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Ich bin ein schlechter Mensch momentan

Ich war vor 3 Monaten kurz in einer Klinik. Aber selbst dort komme ich mir wie eine Betrügerin vor. Weil ich mich ja nicht genug angestrengt habe. Und was ist mir Schlimmes im Leben passiert?

Ok, mein Vater ist gestorben, als ich 16 war, aber im Vergleich zu anderen Biographien ist das nichts... Ich hatte so ziemlich alles und habe alles versaut. Ich habe es ja selbst falsch gemacht, um mir zu schaden. Hatte so viele Hilfangebote. Aber dieses Mal habe ich das Gefühl, ich muss es einfach selbst schaffen. Endlich mal selbst Verantwortung übernehmen und mein Leben auf die Reihe kriegen. 3 Mal war ich in Kliniken und es hat nicht viel gebracht. Ok, teilweise schon.
 
Mein Selbstwert ist im Keller. Ich weiß nicht, wie jemand mit meinem sozialen Hintergrund und meiner Erziehung so dumme Dinge tun konnte. Das ist glaube ich, warum ich nicht akzeptieren möchte, was aus mir geworden ist. Ich ekle mich vor mir selbst, ich habe gesundheitliche, finanzielle und ausbildungstechnische Probleme, von der moralischen Schuld ganz abgesehen. Ja, vermutlich ist das etwas arrogant, aber meine Freunde von früher und auch meine jetzigen guten Freunde (die ich leider auch ziemlich vernachlässigt habe bzw. angelogen) sind nun mal intelligente, oft sozial/ökologisch engagierte und vielseitig begabte Menschen. Und so habe ich mich auch immer gesehen. Ok, seit dem Abi vor 10 Jahren hatte ich immer wieder psychische/psychosomatische Probleme, hatte 3 Klinikaufenthalte, verschiedene Therapeuten und Medikamente. Alltäglichste Dinge fielen mir schwer. Aber trotzdem dachte ich, in meinem Inneren immer noch dieser Mensch zu sein.

Und vor 2 Jahren dann in dieser Belastungssituation wieder krasse Verschlechterung meiner psychischen und physischen Gesundheit. Hab z. B. fast 10 Kilo abgenommen, ohne es zu wollen. Hab einfach wieder mein Hungergefühl verloren. Aber warum kann ich mir nicht einen Plan machen und trotzdem essen? Hatte das schon mal genau so und weiß, dass ich da generell drauf achten muss, weil ich tendenziell bei Stress abnehme. Und ich bin schnell gestresst.

Ok, und dann schlug es in das Gegenteil um. Dinge essen, die mir nicht schmecken und die auch nicht gesund sind. Später dann eben auch von meinen Mitbewohnern. Am Anfang hatte ich keine Kontrolle darüber. Doch irgendwann habe ich es bewusst gemacht. Ich weiß nicht warum. Um mir zu zeigen, was für ein schlechter Mensch ich bin? Wie krank ist das?

Vermutlich ist mein Grundproblem wirklich, dass ich meinen Ansprüchen nicht genügen kann. Doch irgendwann fing es ja auch an, meinen Mitmenschen zu schaden. Ich hab so tolle Familie und Freunde. Ich habe mir vor langer Zeit gesagt, dass ich mir nie verzeihen kann, wenn ich sie weitermache. So, und nun stehe ich hier, 2 Jahre später, und das Weltgeschehen ist noch düsterer. Im Angesicht der Klimakrise und Ressourcenknappheit aufgrund von Krieg und allgemein ist es noch wahnsinniger, was ich getan habe. Unglaublich viel Essen verschwenden. Die Tage im Bett verbringen, meine Ausbildung an die Wand fahren,ok,das schädigt hauptsächlich mich. Auch meine Kernfamilie, die mich finanziell und moralisch so viel unterstützt haben in den letzten fast 8 Jahren. Aber diese moralische Schuld der Welt gegenüber ist schlimmer als meine finanziellen Schulden (die leider gerade in Form von Bafög-Rückzahlung und Studienkredit auch akut werden).

An deinem Post fallen mir verschiedene Dinge auf:

Zum einen benutzt du das Wort 'krank' in einer Doppelbedeutung. Zum einen sagst du 'krank', einfach als Adjektiv zu 'Krankheit'. Dagegen habe ich nichts einzuwenden: jemand, der unter einer Krankheit leidet, ist krank - egal ob es eine körperliche oder seelische Krankheit ist.

Zum anderen benutzt du dieses Wort abwertend (wie im allgemeinen Sprachgebrauch leider auch üblich) : 'das ist doch krank' sagen häufig Menschen, die eben nicht Verständnis für das Verhalten eines anderen haben, weil der unter einer Krankheit leidet.

Stattdessen ist gemeint: dieses Verhalten ist abnorm, moralisch zu verurteilen, verabscheuungswürdig.

Und gegen diese zweite Bedeutung habe ich sehr viel einzuwenden: das ist meiner Meinung nach eine der Arten, wie (psychisch) Kranke in unserer Gesellschaft stigmatisiert werden - dieser Gebrauch des Wortes 'krank'.

Es geht mir hier explizit nicht darum, eine Grundsatzdiskussion loszutreten.

Stattdessen möchte ich dich bitten, dir mal anzuschauen, wie du über deine Krankheit denkst.

Wenn du in 10 Jahren 3 Klinikaufenthalte hattest und Medikamente einnehmen musstest, dann hast du eine Krankheit.

3 Klinikaufenthalte bekommt man in Deutschland nicht 'einfach so'.

So, wie du schreibst, würde ich annehmen wollen, dass bei dir Depressionen diagnostiziert wurde.

Du brauchst natürlich nicht auf meine Spekulation einzugehen, wenn du nicht willst und dieses Thema hier auch nicht zu vertiefen.

Ferndiagnosen sind schließlich fast immer falsch und es ist allein deine Sache, was und wie viel du preisgibst.

Ich möchte dich nur anregen und dringend bitten, mit deinem Therapeuten oder deiner Therapeutin über dein Verständnis deiner Krankheit zu reden.

Wenn du eine Krankheit hast (egal welche), die es notwendig macht, dass du Medikamente nehmen musst, dass du Klinikaufenthalte und Therapien brauchst, dann ist das NICHT irgendwie unbedeutender Kleinkram, der bei der Einschätzung deiner Leistungen zu vernachlässigen wäre.

Dein Vergleich mit irgendwelchen Klassenkameraden ist da völlig unangebracht.

Wenn du krank bist, bist du in der Entfaltung deiner Talente und Fähigkeiten eingeschränkt (oder warst es zumindest in der Vergangenheit). Punkt.

Natürlich kann man sich wünschen, dass man größeres Glück gehabt hätte und gesund geblieben wäre.

Das hilft dir aber leider nicht weiter.

Und dich für deine Krankheit zu verurteilen, hilft dir auch nicht weiter.

Du klingst im Moment mit deinen Problemen stark überfordert - bist du zur Zeit in ärztlicher Behandlung und hast darüber mal gesprochen?

Vielleicht wäre es sinnvoll, dass dir eine Person bei der Regelung deiner finanziellen Angelegenheiten hilft - gibt es da jemanden in deiner Familie, den du bitten kannst?

Ich meine nicht, dass diese Person deine Schulden zahlen soll, sondern dir einfach helfen, die notwendigen Briefe zu schreiben, damit du deine Kredite später abzahlen kannst (Stundung).

Ah ja, noch was: meiner Meinung nach würde es dir besser gehen, wenn du es schaffen könntest, dein Selbstwertgefühl von deiner Leistungsfähigkeit zu entkoppelt.

Dass das in unserer Gesellschaft schwer ist, weiss ich.

Aber du bist ein Mensch, ein Kind des Universums, ein kleiner Teil der Art und Weise, in der sich die Realität selbst beobachtet - und du hast ein Recht darauf, du zu sein und zu existieren: genauso, wie jeder Stern, jede Ameise, jedes Kieselsteinchen oder Eichhörnchen.

Du musst nichts besonderes leisten, um existieren zu dürfen und dich deines Lebens zu freuen.

Alles Gute!
 
Liebe Supida, es ist sehr wichtig, dass du in der Therapie ehrlich bist. Sonst kann man dir nicht adäquat helfen.

Du hast objektiv nichts Schlimmes gemacht. Geschadet hast du dir selbst am meisten.
 
Du bist ein freier Mensch. Wenn du dein Leben weiter vor die Wand fahren willst, ist das in Ordnung.
Das "Argument", andere seien ja "schlimmer dran" und bedürften eher der Psychiatrieplätze zieht nicht, wenn man sich vergegenwärtigt, dass du Suizidfantasien hegst.
(Ich könnte mir auch vorstellen, dass die negative Nabelschau unbewusst den Zweck verfolgt, dich von einem offenbar erfolglosen Studium abzulenken. Fliehst du vor der Erkenntnis, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben?)
 
Du bist ein freier Mensch. Wenn du dein Leben weiter vor die Wand fahren willst, ist das in Ordnung.
Das "Argument", andere seien ja "schlimmer dran" und bedürften eher der Psychiatrieplätze zieht nicht, wenn man sich vergegenwärtigt, dass du Suizidfantasien hegst.
(Ich könnte mir auch vorstellen, dass die negative Nabelschau unbewusst den Zweck verfolgt, dich von einem offenbar erfolglosen Studium abzulenken. Fliehst du vor der Erkenntnis, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben?)

Meiner Meinung nach ist es eher etwas anderes, vor dem du fliehst, Supida2 :

Die Erkenntnis, dass deine Krankheit eben eine Krankheit ist und nicht - in irgendeiner Form - dein Versagen.
 
Ja, das Studium ist mein zweites und im Nachhinein betrachtet auch nicht die beste Entscheidung gewesen, weil ich mir nicht vorstellen kann, auf Dauer in dem Beruf zu arbeiten. Aber ich hatte in dem Studium immer gute bis sehr gute Noten- bis vor 2 Jahren. Als ich wieder komplett überfordert war.
 
Ich denke, HIER liegt das wirkliche Problem.
Du scheiterst auch im zweiten Studienversuch und magst daraus nicht die einzig richtige Konsequenz ziehen: Studienabbruch und beginn einer passenden Ausbildung.
Es ist dir peinlich Familie und Freunden gegenüber.
Daher die ganzen Vernebelungen. Es lenkt ab vom unangenehmen Kernproblem.
Ich würde es so machen: ERST Ausbildungsvertrag in der Tasche haben. DANN den Eltern offenbaren, dass du abgebrochen hast.
Es ist schon alarmierend, dass die Selbsttötung dir leichter erscheint, als ein Outing deines Scheiterns an der Uni.
Höre in dich hinein. Was würde dir Freude machen? Welche Ausbildung passt zu dir?
 
Liebe Supida,
Ich denke, ich kann nachvollziehen, was bei dir passiert ist und wie du dich gerade fühlst. Ich habe leider in den letzten 3 Jahren das gleiche Szenario durchgelebt: Psychischer Zusammenbruch, Studium schleifen gelassen, 2 Jahre lang nichts gemacht, Menschen angelogen und verletzt.

Ich denke, die Kommentare die du hier bekommen hast, wie "es nicht mehr zu machen", "sich entschuldigen und weiter leben", "nicht in Selbstmitleid versinken" werden dir nicht weiterhelfen, da du dich derzeit in einem tiefen Loch befindest und von deiner Krankheit komplett gelähmt bist.

Ich würde dir empfehlen, alles was geht jetzt einfach lassen und ERNSTHAFT psychiatrische Hilfe suchen. Also nicht halbherzig 1x in der Woche zum Therapeuten gehen, sondern vom Arzt untersuchen lassen. Im Zweifelsfall mehrere Ärzte besuchen. Ich vermute, dir haben schon viele eingeredet es sei nicht so schlimm und du wirst schon irgendwie rauskommen aber es stimmt nicht! Du hast ein ernstahftes Problem, aus dem du nie alleine rauskommst. Vergiss jetzt was du anderen angetan hast - du hast vor allem dir selbst kontinuiertlich Schaden angerichtet. Willst du wirklich dein ganzes Leben so verbringen?

Ich habe hier vor etwa 1,5 Monaten einen ähnlichen Beitrag geschrieben. Dank mitfühlenden Antworten, die ich hier bekommen habe, habe ich endlich den Mut gefasst, mir psychiatrische Hilfe zu holen. Ich hatte Glück und habe sofort funktionierende Medikamente bekommen und spüre jetzt schon eine große Besserung. Die Medikamente lassen dein Problem nicht verschwinden, aber sie geben dir die Kraft, deine Probleme richtig zu benennen und langsam an deren Lösung zu arbeiten.

Es ist auch eine immense Hilfe, wenn du in deinem Leben einen Menschen hast, der immer zu dir steht, dich liebt und dir zuhören will. Du musst (und solltest auch nicht) diese Person jeden Tag mit deinen Problemen überschütten. Aber das Bewusstsein, dass du von jemandem geliebt wirst, auch wenn du dich wie der letzte Dreck fühlst, ist etwas, was bei einer Depression immens hilft.

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass wir von dir bald positive Nachrichten hören.
 
Es ist irgendwie auch eine Frage des Anspruchs. Bei meinen zahlreichen Praktika habe ich oft Unterricht gesehen, wo ich mir dachte, das kann ich mindestens genauso gut. Aber ich möchte keinen mittelmäßigen bis schlechten Unterricht machen. Und ob ich Unterricht auf hohem Niveau auf Dauer schaffe, weiß ich nicht.... So viel Planung und trotzdem muss man ja auch spontan reagieren können. Liegt mir beides nicht so richtig gut.
Dieser Perfektionismus allgemein... Und mein Schwarz-Weiß-Denken... Tut mir gar nicht gut.
 
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