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Suizid- Was denkt ihr darüber?

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Für weitere Antworten geschlossen.
Dann wollen wir mal ein Tabu brechen, 😉
das Tabu:
darüber redet man nicht

Ok Leute, ich richte mich mal an euch, Rose, Dr. Rock und egal0815 (und alle anderen, die sich angesprochen fühlen). Ich hoffe, ich trample nicht auf euren Nerven rum 😀 Aber egal0815 hats ja schon gesagt: Es geht dabei auch darum, ein Tabu zu brechen und darüber zu reden. Hoppe sagte mal, der Suizid sei ansteckend - ich halte das für Bullshit und für den gefährlichen Versuch, eine vermeintliche "Verlockung" zu unterdrücken - und im Zuge dessen auch jeden Gesprächsansatz.

Ich schreibe gerade eine Arbeit über den Suizid und das Verbot der Beihilfe dazu. Und im Zuge dessen mache ich mir Gedanken über Alternativen und ich würde von euch - klingt doof, aber ist so - als Fachleuten, als Betroffene, wissen, wie ihr das seht, ob ihr sowas gut finden würdet und wie es euch damit gehen würde.

Die Idee wäre, den Suizid derart freizugeben, dass man zu bestimmten Anlaufstellen gehen kann, um ihn zu "beantragen". Stellen, die nicht gleich einweisen oder einfach nur zum Hausarzt überweisen, sondern die erst einmal ein Erstgespräch anbieten und dabei ein bestimmtes, vorgeschriebenes Prozedere durchlaufen.

Ich stelle mir vor, dass für "Gesunde" eine Zeit von einem Jahr veranschlagt würde, in der ein volles Programm durchgezogen würde, um die Ernstlichkeit dieses Wunsches zu prüfen.

Dabei würde es vorsehen, dass ein Arzt (sofort anschließend, nicht drei Monate später) den Kandidaten körperlich untersucht, um eine körperliche Ursache entweder zu beheben oder auszuschließen.
Danach würde eine psychiatrische Untersuchung (sofort, auch nicht drei Monate später) folgen, um auszuschließen, dass jemand in einem vorübergehenden Zustand ist, der ihn zu diesem Entschluss bringt.
Weiter würde ich eine Schuldner-/ Familien-/ Ausbildungs-/... beratung anschließen wollen, ihn uU sogar in die Struktur der Anlaufstelle einbinden dh. ihn als Fachberater miteinbeziehen wollen, sofern er sich dazu in der Lage sieht.

Und wenn der Kandidat am Ende immer noch sagt, er will sterben und er wird von diesem Gedanken nicht abrücken, würde er in diesem System ein Mittel dazu bekommen.

Das klingt in den Ohren von vielen erstmal ziemlich krass - ich mache seit Tagen nichts anderes als Leute, die am Anfang völlig empört wegen dieses Vorschlags sind, davon zu überzeugen 😀

Eure ehrliche Meinung dazu würde mich wirklich interessieren.

Liebe Grüße,
Joey
 
Joey, ich hab mir ein paar Gedanken über deine Gedanken gemacht..😉..bin aber etwas hin- und hergerissen. Das ist sicher alles gut gemeint, aber du gehst davon aus dass jemand der die Absicht hat, Suizid zu verüben, noch die Kraft und vor allem das Vertrauen hat, sich um die Beweggründe seiner Entscheidung zu kümmern, wenn ich dich richtig verstehe.

Und ohne jetzt schwarz zu malen – bei mir zumindest wärst du mit deinem gut gemeinten Plan gescheitert. Ich kann natürlich nur von mir reden, aber wie gesagt, es war keine Kurzschlusshandlung sondern der letzte Ausweg aus einer – wie Abendtau es bereits schrieb – für mich unmenschlichen Entwicklung bzw. unmenschlichen Befindlichkeit. Ich wäre weder in der Lage gewesen, mich noch für derartige Schritte aufzuraffen noch hätte man bei mir überhaupt ein offenes Ohr dafür gefunden noch hätte ich so eine Hilfe überhaupt gesucht.

Man hätte noch nicht einmal mich selber gefunden um mir unter die Arme zu greifen, weil ich (bis auf einen damaligen „Freund“) alles für mich behalten habe.
 
Joey, ich hab mir ein paar Gedanken über deine Gedanken gemacht..😉..bin aber etwas hin- und hergerissen. Das ist sicher alles gut gemeint, aber du gehst davon aus dass jemand der die Absicht hat, Suizid zu verüben, noch die Kraft und vor allem das Vertrauen hat, sich um die Beweggründe seiner Entscheidung zu kümmern, wenn ich dich richtig verstehe.

Und ohne jetzt schwarz zu malen – bei mir zumindest wärst du mit deinem gut gemeinten Plan gescheitert. Ich kann natürlich nur von mir reden, aber wie gesagt, es war keine Kurzschlusshandlung sondern der letzte Ausweg aus einer – wie Abendtau es bereits schrieb – für mich unmenschlichen Entwicklung bzw. unmenschlichen Befindlichkeit. Ich wäre weder in der Lage gewesen, mich noch für derartige Schritte aufzuraffen noch hätte man bei mir überhaupt ein offenes Ohr dafür gefunden noch hätte ich so eine Hilfe überhaupt gesucht.

Man hätte noch nicht einmal mich selber gefunden um mir unter die Arme zu greifen, weil ich (bis auf einen damaligen „Freund“) alles für mich behalten habe.

Hey, danke für die Antwort (und schön, dich zu lesen 😀). Hmja, da sagst du was wirklich Wahres. Glaubst du, du entsprichst einem bestimmten "Typus" eines Suizidenten? Ich hab das im Kopf zwar etwas ausdifferenziert, aber hier grad nicht geschrieben:
- Es gibt die Alterssuizide - die, die zB Alzheimer haben und jetzt gehen wollen, bevor sie nur noch ein sabberndes Häufchen Elend sind.
- Es gibt die - ohne das irgendwie herabwürdigen oder werten zu wollen, würde ich sagen - "typischen Protestsuizide", die ich eher in der Altersklasse 15-25 ansiedeln würde. Junge Leute, die mit der krassen Welt (Anforderungen, Mobbing, Gewalt, Familiendramen, xyz) nicht klarkommen und deshalb frühzeitig voller Wut und Verzweiflung aussteigen. Die hatte ich vor dem geistigen Auge, als ich das schrieb.
- Und dann gibts offenbar Leute wie dich, die ihre Not dann nicht mal mehr kommunizieren können.
(und x andere Typen...?)

Ich hab das auch noch weitergedacht: Ich habe die große "Befürchtung", dass ein solches Programm dazu führen würde, dass verzweifelte Menschen so tun, als hätten sie Suizidabsichten, denn was bietet ihnen denn das Programm? Sofortige medizinische Versorgung. Therapie ohne Warteplatz (in Brandenburg warten Depressive im Durchschnitt (!!) 19 Wochen auf einen Therapieplatz - was zur shitfucking hell ist das denn??). Ich würde damit rechnen, dass verzweifelte Menschen so vorgehen - und ich würds ihnen ehrlich nicht verübeln.

Dieser Gedanke zeigt mir, wie *Schimpfwortblase-AUF-Schimpfwortblase-ZU* unsere Gesellschaft ist. Wie krass schlecht allein die medizinische und psychische Versorgung in Wirklichkeit ist - wer mal mit einer bewegungsunfähigen Hand 1 1/2 Monate auf ein MRT gewartet hat, weiß das.

Natürlich müsste eine echte und ernstzunehmende "Suizidprävention" etwas ganz anderes sein: Die Ermöglichung eines guten Lebens unter guten Bedingungen, die Einbindung in haltende und stützende Sozialstrukturen, usw *Utopie-Blümchen-schmeiß* - wobei es auch da immer noch Leute gäbe, die sterben wollen würden.

Mir gehts auch nicht darum, alle zu kontrollieren und zu belabern, ach wie toll das Leben ist (denn ich weiß ganz genau, wie es sein kann), Durchhalteparolen zu trällern und alle am Leben zu erhalten - siehe oben die Alterssuizide, die haben einen guten Grund und so ein Hinderungsrecht stünde mir gar nicht zu.

Die Idee ist mehr so ein Zwitter, um auf der einen Seite der Schutzpflicht des Staates genüge zu tun (Staat muss unser Leben schützen - auch vor uns selbst, wenn wir nicht mehr wissen, was wir tun) und dem Selbstbestimmungsrecht der Suizidenten Rechnung zu tragen.

Denn (vor dem Hintergrund meiner zu schreibenden Arbeit) finde ich es vom Staat unglaublich verlogen, allein "gewerbsmäßige" Suizidbeihilfe unter Strafe stellen zu wollen - als wäre das Geldstreben der Helfer das alleinige Problem! Er ignoriert damit bewusst die Not der Leute, die sich umbringen wollen.
Auf den Punkt gebracht: Statt denen zu helfen und sich an die zu wenden, die sich umbringen wollen, verbietet er anderen, ihnen beim Suizid zu helfen (weil sie damit angeblich Geld verdienen wollen - nebenbei bemerkt: Das ist auch noch eine unredliche Behauptung, wie ich finde).
Schlimmer missachten und ignorieren kann man meines Erachtens die Nöte von Suizidgefährdeten kaum, denn sie und ihre Situation spielen eigentlich keine Rolle in diesem Gesetzentwurf.

So und bevor ich jetzt weiter große Reden schwinge: Was würdest du für eine gute Idee halten, Menschen wie dich zu erreichen, bevor es so spät ist? Was könnte man machen? Einfach frei herumgesponnen, weniger von dem, was zur Zeit machbar erscheint *Utopie-Blümchen-reich* 🙂

Liebe Grüße,
Joey
 
Menschen die Suizid begehen möchten sind ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch schwer zu erreichen.

Das Problem liegt eher daran das nicht früh genug etwas getan wurde,um den jenigen zuhelfen.

Das Hilferufe auch versteckte nicht von der Umwelt wahr genommen wurden.

Der Staat möchte nicht das man sich das Leben nimmt,er tut jedoch auch nicht sehr viel dafür das das Leben für den jenen mitunter Lebenswert ist.

Der Staat stellt es unter Strafe es zu tun bzw anderen dabei zuhelfen.

Bei einigen hat es vielleicht eine Körperliche Ursache bei einigen ist es eher die Psyche.

Einige Körperliche sowie Psychische Erkrankungen sind sogut wie nicht heilbar.

Willst Du für diese nicht heilbaren einen Schein entwickeln das sie sich das Leben nehmen dürfen?

Und dabei ggf Hilfe bekommen?


 
Hi Joey, 🙂

great to read you back... 😉

Wo liegt der Unterschied zwischen deiner Gruppe „typische Protestsuizide“ und der nächsten, nicht näher spezifizierten Gruppe? Ich meine, ich hätte aufgrund der von dir genannten Beweggründe durchaus in diese „Protestgruppe“ gepasst, aber das Wort „Protest“ ist hier unpassend, finde ich. Ich wollte nicht protestieren, ich wollte mich von allem befreien, was mich in mir und um mich herum kaputtgemacht hat. „Protest“ beinhaltet noch die Komponente „ändere was“ bzw. „Hoffnung“; über den Punkt war ich aber längst hinweg.

Das Thema und deine Fragen sind nicht leicht. Will man einen solchen Menschen helfen, muss man ihn frühzeitig erreichen und ihn auffangen. Und wenn möglich – zumindest denke ich so – ihn nicht mit Gewalt auffangen und ihn zur nächsten Psychiatrie schleppen, sondern ihm auf Augenhöhe begegnen und an die Hand nehmen. Ich kann nicht sagen, ob und wie man mir hätte helfen können, aber wenn, dann wäre das auf freundschaftlicher Basis sicher besser gewesen als durch organisierte, staatliche Hilfe. Wahrscheinlich hätte die mich nur abgeschreckt.
 
Einige Körperliche sowie Psychische Erkrankungen sind sogut wie nicht heilbar.

Willst Du für diese nicht heilbaren einen Schein entwickeln das sie sich das Leben nehmen dürfen?

Und dabei ggf Hilfe bekommen?

Aaaalsooo:
Suizid selbst ist nicht strafbar (der vollendete sowieso gar nicht, weil den Toten kann man nicht bestrafen).
Suizidbeihilfe deswegen eigentlich auch nicht (heißt: Grundsatz der limitierten Akzessorietät), aber es gibt gefährliche Ausnahmen für die Gehilfen (Tatherrschaftswechsellehre des BGH, mittelbare Täterschaft, unterlassene Hilfeleistung, fahrlässige Tötung, BtMG/ AMG).

Der Staat muss Leute schützen, klar. Aber es gibt auch Leute, die freiverantwortlich in den Tod gehen wollen.
Auf die Unheilbarkeit dürfte es dabei in erster Linie nicht ankommen, sondern darauf, ob jemand das wirklich ernsthaft will - denn warum sollte ich einem sagen: DU hast Krebs, ok, du darfst und DU, du hast bloß 90 Jahre gelebt und bist für deinen 90 Jahre gesund (abgesehen von Schwäche, Blindheit, was alles noch im Alter auftreten kann), darum darfst du nicht?

Wie oben: Die Frau mit Alzheimer. Sie hat sich entschieden, jetzt aus dem Leben zu scheiden.

Bislang läuft das so, dass die dann zB ihren Sohn losschickt, um sich Schlaftabletten zu besorgen und mittels der Tabletten aus dem Leben zu scheiden.
Dabei schaut niemand darauf, ob die Frau freiverantwortlich handelt, ob die Alzheimerdiagnose eine Fehldiagnose ist usw.
Der Sohn gibt ihr die Tabletten, sie nimmt sie ein - und nach geltendem Recht passiert folgendes: Er muss den Raum verlassen, sonst setzt er sich dem Risiko der Strafverfolgung aus (siehe oben).

Und das ist ein für mich einfach nur bescheidener Zustand, dass das geltende Strafrecht in Deutschland die Menschen dazu zwingt, Sterbende verlassen zu müssen. Wenn man Glück hat, stellt die Staatsanwaltschaft so ein Verfahren zwar ein (StA in München hat das 2010 gemacht). Aber allein die seelische Belastung für Angehörige ist krass - sie haben nicht nur jemanden verloren, den sie geliebt haben, sondern werden als Beschuldigte in einem Strafverfahren verhört. Super.

Und die Frage, die ich mir nun stelle, ist: Wie kann man auf der einen Seite sicherstellen (Schutzpflicht des Staates), dass sich nur freiverantwortlich Handelnde in diesem Bereich das Leben nehmen, ohne zu weit ins Privatleben einzugreifen (Selbstbestimmungsrecht)?

Die Idee wäre jetzt eine Art "Suizidanlaufstelle", wo man erstmal durch eine Prozedur zur Prävention läuft und am Ende tatsächlich Hilfe bekommt, wenn man ein freiverantwortlicher Suizident ist (mit der Folgefrage, wann jemand freiverantwortlich ist...)
Dabei stehen mir schon diejenigen vor Augen, die todkrank sind - weil deren Alternativen sind:
1) Behandlung verweigern und daran sterben
2) Essen und Trinken verweigern und verhungern und verdursten
3) terminale Sedierung - wegdopen bis zum Ende.

In diesem Spannungsfeld suche ich grad nach einer Lösung 🙂 Ich hoffe, ich habe deine Frage beantwortet... wenn nicht, frag gern nochmal 😀
 
Hi Joey, 🙂

great to read you back... 😉

Wo liegt der Unterschied zwischen deiner Gruppe „typische Protestsuizide“ und der nächsten, nicht näher spezifizierten Gruppe? Ich meine, ich hätte aufgrund der von dir genannten Beweggründe durchaus in diese „Protestgruppe“ gepasst, aber das Wort „Protest“ ist hier unpassend, finde ich. Ich wollte nicht protestieren, ich wollte mich von allem befreien, was mich in mir und um mich herum kaputtgemacht hat. „Protest“ beinhaltet noch die Komponente „ändere was“ bzw. „Hoffnung“; über den Punkt war ich aber längst hinweg.

Das Thema und deine Fragen sind nicht leicht. Will man einen solchen Menschen helfen, muss man ihn frühzeitig erreichen und ihn auffangen. Und wenn möglich – zumindest denke ich so – ihn nicht mit Gewalt auffangen und ihn zur nächsten Psychiatrie schleppen, sondern ihm auf Augenhöhe begegnen und an die Hand nehmen. Ich kann nicht sagen, ob und wie man mir hätte helfen können, aber wenn, dann wäre das auf freundschaftlicher Basis sicher besser gewesen als durch organisierte, staatliche Hilfe. Wahrscheinlich hätte die mich nur abgeschreckt.

Der Unterschied zwischen den Gruppen liegt darin, dass die "Protestsuizide" eher die Welt bzw. bestimmte Menschen mit dem eigenen Tod bestrafen wollen. Das mache ich so ein bisschen auch an den Leuten fest, die sich selbst anzünden, um zu protestieren.
Ich denke, es gibt zumindest diese zwei Kategorien: Diejenigen, deren Selbstzerstörung sich noch auf andere richtet (wieder ohne Wertung gemeint) und diejenigen, die einfach nur diesen Traum von Ruhe haben, von Befreiung.

Ja, leicht ist das Thema in keinem Fall (ich hoffe, ich tret dir damit nicht auf den Schlips 🙂).

Verstaatlicht im eigentlichen Sinne wäre das nicht, das wäre eine Fortführung des Vereinswesen, das zB Exit, Dignitas etc machen.
Aber du hast megarecht: Dabei ist natürlich auch immer die Angst der Betroffenen im Raum, dass das der Staat spitzkriegt und dann einschreitet.
Ist auch die Frage: Wenn man einen Psychiater untersuchen lässt und der stellt etwas fest - muss er das dem Patienten mitteilen oder gibt es ein Recht auf Nichtwissen? Ist der dann in der Pflicht, etwas zu unternehmen? Usw...

Ist in meinem Kopf noch nicht so ganz ausgegoren, aber danke für die hilfreichen Postings!
 
Ok Leute, ich richte mich mal an euch, Rose, Dr. Rock und egal0815 (und alle anderen, die sich angesprochen fühlen). Ich hoffe, ich trample nicht auf euren Nerven rum 😀 Aber egal0815 hats ja schon gesagt: Es geht dabei auch darum, ein Tabu zu brechen und darüber zu reden. Hoppe sagte mal, der Suizid sei ansteckend - ich halte das für Bullshit und für den gefährlichen Versuch, eine vermeintliche "Verlockung" zu unterdrücken - und im Zuge dessen auch jeden Gesprächsansatz.

Ich schreibe gerade eine Arbeit über den Suizid und das Verbot der Beihilfe dazu. Und im Zuge dessen mache ich mir Gedanken über Alternativen und ich würde von euch - klingt doof, aber ist so - als Fachleuten, als Betroffene, wissen, wie ihr das seht, ob ihr sowas gut finden würdet und wie es euch damit gehen würde.

Die Idee wäre, den Suizid derart freizugeben, dass man zu bestimmten Anlaufstellen gehen kann, um ihn zu "beantragen". Stellen, die nicht gleich einweisen oder einfach nur zum Hausarzt überweisen, sondern die erst einmal ein Erstgespräch anbieten und dabei ein bestimmtes, vorgeschriebenes Prozedere durchlaufen.

Ich stelle mir vor, dass für "Gesunde" eine Zeit von einem Jahr veranschlagt würde, in der ein volles Programm durchgezogen würde, um die Ernstlichkeit dieses Wunsches zu prüfen.

Dabei würde es vorsehen, dass ein Arzt (sofort anschließend, nicht drei Monate später) den Kandidaten körperlich untersucht, um eine körperliche Ursache entweder zu beheben oder auszuschließen.
Danach würde eine psychiatrische Untersuchung (sofort, auch nicht drei Monate später) folgen, um auszuschließen, dass jemand in einem vorübergehenden Zustand ist, der ihn zu diesem Entschluss bringt.
Weiter würde ich eine Schuldner-/ Familien-/ Ausbildungs-/... beratung anschließen wollen, ihn uU sogar in die Struktur der Anlaufstelle einbinden dh. ihn als Fachberater miteinbeziehen wollen, sofern er sich dazu in der Lage sieht.

Und wenn der Kandidat am Ende immer noch sagt, er will sterben und er wird von diesem Gedanken nicht abrücken, würde er in diesem System ein Mittel dazu bekommen.

Das klingt in den Ohren von vielen erstmal ziemlich krass - ich mache seit Tagen nichts anderes als Leute, die am Anfang völlig empört wegen dieses Vorschlags sind, davon zu überzeugen 😀

Eure ehrliche Meinung dazu würde mich wirklich interessieren.

Liebe Grüße,
Joey

Klingt sehr kompliziert.
Ob dafür die Kraft reichen würde in so einer Situation,
ist fraglich.
 
Klingt sehr kompliziert.
Ob dafür die Kraft reichen würde in so einer Situation,
ist fraglich.

Danke für die Antwort 🙂
Wie wäre es, wenn man einen "Privatmentor" an der Seite hätte - kein "Betreuer" im eigentlichen Sinne, sondern einer, der das selbst durch hat und Termine und sowas managt?
 
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