Als ich etwa 5 Jahre alt war zogen wir nach Wiesbaden.
Meine Eltern meine Schwester (ein Jahr älter als ich) wohnten am Stadtrand in einem schönen Vorort von Wiesbaden.
Wir wohnten in einem Mehrfamilienhaus am Ende der Straße.
Neben unserem Haus gings direkt ins Feld. Nur wenige Meter weiter hatten wir einen riesigen Garten gepachtet. Hier waren wir natürlich sehr oft.Mein Vater hatte uns auf einer großen Eiche ein gemütliches Baumhaus gebaut, wo wir gerne drauf saßen.
Aber noch viel lieber spielten meine Schwester und ich mit den Nachbarsjungen. Sehr oft waren wir bei einer Familie die einen kleineren Bauernhof ein Stückchen weiter im Feld hatten.
Dort tobten wir mit den beiden Jungs der Familie nach Herzenslust auf dem Heuboden herum, machten Kunststücke auf dem Heuboden....denn wir wollten einen eigenen kleinen Zirkus aufmachen😉
Wir pflückten Kirschen und verkauften sie am Straßenrand.
Kletterten auf Bäume und tobten mit den Hunden auf der Wiese rum.
Einmal kamen neue lustig aussehende Hühner in den Stall....mit dicken aufgeplusterten Köpfen....die wahren so süß und knuddelig, so das wir uns jeder unser Huhn aussuchten dem wir gleich einen Namen gaben.
Auf diesem Bauernhof war ich so gut wie jeden Tag.
Jeder durfte einen Hund und eine kleine Katze sein eigen nennen, auch meine Schwester und ich hatten dort unsere Tiere, mit denen wir spielten.
Auch jede Menge anderer Kinder fanden sich oft dort noch ein, so das es nie langweilig wurde.
Als wir etwas älter wurden, und Fahrräder bekamen, verlagerte sich unser Spielplatzt mehr auf die Straße.
Hier kamen auch wieder neue Kinder dazu mit denen wir Freundschaft schlossen.
Manchmal machten wir im Feld große Lagerfeuer.
Irgentwie hatten wir uns immer jede Menge zu erzählen, es war einfach herrlich mit so einer Horde Kinder zu spielen.
Irgentwann begann dann der sogenannte Ernst des Lebens, die Schule.
Unser Schulweg war relativ weit. Wir mußten etwa gut 2 km laufen bis auf die andere Seite des Dorfes, dort ging es wieder steil den Berg hoch, an einer alten Burg vorbei.
Manchmal wenn wir ganz mutig waren, schlichen wir uns auf dem Nachhause Weg von der Schule auf das Burggelände, liefen durch den Burggarten und schlichen wenn wir mal ganz besonders mutig waren in der Burg herum.
Auf dem Nachhauseweg von der Schule kamen wir immer an einem kleinen Kiosk vorbei, der so herrliche Sachen hatte. Dort deckten wir uns für 20 Pfennig mit Brausestangen und Lakritze ein, wenn wir mal Geld dabei hatten, und liefen dann im Schneckentempo mampfend nach Hause.
Es war ein relativ weiter Weg, der aber nie langweilig wurde, weil meist mehrere Kinder zusammen waren.
Ich wurde älter und lernte wieder neue Freundinnen kennen.
Ich war eine begeisterte Leseratte. Was ich an Kinderbüchern in die Finger bekam, verschlang ich.
Über eine lange Zeit waren meine innigst geliebtesten Bücher Karl May Bücher.
Wenn ich Erwachsen war, soviel war klar, dann wollte ich die gesamten Indianer aus ihren Resevaten befreien.
Alleine als ich erfuhr, das meine innigst geliebten roten Brüder in Resevaten leben mußen, war das für mich fast ein Weltuntergang.
Mein Entschluß stand also fest, wenn ich Erwachsen war, würde ich sie befreien!
Aber ich verschlang diese Bücher nicht nur schon in jungen Jahren ich lebte auch selber in diesen wilden Rothäuten.
Und so hatten ich und meine geliebten Freundinnen für lange Zeit kein anderes Hobby, als wie die Wilden durch Wald und Feld zu toben. Lagerfeuer zu machen und Blutsbrüderschaft zu schließen.
Meine ehemalige Freundin sah mit ihren glatten, fast schwarzen Haaren und etwas dunkler Haut, fast wie eine waschechte Indianerin aus.
Ich liebte sie über alles, sie wurde natürlich mein kleiner Blutsbruder.
Diese Zeit war vielleicht die schönste von allen.
Meine Mutter war von unseren Spielen gar nicht sehr angetan.
Sie versuchte uns immer Puppen schmackhaft zu machen und zeigte auf andere anständige Mädchen, die brav mit ihren Puppenkindern im Wagen durch die Straßen kurvten und nicht wie durchgedrehte Wilde mit Pfeil und Bogen durch die Gegend rannten.
Aber für so etwas hatten wir natürlich nur ein müdes Lächeln übrig.
Die Puppen hätten wir warscheinlich nur zum skalpieren benutzt😉😀
Noch ein paar Jahre später, hatte ich dann eine andere Busenfreundin. Sie hatten ein großes Haus und einen Garten wo wir oft spielten.
Es gab da so eine Art Verschlag mit Eisentür im Garten wo wir immer noch unsere wilden Spiele veranstalteten, jetzt allerdings meistens Cowboy und Indianer. Es gab natürlich immer Gefangene, die dann in diesen Verschlag gesperrt wurden.
Oft durfte ich auch bei meiner Freundin übernachten, oder sie bei mir. Das war dann immer ganz besonders herrlich.
So ging unsere Kindheit langsam rum. Wir wurden älter und ab da kamen auch die anderen Interessen.
Wir fingen an, unser Taschengeld zu sparen, und gingen einmal im Monat in die Stadt zum Kuchenessen und Cola trinken. Ich weiß noch wie stolz wir waren, als wir das erste mal alleine Kuchen essen gingen und Cola tranken.
Bald waren Kino, Jugendclub und Musikstars interessanter als unsere Indianerspiele.
Wir waren Teenes geworden🙂