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Trotz unterschiedlichem Bildungsstand Freundschaft möglich?

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Ich kann Lisa gut verstehen. Zwar habe ich nicht studiert, aber ich habe Abitur und arbeite in einem Beruf (Teamassistentin/Office Manager), in dem heutzutage nur die Mittlere Reife notwendig ist (früher war ein Hauptschulabschluss ausreichend). Schulabschluss, Ausbildung, Studium usw. von Kollegen sind irrelevant, denn für mich zählt in erster Linie der Charakter. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich in einem berulichen Umfeld, in dem die Menschen vielseitig interessiert sind, gerne lesen und sich weiterbilden, viel eher akzeptiert werde als in einer Firma, in der sich die Mitarbeiter keine Mühe geben und in erster Linie Klatsch und Tratsch im Vordergrund steht. Wenn man anders ist als die große Mehrheit, wird man zum Außenseiter - so meine Erfahrung. Wenn man sehr gute Leistungen bringt, während die Kolleginnen in der gleichen Hierarchieebene überwiegend am Tratschen und Lästern sind, kommt das nicht gut an.

So in der Art läuft es auch im privaten Umfeld. Mein Partner war auch "nur" auf der Hauptschule. Das hat mich aber nie gestört, weil er vielseitig interessiert ist und ich mich mit ihm über zahlreiche Themen intensiv austauschen kann.
Das kann ich über einige Menschen in seinem Freundeskreis leider nicht behaupten. Egal welches Thema ich anspreche, es interessiert sie nicht. Hauptsache Klatsch, Tratsch und Geläster. Wenn ich nicht nach ihrer Pfeife tanze, werden sie laut, machen mir Vorwürfe und versuchen, mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Sie machen sich über mich lustig und weisen mich immer wieder auf meine Schwächen (ich bin übergewichtig) hin. Das finde ich sehr schade, denn ich hätte diese Menschen gerne besser kennengelernt und mich gut mit ihnen verstanden. Einen Standesdünkel habe ich sicher nicht (warum auch, habe doch gar nicht studiert). Aber die Unterschiede zwischen den anderen und mir sind schon groß, und sie können damit leider nicht umgehen.
 
Egal welches Thema ich anspreche, es interessiert sie nicht. Hauptsache Klatsch, Tratsch und Geläster. Wenn ich nicht nach ihrer Pfeife tanze, werden sie laut, machen mir Vorwürfe und versuchen, mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Sie machen sich über mich lustig und weisen mich immer wieder auf meine Schwächen (ich bin übergewichtig) hin.
Das zeigt, auf welchem primitiven Niveau sich diese Menschen bewegen. Vor allem auch charakterlich, vom fehlenden intellektuellen Ehrgeiz ganz zu schweigen. Ich habe auch solche Exemplare in der Verwandtschaft und weiß, wovon ich rede.

Dinge, von denen sie nichts verstehen, werden abgewertet. Ich habe z.B. eine Cousine, die mit Opern nichts anfangen kann. Ist auch nicht jedermanns Sache. Dennoch finde ich, dass man es respektieren sollte, wenn andere sich dafür interessieren. Für meine Cousine ist der Gesang von Sopranistinnen nur irgendein Gejuche. Dabei kann sie noch nicht mal Noten lesen und hat nicht die geringsten musiktheoretischen Kenntnisse. Also kann sie sich auch kein abfälliges Urteil erlauben.

Ich bin sportlich hoffnungslos unbegabt, hatte auch immer Angst vor dem Geräteturmen. Sport interessiert mich nicht. Für mich ist es schon eine Leistung, wenn ich mich zu einem längeren Spaziergang oder einer Wanderung aufraffe, und ich hoffe, ich werde irgendwann auch mal wieder mit Nordic Walking oder dem Fahrradergometer einsteigen (allein aus gesundheitlichen Gründen). Dennoch würde ich deshalb nie etwas Abfälliges oder Abwertendes über Sportler/innen sagen. Letztlich kann ich deren Leistung überhaupt nicht beurteilen.
Mir war auch Rosi Mittermaier als Mensch sehr sympathisch, auch wenn ich selbst nicht Ski laufen kann, nicht mal Langlauf. Aber ich muss doch anerkennen können, wenn andere Menschen motorisch und somit auf sportlichem Gebiet überdurchschnittlich oder sogar herausragend begabt sind. Rosi Mittermaier hatte überdies auch eine auffallend hohe Sozialkompetenz, war offenbar bodenständig geblieben und nicht vom Ehrgeiz zerfressen. Das machte sie ja auch so sympathisch.

Ich kann dafür eben etwas anderes, bin sprachlich und musisch begabt und logisch denken kann ich auch ganz gut.

Wer hat denn das Recht, sich anzumaßen, welche Begabung mehr "wert" ist? Gibt es da überhaupt ein Ranking? Und warum sollten zufällig diejenigen Begabungen am meisten wert sein, die ich selbst besitze, während alles, was mir nicht liegt und mich nicht interessiert, demgegenüber Schrott ist?
Was für eine überhebliche und gleichzeitig dümmliche, banausenhafte Einstellung!
 
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Vielleicht sollte man manchen Leuten mitteilen, dass "ich bin mehr wert" ein Phänomen der Vergangenheit war, das gesellschaftlich zumindest hierzulande nicht mehr wirklich gut angesehen ist. Kaum jemand bewundert noch "die da oben" nur wegen ihres Status.

Um "da oben" bewundert zu werden, bedarf es zumindest unter Erwachsenen heute schon etwas mehr. Denke ich.
 
Kaum jemand bewundert noch "die da oben" nur wegen ihres Status.

Um "da oben" bewundert zu werden, bedarf es zumindest unter Erwachsenen heute schon etwas mehr. Denke ich.
Ja. Millionen von Followern. Als Influencer.
Mehr braucht es nicht.
 
Vielleicht sollte man manchen Leuten mitteilen, dass "ich bin mehr wert" ein Phänomen der Vergangenheit war, das gesellschaftlich zumindest hierzulande nicht mehr wirklich gut angesehen ist. Kaum jemand bewundert noch "die da oben" nur wegen ihres Status.

Um "da oben" bewundert zu werden, bedarf es zumindest unter Erwachsenen heute schon etwas mehr. Denke ich.
Es geht hierbei nicht nur um "die da oben".
Es geht auch darum, dass gebildetere Menschen von weniger gebildeten pauschal abgewertet werden. Dieses Verhalten ist um keinen Deut besser als das von Menschen, die auch heute noch Standes- oder Bildungsdünkel hegen.

Es gibt nämlich auch Menschen, die meinen, sie wären mehr wert, weil sie überwiegend praktisch begabt sind, kein Abitur und kein abgeschlossenes Studium haben.

Es ist immer falsch, wenn Menschen sich einbilden, sie seien besser, wichtiger und wertvoller als andere - egal, aus welchen Gründen.
 
Es geht auch darum, dass gebildetere Menschen von weniger gebildeten pauschal abgewertet werden. Dieses Verhalten ist um keinen Deut besser als das von Menschen, die auch heute noch Standes- oder Bildungsdünkel hegen.

Ich bin zu meinem Partner aufs Land gezogen. Hier im Dorf gibt es außer mir nur einen Menschen, der auf dem Gymasium war (er hat studiert). Es ist auffällig, dass die meisten Leute wenig bis kein Interesse an Bildung mitbringen.

Auf der anderen Seite bin es aber nicht ich, die andere von oben herab behandelt. Seine Cousine, einige seiner Freunde und diverse Nachbarn vermitteln mir das Gefühl, als ob ich noch nie richtig gearbeitet habe. Für viele Menschen hier zählt nur körperliche Arbeit als richtige Arbeit. Ich arbeite im Büro und bin somit in ihren Augen einfach nur faul.
 
Ich bin zu meinem Partner aufs Land gezogen. Hier im Dorf gibt es außer mir nur einen Menschen, der auf dem Gymasium war (er hat studiert). Es ist auffällig, dass die meisten Leute wenig bis kein Interesse an Bildung mitbringen.

Auf der anderen Seite bin es aber nicht ich, die andere von oben herab behandelt. Seine Cousine, einige seiner Freunde und diverse Nachbarn vermitteln mir das Gefühl, als ob ich noch nie richtig gearbeitet habe. Für viele Menschen hier zählt nur körperliche Arbeit als richtige Arbeit. Ich arbeite im Büro und bin somit in ihren Augen einfach nur faul.
Dümmlicher geht's wohl nicht mehr. Aber ich kenne das in abgemilderter Form von meinen Cousinen, die auch in Dörfern bzw. in einer Kleinstadt in eher ländlicher Umgebung aufgewachsen sind und dort bis heute leben. Sie haben zumindest ein Problem damit, wenn Frauen studiert haben und ihren akademischen Beruf auch ausüben. Heiraten und Kinder bekommen ist in ihren Augen wichtiger. Dabei hat jede von ihnen nur ein einziges Kind, und zwar jeweils einen Sohn. Söhne dürfen natürlich zum Gymnasium gehen und studieren. Da wird dann geprahlt, was das Zeug hält. Und ist der Sohn - wie in einem Fall - zu faul und wahrscheinlich auch zu unintelligent dazu (Realschule nicht geschafft, dann Hauptschulabschluss gemacht, Beruf mit fast ausschließlich körperlichen Tätigkeiten erlernt), glaubt die Mama, stolz darauf sein zu können, dass ihr "fleißiger" Sohnemann seinen Beruf sogar nach Feierabend und an den Wochenenden ausübt, m.a.W. also schwarz arbeitet. Aber keine Ambitionen, die Meisterprüfung abzulegen oder sich sonstwie weiterzuqualifizieren. Spätestens in zehn Jahren hat er den Rücken kaputt - und was dann? 🙄😒

Dieselbe Cousine musste mir übrigens letztes Jahr am Abend des 2. Weihnachtsfeiertags unbedingt am Telefon erzählen, dass ihr langjähriger Lebensgefährte vor ihr "auf die Knie gegangen" sei und ihr einen Heiratsantrag gemacht habe. Schiefgehen könne nun wohl nichts mehr, sie seien ja schließlich seit 26 Jahren zusammen. Sie weiß genau, dass mein Partner (im selben Alter wie ihrer) Ende Mai letzten Jahres plötzlich und unerwartet verstorben ist und ich das erste Weihnachtsfest ohne ihn und zudem ganz allein verbringen musste. Aber der Neid darauf, dass ich studiert habe, seit rund 30 Jahren einen entsprechenden Beruf in Vollzeit ausübe und mehrmals befördert wurde (sie war auf der Hauptschule, danach auf einer Frauenfachschule und hat dann einen sozialen Beruf ergriffen, den sie seit Jahrzehnten nur noch in Teilzeit ausübt - ihr Sohn wird in Kürze 30!), ließ anscheinend kein anderes Verhalten zu. Der Hochzeitstermin steht noch gar nicht fest. Mit der "Neuigkeit" hätte sie also durchaus noch zu einem späteren Zeitpunkt auftrumpfen können als ausgerechnet zu Weihnachten. Wie es mir am ersten Weihnachtsfest ohne meinen Partner ging, interessierte offensichtlich nicht. Sonst hätte sie sicher auch schon am 1. Feiertag und nicht erst am Abend des 2. angerufen. Ich habe ihr Verhalten als ausgesprochen taktlos empfunden. Diesen Anruf hätte sie sich aus meiner Sicht komplett sparen können.

Beruflich hat sie sich nie weiterqualifiziert und für ihre Bequemlichkeit immer ihren Sohn als Grund vorgeschoben. Dabei ist ja nun wirklich nicht allzu viel aus ihm geworden. Die Tatsache, dass Mama viel zu Hause war, um ihn zu (v)erziehen, hat ihm eher geschadet als genützt. Und als sie sich vor 28 Jahren von seinem Vater, einem spielsüchtigen, großmäuligen, verlogenen und hoch überschuldeten Säufer, getrennt hatte, musste noch vor der Scheidung gleich der nächste Partner her.

Andere Ambitionen haben solche Frauen nicht. Das sind hoffnungslose Fälle. Deswegen würde ich auch niemals in ein Dorf oder in eine ländliche Gegend ziehen.

Die Arroganz geht bei Bildungsunterschieden beileibe nicht nur von den Gebildeteren aus. Die wissen wenigstens, was sie alles nicht wissen.... 😎 Es hat auch nichts mit Arroganz zu tun, wenn man sich als gebildeterer Mensch in diesem Milieu nicht wohl fühlt.
 
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Ich habe mir nicht alle Antworten durchgelesen. Aber am Anfang haben alle geschrieben, dass das kein Problem ist.
Ich verstehe deine Frage jetzt nicht so, dass du fragst, ob man mit einer einzelnen Person befreundet sein kann. Sondern wie man sich einer Gruppe zugehörig fühlt, die eine andere Lebenswelt und damit andere Erfahrungen hat und dich (so deine Vermutung) deswegen ablehnt.

Das kann gut sein, dass du dadurch ein Problem bekommst. Genauso geht es vielen Kinder, die ihr Dörfer verlassen, weil sie mit der Mentalität nicht klar kommen. Freunde von mir haben erzählt, dass sie manchmal Schwierigkeiten mit ihren Eltern haben (die eigentlich eine gute Beziehung zu ihren Eltern haben).

Vielleicht hat ja jemand eine Lösung, wie man eine gute Beziehung mit Menschen herstellen kann, wo man eine Distanz spürt. Und ob das an einem selbst liegt oder an der Gruppe.
 
Vielleicht hat ja jemand eine Lösung, wie man eine gute Beziehung mit Menschen herstellen kann, wo man eine Distanz spürt. Und ob das an einem selbst liegt oder an der Gruppe.
Das kann man durch einseitige Bemühungen nicht erreichen, wenn die Gegenseite an ihren Vorurteilen festhält. Wie soll eine einzelne Person gegen die vorgenannten Meinungen und Ressentiments einer ganzen Gruppe ankommen? Die Typen hetzen sich doch gegenseitig auf! Und je mehr Frauen in so einer Gruppe, desto schlimmer ist es meist. So traurig es ist, dass ich das sagen muss.

In solchen Fällen hilft nur Distanz. Ich weiß schon, warum ich nie aufs Land ziehen würde, obwohl es dort viel ruhiger zugeht und auch die Landschaft meist viel schöner ist als in einer größeren Stadt. Aber ich würde dort mit meiner Biographie niemals akzeptiert werden, geschweige denn respektiert.
 
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Natürlich ist das möglich. Ich würde hier auch sagen, dass es eher mit Interessen und Tiefgang zu tun hat und weniger mit Bildung. Es gibt genug Menschen mit geringer(er) formaler Bildung, die aber dennoch sehr interessiert, kreativ, sozial intelligent und kulturell sind.

Mir ist z.B. aufgefallen, dass die Schule in vielen Bundesländern ein erheblich höheres Niveau hat oder allgemein etwas "strenger" zu sein scheint. Wenn ich mich mit einigen aus anderen Bundesländern unterhalte und sie wirken sehr intelligent und erwähnen dann nach einiger Zeit, dass sie gar kein Abitur haben, dann bin ich oft geschockt, weil ich bei diesen Menschen teilweise davon ausgegangen bin, dass es richtige "Nerds" sind und dass deren Abitur vermutlich viel besser war als meines. Auch in Österreich und der Schweiz ist das Niveau wohl allgemein viel höher, sodass viele auch ohne ein Abitur trotzdem ziemlich gebildet sind.

Ich erinnere mich an ein Mädchen aus Ostdeutschland, die davon geredet hat, dass die in der 7.Klasse "Faust" von Goethe hatten und dass sie sogar Teile daraus auswendig lernen mussten.
Bei uns hatte das nur unser Leistungskurs in der damals 13.Klasse, weil es hieß, dass das Werk ziemlich schwer sei und nur etwas für den Leistungskurs sei. Wir mussten nie irgendetwas daraus auswendig lernen und durften im Abitur sogar unsere Lektüren verwenden zum Nachgucken (inklusive Lektürenhilfe) und durfen uns Notizen in die Bücher machen mit Bleistift.
Auf der Realschule wird so richtige Literatur zum Interpretieren soweit ich weiß hier gar nicht gelesen. Im Abschlussjahrgang kommt oft etwas mit der Thematik 3.Reich oder DDR dran und sonst liest man eher Jugendbücher, wenn überhaupt.
Hatte mich letztens mit einer aus der 10.Klasse auf dem Gymnasium in der Nachhilfe unterhalten und die kannte Goethe und Schiller nicht d.h. sie kannte die Namen nicht einmal und meinte, dass sie die nie im Unterricht hatten und nie etwas von denen bisher gelesen hat. Oft sind diese Werke eher etwas für die Oberstufe.
Ich gebe Nachhilfe und einer meiner Schüler hatte Faust auch im Abitur und er scheiterte schon an Worten wie "Pfarrer", weil er die ganzen religiösen Begriffe und Anspielungen nicht kennt oder versteht (auch Worte wie fromm oder keusch fand er schwer). Den Abiturienten wurde das Werk mit einem Rap von Bushido veranschaulicht und eine zu benotende Klausur enthielt Fragen zu Rapper Bushido und seinem Leben und warum man ihn aufgrund seines Raps mit Faust gleichsetzen könne. Kein Witz.
Im Kontrast dazu gibt es in anderen Bundesländern einfach Realschüler, die da bezüglich der Mythologie noch weiter in die Tiefe gehen, während hier die Abiturienten im Leistungskurs schon mit einigen normalen Begriffen, geschichtlichem Kontext oder religiösen Anspielungen ihre Probleme haben und man mit Bushido kommen muss, damit es einfacher verstanden wird.

Auch bei Menschen aus Österreich oder der Schweiz bin ich manchmal etwas erstaunt, wie belesen einige sind (und ernsthaft in ihrer Freizeit Bücher lesen) und dann sagen die ganz oft auch, dass sie kein Abitur haben. Hier ist man oft schon in der Oberstufe der Nerd der Klasse, wenn man vernünftige Sätze im Deutschen schreiben und lesen kann.
Auch das Wissen in Geschichte, das einige haben: Über irgendwelche Königshäuser und irgendwelche Schlachten und Eroberer und Kaiser und Jahreszahlen, die sie auswendig können. Das war bei uns nie so. Wir haben meistens Texte gelesen und darüber diskutiert in Geschichte und wer etwas seine Meinung schriftlich ausdrücken konnte, der hatte oft schon mindestens 13 Punkte (= 1-). Die Themen waren fast immer 3.Reich, Weimarer Republik, Französische Revolution oder Imperialismus und Industrialisierung. Ich kann mich ernsthaft an keine anderen Themen erinnern und irgendwelche Königshäuser, Schlachten oder Jahreszahlen hatten wir nie in Geschichte.

Was ich damit ausdrücken möchte: Manchmal kommen "Vorurteile" auch daher, wenn man sieht, wie wenig einige im Umfeld können oder wissen müssen und wie oft das noch für gute Noten im Abitur reicht und was für Menschen auf die andere Schulform kommen. Das waren in meiner Kindheit z.B. ganz oft die, die sich in der Grundschule nur mit anderen geprügelt haben und die andere bedroht haben. Also ganz schwierige Verhältnisse und extrem niedrige (soziale, emotionale) Intelligenz.

Das trifft aber nicht auf alle Regionen in Deutschland so zu und vor allem nicht auf alle Generationen.
Teilweise musste man in früheren Generationen wohl auch mehr können oder die Standards waren höher. Denn bei Menschen 40+ schätze ich auch sehr viele Realschüler als ziemlich gute Abiturienten ein und wundere mich immer wieder.

Da ich mit Schülern arbeite und aktiv an Schulen gearbeitet habe, kann ich ziemlich gut einschätzen, was momentan hier auf welcher Schulform verlangt wird. Ich hatte mit Realschülern gearbeitet und die konnten teilweise keine Unterlagen nach Datum sortieren, weil sie kein Datum lesen konnten und bei einem Datum "01.10.22" ernsthaft (!) gefragt hatten, ob das im Januar sei oder im März (!).
Einen Taschenrechner einschalten konnten sie auch nicht und sie sind nicht darauf gekommen, dass man auf "On" drücken muss und meinten dann, dass sie noch nie in der Schule mit einem Taschenrechner gearbeitet hätten.

Ich möchte nichts und niemanden abwerten und es hat immer auch seine Gründe. Oft hat es ja auch mit Verhältnissen und Hintergründen zu tun und viele holen im späteren Leben auch noch auf und hatten es nur in der Jugend schwer. Allerdings bin ich schon sehr Ansicht, dass zumindest in der heutigen Zeit und hier in dieser Gegend sowie in noch "einfacheren Bundesländern" es jeder zu einem Abitur schaffen kann, der es auch will und sich auch nur ein bisschen anstrengt und vielleicht die Prüfungsfächer klug wählt (und z.B. dann einfache Prüfungsfächer nimmt und andere Fächer abwählt, was hier möglich ist).

Das trifft aber nicht auf alle Regionen und Bundesländer zu und ist auch erst seit einigen Generationen so. In Süddeutschland hätte ich vermutlich auch nur einen mittelmäßigen Realschulabschluss 🙂
 
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