Es geht mir nicht gut.
8 Monate und 10 Tage bist Du schon nicht mehr bei mir - aber vermissen tu' ich dich jeden Tag!
Ich bekomme nichts auf die Kette. Ich bin krank geschrieben - seit 5 Monaten, nach einem Nervenzusammenbruch.
Meine Mama ist gestorben und mit ihr alles, was es an Familie gegeben hat, in meinem Leben.
Was das angeht bin ich alleine. Da braucht es nur ein Lied, eine Straße in meiner Stadt, ein Gericht, ein Film - ein Moment sein und ich verliere mich in Gedanken an meine verstorbene Mutter...
Ich soll aber auch "einfach" weiter machen. Wieder klar kommen sagt mir meine Umwelt.
Und ach so viele Menschen verstehen mich. Was verstehen die? Wie das ist wenn die Mutter stirbt - obwohl die ihre noch haben? Wie das ist, wenn man mit allem alleine da steht und einfach niemanden mehr hat, der einem Sicherheit bietet? Die verstehen, wie ich mich fühle - während, vor und nach einer meiner Depressionen?
Einen Schei* verstehen die. Und das ist ja auch das schlimme. Man kann es ihnen nicht einmal vorwerfen. Sie wollen helfen.
Aber mir kann niemand mehr helfen.
Mit meiner Mutter ist auch ein Teil von mir gestorben. 8 Jahre lang habe ich sie gepflegt, mit angesehen, wie der Mensch der immer mein Vorbild war von Tag zu Tag kleiner wurde. Dinge vergaß. Nach Vollzeit-Arbeiten bin ich zu ihr gefahren - 7 Tage die Woche und habe mich gekümmert. Dabei war keiner der Menschen die mich heute angeblich verstehen. Ich habe meine Mutter fertig gemacht für den Bestatter, das Hospiz Zimmer aufgelöst ihre Sachen in schwarze Säcke gepackt - endgültig und unwiederbringlich.
Zu mir kommt die Post, die sie selbst nicht mehr lesen kann. Ich war es, auf die die Menschen bei der Trauerfeier gewartet haben, den letzten Abschied zu nehmen - und ich war alleine da vorne am Sarg. Bei mir hat man kondoliert ich musste die Andachtskarten lesen.
Wenn mir 40 (oder älter) Jährige Frauen, die unlängst selbst Familien gründeten, erzählen das ihre Mütter verstarben - im Alter von 70,80, oder gar 90, und dass sie mich verstehen - dann trifft auch das nicht zu. Meine Mutter erfuhr mit 49 das sie sterben muss - und starb 8 Jahre später. Eigentlich kann man sagen sie starb 8 Jahre lang - jedes Jahr etwas mehr. Und ich war 21. Einundzwanzig - als ich da im Hospiz Zimmer stand mit meiner toten Mutter im Bett liegend, morgens um halb vier.
Ich bin viele Dinge einfach so satt. Ja ich suche nach Verständnis und ich suche nach Menschen die mit mir "fühlen", weil diese Gefühle einfach das Schlimmste sind, was ich in meinem Leben ertragen musste. Und während ich suche bin ich sogar dankbar um jeden, der es eben nicht versteht - denn meine Gefühle, die wünsche ich keinem, ganz gleich wie sehr ich mir einen Menschen wünsche, der mein leben nachempfindet.
Und ja, ich trauere. Jeden Tag. Ich kann nachts nicht schlafen, in der Hoffnung ich bekomme einen Anruf in dem sich rausstellt, das alles war nur ein mieser Scherz. Ich weine oft.
Könnte mitten auf der Straße am helligsten Tag anfangen einfach drauf los zu weinen und nach meiner Mama zu schreien...
Aber sie hört mich nicht mehr. Nie mehr. Für immer...