Mila-75
Mitglied
Also... ich erinnere mich noch an sehr vieles aus meiner Kindheit und diese Erinnerungen machen mir noch sehr zu schaffen. Natürlich gab es auch schöne Erlebnisse, aber darüber liegt ein großer hässlicher dunkler Schatten. Ich musste sehr früh verstehen, dass ich anders als andere Kinder bin. Dass das mit der Behinderung zu tun hat, die ich seit Geburt habe, begriff ich später. Die schrecklichen Sachen, die mir wahrscheinlich gerade deswegen widerfahren sind, möchte ich einzeln hier nicht benennen. Das wünsche ich keinem je zu erleben.
Und ja, ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag meiner Einschulung. Dazu muss ich erwähnen, dass ich in Russland geboren und aufgewachsen bin. Auf diesem Hintergrund mag es vielleicht komisch klingen, aber mir war schon immer bewusst, dass ich eine Deutsche bin. In Russland gibt es zweierlei Sachen, die in den Dokumenten der Bürgern stehen müssen. Die eine ist die Staatsangehörigkeit und die zweite ist eben die Nationalität. Und Deutsche zu sein, gerade in Russland, das ließ man einen dort auch spüren. Ich bin zwar, wie gesagt, in Russland geboren und aufgewachsen und konnte kein Deutsch (nur meine Mutter hatte in meiner Kindheit deutsche Kosenamen für uns Kinder), aber außer erniedrigender Spitznamen wegen meiner Behinderung (z.B. Säuferin, weil ich wackelig auf den Beinen bin) gehörte der Ruf "Faschistin" auch stabil dazu. Und das ist noch das Harmloseste.
Also, meine Einschulung...
In den Achtzigern fing der erste Schultag nach den Sommerferien traditionsgemäß mit dem sogenannten Friedensunterricht. Das war eine Stunde, in der die Sowjetunion von den Lehrern so richtig angepriesen werden musste. Der 1. September 1982 war mein Einschulungstag, für mich eine Riesenfreude, jedenfalls bis zu einem gewiessen Moment... Friedensunterricht fing an. Die Lehrerin kam so richtig in Fahrt mit ihrem Lobeslied für die Sowjetunion. Ich war beim Zuhören stolz darauf, Bürgerin dieses Landes zu sein. Und dann, als ein Musterbeispiel der russischen Friedfertigkeit, sagte sie plötzlich: "Trotz des schrecklichen Krieges unserer heißgeliebten Heimat mit dem faschistischen Deutschland sitzt gerade eine Vertreterin dieser Nationalität, eine Deutsche, in diesem Klassenzimmer, am ersten Schultisch und hat in unserem gelobten Vaterland die gleichen Rechte und Möglichkeiten wie wir alle!", dabei hat sie geradezu triumphierend auf mich gezeigt. Tja, danach war der Haß meiner Mitschuler auf mich garantiert.
Nun ja, später gab es noch einiges, was viel schlimmer war...
Ich wünschte, ich hätte lieber keine Erinnerungen an meine Kindheit.
Mila
Und ja, ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag meiner Einschulung. Dazu muss ich erwähnen, dass ich in Russland geboren und aufgewachsen bin. Auf diesem Hintergrund mag es vielleicht komisch klingen, aber mir war schon immer bewusst, dass ich eine Deutsche bin. In Russland gibt es zweierlei Sachen, die in den Dokumenten der Bürgern stehen müssen. Die eine ist die Staatsangehörigkeit und die zweite ist eben die Nationalität. Und Deutsche zu sein, gerade in Russland, das ließ man einen dort auch spüren. Ich bin zwar, wie gesagt, in Russland geboren und aufgewachsen und konnte kein Deutsch (nur meine Mutter hatte in meiner Kindheit deutsche Kosenamen für uns Kinder), aber außer erniedrigender Spitznamen wegen meiner Behinderung (z.B. Säuferin, weil ich wackelig auf den Beinen bin) gehörte der Ruf "Faschistin" auch stabil dazu. Und das ist noch das Harmloseste.
Also, meine Einschulung...
In den Achtzigern fing der erste Schultag nach den Sommerferien traditionsgemäß mit dem sogenannten Friedensunterricht. Das war eine Stunde, in der die Sowjetunion von den Lehrern so richtig angepriesen werden musste. Der 1. September 1982 war mein Einschulungstag, für mich eine Riesenfreude, jedenfalls bis zu einem gewiessen Moment... Friedensunterricht fing an. Die Lehrerin kam so richtig in Fahrt mit ihrem Lobeslied für die Sowjetunion. Ich war beim Zuhören stolz darauf, Bürgerin dieses Landes zu sein. Und dann, als ein Musterbeispiel der russischen Friedfertigkeit, sagte sie plötzlich: "Trotz des schrecklichen Krieges unserer heißgeliebten Heimat mit dem faschistischen Deutschland sitzt gerade eine Vertreterin dieser Nationalität, eine Deutsche, in diesem Klassenzimmer, am ersten Schultisch und hat in unserem gelobten Vaterland die gleichen Rechte und Möglichkeiten wie wir alle!", dabei hat sie geradezu triumphierend auf mich gezeigt. Tja, danach war der Haß meiner Mitschuler auf mich garantiert.
Nun ja, später gab es noch einiges, was viel schlimmer war...
Ich wünschte, ich hätte lieber keine Erinnerungen an meine Kindheit.
Mila