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Glauben und Wissen sind zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben
Diesem Konstrukt sind wir
bereits begegnet. Auch hier wird versucht, eine Sphäre zu schaffen, in der man vor Kritik (aus dem Bereich des Wissens) geschützt ist, d. h. man beansprucht einen Sonderstatus für sich. Auch dies ist eine Variante der
Immunisierung gegen Kritik (siehe auch
hier). Selbstverständlich nimmt man es gerne für sich in Anspruch, dass die Wissenschaft bestimmte Aspekte des Glaubens bestätigt, aber wehe, die Wissenschaft widerspricht dem - dann verbittet man es sich, dass das Wissen auch um die Dinge herum entwickelt wird, mit denen sich der Glauben beschäftigt.
Aber wir leben in
einer Welt, in
einem Universum - deswegen ist es schlechterdings unerfindlich, warum es zwei verschiedenartige "Wahrheiten" geben sollte. Und man kann nicht an Dinge glauben, von denen man
weiß, dass sie falsch sind. Insofern steckt das Wissen den Rahmen ab, und ein (metaphysischer) Glauben ist nur
außerhalb dieses Rahmens möglich. Da sich der Rahmen des Wissens ständig erweitert, können Glauben und Wissen auch jederzeit miteinander kollidieren - außer, man glaubt nur an Dinge, die man nicht wissen
kann, und dann stellt sich die Frage,
warum man daran glauben sollte, wenn es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt?
Abgesehen von dem Wunsch, es sei wahr. Aber Dinge werden nicht dadurch wahr oder unwahr, dass wir uns wünschen, es sei so. Auch der Glauben braucht eine Begründung, damit man überhaupt
anfängt zu glauben. Nach einer gewissen Zeit, wenn der Glauben zur Gewohnheit geworden ist, meint der Gläubige, jetzt auf diese Begründung verzichten zu können, vergisst aber, dass er nie damit angefangen hätte, wenn er von Anfang an
keinerlei Gründe gehabt hätte.
Wer meint, jemand würde damit anfangen zu glauben, wenn man ihm sagt: "
Es gibt keine Gründe, zu glauben, deshalb tue es trotzdem" - der glaubt schon zu lange. Übrigens, mit dieser initialen Begründung trifft das
Münchhausentrilemma auch den Glauben selbst in vollem Umfang. Gläubige meinen, wenn sie die Wurzeln ihres Glaubens ignorierten, entkämen sie dem Trilemma. Das ist eine Selbsttäuschung.
"
Es ist unmöglich, an zwei verschiedene Fakten zu glauben, die sich gegenseitig widersprechen" (Bucaille). Auch hier sehen wir, wie das Wissen um die Dinge Einfluss auf das hat, was wir glauben oder sogar glauben
können. Der Versuch, Glauben und Wissen voneinander abzuschirmen, kommt aus der schlechten Erfahrung der katholischen Kirche. Die Kirche hat eine bestimmte Kosmologie vertreten und wurde in die Rückzugsgefechte um diese Kosmologie verwickelt (Galileo Galilei als Stichwort) und hat in diesem Zuge sehr an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Seitdem achtet man sorgfältig darauf, nicht mit dem Wissen in Konflikt zu kommen (deswegen hat die katholische Kirche 1996 auch die →
Evolutionstheorie anerkannt - während sich einige Christen heute mit dem "Kreationismus" gegen die Evolutionstheorie ein ähnliches Rückzugsgefecht liefern). ------------------------------------------------------
Abschließender Satz dazu: Wenn die Wissenschaft nicht Götter widerlegen könnte, müssten wir heute noch an das Vorhandensein von Zeus und Donar glauben.