Hallo Supidia,
ich kann noch immer nicht erkennen, woher Deine "hohen Ansprüche" an Dich selbst kommen und warum Du nach so vielen Jahren noch immer glaubst, "alles" besser hinbekommen zu müssen und zu können, wie so viele andere Menschen. Ich möchte Dich nicht "runterziehen", aber um gangbare Lösungen zu finden, muss man mit dem arbeiten, was da ist. Du darfst Deine Ziele und Träume haben und solltest sie auch nicht aus den Augen verlieren, aber Du solltest auch mit einem gewissen Sinn für Realität erkennen, dass Du einige Voraussetzungen derzeit einfach nicht mit bringst und Dich Dinge belasten, die Dich aufhalten.
Eine Essstörung belastet den Körper und damit auch Deinen Verstand, denn es liegt nicht selten eine Unterversorgung vor, die Du Dir nicht eingestehen kannst und willst. Deine Entscheidungen scheinen "beliebig" und ohne Prioritäten zu sein. Ob Du einen Nebenjob kündigst oder Dein ganzes Studium schmeißt, macht schon einen Unterschied, aber scheinbar nicht für Dich. Dass Deine Professorin nicht geantwortet hat, nimmst Du als fast unüberwindbares Problem wahr und hängst die Flügel. Ja, Prokrastination gehört bei Dir wohl auch zu Deinem Themenkreis.
Und doch! Was soll´s? Dann hast Du Dinge schleifen lassen, Chancen versäumt, falsche oder keine Entscheidungen getroffen, und, und, und. Dass Du aber noch immer "da" bist, nicht unter der Brücke schlafen musst und Du nicht von der Uni geflogen bist, das alles zählt nicht? So viele Menschen würden sich nach Deinem Leben die Finger lecken, aber auch das bringt Dich überhaupt nicht weiter, denn Dein Wertesystem und Deine Gedanken sind wie eine Schüssel verschüttetes Wasser: scheinbar bedeutungslos und doch wieder nicht.
Du kannst all diese "Faktoren" sehen, aber offenbar stehst Du wie ein Kind vor dieser Welt und weißt nicht, das Du damit anfangen und was Du denken sollst, wenn es Dir niemand vorgibt. Du bist scheinbar ein Mensch, der derzeit keine eigenen Entscheidungen aufgrund rationaler Überlegungen treffen kann, sonst würdest Du es ja tun. Also wäre mein Vorschlag, Dich mit einem Menschen Deines Vertrauens zusammenzusetzen und einen Plan auszuarbeiten, den Du dann nur noch "abarbeitest". Nicht mehr hinterfragen, einfach tun.
Schlafmangel, schlechte Ernährung usw. führen dazu, dass der Kopf nicht mehr klar kommt. Also solltest Du nicht wieder etwas herbeiträumen, sondern durch Übung und umsetzbare Entscheidungen wieder mehr Stabilität in Dein Leben bringen. Aber das klappt ja nur, wenn Du Dich an solchen "Halteseilen" auch halten willst und kannst und davon scheinst Du noch ein Stück weit entfernt zu sein. Es fehlt Dir nicht am "Wollen", sondern am "tun" und was Dich wirklich daran hindert, kann man aus der Ferne nicht erkennen und erst recht nicht "therapieren".
Es ist noch lange nicht für alles zu spät, aber da Dir Deine Entscheidungen durch die Finger rinnen, sind Zeitpunkt und Chancen für Dich nur zum Teil umsetzbar und das Ergebnis sind dann ebenfalls nur Versatzstücke, auf die sich nicht aufbauen lässt. Also musst Du an Deinem Fundament arbeiten, denn ohne ein tragfähiges Fundament lässt sich nichts bauen.
Und da ist noch diese durchaus schmerzvolle Erkenntnis, die fast jeden Erwachsenen Menschen einholt: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es". Eine Chance liefert nicht gleichzeitig auch den Wind unter den Flügeln. Eine Idee ist nur so viel wert, wie der Mensch, der sie Schritt für Schritt umsetzen kann. Sind das nur "Flausen" in Deinem Kopf, die Dir eine verwöhnte Kindheit eingebracht haben, oder steckt da noch mehr dahinter?
Ohne "Schrammen" und ohne "Schweiß" kommst Du da wahrscheinlich nicht raus. Kleine Brötchen zu backen ist selten ein guter Rat, denn der kommt zumeist von Leuten, die es selbst nicht besser wissen und können. Also: woran fehlt es? Was brauchst? Solange Du das nicht entscheiden und mittragen kannst, solltest Du in Dich hinein horchen und die wirklichen Ursachen herausfinden, warum Du Dir selbst "das Wasser abgräbst", denn das tust Du und dann kuckst Du die Welt mit großen und kindlichen Augen an, warum Deine Pläne nicht "flutschen". Tja: weil diese Welt so nicht funktioniert. Wenn Du hier etwas "bewegen" willst, dann musst Du es tun oder jemanden finden, der das für Dich tut. Ja, das weißt Du alles, aber da sind Deine inneren Widerstände. Du kannst so lange gegen eine Wand rennen, wie Du willst. Auch wenn es "nur" eine Wand in Deinem Inneren ist: sie muss nicht weggehen. Du kannst auch drum herum laufen, drüber springen, eine Tür einbauen oder was weiß ich. Aber Deinen Kopf blutig daran schlagen? Deine Pläne sind nur dann interessant, wenn sie es für andere auch sind.
Suche Dir jemanden, von dem Du lernen kannst. Wenn Du das weiter ablehnst, musst Du eben weiter dem Wind folgen, wo immer er Dich hin treibt. Finde DEINE Wege mit den Schritten, die Dir möglich sind. Alles andere ist Bullshit.