Hallo.
Ich habe eine 1 jährige Tochter und bin sehr einsam. Meine Familie war noch nie wirklich für mich da und der Vater meiner Tochter möchte sie nicht sehen.
Nun ist es so, dass andere in meinem Alter (20) Freunde und Familie haben oder eine Beziehung. Der Vater meiner Tochter hat selber eine Freundin mit der er schöne Sachen unternimmt. Ich könnte mit meiner Tochter zwar auch viel unternehmen, war sogar allein mit ihr im Urlaub, allerdings werde ich dort natürlich oft angestarrt und beneide Familien und Paare. Dass ich einen Partner finde der mich liebt kann ich mir nicht vorstellen, wenn ich keine Tochter hätte wäre dies kein Problem.
Generell gibt mir meine Tochter das Gefühl ungeliebt zu sein, da der Vater ja weder an mir noch an seiner Tochter interessiert ist. Für mich wäre es kein Problem einfach Single zu sein, wenn ich kein Kind hätte weil ich dann mit Freunden etwas machen könnte. Vielleicht wäre ich auch in einer Beziehung etc. Und selbst wenn ich komplett allein wäre, wäre ich nur für mich allein verantwortlich. Mein Kind gibt mir das Gefühl falsch zu sein, nicht liebenswert usw. Ich kümmere mich gut um meine Tochter aber ich hab das Gefühl alles zielt nur darauf ab dass sie ein schönes Leben hat. Also dass meine Gefühle oder Interessen keine Rollen spielen. Zumal ich studiere und außerhalb der Vorlesungen viel lernen muss, was mit einem Kind sehr schwierig ist. Man kommt zu nichts! Ich weiß nun nicht was ich machen soll, da ich unglücklich bin und einfach nur funktioniere. An manchen Tagen wünsche ich mir ich wäre jetzt allein und kann einfach nur die Decke anstarren. Ich hab gar keine großen Wünsche, möchte einfach nur meine Ruhe und für mich sein. Was soll ich da machen?
Hallo Kindl,
Die Situation ist ziemlich verfahren. Und wie Du an der Reaktionen hier leicht erkennen kannst, kommt man weder mit Verständnis noch mit Unverständnis weiter und schon gar nicht mit der Moralischen "Keule". Dem Kind ist damit überhaupt nicht geholfen. Dir letztlich auch nicht.
Konzentriere Dich auf die Dir verbleibende freie Zeit, in der Du Dir und Deinem Kind etwas gutes tun kannst. Sei es noch so wenig Zeit.
Ja, Du musst auf sehr vieles verzichten. Aber bedenke auch, man verschwendet wertvolle Lebenszeit mit den vielen - Wenn und Abers. Das ist wertlos und wirkt erst recht sehr negativ. Man ist somit frustriert, deprimiert und auch wütend. Das ist alles menschlich. Und wie Du siehst, projeziert man das leicht auf sein Kind. Deine Kleine symbolisiert somit Dein kleines Leben 1 zu 1
-> Es wäre also nur richtig, wenn Du Dich zunächst stabilisierst und vor allem organisierst.
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Momentan fühlst Du Dich allein und mit allem im Stich gelassen. Das triggert Deine Sehnsüchte nach mehr Lebensfreiraum usw. an. Das finde ich völlig verständlich und auch normal. Aber bedenke dabei, dass Momente der Liebe, immer Momente der Sehnsucht sind. Was viel Raum für Dein Kind bietet. Liebe. Tief innen drin, liebst Du doch Deine Zwergin, oder etwa nicht?
>>>Für Dich heißt das primäre Ziel, mach Dein Studium fertig.
Organisiere Dich/Euch. Das geht, auch wenn das nie leicht sein wird. Schau noch vorne, Kindl.
🙂 Deine Kleine wird Dir noch sehr viel geben. Auch im größten Stress. Einfach so. Aber noch ist sie zu klein und hilflos. Wenn sie Dir das erste mal entgegen rennt, weißt Du was ich meine.
-> Stecke Dir kleine Ziele. Die Sehnsucht kann dafür sehr belebend sein.
-> Nutze die Möglichkeiten, die Müttern an der Uni geboten werden. Vielleicht gibt es auch eine Selbsthilfe Gruppe für studierende Mütter.
Dich gibt es nur im Doppelpack zu haben. Aber so lange Du diese Blockade im Kopf hast, sieht Deine Zukunft schwarz aus. Deshalb, organisiere Dich, dass schafft auch ein Stück Identität durch Freiräume. Diese scheint Dir verloren gegangen zu sein.
Und noch was:
Wenn man seinem Idealbild hinterher rennt, hat man schon verloren. Das Du niemals einen Partner bekommst, wo steht denn das geschrieben?
Wenn Du Dein Leben mit Deinem Kind, mit Kraft und Umsicht gestalltes, natürlich auch mit Rücksicht auf Dich, warum sollte das nicht anziehend auf die Männer wirken können, hm?
Sieh nicht zu schwarz! Wenn es gar nicht gehen will, suche Dir Adäquate Hilfe. Es wurden ja schon einige Möglichkeiten genannt.
Und hey... Du darfst auch mal schwache Momente haben, ja, auch verzweifelt sein. Ist doch alles neu für Dich. Vor allem die große Verantwortung für Euch beide. Das wird nie wirklich leicht sein. Das liegt in der Natur der Sache. Weißte doch.
Alles Gute
abendtau