Hallo mad scientist
Genau dieses Gefühl habe ich: die Dinge, die ich nicht will, fallen mir praktisch in den Schoß. Und die Dinge, denen ich nachjage, wollen und wollen nicht klappen.
Darüber denke ich gerade auch viel nach. Wobei ich mir dabei Situationen anschaue, wo jemand etwas anderes sucht, als ich, weil ich es mir unbeteiligt von außen anschauen kann.
Hat jemand, der an seinem Aussehen zweifelt nicht immer Probleme mit seinem Aussehen? Hat jemand, der sich leicht einsam fühlt, nicht immer ein Problem mit der Einsamkeit? Fühlt sich jemand, der das Gefühl hat, in seinem Leben nichts erreicht zu haben, nicht immer als Versager?
Und wie wirkt ein Mensch, der das Gefühl hat, keine Freunde zu haben auf mich? Kann es nicht sein, dass ich leicht das Gefühl bekomme, dass er etwas festhalten wolle, was für mich entweder einfach entsteht, oder nicht?
Diese seltsame Sehnsucht nach einem Partner oder einer Familie. Steht man sich damit nicht oft selbst im Weg? Wie soll man mit ihr umgehen? Lernen, mit ihr zu leben? Oder lernen, sie abzubauen? Geht das überhaupt?
Viele Fragen.
😉
Und dieses Urvertrauen "Irgendwann wird es besser" ist auch dahin.
Das liegt aber auch an der Situation, in die Du Dich gebracht hast. Du hast Dich, wenn ich es richtig verstanden habe, von der Welt abgewandt, hast mit Deiner Tochter und Deiner Arbeit ein Eremitendasein geführt. So etwas ändert sich halt nicht von selbst.
Dann ging es mir kurz besser, bis eine entfernte Bekannte wieder ihr Eheglück zelebriert hat: Und schon war es wieder vorbei.
Am Samstag hat mich meine Süße auf eine Halloween-party geschleppt. Eigentlich war alles schön, nur scheint es immer so zu sein, daß ich überall die einzige Alleinerziehende zu sein scheine.
Kennt Ihr dieses Gefühl: Jeder kommt in Gruppen bzw. Familienbegleitung. Nur ich stehe immer vereinsamt im Eck.
In NRW war zum Beispiel im vergangenen Jahr fast jede sechste Frau mit Kindern unter 18 Jahren alleinerziehend. Ist die Frage, wo die alle sind. Verstecken sie sich? Oder gehen sie auch nicht auf Veranstaltungen, wo sie nur Eltern befürchten? Oder ist es nur Dein Blickwinkel? Dass Du nur noch die Paare siehst, weil sie Deine unerfüllte Sehnsucht ansprechen.
Vielleicht fragst Du Dich einmal, wie man mit ihnen in Kontakt treten könnte. Wie käme eine andere alleinerziehende Mutter denn an Dich heran?
Dann kommt das nächste schlimme Gefühl: Aufgrund meiner Einsamkeit fühle ich mich auch äußerlich schrecklich. Also gehe ich dann exessiv shoppen, freue mich auch kurz, um dann umgehend zu denken: Es interessiert sich doch sowieso keiner für mich. Ist es nicht völlig absurd, sich noch schön zu kleiden?
Das ist vielleicht wieder eine Folge Deines Eremitendaseins. Wenn man lange Zeit zu wenig unter Menschen war, bekommt man das Gefühl, die Fähigkeit zu verlieren, mit Menschen umgehen zu können. Und wenn man als Frau lange Zeit nicht mehr von einem Mann beachtet wurde, fragt man sich, warum man sich überhaupt noch Mühe mit seinem Äußeren geben soll.
Und Du bist weder verrückt, noch ein sozialer Krüppel. Du bist ganz normal. Du warst nur zu lange zu wenig unter Menschen.
Günter