Liebe Sunn, glaubst du, dass ein gutes und interessantes Gespräch mit jemandem zustande kommt, der am anderen Ende des Meinungsspektrums steht, wenn du ihm zu Anfang gleich deine Sichtweise aufdrücken willst?
ein gespräch besteht grundsätzlich aus zwei sichtweisen, das ist ein faktum. ich drücke niemandem meine sichtweise auf, jeder entscheidet selbst, ob er die welt schwarz sehen will oder seinen blick auf anderes richtet. natürlich ist in diesem forum zu erwarten, dass hier viele menschen sind, die dinge schnell überbewerten, anstatt sich am kleinen zu freune. das ist mir hier schon häufiger begegnet. und das hat wenig mit den gemachten erfahrungen zu tun.
denn -wie auch immer hier der eindruck von mir sei- ich habe ein objektiv gesehen sehr schweres leben, nicht nur hinter mir, sondern auch aktuell. ich halte mich mit 4 nebenjobs über wasser, ich bin mit sozialhilfe großgeworden, mit einer mutter, die mich bis heute ablehnt und zu der ich keinen kontakt habe. in meiner familie gibt es keinen zusammenhalt und ich werde grundsätzlich kritisiert.
ich will hier nicht von mir schreiben, denn ich habe demut vor meinem leben, mache das beste daraus und lebe tatsächlich gern. egal was war, kommt, wie auch immer. ich nehms auf und freu mich auf den nächsten "intelligenztest" (sprich: herausforderung). was ich sagen will ist: die vorurteile mir gegenüber, nur, weil ich sage, DAS LEBEN IST SCHÖN! sagen viel über euch, über das, was ihr wahrnehmen wollt. es KANN faktisch nicht daran liegen, welche umstände man hat, denn ich habe, objektiv gesehen, sehr schwere und könnte so mancherlei der jammer-threads selbst geschrieben haben. ich hätte zumindest keine probleme damit, sie zu füllen.
aber: ICH WILL SO NICHT SEIN, ICH WILL DAS LEBEN LIEBEN.
und das ist das EINZIGE, was eine zufriedene person, von einer unzufriedenen unterscheidet. meine grundstimmung ist gut. weil ich es so will. weil ich nicht klagen will, sondern schlechtes versuche zu beheben und gutes schätze.
Vielleicht finde ich, dass ich mit meinem Leben gestraft worden bin - und du kommst daher und erzählst was von Glück.
dieser satz sagt nichts über dein leben, sondern über negative bewertungsmuster, die du positiven vorziehst. es ist nicht meine schuld, dass das ein faktum ist. die einen kommen ins gefängnis und machen nur scheiße, andere nutzen ihre zeit dort und promovieren. gibt es alles.
Du nimmst den Menschen und seine Sorgen, sein Leid und seinen Schmerz damit ganz offensichtlich NICHT ernst, du ignorierst damit, wie es ihm tatsächlich geht.
nein, undankbare menschen nehmen sich selbst und ihr leid zu ernst, so muss es heißen. ich habe nicht umsonst zeit damit verbracht, über das leben nachzudenken, um allem zuzustimmen, selbst wenn es sich keiner logik (führt zum glück) entbehrt. ich kann sekundär das leid der anderen beheben, indem ich verständnis zeige, ja. aber das gegenüber versteht das grundproblem nicht, was ihn/sie immer wieder zu schweren problemen führt. insofern stoße ich an, dem glück des andern zu liebe.
Ich finde viel eher, dass egal0815 (und bandit, hab da letztens was gelesen) und alle anderen noch am Leben sind, dass hat nur am Rande mit Glück zu tun. Ich ziehe eher den Hut vor dieser Leistung, für das Wiederaufstehen, das Zähnezusammenbeißen, das Aushalten. Das ist eine enorme Leistung, unter diesen Umständen weiterzumachen und zu überleben.
Es ist nicht alles rational begründbar - und wenn wir davon ausgehen, dass einige Suizidenten (berechtigte) Hassgefühle ihrer Kindheit internalisiert haben und dieser Hass sich nun gegen sie richtet (Selbstmord als "verkappter" Mord an anderen - These von F. Riemann), sag mir doch einfach mal, wie du das lösen möchtest. Möchtest du den Selbsthass "herausoperieren"? Ihn lokalisieren und ausschneiden? Man kann nicht alles therapieren. Leider.
ich würde sogar nich weiter gehen und sagen, man kann NICHTS therapieren, wenn es der klient nicht will. insofern liegt die lösung da, dem anderen zu raten, sich gedanken zu machen, die ihm besser tun, dinge mit humor zu sehen und nicht so verbissen durchs leben zu gehen, sondern es als ein wunderbares geschenk zu sehen.
Das ist eine sehr oberflächliche und empathielose Aussage. Ich freue mich für dich, dass du niemals in deinem Leben in einer Situation warst, in der du das scheinbar grundlose Gefühl hattest, dass die Erde dich anzieht, dich nach unten zieht und du dir nur wünschst, endlich Ruhe zu haben.
diese aussage verletzt mich zutiefst, weil sie keinerlei wahrheitsgehalt hat und ich es anmaßend finde, was dort steht.
Schau dir Enke an: Was hättest du ihm gesagt? Ändere die Umstände? Welche denn? Er hatte einen Topjob, er war ein Idol, er hatte eine Frau, ein Kind. Sein Leben war von außen in Ordnung (bis auf den Tod des anderen Kindes, wenn ich mich recht entsinne). Was hat ihn kaputt gemacht? Hättest du ihm auch gesagt, dass er das glücklichste Spermium ist?
ich weiß nicht, wer enke ist, aber wenn er nicht darauf schaut, was er nicht hat, sondern darauf, was er hat, wär er zufriedener.
Ich möchte nicht gemein werden, darum spare ich mir den letzten Satz, der mir auf der Fingerspitze liegt...
ich verstehe deinen ärger nicht. ich sehe dinge anders aber bin zufrieden. warum soll ich anderen dann nicht empfehlen: machts doch so wie ich?