Ich würde nicht von einer Sucht, sondern von einem normalen und gesunden Bedürfnis sprechen. Wir Menschen sind ja schliesslich soziale Wesen.
Letztlich kann vieles im Leben einen Suchtcharakter haben. Es ist doch die Frage, wie sehr man sich und sein Leben davon abhängig macht. Und nicht die Frage, ob es gesellschaftlich akzeptiert wird, oder ob alle es machen. Es spielt im Grunde noch nicht einmal eine Rolle, ob man sich damit schadet, oder nicht.
Lebensbedingungen können sich auch ändern. Wenn ich selbständig bin, und mein Leben ganz meiner Firma widme, kann das gut gehen. Es sei denn, meine Firma geht pleite, oder meine Frau verläßt mich, oder ich weiß nicht was. Und plötzlich stehe ich da, und habe nur noch meine Firma, oder gar nichts mehr.
Genauso kann eine Sehnsucht - und das steckt wirklich schon im Wort - mehr oder weniger Suchtcharakter haben. Wenn ich mein Leben aufgrund einer unerfüllten Sehnsucht stark vernachlässige, dann läuft doch etwas falsch.
Ich weiß, dass ich in der Vergangenheit zu sehr auf eine Partnerschaft fixiert war. Ich wußte es viele Jahre, mußte halt schauen, wie ich damit lebe.
Wobei ich so etwas, wie ein paralleles Gegenteil zu mad scientist bin. Parallel, weil ich mein Leben stark von einer Partnerschaft (und evtl auch Familie) abhängig gemacht habe. Weil das Ende meiner letzten Partnerschaft mich ganz aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Ich daraufhin nur noch notdürftig gelebt habe, das Interesse an mir und meinem Leben verloren habe, mein Privatleben eingestellt habe, und jahrelang darauf gewartet habe, dass es sich wieder ändert, normal wird, es hatte doch früher einmal irgendwie geklappt. Und Gegenteil, weil mad scientist meinte, sie suche in Partnerschaft und Familie etwas, was sie als Kind nie hatte, während es bei mir umgekehrt war. Ich habe etwas gesucht, was ich als Kind immer hatte, worauf ich geradezu ausgerichtet worden bin. Das führt im Vergleich zur Geschichte von mad scientist zu einigen Unterschieden, läuft aber in dieselbe Richtung.
Und mad scientist, Aussehen und Kleidung spielen bei der Partnerwahl eine Rolle, aber es gibt noch viele andere Aspekte.
Nimm doch einmal an, Du hättest ein Hobby. Und Du wärst auf der Suche nach anderen Menschen, die dasselbe Hobby haben. Du erkundigst Dich, und erfährst, dass es verschiedene Foren gibt, und Du schaust Dir diese Foren an. Worauf würdest Du dabei achten?
Sicher spielt es für Dich eine Rolle, wie der erste Eindruck ist. Ein gut strukturiertes Forum erleichtert zum Beispiel den Einstieg. Aber ist das alles? Für mich spielt zum Beispiel eine Rolle, dass ich einen Platz für mich finde, der mir entspricht. Dass ich einen Teil vor mir darin ausleben kann. Dass ich akzeptiert werden, mit meinen speziellen Fähigkeiten anerkannt bin, vielleicht auch geachtet werde.
Ich kann es sogar als störend empfinden, wenn das Forum zu ordentlich verwaltet ist, weil es meine Freiheit einschränken kann, mich so darin auszutoben, wie ich es gerne machen würde. Ich müßte dann meinen persönlichen Stil dem Forum anpassen.
Das mag ein komischer Vergleich sein, aber modische Kleidung kann ich als einschränkend empfinden, weil ich selbst keinen großen Wert auf Mode lege. Und weil ich befürchten würde, mich anpassen zu müssen, bzw wegen meiner Schlodderigkeit kritisiert zu werden.
Du solltest auch damit rechnen, dass Du evtl noch nicht bereit warst, Dich wieder auf einen Menschen einzulassen, und dass Du das auch ausstrahlst. Bist Du sicher, dass da überhaupt ein Platz für einen neuen Partner war? In einem Leben, dass aus Arbeit und Tochter bestand? Und den schmerzhaften Gedanken, an eine zurückliegende Trennung? Vielleicht hast Du ja auch so etwas, wie Reserviertheit ausgestrahlt.
Teilweise werden bei Dir auch die Lebensumstände eine Rolle spielen. Eine Bekannte von mir hatte sich auch beklagt, dass es im Grunde egal sei, was sie anziehen würde, sie würde von Männern nicht mehr beachtet. Das sagte sie nach dem Ende des Studiums, als sie berufstätig war. Und sie hatte ein Kind, um das sie sich kümmern mußte, und entsprechend auch wenig Zeit, im Privatleben Kontakte zu knüpfen.
Ich glaube, berufstätige alleinerziehende Menschen sind so eingespannt, dass sie das Privatleben, wo man unter Menschen kommt, bewußt einplanen müssen. Wenn ich eine Familie besuche, muss ich mich immer anpassen. Da geht man nicht einfach mal so ins Kino, wenn einem danach ist. Das sind dann eben vielleicht zwei Stunden, die derjenige erübrigen kann, meist bei ihm zuhause, oder es läuft auf so etwas, wie einen Spieleabend gemeinsam mit den Kindern hinaus.
Als berufstätiger alleinerziehender Single wirst Du vermutlich bewußt sagen müssen, ein oder zwei Abende in der Woche gehören mir, da schaue ich, wie ich mein Singleleben ein Stück ausleben, wie ich unter Menschen kommen kann.
Als 35jähriger Single mit Kind bist Du übrigens für viele Männer richtig attraktiv. Z.B. für Männer, die nach einer Trennung ihre Familie verloren haben. Oder für Männer, die selbst alleinerziehend sind. Oder für Männer, die mit 40 feststellen, dass sie ein Lebensziel in ihrem Leben nicht erreicht haben, eine eigene Familie, eigene Kinder, dass es irgendwie an ihnen vorbei gelaufen ist. Zu der Sorte Männer habe ich einmal gehört, entsprechend wäre mir eine Frau mit Kind willkommen gewesen.
Günter