Mit seinem Freundeskreis läuft es leider nicht so besonders. Obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe, die Menschen richtig kennenzulernen und Interesse gezeigt habe, lehnen mich einige ab. Als ich in einer Firma mit überwiegend weniger gebildeten Angestellten beschäftigt war, war das ähnlich. Die Situation im Freundeskreis erinnert mich stark an meine damalige Arbeitsstelle.
Mich würden noch zwei, drei konkrete Beispiele interessieren, worin sich die Ablehnung äußert. Was waren die Anlässe, wie waren die beiderseitigen Äußerungen bzw. das Verhalten?
Manche stoßen sich ja schon daran, wenn man geschmackvoll gekleidet ist oder sich etwas höflicher oder auch nur grammatikalisch korrekt ausdrückt. Mich erinnert das an eine Bäckerei, in der ich öfters die Mittagspause verbringe. Die meisten jüngeren Angestellten sind sehr freundlich zu mir und machen, wenn sie gerade nicht viel zu tun haben, auch schon mal Smalltalk mit mir, da ich auch immer freundlich zu ihnen bin, Interesse zeige und schon mal eine verbindliche Bemerkung oder so etwas mache. Es gibt da aber zwei ältere Verkäuferinnen, die auf mich etwas prollig wirken. Sie sprechen nämlich laut und nur das Allernötigste im Kommandoton und sind nicht in der Lage, die Miene zum Lächeln zu verziehen, egal, wie freundlich ich zu ihnen bin. Das machen sie nach meiner Beobachtung aber beileibe nicht nur bei mir, sondern bei allen Kundinnen und Kunden so, die vom Habitus her (Auftreten, Kleidungsstil, Sprache) einen höheren sozialen Status verkörpern als sie. Diese Kundinnen und Kunden werden eher wie lästige Insekten behandelt, nur gut genug dazu, ihnen das bestellte Brötchen auf den Teller zu knallen, möglichst ohne Blickkontakt auf das Geld zu warten und sich währenddessen mit der Arbeitskollegin laut darüber zu unterhalten, wie froh man ist, dass man endlich bald Feierabend oder Urlaub hat. Zu denjenigen Kundinnen und Kunden, die ich als eher einfachere Leute einschätze, können sie jedoch komischerweise freundlich und gesprächig sein und auch mal lächeln.
Wer nicht so spricht und sich nicht so kleidet wie sie und nicht den Eindruck vermittelt, dass ihm sein Job nur lästig ist, wird offenbar als "Feind" betrachtet, auch wenn er noch so höflich, respektvoll und freundlich mit ihnen umgeht. Auch eine Form von Arroganz und Unzufriedenheit oder besser gesagt, von Minderwertigkeitskomplexen.
Ich könnte mir vorstellen, dass einige Personen im Freundeskreis deines Partners sich aufgrund der Tatsache eingeschüchtert fühlen, dass du im Gegensatz zu ihnen ein Gymnasium besucht und studiert hast. Selbst, wenn du es nicht heraushängen lässt, fühlen sie sich dir allein aufgrund der bloßen Tatsache unterlegen und reagieren daher feindselig. Dass sie sich unterlegen fühlen, würden sie sich selbst aber niemals eingestehen. Sie werden jedes Verhalten deinerseits immer so auslegen, dass sie sich in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen können.