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Wieso wollen sich manche Menschen "partout" nicht helfen lassen und das Phänomen "des Helfens" ?

Wer wirklich etwas ändern will, findet Lösungen. Wer nichts ändern will, findet Ausreden.
Ich mag deine Beiträge oft sehr gerne, @Binchy, aber diesen uralten, verstaubten Spruch fand ich schon immer so strange. Wer beurteilt denn, was Ausreden sind und was nicht und ob jemand will, aber bloß zu faul ist oder aber unbedingt und sehr gerne will, aber tatsächlich nicht kann?

Mir persönlich ist da Kafka näher, er schreibt in einen Brief an Oskar Pollak:
[...]Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen vor einander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle...
Was wissen wir schon von anderen, von ihrem Innersten? In meinen Augen meistens zu wenig, um bewerten und v. a. beurteilen zu können, warum Rat und Hilfe, die uns passend und gut erscheinen, für sie nicht passend und nicht gut sind.
Mir geht es auch manchmal so, dass ich andere Menschen nicht verstehen kann und klar, denke ich manchmal auch so nen Quatsch wie "Maaann, du musst doch nur X oder Y machen und dein Problem ist gelöst." Aber Tatsache ist, dass ich nicht in diesen Schuhen, in dieser Situation, in diesem Leben, in diesem Kopf stecke.
Deswegen finde ich es meist besser, nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstehe oder auch zu akzeptieren, dass ich einfach nicht alles und jeden verstehen kann. Das darf sein. Und nur weil ich den Umgang eines anderen mit einem Problem nicht nachvollziehen kann, heißt das nicht automatisch, dass dieser Umgang schlecht ist.

Dein Beispiel, @Hajooo, mit deiner Nichte finde ich etwas merkwürdig. Sie hat dich um Rat und Tipps gefragt, du hast ihr welche gegeben. Die damit verbundene Erwartungshaltung deinerseits, dass deine Ratschläge und Tipps a) für gut befunden werden müssen und b) direkt umgesetzt werden sollen, ist in meinen Augen total vermessen und deplatziert.
Wenn ich jemanden um Rat frage bei zum Beispiel dem Kauf einer neuen Waschmaschine und mir die Person zu Modell X und den Kauf im Laden Y rät, behalte ich mir trotzdem vor, dass ich mich anders entscheide und Modell A in Laden B kaufe oder mir gar keine neue Waschmaschine zulege. Ich meine: bedeutet Rat einholen automatisch, dass man diesen Rat auch umsetzen muss? Hä? (Wäre ich deine Nichte, hätte ich deine vorgeschlagenen Plätze für diese Show beispielsweise nicht ausgesucht, ich würde es nicht mögen, wenn direkt vor mir irgendjemand rumtanzt, sondern verschwinde lieber weiter hinten im Publikum. Dein Rat hätte mir also weitergeholfen, aber nicht so wie du denkst.)
 
in der Realität oder auch in der digitalen Welt treffe ich ab und an Menschen, die rufen - auf ihre Weise - nach Hilfe,
lehnen allerdings alle Hilfsangebote ab.
Dabei sind sie sehr eigensinnig, wiederholen ständig ihre Not, können diese nur schwer aushalten.
Wieso wollen sich manche Menschen "partout" nicht helfen lassen ?
Weil sie sich manchmal eine Zeit lang im Kreis drehen müssen, bevor sie bereit sind, einen Ausweg zu finden oder zu nehmen.

Weil die von Außenstehenden vorgeschlagenen Lösungen zur persönlichen Situation nicht passen oder nicht umsetzbar erscheinen.

Weil die Angst vor einer Veränderung genauso da ist, wie der Wunsch nach Veränderung.
 
Ich mag deine Beiträge oft sehr gerne, @Binchy, aber diesen uralten, verstaubten Spruch fand ich schon immer so strange. Wer beurteilt denn, was Ausreden sind und was nicht und ob jemand will, aber bloß zu faul ist oder aber unbedingt und sehr gerne will, aber tatsächlich nicht kann?

Ich finde diesen Spruch im Gegenteil gut und nur jeder selbst kann selbstkritisch gucken, ob er was ändern will oder nicht. Natürlich heißt das nicht, dass es leicht ist, dass jeder es immer in jeder Situation schafft. Es ist ein Spruch, den man mal selbstkritisch prüfen kann, ob er zutrifft.
Und es geht nicht darum, dass jeder immer alles ändern kann. Aber viele - nicht jeder - können zumindest versuchen, kleine Schritte zu gehen, sich Hilfe zu suchen, Dinge zu praktizieren und anzuwenden. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Solche Sprüche haben keine Allgemeingültigkeit, aber für viele können sie dennoch zutreffen. Beim Beispiel von Hajoo z.B. hatte ich den Eindruck, dass diese angehende Mutter zwar gerne irgendwie in ein Musical hätte gehen wollen, aber nicht wirklich bereit war, auch was dafür zu tun.
Viele wollen etwas, aber nur auf die ganz leichte Art, ohne Anstrengung.
 
Wieso wollen sich manche Menschen "partout" nicht helfen lassen ?
Vermutlich suchen sie gar keine Hilfe, sondern nur ein kleines Seelentrösterchen. Ein bisschen "Jo du Armer, geht mir auch so", ein bisschen "Die Welt ist einfach ungerecht", ein kleines Drückerchen und das Gefühl, für eine Weile gesehen zu werden. Meistens reicht das schon.

Ich bin ja auch der Typ, der gerne und schnell Tipps, Vor- und Ratschläge erteilt, aber in einem Forum habe ich es längst aufgegeben gross mitzudiskutieren. Ich gebe meinen (meist gut gemeinten) Senf dazu und verfolge das Thema nur in den allerseltensten Fällen weiter. Sonst ärgere ich mich bloss.
Was "ziehen" sie daraus ?
Gar nichts. Sie stehen beim Beitrag #2000 noch an der genau gleichen Stelle wie beim Eröffnungsbeitrag. Das ist ihr Problem nicht meins. 🙃
 
Oftmals wird es aber leider auch als Ausrede angesehen, wenn man Lösungsvorschläge ablehnt, weil man sie entweder schon ausprobiert hat oder sie - warum auch immer - nicht umsetzbar sind. Ich bin z. B. jemand, der erst mal immer selber nach Lösungen sucht und wenn ich dann andere nach Lösungen frage, hab ich natürlich schon vieles ausprobiert und weiss, dass es nicht geht oder nicht umsetzbar ist. Und schon bekommt man zu hören, dass man ja gar nicht will und das nur Ausreden sind.

Natürlich kann kein Außenstehender beurteilen, was man selbst alles schon probiert hat und ich maße mir auch nicht an, einer konkreten person zu sagen, dass sie nicht wirklich Hilfe will, sondern nur Ausreden findet, nichts tun zu müssen.

Im Falle deiner Freundin: ja, vielen hilft es wirklich, wenn sie Druck ablassen können, darüber reden oder schreiben können, denn dadurch klären sich oft die Gedanken und Gefühle und sie bekommen Aufmerksamkeit, Trost bzw. erfahren auch, dass es anderen auch nicht immer besser geht. Das will ich auch nicht abwerten mit "jammern".

Oft liest man hier, dass Leute einsam sind und keine Freunde haben. Wenn sie krank sind, psychisch oder körperlich leiden, eine Sozialphobie etc. haben, ist das natürlich oft schwer. Dann wird oft zu einer Therapie oder Selbsthilfegruppe geraten. Aber bei manchen ist es dann wohl auch so, dass sie eine Lösung suchen, ohne aber mal konkret etwas dafür zu tun. Ohne mal einen Verein besucht zu haben, einen Kurs, ein Ehrenamt, irgendwas gemacht zu haben, wo Menschen sind.

Ich beklage manchmal, dass Leute zuviel reden und zuwenig handeln. Wie gesagt: es geht nicht um Situationen, wo man krank ist, in einem Trauerfall, wo man einfach gelähmt ist vor Schmerz, Trauer, Kummer. Da geht natürlich erstmal lange Zeit gar nichts.

Aber in anderen Fällen wäre es möglich, konkret was zu ändern im Leben. Und es geht ja auch nicht immer um die großen Dinge wie: Job kündigen, Umzug, Freundschaft beenden.
Sondern vielleicht einfach mal einen VHS-Kurs machen, die Wohnung etwas aufräumen, das Regel streichen. Den Nachbarn zum Tee einladen. Dinge, die nicht immens schwer sind, wo man vielleicht einfach mal 1 m seiner Komfortzone verlassen muss.
 
Ob das "nur" Bequemlichkeit ist? Ja, zu einem Teil manchmal schon. Der andere Aspekt ist sicher, dass mir diese "Situation" noch einen gewissen Teil Kontrolle lässt und mir auch etwas gibt. Wie @Binchy geschrieben hat: "... sie bekommen Verständnis und es geht ihnen dadurch besser. " oder auch @kasiopaja "Weil manche Menschen anscheinend nur glücklich sind, wenn sie unglücklich sind. ", denn das verhilft einem zu Mitgefühl und Unterstützung und auch dem Helfenden geht es besser, denn helfen macht Sinn.
Ja, aus dieser Sicht habe ich mir das Leben auch schon angeschaut.

Hier kommt man gerne auf die Komfortzone zu sprechen.
Ich setze diese hier mit der Bequemlichkeit gleich.

Jetzt springe ich wieder zur Hilfeanfrage, die aus meiner Sicht aus einem Bedarf entsteht.
Für mich zum Beispiel der Wunsch nach menschlicher Nähe, einem besseren Gehalt im Job
oder
der Wunsch nach Sex mit meiner Frau nach jahrelanger Flaute im Bett.

Also erstelle ich ein Thema:
Familienleben, Kinder, Beruf, Gehalt, Haus passt alles...
leider haben wir keinen Sex mehr.

Es folgen Tipps aus eigenen Erfahrungen der User:
Macht was kleines ohne die Kinder, essen gehen, Kinobesuch, spazieren gehen,
gebt die Kiddies für ein paar Stunden zu den Großeltern,
evtl. eine Wochenendübernachtung mit Galadinner nur für euch zwei, etc.

Egal was man rät, kommen darauf nur Antworten wie.
wenn ich spazieren will regnet es immer,
im Kino kommt nichts gescheites
und im Restaurant essen gehen ist zu teuer,
den Großeltern sind die Kinder zu stressig,
oh je...
ein Wochenende, geht ohne Kinder schonmal gar nicht !

DAS ist doch somit die Komfortzone, die ich gerade so beschreiben würde:
So weit läuft mein Leben ziemlich rund, den Preis den ich dafür zahle ist keine sexuelle Nähe ?

Weshalb gestehe ich mir das jetzt nicht ein und negiere permanent die Hilfestellungen in x-Beiträgen in einem Internetforum ?
Ich könnte ja auch schreiben:
"Danke liebe User, ich muß mal schauen, was eure Tipps zu meinem Problem ergeben,
ich melde mich bei bedarf wieder bei euch ?"
 
Und damit bestätigst auch Du @Hajooo , dass auch den Helfenden manchmal geholfen werden muss und sei es auch nur mit einer och irgendwie hohlen Floskel. Die meisten von uns sind mit "Öffentlichkeitsarbeit" nicht vertraut und beherrschen dieses "Spiel" (So es denn überhaupt eines ist) nicht aus dem FF. Und für die meisten ist diese plötzliche und scheinbare "Nähe" fremder Menschen erst einmal unheimlich und zurecht suspekt und dann schält man auf "Abwehrmodus". Nicht alle von uns sind geborene Diplomaten mit einer gespielten Gelassenheit, die man schon als echt verwechseln kann. Und dann schmeichelt die plötzliche Aufmerksamkeit doch ein wenig, und, und, und.

Wer hier Themen startet, ist nicht selten in einem Ausnahmezustand. Professionelle Distanz haben die meisten von uns nicht gelernt und nicht geübt. Aber Nachsicht und Mitgefühl tun es auch. Nur gibt es die nur jenseits des Tellerrands und heute schwimme ich wohl in einem Topf und nicht in einem Teller. Nix mit Mitgefühl. Vielleicht morgen wieder. Hoffentlich.
 
Es gibt nunmal auch Menschen, die einfach faul sind bzw. an allem etwas rumzunörgeln haben.
Das problem ist dann vielleicht nicht so schlimm bzw. sind sie es ja gewöhnt und hoffen vielleicht auch, dass sich irgendwann von alleine was bessert.

Das wären in meinen Augen dann wirklich Ausreden
 
Weil viele lieber an den Symptomen rumdoktorn um Aufmerksamkeit zu erhaschen, statt an der Ursache zu arbeiten.

So nach dem Motto, wasch mich, mach mich aber nicht nass.

Bestes Beispiel, womit Million Menschen Probleme haben, Gewicht abnehmen und halten.

Eigentlich weiß jeder genau wie das läuft, weniger leere Kalorien fressen, mehr sinnvolle Nahrungsmittel zu sich nehmen, Kalorien zählen und eben auch sehr wichtig, viel Bewegung oder besser noch Sport, so 3 mal die Woche. Und nicht jede Diät ist für jeden geeignet, oft müssen verschiede ausprobiert werden, bis die passende gefunden ist, die funktioniert.

Und eben bedenken, daß es kein nach der Diät gibt, wenn das so bleiben soll.
Es ist eine dauerhafte Umstellung erforderlich.

Das würde, konsequent durchgeführt, bei 99% der Menschen innerhalb eines Jahres helfen, funktioniert aber meist langfristig nicht.

Weil viele Menschen essen, um zu verdrängen/vergessen/belohnt werden/sich eben gut zu fühlen.
Das kann z.B. durch Gewalterfahrung, Mobbing, Geldprobleme, Liebesangelegenheiten, uvm. ausgelöst werden

Das bedeutet eben, daß das (zuviel) Essen eben eher das Symptom ist, und nicht die Ursache, und solange die nicht behoben ist, wird das mit dem Abnehmen nichts.

Bei jeder medizinischen Behandlung z.B. Magenverkleinerung, Schlauchmagen, Magenband etc. ist auch immer eine psychologische Betreuung dabei um zu gewährleisten, daß der Eingriff größmöglichen Erfolg hat.

Jetzt ist das bei dem Beispiel halbwegs klar verständlich, daß es meist komplexe Zusammenhänge sind, und eine Abhilfe mehrstufig sein muss um dauerhaft erfolgreich zu sein, und eben am wichtigsten, das es eben oft eine Ursache gibt, die zuerst behoben werden muss, damit der Folgeplan anlaufen kann.

So ist es auch oft bei anderen Problemen, die Ursache ist eine andere als das Symptom, der Ursprung komplex, oft von anderen Menschen bedingt, das alles Einzusehen/Einzugestehen erfordert Willensstärke, genauso wie der langwierige anschließende Weg heraus.

Und dabei stolpern und straucheln viele Betroffene, treten auf der Stelle, oder schrauben an der falschen Stelle herum, hauptsache irgendwas gemacht, als nix, auch wenn es nichts bringt, ignorieren, bewusst oder unbewusst Tatsachen, usw.

Daher ist oft keine Hilfe möglich, da in diesem Dickicht nicht mal der Betroffene durchblickt, und meist ein Außenstehender auch nicht.
Da ists halt einfacher an den Symptomen zu arbeiten, um diese abzumildern, aber diese Hilfe bringt langfristig eben nichts, und die Ursache und somit der Hilferuf bleibt.
 
Weil die Angst vor einer Veränderung genauso da ist, wie der Wunsch nach Veränderung.
Ich glaub, das ist der Hauptgrund. Man spielt damit, aber umsetzen ist eine andere Geschichte.

Das dürfte sein, wie mit dem rauchen aufhören. Festgefahrenen, tief eingravierten Gewohnheitsmustern unterliegen- nach Hilfe rufen, niemand hilft, man gibt bloß Ratschläge..

Bei der Frau, die aufs Konzert will, da wäre die richtige Hilfe, sie einzuladen, ihr so ein Ticket zu kaufen, sie abzuholen und mit ihr hinzufahren, oder mit noch wem, der ihr hilft, sich das zu trauen.

Oder für all jene, die sich einsam fühlen und denen man vorschlägt, geh auf ein Konzert, mach dies, mach das, da wäre echte Hilfe, gemeinsam mit jenem das alles zu machen, gegebenfalls Jahre unterstützen darin, das alles zu lernen und zu üben, was er nicht schafft. Theorie und Praxis liegen oft ganz weit auseinander.
 

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