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war es gewalt?

kjsdnföancdö<l-c

Neues Mitglied
Ich soll darüber reden. Aber was soll ich schon sagen? Es ist viel passiert, das nicht okay war. Und doch zweifle ich manchmal: Ist das wirklich passiert? War es wirklich so schlimm? Ja, es sind Dinge geschehen, aber waren sie schlimm genug, um sie Gewalt zu nennen? Ich habe es verdrängt, verharmlost, als normal angenommen. Weil ich es nicht anders kannte. Erst vor kurzem habe ich begonnen zu verstehen. Jetzt sehe ich die Vergangenheit mit anderen Augen, und ich kann nicht mehr wegsehen. Was geschehen ist, hat mich geprägt. Es hat Spuren hinterlassen. Innen und außen. Verhaltensmuster, die für mich selbstverständlich waren, bis mich jemand darauf ansprach.
Ich war fünfzehn, als ich das erste Mal dachte: Das ist nicht normal. Silvester bei einer Freundin. Spiele, Lachen, warme Stimmen. Dann stieß ich aus Versehen mein Glas vom Tisch. Mein Herz setzte aus. Noch bevor der erste Ton fallen kommen konnte, kniete ich schon am Boden, hob mit bloßen Fingern die Scherben auf, bereit für den Schrei, der gleichkommen musste. Doch stattdessen: „Hast du dich geschnitten?“ Ihre Mutter beugte sich zu mir, nahm mir die Scherben aus der Hand, holte einen Besen, fegte alles auf. „Kein Problem“, sagte sie. Niemand wurde angeschrien. Niemand musste sich rechtfertigen. Es wurde einfach weitergespielt. Wir lachten.
Zu Hause wäre die Welt untergegangen. Erst ein Schrei, dann der Griff an meinen Arm, hart und schnell. Danach das stundenlange Schweigen. Aber nicht hier.
Ich sagte nichts über die kreisenden Gedanken in meinem Kopf. Ich schämte mich. Warum war hier alles so ruhig? Wieso war keiner böse auf mich?
Ich war vielleicht fünf, als ich meine Schale fallenließ. Sie war leer, doch das reichte schon. Ich hörte, wie mein Vater scharf die Luft einsog, dann seine Stimme. Laut und bedrohlich: „Geht’s noch? Du bist zu nichts zu gebrauchen.“ Meine Hände begannen zu zittern. Ich wollte mich entschuldigen, doch kein Wort kam über meine Lippen. Stattdessen starrte ich auf die Scherben am Boden und hielt den Atem an, hoffend, es sei nur ein böser Traum. Aber es war real. Seine Hand schnappte nach meinem Arm. Fest, viel zu fest. Ich musste die Scherben auflesen, mit meinen bloßen Händen. Danach schickte er mich aus dem Raum, und ich durfte nichts essen.
Das Schlimmste waren nicht die schneidenden Scherben an meinen Fingern, sondern das Gefühl, versagt zu haben. Nicht einmal eine Schale tragen zu können. Von diesem Tag an begann ich, mich selbst ständig zu kontrollieren. Kein Glas durfte ich zu hastig heben, kein Lachen zu laut sein, keine Unachtsamkeit mir gestattet. Ich wollte alles richtig machen, nur nichts falsch. Ich glaubte, wenn ich nur vorsichtig genug bin, passiert so etwas nicht noch einmal.
Was an diesem Tag ausgeartet war, war nicht immer so. Manchmal war ich unsichtbar, kaum der Mühe wert. An anderen Tagen war es mehr als ein fester Griff am Arm. Doch ich wusste nie, wie der Tag verlaufen würde. Ich lernte, jedes kleine Zeichen zu lesen: den Tonfall, Schritte auf dem Flur, das Knallen der Tür. Ich wurde Meisterin darin, zu wissen, wann ich schweigen, wann ich verschwinden musste. Ich war vielleicht fünf, doch innerlich war ich ständig auf Alarm. Mein Körper war angespannt, als würde ich durch ein Haus schleichen, in dem jeden Moment eine Explosion droht.
Das Schlimmste aber war, dass ich glaubte, es läge an mir. Dass ich die Ursache für die Wut war. Ich dachte, wenn ich mich nur genug anpasse, mich nur genug anstrenge, wird es aufhören. Doch das war ein Irrglaube. Die Wahrheit war: Ich hatte nie Kontrolle.
 
A

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Re: war es gewalt?
Hallo kjsdnföancdö<l-c,

schau mal hier:
war es gewalt?. Hier findest du vielleicht was du suchst.
Hallo liebe_r lajnfjbxjlljrrzxdkmku).@46,

Vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob du tatsächlich Gewalt (emotional oder körperlich) erfahren hast, oder unter einer Wahrnehmungsstörung leidest. Es kann auch eine Mischung aus beidem sein.

Dein Text lässt keine weiteren Schlüsse zu, beschreibt lediglich eine einzelne Situation. Wenn du magst und es dir gut tut, kannst du weitere Erfahrungen hier berichten. So kann man sich ein genaueres Bild machen.

Hast du bereits professionelle Unterstützung in Anspruch genommen? Eventuell hilft es dir, mit einem Arzt darüber zu sprechen.

Liebe Grüße,
SFX

PS: Überlege dir doch einen schönen, echten Usernamen und werde Teil der Gemeinschaft hier? Einige haben ähnlich erlebt und können sich mit dir austauschen.
 
Vermutlich sind deine Eltern so schwierig wegen ihrer eigenen problematischen Kindheit und Elternbeziehung.

 
Es gibt Menschen, die sind richtig ekelig und so was hat man als Eltern. Du hast keine Schuld, dein Vater/deine Eltern sind schuld.
 
Dein Text lässt keine weiteren Schlüsse zu, beschreibt lediglich eine einzelne Situation.

war nicht immer so. Manchmal war ich unsichtbar, kaum der Mühe wert. An anderen Tagen war es mehr als ein fester Griff am Arm
Ich denke, es ist deutlich, dass die einzeln beschriebene Situation nur beispielhaft geschildert war.

Was Du beschreibst, @kjsdnföancdö<l-c , lernt man nur, wenn man andauernd auf der Hut sein muss. Du schreibst, Du wärst 15 gewesen, als Dir erstmals aufging, dass es woanders anders ist und auch besser, dass es nicht normal ist, körperlich und emotional bestraft zu werden, wenn einem mal was schief geht.

Ohne vergleichen zu wollen, finde ich diese Mischung aus Ignoranz und haltlosen Wutausbrüchen oder wie es bei mir war - aus Vernachlässigung und plötzlich aufwallenden Erziehungsanfällen, die stets in Frust, Schreierei und oft genug Prügel für mich endeten, besonders fatal.

Ja, man lernt auf der Hut zu sein und wird Meister im Ergründen von Stimmungen.
 
Am schlimmsten war es, wenn es nicht mich traf. Wenn ich nur zusah, zusammengekauert in einer Ecke des Raumes. Wenn ich genau wusste, was jetzt kommen würde und trotzdem nichts tun konnte, um es zu verhindern. Dann war ich wie eingefroren. Ich kannte das Gefühl, die Wut abzubekommen. Und gerade deshalb tat es so weh, sie bei den anderen zu sehen. Ich hätte etwas sagen wollen, mich dazwischenwerfen. Aber ich hatte schmerzhaft gelernt: Das macht alles nur schlimmer. Ich hatte Angst. Ich erinnere mich an die Blicke, die Anspannung im Raum und die Tränen. Das Schreien. An das Schweigen danach, das noch lauter war als alles andere. Und an die Schuld, die geblieben ist. Nicht, weil ich etwas getan habe, sondern weil ich nichts tun konnte.

Ich weiß noch genau wie wir im Wohnzimmer saßen. Es war Weihnachten, wir saßen am Esstisch und warteten auf das Essen. Ich war vielleicht sechs, mein Bruder neun. Es war eigentlich ein schöner Moment. Wir lachten. Auf dem Tisch stand eine Kerze, und wir, neugierige Kinder, schauten ihr zu, wie das Wachs tropfte. Vorsichtig tauchten wir unsere Fingerspitzen hinein, um zu fühlen, wie es trocknet. Dann zogen wir unsere Finger durch die Flamme. Ganz schnell, so dass es nicht wehtat. Und dann? Ich weiß nicht mehr, wie es passierte. Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit. Die Kerze fiel um. Wachs auf dem Tisch. Keine Flammen. Kein Feuer. Mein Vater tobte. Ich wollte erklären, dass ich es war. Doch mein Bruder war der Ältere. Er hätte es besser wissen müssen. Er bekam alles ab. Ich stand stumm daneben, konnte kaum atmen. Sah, wie er angeschrien wurde, wie er sich klein machte. Und ich? Ich konnte es nicht ertragen. Es war doch meine Schuld. Ich sagte es meinem Vater. „Ich hab die Kerze umgestoßen.“ Dann richtete seine Wut sich gegen mich. Er packte mich am Arm, zog mich zum Tannenbaum und hielt meine Hand über eine der Kerzen. Es wurde schrecklich warm an meiner Hand. Ich fing an zu zappeln und zu weinen. Flehte ihn an aufzuhören, doch er hielt mich fest in seinem Griff und sagte nur: „Das machst du nie wieder!“ An dem Tag lernte ich das es nur schlimmer wird, wenn man versucht für seine Geschwister einzustehen.
 
In welchem Zusammenhang holst du diese Erinnerungen hervor und tust du dies begleitet?
Falls nicht, macht es wenig Sinn, denn mit der Wut oder Trauer allein zu bleiben macht es nicht besser
Persönlich finde ich die geschilderten Vorfälle nicht besonders gewaltvoll, sondern eher pädagogisch dumm und lieblos. Aber da ist das Empfinden immer sehr subjektiv.
Wie ist das Verhältnis heute zu deinen Eltern?
Und ganz wichtig: Eine lieblose Kindheit ist ein schwerer Rucksack, den man mit sich herumschleppt. Aber man kann ihn ablegen. Die traurige Vergangenheit muss nicht für eine traurige Gegenwart und Zukunft sorgen.
Ich würde das therapeutisch unterstützt aufarbeiten.
 
Liebe TE,
ich würde dir raten, diese deine Kindheit therapeutisch aufzuarbeiten. Das kann helfen diese tief sitzenden Schuldgefühle und die Angst vor Gewalt zu reduzieren und handlungsfähig zu bleiben.
 
Ich hatte auch dieses Erlebnis in der Volkschule, wo ich bei einer Übernachtung die Krise bekam, weil ich dachte, diese bösen Eltern würden sogar vor mir dem Gast den Jüngsten der Familie durch's Haus jagen, um ihn zu misshandeln. Ich begriff erst am nächsten Tag, dass die nur Fangen gespielt hatten, da hatte ich mich schon die ganze Nacht ins Klo gesperrt. 🙄 Ja, so merkt man es langsam.
 

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