Erfolgreich bedeutet bei Jura ja schon, wenn am die Staatsexamina überhaupt besteht, wenn auch nur mit einem Ausreichend.
Die Scheine sind im Jurastudium schnell erschlagen. Erst in den Klausurenkursen unmittelbar vor dem 1. Staatsexamen schreibt man auf Examensniveau. Das dicke Ende, wo sich die Spreu vom Weizen trennt, kommt auch erst mit dem 1. Staatsexamen. Wer vorher schon abgebrochen hat, kann da gar nicht mitreden. Ich kenne auch viele, die über 6 Punkte schon in den noch relativ einfachen Übungsklausuren und -hausarbeiten nur selten hinauskamen und dann feststellten, dass Jura sie doch nicht so interessiert.
Da ich zu diesen Klassenkameradinnen keinen Kontakt mehr habe, kann ich das nicht beurteilen,
aber ich weiß, dass extrem viele noch erfolgreich im Jurastudium waren, denen ich damals noch
in Deutsch und Englisch geholfen hatte, weil sie in diesen Fächern nicht so gut waren und
ihre Noten eben eher mit Kunst/Sport verbessert hatten.
Ich selbst habe im Sommersemester nur ein Übergangssemester besucht ohne Klausuren zu schreiben,
weil nur im Wintersemester mein damaliges Wunschstudium angeboten worden ist.
Ich kann mich hier also auch nicht zu den Klausuren oder Durchfallquoten äußern.
Außerdem kann man Jura auch auf Bachelor/Master studieren.
Das Staatsexamen gibt es soweit ich weiß nur noch in medizinischen Studiengängen
als Pflicht.
Viele meiner Klassemkameradinnen haben übrigens auch erfolgreich BWL studiert.
Da habe ich neulich sogar eine getroffen. Die hat die 13.Klasse noch einmal wiederholt,
weil sie das Abitur nicht geschafft hatte und ich hatte ihr auch noch Nachhilfe gegeben
und jetzt hat sie einen Master in BWL geschafft.
In meiner Jahrgangsstufe belegten nur solche Leute Sport als Abiturfach, die ohne dieses Fach ihr Abi entweder gar nicht oder mit einer wesentlich schlechteren Note bestanden hätten, weil sie in Sprachen und auch in Mathe sowie in den naturwissenschaftlichen Fächern von überdurchschnittlichen, oft auch nur durchschnittlichen Leistungen weit entfernt waren. Gute Schüler, die auch noch gut in Sport waren, hätten das Fach niemals als Abiturfach gewählt, ebenso wenig ein Laberfach wie Pädagogik. Vielleicht als Grundkurs, ja, aber nicht als eines von den Fächern, in denen sie im Abitur geprüft werden wollten.
Aber wo ist das Problem? Hauptsache man schafft sein Abi, oder?
Vielleicht haben einige den Luxus, dass sie maßgeblich darauf hinarbeiten, dass der Durchschnitt
besonders gut ist. Bei den meisten in meinem Umfeld und mit denen ich aufgewachsen und zur
Schule gegangen bin, war es so, dass vielen bis zum Ende nicht klar war, ob sie überhaupt das
Abitur schaffen würden. Einige hatten es dann auch nicht geschafft und haben wiederholt.
Hier war eben die Hürde "Abitur schaffen" und für viele eben als erste und einzige aus der Familie.
Bei mir eben immer extrem viele mit Migrationshintergrund und darunter einige, die erst wenige
Jahre in Deutschland waren und bei den "Deutschen" in der Minderheit eben oft "schwierige" und/oder ärmere Verhältnisse.
Bis vor kurzem habe ich im Bildungssektor gearbeitet und finde es inzwischen doch schon etwas heftig, dass eben:
1. Schüler*innen der 10. Klasse Gymnasium noch nie von Goethe oder Schiller gehört haben und noch nie deren Werke gelesen haben.
2. Ich Schüler*innen der 10. Klasse Gymnasium im Unterricht erklären musste, was Verben, Nomen und Adjektive sind.
3. Ich Schüler*innen in der 10. Klasse Gymnasium erklären musste, wann man ß und wann man ss benutzt und dabei "Masse vs Maße" als Beispiel nahm und die Schüler*innen die Worte "Masse" und "Maße" beide nicht kannten und nicht verstanden haben und dieses Beispiel für große Verwirrung sorgte, weil diese beiden deutschen Worte nicht gekannt worden sind.
4. In der 12.Klasse Gymnasium (Abiturjahrgang) das Wort "Holocaust" als Fremdwort nicht bekannt ist und das Wort "Kommunismus" ebenfalls noch nie gehört worden ist mit der Erklärung: "Bei uns ist so oft Geschichte ausgefallen!"
5. In der 12.Klasse Gymnasium (Abiturjahrgang) das Werk "Faust" mit Bushido-Raps verglichen und erklärt werden muss, um überhaupt die grobe Story zu verstehen. Schüler haben schon Probleme mit christlichen Anspielungen und Worten wie: Pfarrer, fromm oder keusch oder kommen nicht darauf, dass die läutenden Glocken zu einer Kirche gehören. ("Ach so, bei Kirchen sind manchmal Glocken, stimmt!").
Allgemeinwissen bezüglich Geschichte oder Christentum oder Kultur fehlt ganz einfach.
Ich finde das schon schwierig.
Und diejenigen, die auf Fachhochschulniveau studieren und dann vielleicht in den gehobenen Dienst der Verwaltung gehen, betonen nach meiner Beobachtung viel mehr, dass sie studiert haben, als diejenigen, die ein anspruchsvolles Fach an einer "richtigen" Universität, möglicherweise noch einer Elite-Uni wie etwa Aachen, Tübingen, Berlin oder Bonn studiert haben.
Das mit den Fachhochschulen ist ein interessantes Thema, denn hier haben wir sehr viele private, teure Fachhochschulen. Auf einigen kann man auch Psychologie oder Medizin studieren.
Außerdem private Fachhochschulen für Berufe im Bereich Medien oder Kreatives, auf denen man dann Dreuhbuchautorin, Regisseurin, Designerin und dergleichen werden kann.
Die sind aber extrem teuer und kosten schon einmal über 700 € im Monat, während der Stundenplan extrem voll und starr strukturiert ist, sodass eigentlich keine Zeit zum Arbeiten nebenbei bleibt.
Hier sind es eher die Kinder reicherer, privilegierter Eltern, die auf solche Fachhochschulen gehen.
Man kann sie zwar auch mit "nur" Fachabi besuchen, aber die meisten, die dort studieren, haben
eigentlich auch Abitur, nur eben keine 1,0. Die studieren dann eben Psychologie oder Medizin auf
solchen "University of applied science" oder eben solche kreativen Berufe, in denen man auf den
Privatschulen dann die entsprechenden Kontakte knüpft und gleich passende Praktika vermittelt
bekommt.
Da ich aktuell auch auf eine Art "Privatschule" gehe (eher eine Weiterbildung), habe ich in
meinem Leben das erste Mal auch Kontakt mit Menschen, die wohl wirklich aus einem
privilegierten Umfeld kommen. Man merkt es eben unterschwellig, wenn diese nur
auf Privatschulen waren und sie sagen, dass die Eltern das bezahlt haben.
Das sind natürlich genauso Leute wie du und ich und wenn ich ehrlich bin, dann
sind die auch nicht zwingend "besser" oder "klüger" als Leute aus meinem Umfeld.
Mir fällt da eine auf, die offenbar kaum lebensfähig ist und die mit 21 noch ständig
weint, wenn ihr etwas nicht passt oder sie nicht im Mittelpunkt steht oder sich nicht
zehn Leute um sie kümmern (wirkt auf mich etwas wie eine Persönlichkeitsstörung).
Ich finde sie teilweise problematischer und noch weiter vom eigentlichen Leben
entfernt als die oben geschilderten Schüler*innen.
Die erzählt auch lang und breit, dass sie in UK auf einer so tollen Privatschule
war und was sie da alles gelernt und gemacht hat und wie elitär die war und
wie toll das alles war und Englisch sei ja ihre Muttersprache und sie habe da
ja auch dieses gemacht und das gemacht, aber Deutschland sei ja so ein
blödes Land und habe das alles nicht anerkannt und sie habe das
englische Abitur ja mit 1,0 abgeschlossen und Deutschland habe das nur
als Realschulabschluss angesehen.
Wer eben wirklich auf einer angesehenen Schule in England seine A-Levels
macht, bei dem wird das definitiv in Deutschland als Abitur angesehen.
Die war eben auf einer privaten degree mill und das Niveau zählt hier
in Deutschland eben als Realschule.
Sie habe dann ja aber auch noch das "Deutsche Abitur" gemacht und
das sei ja alles so blöde, weil man im deutschen Abitur ja Mathematik
und Naturwissenschaften machen müsse und die Lehrer seien ja alle
ungerecht und rassistisch zu ihr gewesen, weil sie Asiatin ist und daher
sei ihr Abitur ja so "schlecht" und "nur" 1,3 gewesen.
Habe dann auf Linked In herausgefunden, dass das kein "Deutsches Abitur"
war, sondern auch wieder eine private Fachschule mit Schwerpunkt Sprachen,
auf der sie ihr Fachabi mit Schwerpunkt Sprachen gemacht hat.
Nicht einmal vergleichbar mit einem deutschen Abitur, sondern so
eine privat bezahlte Fachschule.
Jetzt ist sie mit mir auf dieser Privatschule und ich habe noch nie in meinem
Leben eine so instabile Person gesehen, die bei allen Aufgaben ihre
Ausflüchte sucht und immer "krank" ist oder weint, wenn sie etwas
machen soll und die öfters lügt und Sachen etwas anders darstellt,
als sie sind. Ich bin ernsthaft schockiert.
Danach will sie wohl auch auf so eine private Fachhochschule "university of applied science".
Wir stellen fest: Privilegiertere und reichere schummeln sich eben mit "Privatschulen"
und mit "degrees" durch.
Wer aus ärmeren und schwierigeren Verhältnissen kommt, wählt eben einfachere
Fächerkombinationen oder braucht manchmal etwas länger und wiederholt mal
etwas oder macht später noch einen Abschluss nach.
Jeder versucht am Ende so gut es geht durchzukommen, aber wer aus ärmeren Verhältnissen kommt,
der kann eben nicht so einfach auf Privatschulen, sondern ist auf Stipendien angewiesen oder muss
eben etwas später noch seine Abschlüsse nachholen.