehr wütend gemacht hat. Sie sah in mir ihr eigenes Scheitern. Da sie aber keine Kritik ertragen kann, muss sie die Verantwortung auf andere abwälzen. Ich habe mich nie einschränken lassen und habe dafür sämtliche Strafen in Kauf genommen. Besonders deutlich war das in der Zeit als ich Abi gemacht habe. Meine Mutter hat sich geweigert, meine Zeugnisse zu unterschreiben, weil sie nicht akzeptiert hat, dass ich nach dem Abi an die Uni will. Sie sagte, ich halte mich für was besseres und schaue nur auf sie herab, weil sie aus einfachen Verhältnissen stammt. (Was nicht stimmt, viele Freunde und Bekannte von mir stammen aus sogenannten „einfachen Verhältnissen“ - ich hatte damit nie ein Problem, sie schon). Eskaliert ist es dann kurz bevor ich angefangen habe zu studieren. Als ich dann in einer anderen Stadt gewohnt habe sagte meine Mutter zu mir: „Ich wünschte, ich hätte es so wie du gemacht. Du hast dich nie beeinflussen oder unterdrücken lassen.“ Dieser Satz hat mir die Augen geöffnet, sie war eifersüchtig, hat mir das was ich hatte, nicht gegönnt. Das ist ein wunder Punkt in unserem Verhältnis, auf den sie immer wieder und wieder zurückkommt. Ganz hart ist für sie jetzt meine Promotion, sie ist eifersüchtig auf meinen Status, versteht aber nicht, dass ich es nicht für den Statut tue, sondern aus Interesse an wissenschaftlicher Arbeit. Sie vertritt nun die Auffassung, sie habe mir alles ermöglicht und sich selbst dafür aufgeopfert. Das erzählt sie all ihren Freunden und Bekannten und lässt sich dafür bewundern. Ich glaube, dass macht recht gut deutlich, was sie für Probleme hat. Sie ist jetzt 50 Jahre alt und all ihr Leben hat sie anderen Menschen die Schuld für ihre verpassten Chancen gegeben: Ihre Eltern haben sie eingeschränkt, meinen Vater hat sie nur geheiratet um nicht mehr bei ihren Eltern wohnen zu müssen, meine Geburt ist schuld, dass sie nie Karriere machen konnte. Ihre Rücksichtslosigkeit rechtfertig sie immer mit dem gleichen Satz: „Mir haben immer alle Steine in den Weg gelegt, jetzt denke ich nur noch an mich.“ Diesen Satz habe ich so viele Male gehört.
Das was Du über die Familienkonstellation schreibst, ist richtig... Es spielt eine große Rolle. Meine Mutter ist eine sehr dominante Frau. Ich habe bisher nicht erlebt, dass es jemandem gelingt, sie in die Schranken zu weisen. Sie putzt andere Menschen gnadenlos runter, oder sie manipuliert sie mit zuckersüßer Stimme. Sie war in ihrem Leben in unserer Familie unglücklich und da sie nicht den Mut hatte, sich zu befreien, hat sie versucht, sich anzupassen. Ich konnte mich nie anpassen und wollte immer da raus. Ich habe ihr also schon in sehr jungen Jahren etwas anderes vorgelebt. Das hat sie als Provokation und Undankbarkeit empfunden.
Sie hat auch oft versucht, mir zu vermitteln, der Rest der Familie sei gegen mich. Da fielen dann solche Sätze wie „Ich hab der Oma erzählt, was Du gemacht hast und sie konnte gar nicht glauben, wie schlimm du bist.“ Oder „Deinen Vater brauchst Du gar nicht um Hilfe zu bitten, für den bist Du schon vor Jahren gestorben.“ Sie wollte mich damit isolieren und ihr Weltbild stützen. Der Rest meiner Familie hatte keinerlei Probleme mit mir. Das ist wirklich hart und sehr krank von ihr. Aber ein Kind denkt, dass seine Eltern Recht haben. Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, dass sie diejenige ist, die unrecht hat.
Meine Oma (die Mutter meines Vaters, sie und meine Mutter haben sich nie verstanden) hat mir vor ein paar Jahren mal gesagt, dass sie immer gemerkt hat wie schlecht meine Mutter mich behandelt hat und dass es ihr Leid tut, dass sie mir nie geholfen hat. Das hat mich echt traurig gemacht, weil es mir im Nachhinein zeigt, mein Leben hätte doch anders verlaufen können. Aus dem gleichen Grund macht es mich oft traurig, bei der Familie von Freunden zu sein, zu sehen, dass nicht überall solche Dinge passieren wie bei mir. Aber diese Gedanken machen einen fertig, das habe ich hinter mir. Es hat mich jahrelang gequält, warum mir das passiert ist. Ich meine, ich kenne natürlich die Gründe und Mechanismen, aber ich habe mich lange Zeit gequält und gemartert um meine Schuld herauszufinden. Das was ich angestellt habe um so bestraft zu werden. Noch heute ist es mir auf eine verrückte Art am liebsten, wenn ich an etwas Schuld bin, denn dann ist die Ursache klar. Naja, ich habe wohl noch einen ziemlichen Schaden aus dieser Vergangenheit, aber da laufen ständig Reparaturarbeiten 😉
Mir geht es ja nicht permanent schlecht, seit einem Jahr hatte ich null Beschwerden. Nur habe ich eben solche Flashbacks, wenn ich mich ihr wieder so unterlegen fühle. Andererseits sind sie auch hilfreich, denn dann arbeite ich immer mehr auf, so wie hier in diesem Gespräch mit Dir, was mir sehr weiterhilft!!
 
Danke Lisa-Stups, wenn ich das so lese, fühle ich mich wieder etwas "normaler" 🙂

Bekomme in regelmäßigen abständen immer noch schöne Briefe mit Vorwürfen und verdrehten Tatsachen. So wie es die "ach so undankbare Tochter/Miststück von ihren perfekten Eltern" verdient hat.
Also ich habe mir vorgenommen, wenn ich hier weggehe, ich keine Angriffsfläche mehr bieten werde. Meine Telefonnummer haben sie nicht mehr, die Postadresse werden sie nicht kriegen. Und die Mails werden aussortiert und dann gelesen, wenn ich es will und wenn ich "stabil" genug bin (klingt jetzt vielleicht blöd, aber wer weiß, was diese Briefe bewirken, der kann das vielleicht nachvollziehen).

Weißt Du, ich wünschte mir nichts so sehr, wie man ein klärendes Gespräch zu führen, wo jeder offen auf den Tisch legen kann, was er denkt und das OHNE ANGST VOR KONSEQUENZEN! Und das ist es vielleicht auch, was ich und die ein oder andere suchen und weswegen wir immer wieder die Annäherung suchen.

Wie gehst Du damit um, wie kommt Deine Familie damit klar? Das ist nämlich auch etwas, woran mir sehr liegt, ich möchte damit nicht meine Beziehung belasten, die ist mir wichtiger als alles andere.
 
Liebe Vienne,
kann gut sein, dass Du vieles ausblendet hast. Das habe ich auch viele Phasen meines Lebens. Ich habe ganz viel verdrängt, dass nur bei näherer Beschäftigung ans Tageslicht kommt. Und das ist ja auch gut so. Wenn Menschen all ihre Kränkungen und Verletzungen immer vor Augen hätte, wären sie kaum fähig zu überleben.
Das mit dem Widerwort leisten ist echt eine Charaktersache. Ich kann einfach nicht still sein. Ich habe eine ziemlich große Klappe und sage was ich denke. Meine Mutter meinte immer, ich akzeptiere keinerlei Autorität. Dabei war es bloß so, dass sie aufgrund ihres Verhaltens keine Respektperson war.

Dann hatte ich das mit der Wohnung falsch verstanden: Sie gehört Deinen Eltern aber ihr seid keine Nachbarn. Das wäre auch schrecklich!!
[FONT=&quot]Ich kenne auch sehr gut dieses Gefühl der Angst vor dem was als nächstes passiert. Wenn dann was passiert ist es halb so schlimm. Denn was etwas passiert ist, kann man reagieren. Aber gegen die Angst ist man machtlos.[/FONT]
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben