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Zeit der Trauer

Es war ein gutes, produktives Wochenende.
Der Garten ist nun winterfit, alles gestrichen, alle Pflanzen geschützt, alles verräumt.
Äpfel warten auf die Weiterverarbeitung, aus den meisten wird Apfelmus mit Zimtaroma, kommt alles in Beuteln in die Gefriertruhe. Alles mit Vorräten füllen habe ich wohl von meiner Mutter. Ich male mir aus, wie ich den Dezember überstehe. Distanz zu dieser zuckerglasierten, watteweichen Scheinwelt, mit Glöckchenschall garniert.
Gott sei Dank habe ich ausreichend triviale Seiten.
Gestern Abend habe ich mir einen Film angesehen, den ich letze Woche aufgezeichnet habe. Darin sah ich einen jungen Mann, ach, diese Haarfarbe, das hübsche Gesicht, wie gemeißelt. Und ich sah ihn. Wieder. Ich konnte mich nicht ablenken.
Ich fragte mich, ob er wohl auch so, so ähnlich ausgesehen hätte, mit 18, mit 19. Dass ich nie erleben werde, wie er seinen Weg geht, das erste mal für ein Mädchen schwärmt, Stolz - für sich entdeckt. Als alle schlafen waren habe ich getrunken, getrunken bis alles ganz dumpf und weit weg war. Bis auf ihn. Er blieb. Die ganze Nacht. Ich streckte meine Arme aus und konnte ihn nicht greifen. Tot. Tot. Tot. Mein Sohn ist tot.
Ich kann es noch immer nicht fassen. Will es nicht fassen. Nach all den Jahren. Es ist zu groß, zu grausam.

Heute früh.
Montagmorgen.
Morgens. An einem weiteren Montag.
Ein neues Hemd. Und gleich Termine. Es geht weiter und weiter und weiter. Immer weiter.
Bis die Vorstellung irgendwann final zu Ende ist.
Ich fühle alles. Mich. Die Kälte. Den klammen Schmerz.
Aber auch die Wärme. Das Licht.
Weiter bis zur nächsten Bank.
 
Gestern habe ich mit meiner Mutter den Grabstein und die Einfassung ausgewählt.

Der Erbterror gegen sie nimmt langsam ein Ende.

Alles ruhiger.


Blacksurfer, es tut mir leid.
 
ja, mich nimmt die Trauer auch grad ein.
Vor ein paar Tagen hätte meine Ma Geburtstag gehabt.
Heute vor zwei Jahren beerdigte ich meine Minouche, kurz zuvor Max.
Ronny-Baby ist krank, wird immer dünner und wird auch bald sterben und ich versuche oben zu bleiben.
Gestern träumte ich von... mit dem ich sechs Jahre zusammenlebte.

Ich gebe ihr Raum und Zeit...der Trauer...
 
Ich hasse diese Tage, an denen die Trauer wieder schlimmer wird. Tage wie diese, an denen ich einfach nur heulen könnte. Tage wie diese, an denen mir jeder tierisch auf die Nerven geht. An denen meine Nerven blank liegen und ich mich sogar über Rechtschreibfehler oder das ADS von meinem Freund aufrege (nicht gut, ich weiß^^ er kann nix dafür, trotzdem nervt's...).
Ich hasse diese Fragen, die ich mir immer wieder stelle.
Ich hasse es, keine Freunde zu haben, mit denen ich reden kann.
Ich hasse es, dass der einzige Mensch mit dem ich über alles reden kann, im Ausland im Urlaub ist (hätte ich Geld auf dem Handy, würde ich sie anrufen, scheiß auf den Auslandstarif...)
Ich hasse es, gezwungenermaßen lachen zu müssen, wenn ich lieber weinen würde... still zu sein, obwohl ich am liebsten den ganzen Schmerz rausschreien würde... zu lieben, obwohl ich momentan voller Hass bin.
Und vor allem hasse ich es, wenn mich gewisse Menschen blöde angrinsen und was faseln von "Leichenteilen", "Schnellzug", "zerfetzt", "hahaha, alles so lustig"!!! Vor allem verstehe ich nicht, warum er das lustig findet? Sein bester Freund hat sich auch vor längerer Zeit in den Kopf geschossen und das vor seinen Augen, wir teilen also das gleiche Schicksal, aber ich lache ihn nicht aus beziehungsweise ziehe ihn auf: "Na, hat der Typ sich in den Kopf geschossen, he? Bäääm, Headshot und da war er weg vom Fenster, hach ist das lustig, da könnte man 'ne Komödie draus machen"!!! Wie kann man so respektlos sein???

Sorry aber ich musste mir gerade mal Luft machen-.- euch ein schönes Wochenende...
 
Es geht mir nicht gut.
8 Monate und 10 Tage bist Du schon nicht mehr bei mir - aber vermissen tu' ich dich jeden Tag!

Ich bekomme nichts auf die Kette. Ich bin krank geschrieben - seit 5 Monaten, nach einem Nervenzusammenbruch.

Meine Mama ist gestorben und mit ihr alles, was es an Familie gegeben hat, in meinem Leben.
Was das angeht bin ich alleine. Da braucht es nur ein Lied, eine Straße in meiner Stadt, ein Gericht, ein Film - ein Moment sein und ich verliere mich in Gedanken an meine verstorbene Mutter...

Ich soll aber auch "einfach" weiter machen. Wieder klar kommen sagt mir meine Umwelt.
Und ach so viele Menschen verstehen mich. Was verstehen die? Wie das ist wenn die Mutter stirbt - obwohl die ihre noch haben? Wie das ist, wenn man mit allem alleine da steht und einfach niemanden mehr hat, der einem Sicherheit bietet? Die verstehen, wie ich mich fühle - während, vor und nach einer meiner Depressionen?

Einen Schei* verstehen die. Und das ist ja auch das schlimme. Man kann es ihnen nicht einmal vorwerfen. Sie wollen helfen.

Aber mir kann niemand mehr helfen.

Mit meiner Mutter ist auch ein Teil von mir gestorben. 8 Jahre lang habe ich sie gepflegt, mit angesehen, wie der Mensch der immer mein Vorbild war von Tag zu Tag kleiner wurde. Dinge vergaß. Nach Vollzeit-Arbeiten bin ich zu ihr gefahren - 7 Tage die Woche und habe mich gekümmert. Dabei war keiner der Menschen die mich heute angeblich verstehen. Ich habe meine Mutter fertig gemacht für den Bestatter, das Hospiz Zimmer aufgelöst ihre Sachen in schwarze Säcke gepackt - endgültig und unwiederbringlich.

Zu mir kommt die Post, die sie selbst nicht mehr lesen kann. Ich war es, auf die die Menschen bei der Trauerfeier gewartet haben, den letzten Abschied zu nehmen - und ich war alleine da vorne am Sarg. Bei mir hat man kondoliert ich musste die Andachtskarten lesen.

Wenn mir 40 (oder älter) Jährige Frauen, die unlängst selbst Familien gründeten, erzählen das ihre Mütter verstarben - im Alter von 70,80, oder gar 90, und dass sie mich verstehen - dann trifft auch das nicht zu. Meine Mutter erfuhr mit 49 das sie sterben muss - und starb 8 Jahre später. Eigentlich kann man sagen sie starb 8 Jahre lang - jedes Jahr etwas mehr. Und ich war 21. Einundzwanzig - als ich da im Hospiz Zimmer stand mit meiner toten Mutter im Bett liegend, morgens um halb vier.

Ich bin viele Dinge einfach so satt. Ja ich suche nach Verständnis und ich suche nach Menschen die mit mir "fühlen", weil diese Gefühle einfach das Schlimmste sind, was ich in meinem Leben ertragen musste. Und während ich suche bin ich sogar dankbar um jeden, der es eben nicht versteht - denn meine Gefühle, die wünsche ich keinem, ganz gleich wie sehr ich mir einen Menschen wünsche, der mein leben nachempfindet.

Und ja, ich trauere. Jeden Tag. Ich kann nachts nicht schlafen, in der Hoffnung ich bekomme einen Anruf in dem sich rausstellt, das alles war nur ein mieser Scherz. Ich weine oft.

Könnte mitten auf der Straße am helligsten Tag anfangen einfach drauf los zu weinen und nach meiner Mama zu schreien...

Aber sie hört mich nicht mehr. Nie mehr. Für immer...
 
Dreamfighter meinte:
Mit meiner Mutter ist auch ein Teil von mir gestorben

ja, so geht es mir auch

Dreamfighter meinte:
Aber sie hört mich nicht mehr. Nie mehr. Für immer...

doch, sie hört dich, sie spürt dich. Wenn ich nichts glaube, aber das glaube ich.
Ich spüre meine Ma sehr oft. Sie ist da!

Mag dich gerne trösten. Es tut mir so leid.

Ich glaube an den Sinn der Dinge. Aber hier erschließt er sich mir einfach nicht.
Ich verstehe dich sehr gut.


Heute war ich am Grab und habe es hergerichtet.
 

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