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Wieso wollen sich manche Menschen "partout" nicht helfen lassen und das Phänomen "des Helfens" ?

Oh ja, Du hast wieder recht @Binchy : ganz sicher sind manche "Argumente" einfach nur Ausreden der etwas niedereren Sorte, aber gehören sie nicht untrennbar zu diesem Licht und Schatten? Jeder(r) von uns kann etwas gut oder eben nicht. Mache "Fehler" lassen sich einfach nicht beseitigen oder der Aufwand dafür wäre so groß, dass für nichts anderes mehr Zeit und Kraft bleibt und manche dunklen Seiten sind auch die Quelle der Kreativität. Hilfe ist vielschichtig und manchmal folgenschwer.

Das Thema ist sicherlich sehr vielschichtig. Manche wollen ein bisschen was ändern, so 30%, fragen dann nach Hilfe. Sind auch etwas unzufrieden, aber so furchtbar dringend wollen sie dann doch nichts ändern, wenn sie merken, dass es ja alleine mit dem Wunsch, etwas möge besser werden, nicht getan ist.

Die Fälle, die Hajoo zitiert hat, waren ja normale Alltagsfälle, wo es zumindest auf den ersten Blick nicht um Krankheiten ging, um besonders schwere Situationen, wo man gelähmt ist und handlungsunfähig.

Ein Musicalbesuch, das Sexleben aktivieren. Gut, klingt für Außenstehende vielleicht einfacher als für diejenigen, die dann was tun müssen. Allgemein kann man ja oft Anderen gute Ratschläge geben, die man selbst bei sich nicht befolgt 😉.

Und manche sind einfach "Macher-Typen" und "Organisations-Typen", die schnell mal locker einen Musicalbesuch organisieren, weil es ihnen leichtfällt. Anderen nicht.
Und bei dem Problem mit dem Sexleben wäre es natürlich nicht furchtbar schwer, mal einen Restaurantbesuch zu vereinbaren. Aber ich denke, dass es oft so ist, dass viele ihr Problem nicht wirklich in aller Tiefe angucken wollen, nicht wirklich sich einlassen wollen, weil es dann nämlich sein kann, dass das vermeintlich kleine Problem auf viel tieferliegende Lebensprobleme stoßen lässt.

Dass nämlich vielleicht die Ehe schon lange kaputt ist, dass das Sexleben nur die Spitze des Eisbergs ist und wenn ich mir das dann angucke und daran arbeite, kommen vielleicht viele andere Dinge zum Vorschein, die ich gar nicht angucken will.

Oft spielt auch Angst mit rein. Angst, wenn man jemanden kennenlernen will, dass man nicht ankommt, nicht geliebt wird, dass man vielleicht Mobbing-Erlebnisse der Kindheit wieder erlebt.

Ja: Licht und Schatten, da hast Du wohl recht.
 
Bei der Frau, die aufs Konzert will, da wäre die richtige Hilfe, sie einzuladen, ihr so ein Ticket zu kaufen, sie abzuholen und mit ihr hinzufahren, oder mit noch wem, der ihr hilft, sich das zu trauen.
Ja, das hätte ich auch Angeboten, nur war ich schon dreimal bei "Starlight Express"
Bei der Hotelauswahl, der Bahnverbindung den Tickets etc. habe ich Hilfe angeboten, ich hätte ihnen sogar die PKW-Route dahin "ausgedruckt"
(wie früher) 😀
 
Man muss ja nicht mittun, wenn man den Sinn einer Aktion anzweifelt.
Das ist ja das Phänomen....
Weshalb meinen einige "mittun zu müssen", obwohl scheinbar kein Sinn dahinter ersichtlich ist ?

Oder ist der Sinn, von sich selbst abzulenken ?
Angst vor der "Wohnzimmerstille" zu Hause ?
Langeweile mit sich selbst ?
Langeweile im Bürojob ?
 
Das Phänomen habe ich einige Zeit in einer EA-Selbsthilfegruppe erlebt. Es werden Hilfen anhand der 12-Schritte an die Hand gegeben. Wenn man sich um diese 12 Schritte kümmert und sie in Situationen befolgt, in denen es heikel wird, dann sind diese Schritte eine riesengroße Hilfe.

Was ich allerdings in der Gruppe erlebt habe, die Leute kümmerten sich überhaupt nicht darum. Sie jammerten an ihren Problemen herum, jede Woche aufs Neue. Hatte ich ein Problem, dann habe ich kurz darüber gesprochen und gleichzeitig über den Schritt gesprochen, der mir dabei geholfen hat, wieder klar zu sehen, zu denken, herunterzukommen, ruhig werden. Die Leute haben mich angeguckt als wenn ich vom Mars komme. Ich habe dann irgendwann aufgegeben, weil mich dieses Verhalten genervt. hat. Warum geht man in eine Selbsthilfegruppe, wenn man die Hilfe nicht annimmt.

Wenn jemand ein Problem hat, höre ich mir das an und sage da nichts mehr zu, weil ich die Antworten kenne und ich keine Lust darauf habe. Die Antworten und Gespräche sind so ähnlich wie du sie geschildert hast. Ihr Problem. Wer wirklich Hilfe und Antworten haben möchte, verhält sich anders.

Es könnte sein, dass man sich so verhält, wenn man Angst hat. Vor lauter Angst redet man den größten Stuss zusammen und hat immer noch mehr Einwände, anstatt sich zu kümmern, sich schlau machen, Informationen beschaffen. Wer keine Angst hat, verhält sich anders. In solchen Situationen kann man den anderen fragen, um was es eigentlich geht. Warum sich ständig neue Zweifel aufbauen. Wenn sich schon viele Argumente aufbauen, dann beende ich das für mich und schalte ab. Wenn man sich darauf einlässt, ist man letzendlich derjenige, der kaput, ausgelaugt und malade in der Ecke liegt.

Es gibt Menchen, die benötigen Aufmerksamkeit und denen ist jedes Mittel recht, weil sie vielleicht an andere Stelle keine Aufmerksamkeit bekommen, weil sie so sind, wie sie sind. Weiß der Geier warum.
Adenauer hat es gesagt: "Die Menschen sind wie sie sind, es gibt keine anderen".
Mach für dich etwas daraus.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was ich mir bei manchen dieser Hilfesuchenden vorstellen könnte:
1. Sie wollen sich am liebsten selber helfen, um möglichst selbstständig bleiben zu können.
2. Sie haben ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Helfer, da nicht die emphatischsten Worte gewählt worden.
3. Sie misstrauen durch negative Glaubenssätze aus der Kindheit sich selbst und anderen Menschen.
4. Sie waren zu lange schädlichen psychischen und physischen Einflüssen ausgesetzt und glauben schlecht an eine Änderung.
5. Sie wollen mit ihren Sorgen, Problemen und Nöten einfach so akzeptiert werden.
6. Sie leiden schon mal gerne vor sich hin, da durch eine falsche Erziehung, Mobbing usw., es für diese Menschen zur Normalität geworden sein kann, als der Böse zu gelten. Schädliche Gefühle können dann zur Sucht werden.
7. Sie verstehen das Hilfsangebot des Helfers nicht.
8. Sie finden das Angebot des Helfers einfach nicht hilfreich.
 
Hallo,

in der Realität oder auch in der digitalen Welt treffe ich ab und an Menschen, die rufen - auf ihre Weise - nach Hilfe,
lehnen allerdings alle Hilfsangebote ab.
Dabei sind sie sehr eigensinnig, wiederholen ständig ihre Not, können diese nur schwer aushalten.

Beispiele dazu:
Meine Schwiegernichte, möchte unbedingt mit Ihrem Mann in ein Musical:
StarlightExpress (Bochum)
Sie muß wohl mitbekommen haben, daß ich da schon mehrmals war und fragte mich, wie ich das jeweils organisiert habe.
Sie fragte mich nach "den Besten" Plätzen, Tickets, Anfahrt, Hotel, Verbindungen etc.
Ich erklärte ihr z.B.: daß wir im Theater "mittig, in der ersten Reihe, an der oberen Bahn saßen, hier man eine sehr guten Überblick über die Bühne hat und die Tänzer bei ein, zwei Liedern direkt vor mir gestanden sind und gesungen haben 🙂

Einerseits finde ich Ihre natürliche Neugierde sehr angenehm, andererseits war sie bis heute nicht dort, weil irgendwie
"alles blöd" ist, sie ja jetzt noch Schwanger ist, es jetzt eh' nicht geht... (das Kind kommt Mitte July) und
jetzt war seit Dez. letzten Jahres kurzfristig zeitnah kein Wochenende zu finden ?

Zu den Sitzplätzen fragte sie mich weshalb ich noch nicht da und da oder da saß ?
Ich empfahl ihr die Premiumsitze direkt vor der Bühne, die sich mittlerweile um 360° drehen lassen, da die Tänzer die Zuschauer in 360° umfahren 🙂
Sie dabei: "Ja, was ist denn wenn das und das ist"
Ich zeigte ihr das Buchungsportal,
unser B&B-Hotel mit sehr naher Anbindung an die Öffis (von da gab es eine direkte "U-Bahn" Verbindung zum Musicaltheater.
Sie: "Weshalb ich kein "besseres" Hotel genommen habe und ich nicht mit dem PKW zum Musical gefahren bin"
etc.

oder auch

User in Foren Themen eröffnen,
in denen Sie ein Problem Schildern, sich "immer" gegen die Hilfsangebote wehren,
ihr scheinbares Problem ständig, teilweise sogar mit den gleichen Worten wiederholen,
dabei auf jede Antwort wieder antworten, damit das Thema am leben bleibt.

In dem Zusammenhang meine Frage:
Wieso wollen sich manche Menschen "partout" nicht helfen lassen ?
und
Was "ziehen" sie daraus ?

UPDATE:
Ich habe den Threadtitel um den Zusatz:
"und das Phänomen "des Helfens" ?"
erweitert
denn
obwohl scheinbar zu erkennen ist, dem anderen nicht helfen zu können/er keine möchte,
ihm trotzdem stark wiederholt geholfen wird ?

Sich also die Katze "mit Absicht" in den Schwanz beißt !!!

Haha, ich versteh dich so gut. Ich frag mich das auch so oft 😉 V.a. sind es manchmal so einfache Sachen, was man machen könnte, aber die Leute wollen eigentlich gar nicht, dass ihnen geholfen wird. Das Problem ist offenbar nicht so drängend, dass man es angehen müsste.

Annett Louisan hat ein sehr schönes Lied dazu gesungen:

"
Geh' mir weg mit deiner Lösung
Sie wär' der Tod für mein Problem
Jetzt lass' mich weiter drüber reden
Es ist schließlich mein Problem
Und nicht dein Problem "



Ich bin tatsächlich auch anfällig für "Ich möchte Dir hier helfen", v.a. wenn es Sachen sind, wo ich mich vielleicht auskenne (oder glaube auszukennen). Es tut dem Ego natürlich auch gut, wenn man anderen helfen kann, keine Frage.
Früher war das bei mir noch schlimmer... v.a. hab ich eine Zeit lang wirklich Leute mit echten psychischen Problemen angezogen. Drei direkt hintereinander. Alles nette Leute, die ich echt gerne mochte und ich bin sicher, sie mochten mich auch. Aber für sie war ich die starke Person, bei der sie ständig um Rat fragten - ohne den Rat überhaupt umsetzen zu wollen. Aber zwei Wochen später kamen sie wieder an. Das war ein echter Energie-Räuber. Irgendwann hab ich einsehen müssen, dass dieses vermeintlich unlösbare Problem so zu ihrer Persönlichkeit gehörte inzwischen, dass sie es gar nicht loswerden wollten. Ich hab mich von ihnen echt distanzieren müssen, weil ich es nicht mehr ertragen habe, monate lang immer das gleiche Vorgeheult zu bekommen ohne, dass man jemals auch nur irgendeinen ernsthaften Willen gesehen hätte, etwas zu ändern.
Inzwischen hab ich gelernt: Man kann Leuten nur helfen, wenn sie die Hilfe auch wollen. Man kann sie niemandem "aufdrängen", niemanden "zu seinem Glück zwingen". Jetzt hör ich mir das sehr viel kürzer an. dann mach innerlich schon dicht. Aber ganz "geheilt" bin ich davon freilich nicht, v.a. weil ich selber halt ein Mensch bin, der halt einfach denkt: Ok, das passt gerade nicht, also muss es anders sein und dann änder ich halt dran rum und schau obs passt... dass nicht alle Menschen Änderungen so gern haben, wie ich, hab ich ewig nicht kapiert.

Edit. Auch Schulz von Thun hat darüber in "Miteinander reden" geschrieben, die verschiedenen Kommunikationsstile. Da gibts den helfenden Typ z.B. - da hab ich mich damals sehr frappant wieder erkannt. Und dazu passend einen Typ, dessen Namen mir entfallen ist, der sich halt gerne helfen lässt. Der eine hat das Selbstbild "kompentent und stark", der andere "schwach und hilflos". Und diese zwei ergänzen sich gut und finden sich gut zusammen, weil sie den Kreisel ewig weitertreiben. Erst wenn einer aussteigt - bei meinen drei Freunden damals war das dann ich - wird das beendet.
 
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