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Wieso wollen sich manche Menschen "partout" nicht helfen lassen und das Phänomen "des Helfens" ?

Hallo,

in der Realität oder auch in der digitalen Welt treffe ich ab und an Menschen, die rufen - auf ihre Weise - nach Hilfe,
lehnen allerdings alle Hilfsangebote ab.
Dabei sind sie sehr eigensinnig, wiederholen ständig ihre Not, können diese nur schwer aushalten.

Beispiele dazu:
Meine Schwiegernichte, möchte unbedingt mit Ihrem Mann in ein Musical:
StarlightExpress (Bochum)
Sie muß wohl mitbekommen haben, daß ich da schon mehrmals war und fragte mich, wie ich das jeweils organisiert habe.
Sie fragte mich nach "den Besten" Plätzen, Tickets, Anfahrt, Hotel, Verbindungen etc.
Ich erklärte ihr z.B.: daß wir im Theater "mittig, in der ersten Reihe, an der oberen Bahn saßen, hier man eine sehr guten Überblick über die Bühne hat und die Tänzer bei ein, zwei Liedern direkt vor mir gestanden sind und gesungen haben 🙂

Einerseits finde ich Ihre natürliche Neugierde sehr angenehm, andererseits war sie bis heute nicht dort, weil irgendwie
"alles blöd" ist, sie ja jetzt noch Schwanger ist, es jetzt eh' nicht geht... (das Kind kommt Mitte July) und
jetzt war seit Dez. letzten Jahres kurzfristig zeitnah kein Wochenende zu finden ?

Zu den Sitzplätzen fragte sie mich weshalb ich noch nicht da und da oder da saß ?
Ich empfahl ihr die Premiumsitze direkt vor der Bühne, die sich mittlerweile um 360° drehen lassen, da die Tänzer die Zuschauer in 360° umfahren 🙂
Sie dabei: "Ja, was ist denn wenn das und das ist"
Ich zeigte ihr das Buchungsportal,
unser B&B-Hotel mit sehr naher Anbindung an die Öffis (von da gab es eine direkte "U-Bahn" Verbindung zum Musicaltheater.
Sie: "Weshalb ich kein "besseres" Hotel genommen habe und ich nicht mit dem PKW zum Musical gefahren bin"
etc.

oder auch

User in Foren Themen eröffnen,
in denen Sie ein Problem Schildern, sich "immer" gegen die Hilfsangebote wehren,
ihr scheinbares Problem ständig, teilweise sogar mit den gleichen Worten wiederholen,
dabei auf jede Antwort wieder antworten, damit das Thema am leben bleibt.

In dem Zusammenhang meine Frage:
Wieso wollen sich manche Menschen "partout" nicht helfen lassen ?
und
Was "ziehen" sie daraus ?

UPDATE:
Ich habe den Threadtitel um den Zusatz:
"und das Phänomen "des Helfens" ?"
erweitert
denn
obwohl scheinbar zu erkennen ist, dem anderen nicht helfen zu können/er keine möchte,
ihm trotzdem stark wiederholt geholfen wird ?

Sich also die Katze "mit Absicht" in den Schwanz beißt !!!

Haha, ich versteh dich so gut. Ich frag mich das auch so oft 😉 V.a. sind es manchmal so einfache Sachen, was man machen könnte, aber die Leute wollen eigentlich gar nicht, dass ihnen geholfen wird. Das Problem ist offenbar nicht so drängend, dass man es angehen müsste.

Annett Louisan hat ein sehr schönes Lied dazu gesungen:

"
Geh' mir weg mit deiner Lösung
Sie wär' der Tod für mein Problem
Jetzt lass' mich weiter drüber reden
Es ist schließlich mein Problem
Und nicht dein Problem "



Ich bin tatsächlich auch anfällig für "Ich möchte Dir hier helfen", v.a. wenn es Sachen sind, wo ich mich vielleicht auskenne (oder glaube auszukennen). Es tut dem Ego natürlich auch gut, wenn man anderen helfen kann, keine Frage.
Früher war das bei mir noch schlimmer... v.a. hab ich eine Zeit lang wirklich Leute mit echten psychischen Problemen angezogen. Drei direkt hintereinander. Alles nette Leute, die ich echt gerne mochte und ich bin sicher, sie mochten mich auch. Aber für sie war ich die starke Person, bei der sie ständig um Rat fragten - ohne den Rat überhaupt umsetzen zu wollen. Aber zwei Wochen später kamen sie wieder an. Das war ein echter Energie-Räuber. Irgendwann hab ich einsehen müssen, dass dieses vermeintlich unlösbare Problem so zu ihrer Persönlichkeit gehörte inzwischen, dass sie es gar nicht loswerden wollten. Ich hab mich von ihnen echt distanzieren müssen, weil ich es nicht mehr ertragen habe, monate lang immer das gleiche Vorgeheult zu bekommen ohne, dass man jemals auch nur irgendeinen ernsthaften Willen gesehen hätte, etwas zu ändern.
Inzwischen hab ich gelernt: Man kann Leuten nur helfen, wenn sie die Hilfe auch wollen. Man kann sie niemandem "aufdrängen", niemanden "zu seinem Glück zwingen". Jetzt hör ich mir das sehr viel kürzer an. dann mach innerlich schon dicht. Aber ganz "geheilt" bin ich davon freilich nicht, v.a. weil ich selber halt ein Mensch bin, der halt einfach denkt: Ok, das passt gerade nicht, also muss es anders sein und dann änder ich halt dran rum und schau obs passt... dass nicht alle Menschen Änderungen so gern haben, wie ich, hab ich ewig nicht kapiert.

Edit. Auch Schulz von Thun hat darüber in "Miteinander reden" geschrieben, die verschiedenen Kommunikationsstile. Da gibts den helfenden Typ z.B. - da hab ich mich damals sehr frappant wieder erkannt. Und dazu passend einen Typ, dessen Namen mir entfallen ist, der sich halt gerne helfen lässt. Der eine hat das Selbstbild "kompentent und stark", der andere "schwach und hilflos". Und diese zwei ergänzen sich gut und finden sich gut zusammen, weil sie den Kreisel ewig weitertreiben. Erst wenn einer aussteigt - bei meinen drei Freunden damals war das dann ich - wird das beendet.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was ich an mir selber erlebt habe. Ich lese gerne Reisebücher. Es gibt Ziele, da habe auch ernsthaft vor, in dem Moment, dort hinzufahren. Buch ausgelesen, immer noch Interesse, im Internet herumgesucht Hatte ein Reiseziel in Asien, Info bei Outdoor-Ausrüster geholt und und und dann war das Interesse futschikato. Aber ich kenne die Orte aus den Büchern, wenig vergessen und ich weiß wo der gefährlichste Flughafen ist 🙂😉😎

Ich habe etwas Schönes gelesen, wenn man etwas will, soll man 20 Minuten warten, dann ist das Wollen weg. Es ging dabei um Süßigkeitenfutterei. Man kann es auch auf andere Dinge anwenden.
 
Ich hab mich von ihnen echt distanzieren müssen, weil ich es nicht mehr ertragen habe, monate lang immer das gleiche Vorgeheult zu bekommen ohne, dass man jemals auch nur irgendeinen ernsthaften Willen gesehen hätte, etwas zu ändern.

In solchen Fällen kann man versuchen den Leuten zu sagen, dass man von gewissen Themen nix mehr hören möchte bzw. dass bestimmte Themen bitte ab sofort ausgeklammert werden sollen, weil man es nicht mehr hören kann bzw. es sich im Kreis dreht.

Jemand, dem etwas an einem liegt und der einen nicht verlieren möchte, wird vesuchen sich dran zu halten.

Jemand der einen nur als seelischen Mülleimer missbraucht, wird sich dann entweder von selber fernhalten, weil man den Zweck des Mülleimers nicht mehr erfüllt und man dadurch uninteressant wird, oder die Bitte total übergehen, und dann kann man selber die Konsequenzen daraus ziehen und den Kontakt beenden.
 
Was ich mir bei manchen dieser Hilfesuchenden vorstellen könnte:
1. Sie wollen sich am liebsten selber helfen, um möglichst selbstständig bleiben zu können.
2. Sie haben ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Helfer, da nicht die emphatischsten Worte gewählt worden.
3. Sie misstrauen durch negative Glaubenssätze aus der Kindheit sich selbst und anderen Menschen.
4. Sie waren zu lange schädlichen psychischen und physischen Einflüssen ausgesetzt und glauben schlecht an eine Änderung.
5. Sie wollen mit ihren Sorgen, Problemen und Nöten einfach so akzeptiert werden.
6. Sie leiden schon mal gerne vor sich hin, da durch eine falsche Erziehung, Mobbing usw., es für diese Menschen zur Normalität geworden sein kann, als der Böse zu gelten. Schädliche Gefühle können dann zur Sucht werden.
7. Sie verstehen das Hilfsangebot des Helfers nicht.
8. Sie finden das Angebot des Helfers einfach nicht hilfreich.
Ich sehe das kurz und schmerzlos: Menschen sind dumm, faul und gierig und weil ich nicht dumm, faul und gierig bin, setze ich mich mit anderen Sachen auseinander als mit diesen Menschen.
 
In solchen Fällen kann man versuchen den Leuten zu sagen, dass man von gewissen Themen nix mehr hören möchte bzw. dass bestimmte Themen bitte ab sofort ausgeklammert werden sollen, weil man es nicht mehr hören kann bzw. es sich im Kreis dreht.

Jemand, dem etwas an einem liegt und der einen nicht verlieren möchte, wird vesuchen sich dran zu halten.

Jemand der einen nur als seelischen Mülleimer missbraucht, wird sich dann entweder von selber fernhalten, weil man den Zweck des Mülleimers nicht mehr erfüllt und man dadurch uninteressant wird, oder die Bitte total übergehen, und dann kann man selber die Konsequenzen daraus ziehen und den Kontakt beenden.

Ja, die Situation war hier etwas komplexer. Das hatte sie so übernommen, dass es ständig wieder kam. Da half der Hinweis "Du weißt, was du da machen könntest, ich hab keine Lust mehr darüber zu reden" leider auch nicht mehr. Am Ende half nur noch Distanz.
 
Vielen Dank für deine Ideen, ich nenne meine Gedanken dazu jeweils:
1. Sie wollen sich am liebsten selber helfen, um möglichst selbstständig bleiben zu können.
Ist das nicht nur bis zu einem gewissen Grad möglich ?
Ich kann doch unmöglich alle Bereiche des Lebens ohne Wissen/Bildung abdecken.
Selbst wenn ich mir alles anlese, verstehe ich doch nicht alles und brauche dazu menschliche Hilfe.
Alos muß ich jemand fragen, dazu muß ich von meiner Selbstständigkeit etwas abgeben, was mich wiederrum verletzbar machen kann
2. Sie haben ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Helfer, da nicht die emphatischsten Worte gewählt worden.
Hierzu fällt mir Empathie ein.
Es ist leider so, daß es lehrer oder Eltern gibt, die zwar helfen wollen aber nicht können (ohne Wertung)
3. Sie misstrauen durch negative Glaubenssätze aus der Kindheit sich selbst und anderen Menschen.
Ja, das ist schade, ich sollte mir den Mut geben, das zu hinterfragen 🙂
4. Sie waren zu lange schädlichen psychischen und physischen Einflüssen ausgesetzt und glauben schlecht an eine Änderung.
Zum Teil kenne ich das, das kann tief sitzen 🙁
5. Sie wollen mit ihren Sorgen, Problemen und Nöten einfach so akzeptiert werden.
Herimit verbinde ich "gehört/gesehen werden" zu wollen.
6. Sie leiden schon mal gerne vor sich hin, da durch eine falsche Erziehung, Mobbing usw., es für diese Menschen zur Normalität geworden sein kann, als der Böse zu gelten. Schädliche Gefühle können dann zur Sucht werden.
Passend zu Punkt fünf, evtl. fühlt/spürt man sich nur in dieser extremen Situation
7. Sie verstehen das Hilfsangebot des Helfers nicht.
Vielleicht will man durch Verständnisfragen den anderen und sich nicht vor den Kopf stoßen.
8. Sie finden das Angebot des Helfers einfach nicht hilfreich.
Das könnte man erwidern: "Danke für deine Hilfe, leider hilft es mir gerade nicht"
 
Beide, sowohl Hilfesuchende als auch helfen wollende (oder die, die es vorgeben) versuchen ja (zumindest hier) irgendeine Leere damit zu füllen. Sei es Einsamkeit, Langeweile oder sonst was.
Sie schenken sich also nichts.
Der eine ist nicht besser als der andere.
Und wenn jmd. meint, ein anderer müsste doch gefälligst seine RatSCHLÄGE annehmen sehe ich das Problem auf seiner Seite. Wie war das mit den Schuhen des anderen…
 

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