G
Gelöscht 125119
Gast
Hallo,
in der Realität oder auch in der digitalen Welt treffe ich ab und an Menschen, die rufen - auf ihre Weise - nach Hilfe,
lehnen allerdings alle Hilfsangebote ab.
Dabei sind sie sehr eigensinnig, wiederholen ständig ihre Not, können diese nur schwer aushalten.
Beispiele dazu:
Meine Schwiegernichte, möchte unbedingt mit Ihrem Mann in ein Musical:
StarlightExpress (Bochum)
Sie muß wohl mitbekommen haben, daß ich da schon mehrmals war und fragte mich, wie ich das jeweils organisiert habe.
Sie fragte mich nach "den Besten" Plätzen, Tickets, Anfahrt, Hotel, Verbindungen etc.
Ich erklärte ihr z.B.: daß wir im Theater "mittig, in der ersten Reihe, an der oberen Bahn saßen, hier man eine sehr guten Überblick über die Bühne hat und die Tänzer bei ein, zwei Liedern direkt vor mir gestanden sind und gesungen haben 🙂
Einerseits finde ich Ihre natürliche Neugierde sehr angenehm, andererseits war sie bis heute nicht dort, weil irgendwie
"alles blöd" ist, sie ja jetzt noch Schwanger ist, es jetzt eh' nicht geht... (das Kind kommt Mitte July) und
jetzt war seit Dez. letzten Jahres kurzfristig zeitnah kein Wochenende zu finden ?
Zu den Sitzplätzen fragte sie mich weshalb ich noch nicht da und da oder da saß ?
Ich empfahl ihr die Premiumsitze direkt vor der Bühne, die sich mittlerweile um 360° drehen lassen, da die Tänzer die Zuschauer in 360° umfahren 🙂
Sie dabei: "Ja, was ist denn wenn das und das ist"
Ich zeigte ihr das Buchungsportal,
unser B&B-Hotel mit sehr naher Anbindung an die Öffis (von da gab es eine direkte "U-Bahn" Verbindung zum Musicaltheater.
Sie: "Weshalb ich kein "besseres" Hotel genommen habe und ich nicht mit dem PKW zum Musical gefahren bin"
etc.
oder auch
User in Foren Themen eröffnen,
in denen Sie ein Problem Schildern, sich "immer" gegen die Hilfsangebote wehren,
ihr scheinbares Problem ständig, teilweise sogar mit den gleichen Worten wiederholen,
dabei auf jede Antwort wieder antworten, damit das Thema am leben bleibt.
In dem Zusammenhang meine Frage:
Wieso wollen sich manche Menschen "partout" nicht helfen lassen ?
und
Was "ziehen" sie daraus ?
UPDATE:
Ich habe den Threadtitel um den Zusatz:
"und das Phänomen "des Helfens" ?"
erweitert
denn
obwohl scheinbar zu erkennen ist, dem anderen nicht helfen zu können/er keine möchte,
ihm trotzdem stark wiederholt geholfen wird ?
Sich also die Katze "mit Absicht" in den Schwanz beißt !!!
Haha, ich versteh dich so gut. Ich frag mich das auch so oft 😉 V.a. sind es manchmal so einfache Sachen, was man machen könnte, aber die Leute wollen eigentlich gar nicht, dass ihnen geholfen wird. Das Problem ist offenbar nicht so drängend, dass man es angehen müsste.
Annett Louisan hat ein sehr schönes Lied dazu gesungen:
"
Geh' mir weg mit deiner Lösung
Sie wär' der Tod für mein Problem
Jetzt lass' mich weiter drüber reden
Es ist schließlich mein Problem
Und nicht dein Problem "
Die Lösung
Provided to YouTube by Premium RecordsDie Lösung · Annett Louisan · Hardy Kayser · Frank RamondUnausgesprochen℗ Premium RecordsReleased on: 2005-10-21Auto-ge...
Ich bin tatsächlich auch anfällig für "Ich möchte Dir hier helfen", v.a. wenn es Sachen sind, wo ich mich vielleicht auskenne (oder glaube auszukennen). Es tut dem Ego natürlich auch gut, wenn man anderen helfen kann, keine Frage.
Früher war das bei mir noch schlimmer... v.a. hab ich eine Zeit lang wirklich Leute mit echten psychischen Problemen angezogen. Drei direkt hintereinander. Alles nette Leute, die ich echt gerne mochte und ich bin sicher, sie mochten mich auch. Aber für sie war ich die starke Person, bei der sie ständig um Rat fragten - ohne den Rat überhaupt umsetzen zu wollen. Aber zwei Wochen später kamen sie wieder an. Das war ein echter Energie-Räuber. Irgendwann hab ich einsehen müssen, dass dieses vermeintlich unlösbare Problem so zu ihrer Persönlichkeit gehörte inzwischen, dass sie es gar nicht loswerden wollten. Ich hab mich von ihnen echt distanzieren müssen, weil ich es nicht mehr ertragen habe, monate lang immer das gleiche Vorgeheult zu bekommen ohne, dass man jemals auch nur irgendeinen ernsthaften Willen gesehen hätte, etwas zu ändern.
Inzwischen hab ich gelernt: Man kann Leuten nur helfen, wenn sie die Hilfe auch wollen. Man kann sie niemandem "aufdrängen", niemanden "zu seinem Glück zwingen". Jetzt hör ich mir das sehr viel kürzer an. dann mach innerlich schon dicht. Aber ganz "geheilt" bin ich davon freilich nicht, v.a. weil ich selber halt ein Mensch bin, der halt einfach denkt: Ok, das passt gerade nicht, also muss es anders sein und dann änder ich halt dran rum und schau obs passt... dass nicht alle Menschen Änderungen so gern haben, wie ich, hab ich ewig nicht kapiert.
Edit. Auch Schulz von Thun hat darüber in "Miteinander reden" geschrieben, die verschiedenen Kommunikationsstile. Da gibts den helfenden Typ z.B. - da hab ich mich damals sehr frappant wieder erkannt. Und dazu passend einen Typ, dessen Namen mir entfallen ist, der sich halt gerne helfen lässt. Der eine hat das Selbstbild "kompentent und stark", der andere "schwach und hilflos". Und diese zwei ergänzen sich gut und finden sich gut zusammen, weil sie den Kreisel ewig weitertreiben. Erst wenn einer aussteigt - bei meinen drei Freunden damals war das dann ich - wird das beendet.
Zuletzt bearbeitet: