H
hilaria
Gast
Auch in dem Punkt hast du Recht. Ich hatte mal einen Arbeitskollegen, dessen Vater auch Professor war. Dieser Kollege erzählte mir, er sei mit 18 von zu Hause ausgezogen, weil der Vater immer wieder die Mutter geschlagen hätte. Das bei der Bildung! Aber nach außen wurde laut der Schilderung des Kollegen auch nur die Bilderbuchfamilienfassade gepflegt.
Das ist auch etwas, was einen ganz schnell ganz einsam machen kann. Kindesmissbrauch z.B. gilt in der Öffentlichkeit als ein reines Problem der Unterschicht, was natürlich absolut nicht stimmt. Kommt man aus priviligierten Kreisen und erfährt Missbrauch, egal, welcher Art auch immer, ist es fast unmöglich, sich jemandem anzuvertrauen. Sofort kommt Unverständnis und Verleugnung, als ob man verrückt wäre, auch nur anzudeuten, dass auch in feinen Kreisen Dinge verdammt daneben gehen können. Keine Chance.
Ich habe zwar kaum körperliche Gewalt erlebt, aber seelischer und verbaler Missbrauch war an der Tagesordnung und hat über Jahre hinweg stattgefunden. Die geringste Andeutung darüber stößt in der Umwelt augenblicklich auf totale Abwehr, da rennt man gegen eine Wand! Wer aus angesehenen Verhältnissen kommt, ist mit Missbrauchserlebnissen hoffnungslos alleine. Die Wand der Vorurteile ist stärker als jede Gefängnismauer.