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Mobbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

hmm, nur ist da nicht viel dabei, was der einzelne Lehrer tun kann.

Schuluniform ist ja ne generelle Sache.

Und du darfst nicht einfach jemanden nachsitzen lassen, wenn auf dem Nachhauseweg irgendwas war.
Mit den Ruhestörern wär das kein Thema, nur fand bei mir das meiste so statt, dass es nicht den Unterricht gestört hat. Vor allem kannst Du sie nicht einfach vom UNterricht ausschließen.
Deine "kleinen" Eingriffe sind als schon ziemlich große Sache im schulrechtlichen Sinn, dafür musst Du als Lehrer aber was handfestes haben.

Das Problem ist ja vielmehr, dass Du das Mobbing als Mobbing erkennen musst und von den harmlosen Streitereien abgrenzen kannst. Das ist gar nicht so einfach.
 
AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

Nunja, ich sagte ja auch, dass ein Umdenken statt finden muss. Gut, du hast recht die Grundlagen für die von mir aufgestellten Thesen muss das Schulamt und/oder der Gesetzgeber schaffen - das ändert aber nichts daran, dass diese oder ähnliche Veränderungen benötigt werden.
 
AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

da geb ich dir recht, an unserem Schulsystem muss sich sowieso gewaltig was ändern...
 
AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

Hallo allerseits,

jetzt muss ich mich in dieses Thema auch mal einklinken. Mobbing ist in der Tat ein schwieriges Thema, zumal die Mobber es hervorragend verstehen, ihr Handeln so zu betreiben, dass das Opfer häufig unglaubwürdig vor z.B. den Lehrern da steht.

Allerdings wäre man schlecht beraten, zu meinen, wenn die Mobber nur genügend hart bestraft würden, wäre das Thema vom Tisch. Das könnte sogar gefährlich werden für das Opfer. Häufig ist den Mobbern aber gar nicht bewusst, was sie bei ihrem Opfer auslösen.

Gelingt es, dies dem Mobber so zu vermitteln, dass er nicht an den Pranger gestellt wird und so sein Gesicht verliert, so kann dieser zu Einsicht kommen und seine Einstellung ändern. Gleichzeitig gehört aber auch dazu, dem Opfer den Rücken zu stärken, zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen, dass er aus der Rolle des Opfers wieder herausfinden kann.

Dies erfordert viel Fingerspitzengefühl und auch die Zeit, einen solchen Prozess über einen Zeitraum von mindestens mehreren Wochen, u. U. sogar Monaten zu begleiten. Der Mobber muss verstehen, dass das Opfer nicht allein da steht und das Opfer muss die Möglichkeit bekommen, erneute Vorfälle ansprechen zu können, ohne als Petze da zu stehen.

Ich rede hier nicht von grauer Theorie. Ich habe so einen Fall in einer Grundschule kürzlich erfolgreich "gelöst". Das Opfer kommt wieder gerne in die Schule und kann wieder lachen. Täter und Opfer verstehen sich jetzt gut.

Aber: nicht jeder Fall ist gleich gelagert. Man muss genau hinsehen und gut überlegen, bevor man mit einer schnellen, sicher gut gemeinten Reaktion, unter Umständen die Situation für das Opfer sogar verschlimmert.

Gruß
Sisandra
 
AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

Du hast sicherlich recht, ich sagte ja auch nicht, dass man nur bestrafen soll, ich sagte eigentlich, dass man anstatt das Opfer, den Täter bestrafen sollte. Auch erfordert es eine ganze Reihe von Maßnahmen, damit Mobbing gar nicht erst entsteht.

Würde mich interessieren, wie dein Fall gelagert war und wie das Problem gelöst hast!
 
AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

Wie gesagt, betreue ich eine Kindergruppe an einer Grundschule. A und B waren beide bei mir in der Gruppe. Sie besuchen die zweite Klasse. A war mir bereits seit Monaten aufgefallen, weil er immer depressiver wurde, häufig niedergeschlagen aus der Schule kam. In verschiedenen Gesprächen, die ich mit ihm führte, erzählte er mir alles möglichen Gründe für seinen Kummer, nie aber den wahren Grund. Der kam erst heraus, als im Dezember seine Mutter ihn abmeldete und berichtete, dass A schon längere Zeit in der Schule von B heftig getrietzt würde und B ja auch nach der Schule in der Gruppe wäre. Sie, die Mutter sei der Ansicht, dass sich ihr Sohn A besser fühlen würde, wenn er nicht auch noch nach der Schule den Angriffen von B ausgesetzt sei. Zunächst einmal war ich sehr betroffen, denn dass B A ständig ärgert, war mir nicht aufgefallen, wohl aber A's Wesensveränderung.

Am selben Tag noch rief ich bei B zuhause an und berichtete von dem Gespräch mit A's Mutter. B's Mutter war ebenfalls sehr betroffen und willigte sofort zu einem Gespräch mit beiden Kindern und beiden Müttern und mir ein, was auch eine Woche später stattfand. Die Woche bis zu dem Gespräch nutzte ich, um A's Mutter dazu aufzufordern, A für das Gespräch fit zu machen. A war mittlerweile so mutlos geworden, dass zu befürchten stand, dass er sich selbst wenig bis gar nicht in dem Gespräch äußern würde, was aber seiner Situation nicht zuträglich gewesen wäre. Ich besorgte A einen sogenannten "Mutstein" und überreichte ihm den zusammen mit einem Brief, in dem stand, dass es wichtig wäre, dass er wieder Mut bekommt und seine Sache selbst vertritt, natürlich mit Unterstützung der Erwachsenen.

In dem Gespräch eine Woche später ging es weniger darum, wie böse und verachtenswert sich B gegenüber A in der letzten Zeit verhalten hatte, sondern vielmehr darum, dass dieser versteht, was seine Handlungen und auch seine Bemerkungen bei A ausgelöst hatten. Ich fragte B, warum er sich A gegenüber so verhalten hatte. B antwortete, dass A halt nicht so wild sei wie er und dass er ihn deshalb nicht leiden könne. A war wirklich tapfer und hat B erklärt, dass er wegen ihm gar nicht mehr gerne in die Schule käme, manchmal sogar Bauchweh deswegen hätte. Ich fragte B, ob er das so wirklich gewollt hätte. B gab zu, dass er nicht gewusst hätte, dass sein Verhalten solche Folgen hatte. B's Mutter hielt sich während des ganzen Gesprächs im Hintergrund. A's Mutter ergänzte hie und da die Ausführungen ihres Sohnes und ich hatte die Vermittlerrolle.

Nachdem B beteuerte, dass er A nicht mehr ärgern wolle und sich auch bei A entschuldigte, gab ich BEIDEN Kindern eine Aufgabe. Sie erhielten beide einen Kalender, in den sie täglich eintragen sollten, wie es ihnen miteinander geht. Keinen Roman, sondern nur eine kurze Bemerkung, damit sie bei dem wöchentlichen Treffen - welches wir dann noch vereinbarten für einen Zeitraum bis zu den Osterferien - erklären konnten, worum es ihnen gegangen war.

Jede Woche setzten wir uns nun für einige Minuten zusammen, schauten, was in den beiden Kalendern stand und besprachen wie es den beiden miteinander ergangen war. Am Anfang standen da noch ganze Sätze, dann nur noch Wörter, später lachende Gesichter, aber auch das war den beiden bald zuviel und die Gesichter wichen einem + . Vor einigen Wochen gestanden beide, dass sie meist vergessen würden, etwas in den Kalender einzutragen. Wir führten die wöchentlichen Treffen dennoch bis zu den Osterferien fort. Letzte Woche war das letzte Treffen. A und B spielen wieder gerne miteinander und aus A ist wieder ein fröhlicher kleiner Junge geworden, der gerne in die Schule geht und sich seines Wertes innerhalb der Klasse bewusst ist.

Ich hatte vorher noch nie mit Mobbing zu tun und habe mich unter anderem hier im Forum schlau gemacht. Was mir aufgefallen war, dass viele Mobbingopfer berichteten, dass sich nach einem Gespräch mit dem Täter die Situation erst verbesserte, um hinterher schlimmer zu werden als je zuvor. Das wollte ich unter allen Umständen vermeiden. Deshalb begleitete ich die beiden noch eine Weile mit Gesprächen. Deshalb auch die Kalender, denn ich wollte keinesfalls, dass A zum Petzen gezwungen war, wenn doch nach dem Gespräch wieder etwas vorfallen sollte.

Ich denke, an dieser Situation sind beide Kinder gewachsen. Jeder hat etwas dazugelernt und keiner ist als Verlierer daraus hervorgegangen. Genau das war mein Ziel.

Gruß
Sisandra
 
AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

Ich muss sagen Hochachtung vor deinem Einsatz! Ich finde es super, wie du dich eingesetzt hast und wieviel Gedanken du dir gemacht hast.

Leider verlief mein damaliges Gespräch unter Aufsicht des Lehrers ganz anders. Die Mutter der Rädelsführerin brachte ziemlich heftige Vorwürfe vor, wie bspw. ich hätte bei ihnen zu Hause Geld und Schmuck gestohlen, als ich zu Beginn des Gymnasiums mal zu Besuch war auf einem Geburtstag und hätte ihr gegenüber mehrmals gelogen (beides stimmte nicht). Naja in dem Stil ging das weiter. Schließlich hat sich die Lehrerin auf die Seite des anderen Mädchens geschlagen und gemeint, ich solle doch bitte die Streiche nicht so ernst nehmen und solle mich nicht so aufführen und nicht gleich immer weinen: die anderen würden das ja nicht bös meinen. Klar, ich meine, wie sind Schläge ins Gesicht, bei denen die Brille zerbricht wohl gemeint? Wie du beobachtet hast, wurde es auch bei mir nach diesem "klärenden" Gespräch richtig schlimm.

Ich freue mich, dass es dem kleinen Jungen bei dir wieder gut geht. Deine Geschichte zeigt, wie Lehrer mit diesem Thema umgehen sollten und ich finde viele deiner Kollegen sollten sich an dir ein Beispiel nehmen!
 
AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

Ich finde, dass die Geschichte von Sisandra echt Mut macht. Aber wie sie schon sagte, jeder Fall ist anders gelagert.
Hier waren ja auch hauptsächlich zwei Schüler betroffen, meist ist es ja eine ganz Gruppe.


Wie auch immer, das klingt so, als würde ich mich rausreden, aber meistens ist halt mit Mutsteinen und Gesprächen leider nicht getan 🙁 - selbst wenn man den Willen dazu hat.
 
AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

Das hat doch mit rausreden nichts zu tun, red dir da bloß nix ein. Es kommt dabei auch stark auf das Alter der Mobber an. Ab einem gewissen Alter können sie zwar die Spätfolgen ihres Handelns noch nicht sehen, wissen aber sehr wohl, was und warum es dem Gemobbten weh tut - und machen es gerne. Das ist nunmal bittere Realität.
 
AW: Mobbbing in der Schule - war: "Schlag zurück!!"

Vielleicht sollte ich dazusagen, dass ich keine Lehrkraft bin. Die Klassleitung der beiden hat sich aber im Nachhinein bei mir sehr bedankt. Auch ihr war nicht aufgefallen, was sich da unter ihren Augen abspielte. B war übrigens kein Einzeltäter, wohl aber der Rädelsführer. Als er aufhörte, konnten auch die anderen Kinder der Klasse aufhören, A zu ärgern.
 

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