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Ich bin ein schlechter Mensch momentan

Es macht mir so Angst, dass ich so viel weniger fühle. Dass ich gegenüber Menschen und Dingen, die ich früher geliebt habe, so kalt sein kann. Dass ich im Stande war, diese Dinge zu tun. Aber in mir ist noch Liebe und ich sehe auch die Schönheit des Lebens. Bloß macht mich das dann meistens so traurig, weil ich das Alles so lange nicht genug geachtet und wertgeschätzt habe bzw. dann wieder denke, dass ich das gar nicht verdiene...
 
Es wurde ja alles mit der Pandemie schlimmer und dann noch einigen belastenden Situationen. Ich war komplett überfordert mit Entscheidungen, man wollte ja alles richtig machen und niemanden gefährden usw. Dazu der Umzug, Stress mit Vermieter, in der Uni und finanzielle Sorgen... Ich habe angefangen, mich für jede Entscheidung fertig zu machen.
Und dann kam irgendwann dieses Gefühl von "Ich kann das eh nicht alles gut schaffen, mir ist alles egal". Ich habe das Gefühl, das ist eine allgemeiner Schutzmechanismus meiner Seele. Wenn es zu viel wird, werden alle Gefühle abgeschaltet. So erkläre ich mir auch, dass ich beim Tod meines Vaters irgendwie gar nicht richtig traurig war und nicht wirklich Angst hatte, als ich mit einer lebensgefährlichen Krankheit im Krankenhaus war. Oder damals, als ich wegen meines geringen Gewichts fast draufgegangen wäre...
Oder vielleicht habe ich auch einfach eine leichte Alexithymie, das würde auch sehr gut zu meinen psychosomatischen Beschwerden passen...
 
Ich weiß einfach nicht, wie ich weitermachen kann. Ich hasse mein Spiegelbild, man kann das Böse in mir schon etwas sehen. Selbst wenn ich schlafe, kneife ich die Augen zusammen und habe dann morgens eine Falte zwischen den Augen. Von dem komischen Essen habe ich dicke Wangen.

Und ich möchte ja wieder mit Ehrlichkeit durchs Leben gehen, aber habe Angst, wenn ich erzähle, was ich wirklich die letzten gut 2 Jahre gemacht habe, dass niemand mehr was mit mir zu tun haben möchte. Aber mit diesen ganzen Lügen weiterleben ist auch furchtbar...
 
Suche dir einen Ausbildungsplatz und erzähle erst danach vom neuerlichen Scheitern im Studium.
Ich kann gut verstehen, dass du nicht fein mit dir bist, aber wem nutzt es, wenn du dich jetzt beschimpfst und niedermachst?
 
Hallo Supida2,

ja, da ist einiges "dumm gelaufen". Aber Du scheinst nun die Strategie "Schuld und Sühne" zu verfolgen. Du prügelst auf Dich ein, schüttest eimerweise Asche auf Dein Haupt und stellst alles in Frage. Die Folge davon ist, dass Du noch handlungsunfähiger wirst und voraussichtlich auch bleiben wirst, denn wer alles anzweifelt, kann nichts mehr entscheiden, denn wie willst Du etwas sinnvoll entscheiden, wenn alles nur Mist ist? Und dann ist Deine Vergangenheit der Beleg dafür, dass Dir Deine Zukunft nicht zusteht?

Thomas Alva Edison hat scheinbar über 1.000 Versuche machen müssen, bis er die Glühbirne erfunden hat. Ok, wir beide sind nicht wie Edison, aber hätten wir auch nur 100 Versuche "ausgehalten"? 100 mal "Versagen" ist ja nicht gerade wenig, oder? Aber heute zählt seine Glühbirne und nicht das Scheitern.

Ich habe nur einen Rat für Dich, wie manche andere auch schon geschrieben haben: hör auf, auf Dich einzuschlagen. Das tut nur weh und macht Dich nicht zu einem besseren Menschen. Schon im Mittelalter gab es Menschen, die durch die Straßen getaumelt sind und sich gegeißelt haben. Der Pest war das egal, dem Elend auch. Das bringt überhaupt und rein garnichts. Warum also nicht einfach damit aufhören?

Was schlussendlich zählt ist, dass Du nicht aufgibst und Dich auf Schritte konzentrierst, die sinnvoll sind. Ich weiß nicht, welche das für DICH sein könnten. Deine Gedanken kannst Du lenken und Deinen Ballast kannst Du weiter mit Dir rumschleppen oder ihn ablegen. Niemand nimmt ihn Dir ab, denn das kannst nur Du. Aber niemand mit Verstand und Mitgefühl zwingt ihn Dir wieder auf, auch das kannst nur Du. Fehler darfst und kannst Du hinter Dir lassen. Wenn es etwas wieder gut zu machen gibt, dann tu das und dann geh weiter.

Arbeite daran, dass Dein Perfektionismus nicht nur eine Ausrede bleibt. Sei freundlich zu Dir, wirklich freundlich und lass diesen Staub um Dich herum sich legen, damit Du wieder klarer sehen kannst. Vielleicht sind Medikamente notwendig. Kann sein. Wenn in 100 Jahren niemand mehr interessiert, was Du angestellt hast, warum sollte das dann heute wichtig sein? Denke wirklich logisch darüber nach und ergib Dich nicht Deinen Gefühlen, denn die sind nur Hinweise und keine guten Einfälle. Sie sind nur Straßenschilder, aber sie sind nicht der Weg, den Du für Dich finden kannst und darfst.

Verzeih mir, wenn ich das schreibe, aber in Deinen Zeilen kommt auch eine ziemliche Arroganz zum Vorschein, denn mit weniger als Perfektion magst Du Dich nicht abgeben. Da hilft leider nur Demut, denn 70-80% Perfektion musst Du erst einmal schaffen, aber wenn das schon unter Deiner Würde ist, was bleibt dann? Genau! Garnichts, denn Du hast nicht einmal angefangen. Das meine ich mit "logischem Denken": Du musst und kannst lernen, Schritt für Schritt vorzugehen und manchmal sind auch 60% schon verdammt viel im Vergleich zu "nix und wieder nix", oder?

Alles Gute.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich finde den Ratschlag von Emilia sehr klug!
Ich finde mich in deiner Beschreibung wieder, auch wenn ich viel älter bin. Du scheinst ein Mensch zu sein, dem das Lernen leicht fällt und der immer so durch die Schule, Uni geflutscht ist. Und du scheinst sehr stolz, pflichtbewusst und eigentlich selbstbewusst zu sein. Das es dir seit 2 Jahren so geht, hat sicherlich auch was mit der "Seuche" zu tun. Dadurch ist das Leben der meisten irgendwie aus den Fugen geraten. Auch meins. Wenn du eine lieben Menschen hast, bitte ihn dich zu unterstützen. Bei mir ist es derzeit meine Schwester, die ich bitten muss, nach einem Therapeuten für mich zu suchen und Termine für mich zu vereinbaren. Ich bekomme es gerade nicht auf die Reihe. Ich will ja, schaffe es gerade aber kräftemäßig nicht. Versuche die Hilfe, die dir angeboten wird in Anspruch zu nehmen. Mir fällt es dummerweise extrem schwer. Mein Stolz stellt mir gerade ständig ein Bein.
Ich hoffe auch, bald von dir positive Nachrichten hier zu lesen!
 
Setzte dich jeden Tag mit deiner Tat auseinander, akzeptiere es und lerne daraus es nie wieder zu tun. Tust du es noch oder wieder bist verloren. Tu viel selbsloses und gutes. Der Dank fühlt sich gut an. Hast du so viel unaussprechliche Dinge so lange getan und tust nicht Buße bist du verloren. Bezahl deine Rechnungen
 
Es ist irgendwie auch eine Frage des Anspruchs. Bei meinen zahlreichen Praktika habe ich oft Unterricht gesehen, wo ich mir dachte, das kann ich mindestens genauso gut. Aber ich möchte keinen mittelmäßigen bis schlechten Unterricht machen. Und ob ich Unterricht auf hohem Niveau auf Dauer schaffe, weiß ich nicht.... So viel Planung und trotzdem muss man ja auch spontan reagieren können. Liegt mir beides nicht so richtig gut.
Dieser Perfektionismus allgemein... Und mein Schwarz-Weiß-Denken... Tut mir gar nicht gut.

Hi,

habe mir gerade nochmal durchgelesen, was du geschrieben hast.

Kann es sein, dass deine Vorstellung von 'gut' und 'böse' recht unreflektiert ist zur Zeit?

Wahrheit sagen ist gut, Lügen ist böse.

Brav Leistung bringen ist gut, das nicht zu tun ist schlecht.

Bestimmte Arten von Konsumverhalten sind gut, andere sind böse... Wie jemand, der an Dualismus glaubt, unterscheidet du bei jeder Alltagshandlung, ob es eine 'gute, erlaubte' ist oder eine 'böse'.

Kann das sein oder verstehe ich dich da falsch?

Und falls ich recht habe: hältst du diese Art zu denken für rational sinnvoll (mal unabhängig davon, ob es dir gut tut)?

Natürlich ist es meist besser, die Wahrheit zu sagen. Aber immer?

Natürlich ist es auch besser, wenn man Lebensmittel nicht verschwendet.

Und manchmal passiert es eben doch, noch nicht mal aus Gleichgültigkeit, sondern aus Fehlplanung.

Und jetzt? Für den Rest des Lebens in Sack und Asche gehen?
 
Hi,

habe mir gerade nochmal durchgelesen, was du geschrieben hast.

Kann es sein, dass deine Vorstellung von 'gut' und 'böse' recht unreflektiert ist zur Zeit?

Wahrheit sagen ist gut, Lügen ist böse.

Brav Leistung bringen ist gut, das nicht zu tun ist schlecht.

Bestimmte Arten von Konsumverhalten sind gut, andere sind böse... Wie jemand, der an Dualismus glaubt, unterscheidet du bei jeder Alltagshandlung, ob es eine 'gute, erlaubte' ist oder eine 'böse'.

Kann das sein oder verstehe ich dich da falsch?

Und falls ich recht habe: hältst du diese Art zu denken für rational sinnvoll (mal unabhängig davon, ob es dir gut tut)?

Natürlich ist es meist besser, die Wahrheit zu sagen. Aber immer?

Natürlich ist es auch besser, wenn man Lebensmittel nicht verschwendet.

Und manchmal passiert es eben doch, noch nicht mal aus Gleichgültigkeit, sondern aus Fehlplanung.

Und jetzt? Für den Rest des Lebens in Sack und Asche gehen?
Du hast Recht, ich denke wohl gerade zu dualistisch...
 

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