Ja, ich bin für maximale Freiheiten aber nicht exklusiv für mich, sondern möglichst für alle.
Ich höre die Botschaft, allein mir fehlt der Glaube.
Worte wie "unnatürlich" sind für mich eine Wertung. Und damit lassen sie dem anderen nicht mehr die Freheit, zu leben, wie sie es fühlen, wie sie es für richtig halten. Was ist es denn anderes als demjenigen zu sagen "du bist falsch"?
Ich bin auch nicht homosexuell und dennoch für eine 100 prozentige Gleichstellung von Sexualitäten. Jeder darf tun was er will und es darf auch jeder Mensch mit ungewöhnlichen Klamotten rumlaufen oder sich weiblich oder männlich fühlen.
'Eine 100 prozentige Gleichstellung bedeutet aber eben auch, solche Wertungen wie "natürlich" und "unnatürlich" zu lassen.
Wir leben mehr und mehr in einer diversen Gesellschaft, in der wir lernen müssen, damit klar zu kommen, dass es viele Varianten gibt, die alle so normal sind wie das Original. Und solange diese Diversität niemandem schadet, hat sie in dieser Gesellschaft ihren Raum.
Und in diesem Thread habe ich mit keinem Wort Transsexualität verurteilt.
Du bewertest es als "unnatürlich" und das ist eine Verurteilung.
Vielleicht sind die Begriffe "natürlich" und "unnatürlich" für Dich keine Bewertung?
Google sagt:
Die Bewertung ist neben der Beschreibung eine Hauptaufgabe der Evaluation. Sie bringt die erzeugten beschreibenden Informationen in Relation zu ausgewiesenen oft operationalisierten Kriterien, um schließlich zusammenfassende Urteile über Güte und/oder Tauglichkeit eines Evaluationsgegenstands zu treffen.
Evaluation oder Evaluierung, aus lateinisch valere „stark, wert sein“, bedeutet sach- und fachgerechte Untersuchung und Bewertung.
Du setzt die Transidentität in Relation zu einem Kriterium, das Du als "stark und wertvoll" betrachtest. Oder eben als "echt". (Deine Aussage: transgender Menschen haben den Anspruch anders wahrgenommen zu werden als man ist). Du nimmst für Dich in Anspruch, dass Du die Kriterien bestimmst, nach der die Wahrnehmung anderer evaluiert wird. Damit nimmst Du der Position des anderen ihren Wert und bezeichnest sie als schwach.
Du triffst eine Aussage über Güte und Tauglichkeit der Transidentität. = Die Transmenschen wollen als etwas anderes wahrgenommen werden, als sie sind. Was ist das anderes als eine Verurteilung?
Was ist denn ein Zwitter, der mit weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt kommt? Der fällt doch schon raus aus der Wertung, es gäbe nur zwei Geschlechter. Man kann natürlich sagen, die Natur macht eben doch Fehler. Aber dann kommen wir wieder zu "unwertem Leben" oder wir akzeptieren, dass die Natur anscheinend bei der Gestaltung von Geschlechtern genauso divers ist, wie überall.
Eine "geschlechtsangleichende" OP würde ich aber nicht als natürlich bezeichnen.
Kannst Du Dir nicht vorstellen, was das für einen Menschen bedeutet, wenn man ihm sagt, dass er ein "unantürliches" Leben führt? Dass er kein richtiger Mann, keine richtige Frau ist? Wie verletzend und demütigend das ist?
Diese Menschen durchleben so schon großes Leid. Und dann werden sie noch ausgegrenzt als "nicht natürlich" oder eben "nicht echt".
Was ist denn echt?
Google:
nicht nachgemacht, nicht imitiert; unverfälscht
"echte Perlen"
1b.
reinrassig
"ein echter Pudel"
Bei 1B bewegen wir uns dann schon gleich im Rahmen vom "reinrassigen Herrenmenschen". (Und nein, ich will nicht sagen, dass Du ein Nazi bist!)
Aber die ersten drei Begriffe können wir uns näher anschauen. Nicht nachgemacht. Was genau ist denn eine Frau? Was genau können wir nachmachen, imitieren, verfälschen? Es gibt doch kein einheitliches Bild. Ich möchte noch mal auf die Schwurjungfrauen in Albanien hinweisen, wo Frauen als Männer leben und in der Gesellschaft so wahrgenommen werden.
Ich habe nur gesagt, dass Homosexualität und Transsexualität für mich sehr verschiedene Dinge sind.
Was du gesagt hast, beschränkt sich eben nicht darauf, dass Homosexualität und Transsexualität zwei verschiedene Dinge sind, sondern Du hast das eine als etwas natürliches bezeichnet und damit das andere ABGEWERTET als unnatürlich. (Wenn ein Mensch sich so bemüht, authentisch im anderen Geschlecht zu sein, dann ist es eine Verletzung, das als unnatürlich zu bezeichnen.)
Es mag sein, dass wir das nicht nachvollziehen können, aber es ist nun mal so. Und niemand von uns hat das Recht, deswegen die Selbstbestimmung dieser Leute in Frage zu stellen. Sicher ist es wichtig, dass gute Therapeuten mit der Person gemeinsam nach einer alternativen Lösung suchen, aber wenn da keine Besserung in Sicht ist, dann muss man sich damit auseinandersetzen, dass man ein Bein oder einen Arm amputieren muss.
Und ich glaube, dass es verschiedene Dinge sind, kann keiner leugnen.
Es geht aber nicht darum, ob das verschiedene Dinge sind, sondern es geht um das Selbstbestimmungsrecht, um die Würde eines Menschen, um seine Menschenrechte.
Die Frage, die ich mir stelle....
...ist eher was Menschen erreichen wollen, welche diese Gruppen vergleichen.
Ich vergleiche die Gruppen gar nicht, ich jedenfalls solidarisiere mich schlicht mit Menschen, deren Rechte in Gefahr sind oder denen man sie nimmt.
Ich kann damit leben wenn du und andere hier eine größere Ähnlichkeit sehen als ich, kein Problem! Muss ich auch nicht ausdiskutieren.
Wo ich eine große Ähnlichkeit sehe, das ist die Diskriminierung, die beide Gruppen erfahren. Die Ablehnung. Das Unverständnis. Die Vorurteile. Auch wenn die Homosexuellen da vielleicht schon etwas mehr erreicht haben. Aber das Menschenbild, das dem zugrunde liegt, ist immer noch das gleiche und das kann ratzfatz wieder kippen, wie man derzeit in den USA sieht.
Ich stelle nur fest, dass ich sofort in den Topf der Transphoben gesteckt werde wenn ich sagen Homosexualität und Transsexualität ist was unterschiedliches.
Ich versuche Dich in gar keinen Topf zu stecken, was mir allerdings zugegeben zunehmend schwerer fällt. Ich weiß gar nicht, ob ich Dich als transphob sehe. Was ich sehe ist, dass Du mit Deinen Beiträgen Menschen verletzt und ihre Lebensweise, ihre Gefühle als "unnatürlich" abwertest. Das ist mein Problem und nicht, dass du die beiden Dinge als unterschiedlich siehst.
Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit Stigmatisierung und Ausgrenzung psychisch erkrankter Menschen. Darum beschäftige ich mich auch intensiv mit der T4 Aktion. Damals hat man psychisch erkrankte Menshcen ermordet, weil sie arbeitsscheu waren. Oder weil sie als Idioten angesehen wurden. Das waren für die Nazis "defekte Menschen". Das waren sogenannte "Ballastexistenzen".
Ich halte Dich nicht für einen Nazi, aber ich sehe durchaus einen Zusammenhang zwischen "das hat die Natur so nicht gewollt" (das ist unnatürlich) und ein defekter Mensch sein. Ich sehe ebenso einen Zusammenhang zwischen "dann müssen wir das auch noch bezahlen" und Worten wie "Ballastexistenzen".
Wir müssen uns sehr genau überlegen, wie weit wir uns erlauben, gedanklich in die Richtung von "defekt" und "Ballast" zu denken. Es ist dieses Menschenbild, das ich radikal ablehne.
Und das finde ich schade, dass hier Threadteilnehmer so schnell als Feinde empfunden werden.
Deine Beiträge machen mich eher traurig und wütend. Ein Feind bist Du für mich nicht.
Aber an der Stelle merke ich, dass Du für Dich eine Empfindlichkeit in Anspruch nimmst, die Du anderen nicht zugestehst. Winternacht sagst Du direkt ins Gesicht, dass sie keine richtige Frau ist, nur weil ihr Körper nicht Deinen Vorstellungen von Männlichkeit entspricht.
Nochmal, ich kann verstehen, dass einem das schwer fällt, dass es verwirrend ist. Es geht mir oft nicht anders, aber ich bemühe mich, mein Bild zu ändern. Mein Klischeedenken kann und darf nicht das Problem eines anderen sein.
Ich denke, wir als Gesellschaft müssen darüber diskutieren, welche Berechtigung unsere Geschlechterbilder haben. Genau wie wir darüber diskutiert haben, welche Voraussetzung ein Ehepaar mitbringen muss. Und auch das wurde lange über die Biologie gerechtfertigt und neben dem religiösen Aspekt damit, dass die Natur es nicht gewollt hat, dass zwei Männer oder zwei Frauen miteinander verheiratet sind.
Hast Du mal überlegt, wie schwer das für einen Menschen ist, der darum kämpft, seine Stellung in der Gemeinschaft zu finden, wenn man ihm ins Gesicht sagt: "Du entsprichst nicht
meiner Norm. Ich spreche Dir Dein Ich-Sein ab!" Damit grenzt man eine Person aus, die nichts dafür kann, dass sie ist, wie sie ist und die eben auch nichts weiter will als Akzeptanz.
Und ehrlich, ich verstehe nicht, warum man das Klischeebild, das man von den Geschlechtern hat, nicht ändern kann, damit Menschen sich angenommen und zugehörig fühlen.