@Insta
Ich könnte jetzt deinen Beitrag auseinandernehmen, tue ich aber nicht, weil es nichts bringen würde und du es sehr wahrscheinlich eh nicht verstehen würdest, daher eine kleine Geschichte zu Beginn:
Ich war in 90er Jahren so 12 oder 13 Jahre alt und habe da eine Dokumentation, eine Reportage oder ähnliches gesehen, so genau weiß ich das nicht mehr. Jedenfalls ging es dabei am Rande um den Unterschied zwischen Sozialhilfesatz und Lohnberechnung. Zu dieser Zeit war es so, dass das Gesetz lautete:
Arbeit muss sich lohnen!
Das bedeutet, sehr vereinfacht ausgedrückt, der Regelsatz zur Sozialhilfe sollte immer so bemessen werden, dass ein deutlicher Abstand zum Lohn besteht und umgekehrt. Dies war den Gewerkschaften bekannt, das war der Politik bekannt und ist es sehr wahrscheinlich auch heute noch. Doch irgendwann kam Hartz IV auf und das wurde alles mehr und mehr vergessen, dank des Niedriglohnsektors. Hierbei gab es eine kaum zu erkennende kleine Abweichung von diesem Grundsatz, man musste im Niedriglohnsektor mit Sozialleistungen, sprich Hartz IV, aufstocken.
Nun warum erzähle ich dir das?
Dieser Abstand zwischen Lohn und Sozialhilfe berücksichtigte sämtliche Kosten und dazu auch die Lebenshaltungskosten uneingeschränkt, so auch u.a. die Miete. Dies ist den meisten Menschen, so wie dir offensichtlich nicht bekannt, warum auch immer. Dennoch gab es eben jenen Grundsatz und der existierte bis 2010, aber fand da schon keine Beachtung mehr (warum kannst du selbst herausfinden) und wurde ganz konkret Lohnabstandsgebot genannt.
Weil sowohl Gewerkschaften, wie auch Arbeitnehmer das scheinbar vergessen haben, ist sehr wahrscheinlich auch so gewollt von der Politik, war es ein leichtes zu unterstellen, dass die Mietpreisbremse kam, weil allgemein immer weniger Menschen eine Wohnung finden.
Realität ist allerdings, dass u.a. Hartz IV eben dieses Problem mit verschärfte. Du erinnerst dich daran, dass ich schrieb, dass die Lebenshaltungskosten bei der Berechnung im Zuge des Lohnabstandgebotes zwingend berücksichtigt hätten werden müssen?
Der Regelsatz ist so niedrig angesetzt, so dass einer aus dem Niedriglohnsektor halt aufstocken muss. In Folge dessen wird ebenfalls der Lohn der Arbeitnehmer, die nicht in diesem Sektor arbeiten, niedrig gehalten, denn es besteht das grundsätzliche Druckmittel der Arbeitgeber, dass man ja in die Arbeitslosigkeit rutschen kann oder des Outsourcings und mal ganz ehrlich, es gibt so viele Ja Sager in diesem Land, dass einem dabei schlecht wird, so dass es nicht verwundert, dass die Reallöhne nun wirklich nicht sehr deutlich gestiegen sind in den letzten Jahren.
Wenn die Reallöhne aber nicht steigen, die Kosten aber immer höher werden, kann sich niemand etwas mehr leisten, also war die Politik gefragt und hat die Mietpreisbremse erfunden, natürlich wurde hierzu verschwiegen, dass das alles hausgemachte Probleme sind und ebenso wurde nicht darauf verwiesen, dass das Lohnabstandsgebot nicht mehr gilt.
Nun gibt es seit 2010 das Regelbedarfsermittlungsgesetz und hier findet man, wen wundert es da schon, nichts zu den Lebenshaltungskosten.
Nun könnte man argumentieren, dass das doch klar ist, denn die Lebenshaltungskosten, die u.a. die Miete umfassen sind regional unterschiedlich, aber dann muss man auch die Frage beantworten können, warum gab es Jahrelang das Lohnabstandsgebot eben mit der Einbeziehung der Lebenshaltungskosten?
Es hatte doch funktioniert und es gab keinerlei Probleme bis eben .....
Kann niemand beantworten, weil man schlicht und ergreifend gelernt hat aus den Medien, dass der Regelsatz das wichtigste ist, die Kosten der Unterkunft fallen immer regelmäßig seit Jahren unterm Tisch, denn man kann und darf nicht riskieren, dass der gemeine Pöbel hier irgendwelche Unstimmigkeiten erkennt.
Und nun bist du dran, denn wie du erkennen wirst, wenn du dich mit dem Lohnabstandsgebot beschäftigst, wirst du zwangsläufig feststellen, dass die damalige Sozialhilfe maßgeblich den Lohn beeinflusst haben und das in einer Art und Weise, wie es heute nicht mehr der Fall ist, dank des Niedriglohnsektors.
Aber du hast natürlich Recht, wenn du schreibst, dass die Mietpreisbremse so überhaupt nichts, aber auch wirklich gar nichts mit Hartz IV zu tun hat.
Ein anderer Aspekt zu diesem Punkt existiert auch. So war es ein Gebot, dass es keine Ghettorisierung stattfinden darf und das überall eine gesunde Durchmischung stattfinden soll unter Einbeziehung des Einkommens. Das bedeutet, Sozialhilfebezieher und zum Beispiel die Mittelschicht sollten zusammenleben. Doch du zeigst eindeutig auf, dass das aufgrund der tendenziösen Berichterstattung, nicht mehr in Frage kommt. Hierfür Verantwortlich ist das unverantwortliche Auslegen der Gesetze durch die regionalen Jobcenter, denn die Mieten sind so niedrig angesetzt, dass man dafür halt nur in solchen Ghettos eine Wohnung finden kann. Dass das allerdings laut Gesetzgebung verboten ist, interessiert niemanden, dich sehr wahrscheinlich auch nicht, dafür kann man ja dann Luxussanierungen in Berlin Mitte veranstalten und die Mieten so weit steigen lassen, dass sich nur noch die sehr gut verdienenden dort eine Wohnung leisten können.
Sollen Sie sich alle da auf einem Punkt konzentrieren, denn es heißt auch auch, aus den Augen aus dem Sinn.
Das man dadurch ebenfalls erreicht, dass eben diese Menschen aufgrund Ihrer Anschrift, weil solche Ghettos eben einen gewissen ruf bekommen, keinen Arbeitsplatz mehr finden ist dabei nebensächlich, denn jeder in Deutschland hat ja die Chance sich zu verbessern.
Wer es glaubt....
Zwischen der Theorie der Politiker und Medien und der Realität klafft eine gravierende Lücke und es stört niemanden. Es wird nichts hinterfragt, es wird nicht genauer hingeschaut und schon gar nicht will man etwas wahr haben. In einem Hartz IV Forum habe ich das mal mit dem Lohnabstandsgebot geschrieben und wurde dafür gesperrt, ist doch auch etwas nettes, obwohl es um Löhne allgemein ging. Hätte etwas zur Bildung beigetragen, aber ist wohl auch für Hartz IV Foren zu viel des guten, dass die Menschen tatsächlich lernen, dass es soetwas einmal gab. Aber das haben die Politiker sehr gut hinbekommen in Zusammenarbeit mit den Medien.
Eine schöne orwelsche Welt und alle gucken nur Teilnahmlos zu und glauben alles zu berücksichtigen und zu wissen über ein Thema und das nur aufgrunddessen, weil Sie eben nicht alles Wissen. Nicht hinterfragen und schon gar nicht kritisch sein, denn sonst wird man ein böser, böser Verschwörungstheoretiker.