Zwangsläufig einige, wäre mir aber lieber gänzlich ohne.
Wer braucht schon "Freunde"?
Und wozu?
Das scheinen keine Freunde zu sein, die Du meinst. Eher Kollegen / Bekannte. Freundschaft ist stets freiwillig und gewolllt.
Wie reagiert ihr eigentlich, wenn irgendwelche Angeber/innen im Beruf oder in eurer Verwandtschaft euch von ihren Riesenpartys mit 100 oder mehr Gästen vorschwärmen? Ich höre mir das bislang einfach kommentarlos an, in der Hoffnung, dass so am schnellsten wieder das Thema gewechselt wird. Und ihr?
Besonders in der Familie höre ich dergleichen oft. Grade bei den Stichworten Feier und Freunde muss ich an meine eigene Hochzeit vor einem knappen halben Jahr zurückdenken. Anzahl der Gäste: 0. Sicher hätte ich meine Familie und Verwandtschaft dabeihaben können, aber ich möchte gar nicht wissen, wie viele Kommentare in dieser Richtung dann gekommen wären, weil sonst kein Mensch da gewesen wäre.
🙄 (Zudem bin ich da sehr pragmatisch, ein zauberhafter Hochzeitstag oder eine Eheurkunde hätte ich weder gewollt noch benötigt um zu lieben, das kann ich auch ohne gut, also war der Antrieb eher steuerlicher Art.)
Aber zurück zu der Frage, wie ich reagiere: Genauso wie Du. Taktlos ist das bei gewissen Personen bestimmt, weil bei ihnen ein stilles "weshalb bist Du nur so alleine" stets mitschwingt und ich mich dümmer stellen muss als ich bin um diesen stillen Lärm zu überhören. Gerade in meiner engsten Familie, die schon immer diesen Druck auf mich ausübte, muss ich diesen Lärm schweigend hinnehmen.
Wenn ich solche Reden aber von Verwandten / anderen Personen höre, denke ich mir aber gar nicht einmal viel, weil ich grundsätzlich davon ausgehe, dass mir niemand damit vor den Kopf stoßen will (und auch nicht unbedingt gleich jeder ahnt, wie zurückgezogen ich lebe). Die Menschen sind generell achtlos und unbekümmert und zu 90% möchte niemand taktlos sein oder durch solche Äußerungen jemanden verletzen, auch Dich nicht.
Naiv gedacht: Vielleicht möchte derjenige schlichtweg seine Freude zum Ausdruck bringen. Etwas gesellschaftlicher gedacht: Freunde sind ein Statussymbol ähnlich Autos und Karriere, bemerkenswerterweise und weil es einfacher mitzuteilen ist zählt bei Freunden die bloße Anzahl, nicht die Tiefe und Wertigkeit. "Ich habe so viele Gäste / Freunde ..." hört sich 'da draußen' besser an als "ich habe ein paar so gute Freunde", was wie gesagt ein interessantes Phänomen ist, denn besser ist es nicht (und ich kann mir kaum vorstellen, dass es für die meisten wirklich besser wäre).
Du musst Dir auch vor Augen halten dass Leute, die mit ihrer Freundesanzahl hausieren gehen, diese damit in gewisse Weise "verramschen", und das lässt wiederum auf deren Wertigkeit schließen. Viele Leute haben auch das starke Bedürfnis, öfter oder ab und an wegzugehen und das am liebsten in Begleitung, diese Personen erhalten dann den Titel "Freunde". Wer keine große Freude am Weggehen hat der benötigt diese Art Freunde dann auch nicht.
Persönlich kann ich nur sagen, hätte ich sagen wir zwei wirkliche Freunde, wäre ich ausgefüllt und hätte in meinem Kopf und Herzen keinen Platz mehr für weitere, weil ich eben auch viel Wert auf Stille und eine gewisse Zurückgezogenheit lege. Quantität geht zu Lasten der Qualität. Je mehr Stücke man aus einem Kuchen schneiden will, desto magerer werden sie. Es ist also alles eine Frage des Bedürfnisses. Wer von seinen 20 engsten Freunden spricht lässt durchblicken, dass der Bedarf an Tiefgang und Seelenverwandtschaften eben nicht so ausgeprägt ist. Das kann jeder halten wie er möchte. Je höher der Anspruch, desto weniger Personen bleiben übrig.
Und ich habe beide Extreme erlebt und empfinde es als richtiger, als ehrlicher, so zu leben, wie ich es jetzt tue.
Und noch ein Gedanke: Ich wurde wie gesagt mit diesem Druck erzogen, daher finde ich es angenehm hier so offen sprechen zu können und ja, es bringt mich sogar zum Lächeln hier so ehrlich über meine eilige stille Hochzeit zu schreiben. Einfach ausbrechen zu können aus meiner Erziehung und offen sagen zu können: Ja, so war es. Und gut war es.