Ich finde, diese Begründung ist nur die halbe Wahrheit. Das sind vorgeschobene Gründe, und das weißt du auch.Dass ich schon etwas anderes vorhabe, im Urlaub bin oder was auch immer. Die Feiern finden ja meist nicht am Tag selbst, sondern an einem der Folgewochenenden. Da kann man mir ja keine böse Absicht unterstellen, wenn ich da nicht da bin.
Du erwartest von deinem Vater, dass er deine Gedanken liest. Solche Erwartungen sollte man als selbstbewusster Erwachsener nicht mehr hegen. Ich würde ihm klipp und klar sagen, dass ich nach wie vor über den Ausschluss von der Weihnachtsfeier 2020 sehr enttäuscht bin, vor allem, weil du einfach vor vollendete Tatsachen gestellt wurdest und alle Beteiligten billigend in Kauf genommen haben, dass du aufgrund der Entscheidung deiner Eltern und deines Bruders als einziges Familienmitglied sämtliche Festtage ganz allein verbringen musstest. Du seiest darüber hinaus enttäuscht, dass nicht einmal im Nachhinein ein Hauch von Einsicht vorhanden sei und sich bis heute niemand bei dir entschuldigt habe. Du fühltest dich dadurch zum Sohn 2. Klasse und zum Notnagel degradiert. Da du nach deinem Empfinden nicht als gleichwertiges Familienmitglied gelten würdest, würdest du dich auf Familienfeiern nicht mehr wohl fühlen und ihnen deswegen fernbleiben, solange bei deinen Eltern und deinem Bruder keine Einsicht und kein Bedauern erkennbar und die Angelegenheit nicht durch eine Entschuldigung bereinigt sei. Nach deinem Verständnis von praktiziertem Christentum hätten alleinstehende Menschen denselben Respekt verdient wie Verheiratete und Familienväter oder -mütter.
DAS wäre eine ehrliche und von Selbstbewusstsein zeugende Antwort. So etwas kannst du ja auch schreiben, wenn du es nicht aussprechen möchtest auf die Gefahr hin, dass dein Vater dir sofort lauthals und autoritär ins Wort fällt. Es ist nicht beleidigend, trifft aber den Kern des Konflikts.
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