Liebe Sunn,
hast Recht, ich bin über die Stränge geschlagen. Entschuldige, wenn ich dich verletzt habe (ehrlich gemeint!). Ich rege mich nur auf, wenn Menschen abgesprochen wird, dass sie an etwas für dich Banalem leiden dürfen.
Du hast scheinbar auch ein schwieriges Leben gehabt - und im Endeffekt bin ich charakterlich eher wie du: Niederlagen fordern mich geradezu heraus und ich kann auch in den beschissensten Zeiten noch was Positives sehen.
Ich habe aber lange Zeit gebraucht zu verstehen, dass das ein großes Glück ist, einen solchen Charakter als Grundlage zu haben. NATÜRLICH kommt dann dazu deine Einstellung und dass du nicht aufgibst, dass du ein schönes Leben willst - was ich super finde, nebenbei bemerkt.
Ich war früher auch im wahrsten Sinne "verständnis-los", ich habe nicht verstanden, warum es Menschen gibt, denen das fehlt. Dieses Aufdrehenkönnen, wieder aufstehen. Menschen, in die das Leben immer nur einzuschlagen scheint wie Blitze, die sich nicht verteidigen können, die nicht mal mehr aufstehen können.
aber: ICH WILL SO NICHT SEIN, ICH WILL DAS LEBEN LIEBEN.
und das ist das EINZIGE, was eine zufriedene person, von einer unzufriedenen unterscheidet. meine grundstimmung ist gut. weil ich es so will. weil ich nicht klagen will, sondern schlechtes versuche zu beheben und gutes schätze.
Dein Charakter hinter dieser Grundstimmung - ohne deine Leistung schmälern zu wollen! - ist ein Geschenk, das leider nicht alle haben.
dieser satz sagt nichts über dein leben, sondern über negative bewertungsmuster, die du positiven vorziehst. es ist nicht meine schuld, dass das ein faktum ist. die einen kommen ins gefängnis und machen nur scheiße, andere nutzen ihre zeit dort und promovieren. gibt es alles.
Nee, über mein Leben sagt der sowieso nichts, sondern ich wollte verdeutlichen, dass es Menschen gibt, die an einer Begebenheit ihres Lebens leiden, die sich gestraft fühlen und dass du sie meines Erachtens nicht ernst nimmst, wenn du ihnen sagst: "Sieh her! Du musst doch nur glücklich sein!"
Ich kann das vor dem Hintergrund verstehen, dass du dein Leben knallhart gemeistert hast und nun auf andere guckst und aus deiner Sicht das, woran die leiden, aussieht wie eine Lappalie. Letztlich hast du bei deinem Leben auch alles Recht zu sagen: "Ich hätte auch schon dreimal Alki, Junkie usw sein können, ich hätte aufgeben können, aber ich habe das trotzdem hingekriegt!"
Leid und Schmerz ist aber immer subjektiv. Ich rede hier nicht von "echten" Jammerlappen, die aus Mücken Elefanten machen. Ich spreche von Menschen, die Ereignisse einfach unterschiedlich verarbeiten. Dieses Verarbeiten-Können ist leider unabhängig vom Wollen, das kommt erst später, wenn man die Grundanlagen dazu hat.
nein, undankbare menschen nehmen sich selbst und ihr leid zu ernst, so muss es heißen.
Ist mir auch ein bisschen zu parolenhaft der Spruch und das Wort "undankbar" mag ich eh nicht
🙂
insofern liegt die lösung da, dem anderen zu raten, sich gedanken zu machen, die ihm besser tun, dinge mit humor zu sehen und nicht so verbissen durchs leben zu gehen, sondern es als ein wunderbares geschenk zu sehen.
Dass du das kannst, ist dein Glück und dein Segen. Aber du kannst nicht an alle den gleichen Maßstab anlegen. Wäre das nur eine Willenssache, würde ich dir recht geben. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es das bei vielen nicht ist.
ich weiß nicht, wer enke ist, aber wenn er nicht darauf schaut, was er nicht hat, sondern darauf, was er hat, wär er zufriedener.
Enke war ein schwer depressiver Nationaltürhüter, der sich 2009 das Leben genommen hat...
ich verstehe deinen ärger nicht. ich sehe dinge anders aber bin zufrieden. warum soll ich anderen dann nicht empfehlen: machts doch so wie ich?
Ich versuchs nochmal zu erklären, denn mir ist es wichtig, dass du verstehen kannst, warum ich mich so aufgeregt habe. Mir geht es um folgendes: Andere können es nicht so machen wie du, denn es fehlt ihnen dein Charakter. Und du hast nicht deine Erfahrungen geteilt, du hast geschrieben:
ich finde es unverständlich, dass du nicht zu schätzen weißt, dass du lebst.
Das klingt schon nach dem ersten Stein des Anstoßes, weil "unverständlich" ein Wort ist, dass man leicht falsch interpretieren kann, wenn man es nur liest.
wieso freust du dich nicht? all die schönen dinge, die es gibt
Das ist ein Vorwurf: Wieso freust du dich nicht? Und dann rekurrierst du auf all die schönen Dinge - welche denn? Werden die subjektiv auch so empfunden?
Versteh ich dich richtig, dass deine Idee war, "Konfrontationstherapie" zu machen und die Leute damit anzustoßen?
Ich hoffe, ich konnte ein bisschen verständlicher machen, was mich aufgeregt hat.
Liebe Grüße,
Joey