Vielleicht liegt es auch daran, dass ich aufgrund meiner Vollzeitberufstätigkeit mit 41-Stunden-Woche (Überstunden kommen ja noch hinzu) während der Woche gar keine Zeit habe, mich groß um Kontakte außerhalb des Berufs zu kümmern. Werde aber auch von anderen nicht kontaktiert. Am Wochenende bin ich oft froh, wenn ich meine Ruhe habe und einfach nur abhängen kann. Die privaten Sorgen (Schwester, Hausversteigerung) führen sicher nicht dazu, dass ich eine unbeschwerte Ausstrahlung habe, die andere Menschen anzieht. Vielseitige Interessen (und uncoole Hobbys wie klassische Musik und Literatur) nutzen einem nichts, wenn man dabei eher ernst wirkt und nicht ständig einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Das liegt mir aber nun mal nicht. Absolute Unsportlichkeit und Äußerlichkeiten wie deutliches Übergewicht mögen auch noch erschwerend hinzukommen. Allerdings hatte ich auch früher, als ich Normalgewicht bzw. nur leichtes Übergewicht hatte, eher wenige Kontakte.
Also, meine Berufswünsche haben sich nicht erfüllt, ich habe immer gedacht, wenn ich einen Beruf hätte, dann wäre ich mehr angesehen und könnte besser mit den Leuten draußen zurechtkommen, zumal heutzutage der Beruf ja einen sehr hohen Stellenwert hat. Vielleicht ist das auch eine Täuschung meinerseits gewesen... Ich bin auch nicht sportlich in dem Sinne, habe aber eine Idealfigur, aber auch die Idealfigur ändert absolut nichts an der Situation, in puncto soziale Beziehungen sieht es bei mir nicht anders aus. Meine Interessen an wissenschaftlichen Fragen haben mich in den Zwanzigern noch mit Leuten verbunden, aber seit meiner Eheschließung ist das anders geworden. Das Leben hat sowas zerrieben (nicht die Schuld des Partners!)
Auch ist es schwierig, sich in eine der üblichen sozialen Gruppen einzupassen, wenn man unverheiratet ist und keine Kinder hat. Leute mit ähnlichem beruflichem Status wie meinem sind meist zumindest verheiratet, wenn sie schon keine Kinder haben, pflegen ihre Renommierbekanntschaften und Angeberhobbys, haben ihr familiäres Umfeld etc.
Kinderlose Menschen gibt es heute sehr viele. In meinem Umfeld sind alle kinderlos, darüber bin froh, wenigstens eine Gemeinsamkeit. Es ist wunderbar, eine glückliche Ehe zu führen, dafür bin ich dem Schicksal sehr dankbar, aber die Vorstellung, dadurch in der Gesellschaft besser integriert zu sein, hat sich für mich als Illusion erwiesen. Seit ich verheiratet bin, stehe ich genauso isoliert und am Rand wie vorher, werde genauso ausgegrenzt, übergangen, links liegengelassen. Oft ist da wohl auch so etwas wie Neid auf meine glückliche Ehe, wie du es ja auch in Bezug auf deinen Beruf erfährst. Auch Beruf und Ehe/Familie dürften also keine Patentrezepte sein.
Das dürfte der springende Punkt sein. Ich versuche wohl zu sehr, andere von mir zu überzeugen. Womöglich auch im Beruf, dabei habe ich ja eine sichere Position und verdiene im Grunde auch jetzt schon genug, es geht eigentlich nur noch um ein Sahnehäubchen. Aufwand und Nutzen stehen dann irgendwann nicht mehr im Verhältnis zueinander. Schleimerei und Selbstdarstellung haben mir noch nie gelegen. Auch in der Verwandtschaft habe ich den Fehler gemacht, mich zu sehr an deren vermeintliche Erwartungen anzupassen, der zu nichts, aber auch gar nichts geführt hat. LMAA ist da wohl eher angebracht.
Sich fertig zu machen für die Erwartungen anderer führt zu nichts. Im Gegenteil, man bleibt als A**** mit Ohren auf der Strecke. LMAA kann ich da nur unterstreichen.
Das stimmt. Mit dieser Einstellung ist es dann auch nicht weiter schlimm, wenn man keine Partnerschaft und keine Freunde hat. Muss man anderen ja auch nicht genauestens auf die Nase binden. Wichtig ist nur, dass man überhaupt halbwegs regelmäßig (wie z.B. im Beruf oder bei einem Hobby) mit Menschen ein paar Worte wechseln kann und nicht tage- oder wochenlang am Stück völlig isoliert ist und am Ende nur noch Selbstgespräche führt und dann wirklich wunderlich wird. 😉
Was denkst du, warum meine Mutter und ich noch Kontakt pflegen? Wenigstens ein paar Worte hin und wieder. Ich habe es nötig und sie wohl auch. So krass würde ich das aber nur hier im Forum eingestehen. So krass und so ehrlich... Aber ich bin ja mal vom Alkohol losgekommen vor langen Jahren, und das schafft man nur, wenn man schonungslos ehrlich zu sich ist. Ohne diese schonungslose Ehrlichkeit mir selbst gegenüber wäre ich zerbrochen.
Da hast du Recht. Es ist nur schade, dass einem die Gesellschaft ständig was anderes suggeriert. Jedenfalls, wenn man das Gefühl haben will, "richtig" dazuzugehören und nicht nur an der Peripherie zu leben. Da ist es nicht einfach, nie an seinem Selbstwert zu zweifeln.
Scheiß drauf, was die Gesellschaft dir suggeriert, das ist genauso ein Müll wie die Werbung. Ich sage mir immer, wir leben alle an der Peripherie und da in der Mitte, da ist in Wirklichkeit nichts, gar nichts. Diese Erkenntnis hat mich befreit.
Bei anderen Menschen, die keine oder wenige Kontakte haben, denke ich allerdings auch nicht, dass die weniger wert sind, sondern eher, wer weiß, was die für Sorgen oder für Schicksalsschläge oder Enttäuschungen hinter sich haben. Ich würde nie denken, dass die wohl selbst schuld sein müssen oder irgendwie komisch und minderwertig sind.