Ich weiß nicht, ob es in jedem Bundesland so ist, aber bei uns sind Förderschule folgendermaßen aufgebaut. Es gibt 7 Förderschwerpunke. Lernen, Sprache, Emotionale und Soziale Entwicklung, Hören, Sehen, Geistige Entwicklung, Körperliche und Motorische Entwicklung.
Meine Tochter fällt schon unter keine dieser Schwerpunkte.
Es geht auch eher darum grundlegendes Wissen zu vermitteln. Die Inhalte sind auf das wesentliche reduziert. Langsames Tempo, viele Wiederholungen usw. Es gibt in den meisten Fallen den Förderschulabschluss oder vielleicht den mittleren Abschluss. Kein Abitur.
Es wäre vielleicht passend, weil es kleine Klassen gibt und der Alltag dort anders strukturiert ist. Sie könnte sich vielleicht öfters mal ausruhen usw. Sie würde aber inhaltlich vom Lernstoff her nichts lernen und sich total langweilen.
Ich verstehe deinen Punkt - deine Tochter ist kognitiv völlig auf der Höhe, das Problem ist der körperliche Rahmen, der ihr den Schulalltag unmöglich macht. Und ja, die Inhalte vieler Förderschulen sind stark reduziert, weil sie sich eben an andere Bedarfe richten. Aber genau das ist der Knackpunkt: Es geht hier weniger um den Stoff als um die Struktur, die Flexibilität, die Begleitung. Und da kann eine Förderschule manchmal schlicht das kleinere Übel sein. Nicht weil deine Tochter „zu wenig kann”, sondern weil das System Regelschule zu wenig bieten kann.
Wenn sie sich dort langweilen würde - verständlich. Aber was ist die Alternative? Zuhause, mit deinem Spagat zwischen Arbeit, Unterricht und Pflege, ist auf Dauer keine Lösung. Die Regelschule ist es auch nicht, solange sie keine tragfähige individuelle Lösung mit medizinischer Begleitung anbieten kann.
Du musst das auch nicht sofort entscheiden, aber ein Gespräch mit einer Förderschule oder einer neutralen Beratungsstelle (z. B. Schulpsychologischer Dienst) könnte dir einfach mehr Optionen und Argumente liefern. Vielleicht ergibt sich dabei ja sogar eine Lösung, an die du noch gar nicht gedacht hast, wie z. B. eine Mischform oder ein individualisierter Unterricht in einer inklusiven Schule,
wenn es so etwas bei euch gibt.
Es geht nicht darum, deine Tochter abzuschieben, sondern darum, dass sie eine Struktur bekommt, in der sie zurechtkommt. Und dass du irgendwann auch wieder Luft bekommst.
Was den Abschluss betrifft: Klar, das klassische Abitur ist auf vielen Förderschulen kein Ziel. Aber selbst wenn sie dort irgendwann rausgeht - es gibt später immer noch die Möglichkeit, über ein Fernabitur oder eine andere externe Prüfungsform das Abitur nachzuholen. Und das ist oft sogar besser anpassbar an ihre Bedürfnisse, weil sie sich den Lernstoff zeitlich und körperlich passend einteilen kann.