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Wie viele Kontakte habt ihr im Real Life ?

Oder aber man empfindet das nur als Prahlerei, weil es einem selbst so schwer fällt diese Dinge zu tun, während es denjenigen, die damit keine bis kaum Probleme haben, einfach völlig normal vorkommt und sie gar nicht auf die Idee kommen, dass das andere verletzen könnte, wenn sie davon erzählen.
Aber wenn man von einem Menschen weiß, dass er seit Jahren ziemlich schwere private Sorgen hat (was die erwähnten Cousinen ja über mich wissen), und wenn man sich zumindest denken kann, dass da auch kein nennenswerter Freundeskreis ist, der diesen Menschen "moralisch" oder sonstwie unterstützt, dann müsste sich meines Erachtens jeder, der einigermaßen Herzensbildung hat, denken können, dass ausführliche Erzählungen über das ach so harmonische eigene Familienleben (in das der "beladene" Mensch aber nicht einbezogen wird!), den Riesenfreundeskreis und die häufigen, supertollen Familien- und Paarurlaube gegenüber einem solchen Menschen einfach unangebracht sind. Das kann einen Menschen, der sein Päckchen zu tragen hat, doch nicht aufbauen, sondern macht ihn nur noch trauriger (Motto: "Schau her, wie gut es mir im Gegensatz zu dir geht!").

Mir bräuchte das jedenfalls keiner zu sagen, dass das taktlos ist, mein Einfühlungsvermögen reicht für so etwas aus. Ich lasse gegenüber einer meiner Cousinen, die finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist, ja auch nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit durchblicken, dass ich bedeutend besser verdiene als sie und mir entsprechend mehr leisten kann. Ich finde so etwas armselig und schäbig, das gehört sich einfach nicht!
 
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Aber wenn man von einem Menschen weiß, dass er seit Jahren ziemlich schwere private Sorgen hat (was die erwähnten Cousinen ja über mich wissen), und wenn man sich zumindest denken kann, dass da auch kein nennenswerter Freundeskreis ist, der diesen Menschen "moralisch" oder sonstwie unterstützt, dann müsste sich meines Erachtens jeder, der einigermaßen Herzensbildung hat, denken können, dass ausführliche Erzählungen über das ach so harmonische eigene Familienleben (in das der "beladene" Mensch aber nicht einbezogen wird!), den Riesenfreundeskreis und die häufigen, supertollen Familien- und Paarurlaube gegenüber einem solchen Menschen einfach unangebracht sind. Das kann einen Menschen, der sein Päckchen zu tragen hat, doch nicht aufbauen, sondern macht ihn nur noch trauriger (Motto: "Schau her, wie gut es mir im Gegensatz zu dir geht!").

Mir bräuchte das jedenfalls keiner zu sagen, dass das taktlos ist, mein Einfühlungsvermögen reicht für so etwas aus. Ich lasse gegenüber einer meiner Cousinen, die finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist, ja auch nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit durchblicken, dass ich bedeutend besser verdiene als sie und mir entsprechend mehr leisten kann. Ich finde so etwas armselig und schäbig, das gehört sich einfach nicht!
ich glaube, dass viele einfach gedankenlos und empathielos sind. Das klingt womöglich menschenverachtend, aber das hat ja selbst mein Therapeuit gemeint, dass man halt generell nicht zu viel erwarten sollte. :mad:
 
ich glaube, dass viele einfach gedankenlos und empathielos sind. Das klingt womöglich menschenverachtend, aber das hat ja selbst mein Therapeuit gemeint, dass man halt generell nicht zu viel erwarten sollte. :mad:
Wenn's nicht so traurig wäre, könnte man schon fast darüber lachen: Auf der einen Seite haben angeblich alle "wahnsinnig" viele "Freunde", die für sie durchs Feuer gehen, die ihnen die tollsten Überraschungspartys ausrichten und die sie mitten in der Nacht anrufen können. Auf der anderen Seite raten einem selbst Therapeuten, dass man nicht zu viel von seinen Mitmenschen erwarten sollte. Wie passt das zusammen? Freunde oder Verwandte, von denen man nichts erwarten kann, außer, dass sie sich höchstens einmal im Jahr melden und einem noch die Tageszeit entbieten? Da ist es ja weit genug gekommen!

Die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen ist mittlerweile so mies geworden, dass man meines Erachtens getrost auf diese ganzen Pseudo-Freundschaften und alle Schaltjahre einmal Freundlichkeit und Interesse heuchelnden Verwandten verzichten kann. "Tach" zueinander sagen und etwas Smalltalk machen kann ich auch mit der Kassiererin im Supermarkt. 😎

Wenn ich sowieso kaum noch was von anderen Menschen erwarten darf, dann brauche ich auch keinen engeren Kontakt mehr zu ihnen. Dann reicht es, zwischenmenschlichen Kontakt auf das Mindestmaß zu beschränken, das zum Leben und Überleben notwendig ist.
 
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Wenn's nicht so traurig wäre, könnte man schon fast darüber lachen: Auf der einen Seite haben angeblich alle "wahnsinnig" viele "Freunde", die für sie durchs Feuer gehen, die ihnen die tollsten Überraschungspartys ausrichten und die sie mitten in der Nacht anrufen können. Auf der anderen Seite raten einem selbst Therapeuten, dass man nicht zu viel von seinen Mitmenschen erwarten sollte. Wie passt das zusammen? Freunde, von denen man nichts erwarten kann, außer, dass sie sich höchstens einmal im Jahr melden und einem noch die Tageszeit entbieten? Da ist es ja weit genug gekommen!

Die Qualität zwisachenmenschlicher Beziehungen ist mittlerweile so mies geworden, dass man meines Erachtens getrost auf diese ganzen Pseudo-Freundschaften und alle Schaltjahre einmal Freundlichkeit und Interesse heuchelnden Verwandten verzichten kann. "Tach" zueinander sagen und etwas Smalltalk machen kann ich auch mit der Kassiererin im Supermarkt. 😎

Na, ich habe schon Menschen, mit denen es läuft; aber das hat teilweise Jahre gedauert, damit diese Kontakte das jetzige Niveau haben. 🙂

Aber ich würde bei Verwandtschaft auch nicht viel erwarten. Meine eigene ist ne Katastrophe... n super-GAU lol... vielfach werden ja auch in der Familie nur Feste, Einladungen usw. des Anstandes wegen praktiziert. 🙁
Ich kann auf so was verzichten.
--> nächste Option: entweder alleine oder Wahlverwandtschaft 😀

Ich lungere aber eben auch viel alleine rum, weil ich meine "besseren Kontakte" nicht alle in Reichweite habe und nun eben auch mit Arbeitslosengeld II rumkrebse usw. ---
 
entweder alleine oder Wahlverwandtschaft 😀
Scheint mir auch das Gescheiteste zu sein. Solange man überhaupt noch Menschen hat, mit denen man mal ein paar Worte wechseln kann, sollte es einem eigentlich schon genügen. Wenn man im realen Leben zufällig Menschen findet, mit denen man sich richtig gut versteht und zu denen man Vertrauen haben kann, ist das natürlich ein großes Glück, für das man dankbar sein sollte. Aber ich würde mich nach den Erfahrungen, die ich im Laufe vieler Jahre mit diversen Leuten gemacht habe, nie mehr aktiv oder gar krampfhaft um mehr Nähe zu anderen Menschen bemühen.
 
Scheint mir auch das Gescheiteste zu sein. Solange man überhaupt noch Menschen hat, mit denen man mal ein paar Worte wechseln kann, sollte es einem eigentlich schon genügen. Wenn man im realen Leben zufällig Menschen findet, mit denen man sich richtig gut versteht und zu denen man Vertrauen haben kann, ist das natürlich ein großes Glück, für das man dankbar sein sollte. Aber ich würde mich nach den Erfahrungen, die ich im Laufe vieler Jahre mit diversen Leuten gemacht habe, nie mehr aktiv oder gar krampfhaft um mehr Nähe zu anderen Menschen bemühen.

Was ich bei dir erstaunlich finde ist, dass du ja wirklich zu vielen Themen gescheit was sagen kannst. Dass sich da keiner finden soll, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen. Meine Mitbewohnerin ist ja altersmäßig nicht so weit von dir entfernt und kann sich auch relativ viel über alle möglichen Themen auslassen, hat z.T. sogar nen eher maskulinen Touch usw. die hat irgendwie null Probleme, an Leute iwie ranzukommen, obwohl man sie sowohl optisch als auch von den Interessen und vielen Charakterzügen her eher randständig einstufen würde. Das sagt sie sogar selbst.
Sie geht, was Beziehung angeht, eher vor wie das bei Männern üblich ist. Sie will keine mehr und hat ihre Toyboys quasi. 😉 Keine Sorge, sie ist weniger schlimm, als man denkt... Ihr ist es latte, was andere Leute machen. Dass ich eher abstinenter lebe und auch insgesamt deutlich weniger beruflich wie privat aktiv bin, macht ihr auch nichts. 😀

Von dem her.

Ich kenne schon viele Leute, die ich krass finde irgendwo und die definitiv keine Probleme haben. Kenne auch 2 Männer, die n ernstes Alkoholproblem haben und dennoch verpartnert sind und auch sozial nicht komplett auf der einsamen Schiene fahren.
Woran liegt das nun???!!!

Tja, ich selbst hänge irgendwo mehr dazwischen. Mein Problem ist tendenziell, dass ich oft mich in die Therapeutenrolle rücke bzw. auch rücken lasse... diese Asymmetrie in den Kontakten ist nicht gut. Bin ja schon dabei, das zu ändern.

Was ich dir weiterhin empfehlen würde ist, dass du dich nicht zwanghaft anpasst. Denke dir einfach: du bist nicht geboren, um es anderen recht zu machen. Vielleicht kriegst du mit ner LMAA-Haltung ne andere Ausstrahlung...
Weißt, seitdem ich nicht mehr so maßlos versuche, Leute von mir zu überzeugen, nicht mehr so zwanghaft auf der Kontaktsuche bin, wird's besser.

Niemand will das Gefühl haben, dass man selbst bedürftig ist. Selbst wenn man es ist. Man sollte versuchen, das irgendwie in den Griff zu kriegen, ein eigenes Leben zu haben etc.
Das meinte im Übrigen auch mein Therapeut damit.

Um das Weitere vom Therapeuten noch mal zu segmentieren. Er sieht Partnerschaft und Freundschaft als Bonus zum Leben. Mehr nicht. Bzw. wenn Kontakte sich entwickelt und verfestigt haben, kann man i.d.R. mehr erwarten; aber man darf nicht von vornherein so eine Erwartungshaltung haben und Messlatte anlegen, als ob man direkt vom Gerade Kennen in den Freundschaftlichen Kontakt übergeht. Da gibt es sehr viele Nuancen dazwischen und ein Kontakt braucht auch einiges an Entwicklungsarbeit und v.a. auch an Situationen, wo er sich bewährt. Dazu würden neben guten Gesprächen und Lachen, auch Unternehmungen, Trostsituationen, dass man für jemanden einsteht und ihn verteidigt usw. zählen.
Man ist nicht automatisch super-dicke befreundet, nur weil man sich mag und weil beide Literatur und Schach mögen z.B. Irgendwann merkt und weiß man, das ist Freundschaft.

Verdammte Axt, ich habe 27 Jahre gebraucht, um DAS zu kapieren. Ich dachte auch immer, man hätte dann irgendwie schnell ne Freundschaft, sobald der Kontakt einigermaßen besteht.

Mittlerweile bewerte und kategorisiere ich insgesamt weniger.
Ich habe halt mit Menschen Kontakt, man redet, macht was, hilft sich usw... aber ich wiege jetzt nicht ständig auf oder mache Milchmädchenrechnungen oder sonstiges.
Na ja, vielleicht mache ich oft für andere schon mehr als sie für mich; aber damit muss dann ja ich irgendwie klar kommen. *rofeli*

Ehrlich gesagt, mich juckt es nicht, wenn mir die Leute von ihren Beziehungen, Freundeskreisen erzählen. sollen die doch alle machen, denke ich mir. Wenn es persönlich bei mir alles so nicht passt, dann ist das so. Missgunst und Neid bringen nichts. Genauso wenig wie es einem persönlich gut tut, sich immer nur daran aufzureiben, was man nicht hat. Defizit- und Mangelperspektive ist definitiv nicht gut. Ich habe mich ca. 26 Jahre wie der reine Mangel gefühlt, bis mich mal Leute darauf aufmerksam gemacht haben.

Du bist nicht weniger wert, nur weil es sozial und partnerschaftlich nicht immer bombig läuft. Gerade bei Letzterem läuft bei mir auch nicht wirklich viel. 😉 Well, is that so. Ich behaupte ja immer, dass es Quatsch ist, das so überzustilisieren, wenn es einfach nichts Gescheites gibt, was da passen könnte... und es ist nun mal so, dass es Menschen gibt, wo weniger passt. Dazu zähle ich mich auch. 😀 Ist keine Schande. Es ist ja erst mal schwierig, überhaupt jemanden zu finden, der einen einigermaßenen Level hat - so wie ich ihn mir vorstelle. d.h. nicht, dass das zwingend n Akademiker sein muss, aber ich setze z.B. schon voraus, dass derjenige sozial ist, mit Behinderung/Krankheit/Armut usw. klar kommt, dass er über ein gewisses Maß an Empathie und Verständnis verfügt, ehrlich ist usw. 😀 Ja okay, da habe ich auch gewisse Erwartungen; aber ich differenziere ganz klar zw. Partnerschaft und normalen freundschaftlichen Kontakten. Mit nem Partner würde man womöglich zusammenleben und da soll es ja nicht dauernd nur knallen, oder?! Ich kann ansonsten über recht vieles hinwegsehen, was Optik angeht, aber beim Partner setze ich so Charakterliches schon wirklich voraus. Humor finde ich ansonsten auch wichtig... 😀
 
Ich habe einen recht fest abgesteckten Bekannten- und Freundeskreis. Da kommt auch nicht häufig jemand dazu, weil ich keine Hobbies habe, die man im Verein ausübt, oder gut darin wäre, auf Leute zuzugehen.
Vier gute Freunde, ein paar (~ 6-8) Freunde "von früher" und viele Bekannte. Auch Bekannte, mit denen ich zwangsläufig Zeit verbringe, ohne sie jemals wirklich besser kennenzulernen - da hat's dann halt einfach nicht so 'gefunkt', dass es für eine Freundschaft gereicht hätte. Oder jemals reichen würde.
 
Wenn's nicht so traurig wäre, könnte man schon fast darüber lachen: Auf der einen Seite haben angeblich alle "wahnsinnig" viele "Freunde", die für sie durchs Feuer gehen, die ihnen die tollsten Überraschungspartys ausrichten und die sie mitten in der Nacht anrufen können. Auf der anderen Seite raten einem selbst Therapeuten, dass man nicht zu viel von seinen Mitmenschen erwarten sollte. Wie passt das zusammen? Freunde oder Verwandte, von denen man nichts erwarten kann, außer, dass sie sich höchstens einmal im Jahr melden und einem noch die Tageszeit entbieten? Da ist es ja weit genug gekommen!

Die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen ist mittlerweile so mies geworden, dass man meines Erachtens getrost auf diese ganzen Pseudo-Freundschaften und alle Schaltjahre einmal Freundlichkeit und Interesse heuchelnden Verwandten verzichten kann. "Tach" zueinander sagen und etwas Smalltalk machen kann ich auch mit der Kassiererin im Supermarkt. 😎

Wenn ich sowieso kaum noch was von anderen Menschen erwarten darf, dann brauche ich auch keinen engeren Kontakt mehr zu ihnen. Dann reicht es, zwischenmenschlichen Kontakt auf das Mindestmaß zu beschränken, das zum Leben und Überleben notwendig ist.

Diese Erfahrung habe ich auch wieder gemacht. Der Therapeut sprach davon, ich solle optimistisch sein, und im gleichen Atemzug kam, ich würde von den Leuten zuviel erwarten. Wie soll ich optimistisch sein, wenn ich nichts erwarten darf? Ich glaube, da merken die Leute gar nicht, dass da was nicht zusammenpasst, dass einem hier die Quadratur des Kreises abverlangt wird.

Und die Qualität der zwischenmenschlichen Kontakte ist wirklich auf das unterste Niveau gesunken, wie soll man da noch was aufbauen? Mit einem minderwertigen Baumaterial kann ich keine Schlösser bauen. (Ich sage ausdrücklich nicht, dass die Menschen minderwertig sind, sondern die Qualität der Beziehungen ist es.)

Und bei familiären Beziehungen muss ich zugeben, dass die nur deshalb existieren, weil ich da nicht ausbrechen kann. Wenn die Eltern nicht die Eltern wären und nicht in dieser unkündbaren Beziehung stünden, dann wäre da garantiert auch schon lange nichts mehr. Auch da hat es sehr viel Leid und Enttäuschungen gegeben, aber da man aufeinander angewiesen war, beidseitig, blieb die Beziehung bestehen. Auch die Schwiegereltern würde ich nie und nimmer freiwillig besuchen, wenn ich nicht aufgrund meiner Ehe dazu gezwungen wäre. So sieht das also mit den familiären Kontakten aus.

Mein Familienleben zu verherrlichen, das wäre wirklich eine Farce. Und dass da die Gene irgendwie aneinander binden, das halte ich für einen Witz. Es sind die nüchternen Zwänge des Lebens, die die Familie zusammenhalten. Nichts weiter...
 
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Was ich bei dir erstaunlich finde ist, dass du ja wirklich zu vielen Themen gescheit was sagen kannst. Dass sich da keiner finden soll, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich aufgrund meiner Vollzeitberufstätigkeit mit 41-Stunden-Woche (Überstunden kommen ja noch hinzu) während der Woche gar keine Zeit habe, mich groß um Kontakte außerhalb des Berufs zu kümmern. Werde aber auch von anderen nicht kontaktiert. Am Wochenende bin ich oft froh, wenn ich meine Ruhe habe und einfach nur abhängen kann. Die privaten Sorgen (Schwester, Hausversteigerung) führen sicher nicht dazu, dass ich eine unbeschwerte Ausstrahlung habe, die andere Menschen anzieht. Vielseitige Interessen (und uncoole Hobbys wie klassische Musik und Literatur) nutzen einem nichts, wenn man dabei eher ernst wirkt und nicht ständig einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Das liegt mir aber nun mal nicht. Absolute Unsportlichkeit und Äußerlichkeiten wie deutliches Übergewicht mögen auch noch erschwerend hinzukommen. Allerdings hatte ich auch früher, als ich Normalgewicht bzw. nur leichtes Übergewicht hatte, eher wenige Kontakte.

Auch ist es schwierig, sich in eine der üblichen sozialen Gruppen einzupassen, wenn man unverheiratet ist und keine Kinder hat. Leute mit ähnlichem beruflichem Status wie meinem sind meist zumindest verheiratet, wenn sie schon keine Kinder haben, pflegen ihre Renommierbekanntschaften und Angeberhobbys, haben ihr familiäres Umfeld etc.

Was ich dir weiterhin empfehlen würde ist, dass du dich nicht zwanghaft anpasst. Denke dir einfach: du bist nicht geboren, um es anderen recht zu machen. Vielleicht kriegst du mit ner LMAA-Haltung ne andere Ausstrahlung... Weißt, seitdem ich nicht mehr so maßlos versuche, Leute von mir zu überzeugen, nicht mehr so zwanghaft auf der Kontaktsuche bin, wird's besser.
Das dürfte der springende Punkt sein. Ich versuche wohl zu sehr, andere von mir zu überzeugen. Womöglich auch im Beruf, dabei habe ich ja eine sichere Position und verdiene im Grunde auch jetzt schon genug, es geht eigentlich nur noch um ein Sahnehäubchen. Aufwand und Nutzen stehen dann irgendwann nicht mehr im Verhältnis zueinander. Schleimerei und Selbstdarstellung haben mir noch nie gelegen. Auch in der Verwandtschaft habe ich den Fehler gemacht, mich zu sehr an deren vermeintliche Erwartungen anzupassen, der zu nichts, aber auch gar nichts geführt hat. LMAA ist da wohl eher angebracht.

Um das Weitere vom Therapeuten noch mal zu segmentieren. Er sieht Partnerschaft und Freundschaft als Bonus zum Leben. Mehr nicht.
Das stimmt. Mit dieser Einstellung ist es dann auch nicht weiter schlimm, wenn man keine Partnerschaft und keine Freunde hat. Muss man anderen ja auch nicht genauestens auf die Nase binden. Wichtig ist nur, dass man überhaupt halbwegs regelmäßig (wie z.B. im Beruf oder bei einem Hobby) mit Menschen ein paar Worte wechseln kann und nicht tage- oder wochenlang am Stück völlig isoliert ist und am Ende nur noch Selbstgespräche führt und dann wirklich wunderlich wird. 😉

Du bist nicht weniger wert, nur weil es sozial und partnerschaftlich nicht immer bombig läuft.
Da hast du Recht. Es ist nur schade, dass einem die Gesellschaft ständig was anderes suggeriert. Jedenfalls, wenn man das Gefühl haben will, "richtig" dazuzugehören und nicht nur an der Peripherie zu leben. Da ist es nicht einfach, nie an seinem Selbstwert zu zweifeln.

Bei anderen Menschen, die keine oder wenige Kontakte haben, denke ich allerdings auch nicht, dass die weniger wert sind, sondern eher, wer weiß, was die für Sorgen oder für Schicksalsschläge oder Enttäuschungen hinter sich haben. Ich würde nie denken, dass die wohl selbst schuld sein müssen oder irgendwie komisch und minderwertig sind.
 
Aber wenn man von einem Menschen weiß, dass er seit Jahren ziemlich schwere private Sorgen hat (was die erwähnten Cousinen ja über mich wissen), und wenn man sich zumindest denken kann, dass da auch kein nennenswerter Freundeskreis ist, der diesen Menschen "moralisch" oder sonstwie unterstützt, dann müsste sich meines Erachtens jeder, der einigermaßen Herzensbildung hat, denken können, dass ausführliche Erzählungen über das ach so harmonische eigene Familienleben (in das der "beladene" Mensch aber nicht einbezogen wird!), den Riesenfreundeskreis und die häufigen, supertollen Familien- und Paarurlaube gegenüber einem solchen Menschen einfach unangebracht sind. Das kann einen Menschen, der sein Päckchen zu tragen hat, doch nicht aufbauen, sondern macht ihn nur noch trauriger (Motto: "Schau her, wie gut es mir im Gegensatz zu dir geht!").

Mir bräuchte das jedenfalls keiner zu sagen, dass das taktlos ist, mein Einfühlungsvermögen reicht für so etwas aus. Ich lasse gegenüber einer meiner Cousinen, die finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist, ja auch nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit durchblicken, dass ich bedeutend besser verdiene als sie und mir entsprechend mehr leisten kann. Ich finde so etwas armselig und schäbig, das gehört sich einfach nicht!

Du hast da eben mehr Format als die anderen, und wahrscheinlich bist du auch sensibler und feinfühliger. Das ist immer schwer, mit Feinfühligkeit zu leben. Die anderen werden sich nicht ändern, nie, das erwarte nie und nimmer. Da kommt keine Einsicht. Egal, was du sagst, wie du reagierst, es wird nichts ändern. Du musst sowas akzeptieren, das ging mir auch nicht anders. Ich habe heute eine große innere Distanz zu den meisten Menschen, und das war mein Rettungsanker. Das war das einzige, was mir am Ende geholfen hat. Das war mein Überleben.

Diese innere Distanz, die wünsche ich dir von ganzem Herzen. Ich wünsche dir, dass dich sowas einfach nicht mehr berührt. Irgendwo hattest du erwähnt, du hättest einen Freund. Ich hoffe so sehr für dich, dass dieser dir eine echte Stütze ist und sich deiner würdig erweist.
 

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