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Seht Ihr Selbstmord als Flucht ?

Ist Selbstmord eine Flucht ?

  • Ja

    Teilnahmen: 16 34,8%
  • Nein

    Teilnahmen: 30 65,2%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    46
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
ein suizid kann ein rettungsanker sein, ein fallschirm in´s bodenlose vergessen...
manch einer nimt sich das leben, um es nie mehr zu verlieren..
 
In vielen Fällen ist der Selbstmord das traurige Ergebnis einer schweren Depression, die dringend behandlungsbedürftig gewesen wäre. In ganz tragischen Fällen - siehe damals Robert Enke - kommt es trotz Therapie zum Suizid.
Die Fälle, in denen jemand im Vollbesitz seiner geistigen und psychischen Kräfte einen sog. Bilanzselbstmord begeht, sind nach meiner Wahrnehmung seltener. Andererseits kann Selbstmord als untauglicher Versuch auch darauf hinweisen, dass jemand hysterisch ist und sich auf diese Weise Aufmerksamkeit verschaffen möchte. Auch Jugendliche in Pubertätskrisen sind schnell geneigt, zum Äußersten zu gehen, oder Menschen, die sich in ihren Liebeskummer hineinsteigern.

Von Flucht würde ich so schnell nicht reden. Das ist eine bequeme Ausrede für Menschen, deren Gleichgültigkeit dazu beigetragen hat, dass ein Mitmensch sich immer einsamer fühlt und bei schweren Problemen oder Sorgen keinen anderen Ausweg mehr sieht, als sich umzubringen. So mancher, wenn auch nicht jeder, Selbstmord könnte verhindert werden, wenn die Menschen sich mehr umeinander kümmern würden - auch dann, wenn man sich keinen "Spaß" und keine persönlichen Vorteile davon versprechen kann. Viele pflegen doch heute nur noch ihre Renommierbekanntschaften mit Leuten, die den gängigen Erfolgsmaßstäben entsprechen und mit denen sie angeben können, und bezeichnen das als Freundschaft.🙄 Sobald jedoch der angebliche Freund größere oder langwierige Probleme zu schultern hat (Arbeitslosigkeit, berufliche oder private Erfolglosigkeit, schwere Krankheit oder andere Schicksalsschläge mit "chronischen" Folgen), zieht man sich allmählich immer mehr zurück, hat einfach nie Zeit für ihn und lässt ihn auf diese Weise möglichst geräuschlos fallen - eine moderne und sehr verbreitete Form von seelischer Grausamkeit.

Nach meinen persönlichen Erfahrungen reicht es für einen Rückzug der Mitmenschen ja schon aus, wenn man zwar beruflich durchaus etwas erreicht hat, seinen Lebensunterhalt ohne Weiteres allein bestreiten kann und seinen Mitmenschen gegenüber auch freundlich, interessiert und hilfsbereit ist, aber z.B. (kumulativ)
- nicht die riesengroße Karriere gemacht hat und diese auch nicht mehr machen wird
- nie geheiratet und keine eigene Familie hat (nur Wochenendbeziehung) und auch nicht im schicken Eigenheim lebt
- körperlich nicht allzu attraktiv ist (Übergewicht oder sonstige Gründe)
- sehr unsportlich ist und solche Aktivitäten also nur äußerst ungern mitmacht bzw. manche auch gar nicht mitmachen kann
- zurückhaltender und introvertierter ist als der Durchschnitt
- von Kindheit an chronisch kranke engste Angehörige hatte, sodass bereits die Kindheit dadurch geprägt und belastet war
- nicht mit einem großen Freundeskreis, der aus erfolgreichen Menschen besteht, aufwarten kann
- in nach heutigen Maßstäben vergleichsweise bescheidenem Rahmen Urlaub macht (nur deutschland- und allenfalls europaweit, keine Fernreisen, wie heute üblich, um "mitreden" zu können)
- ein enger Angehöriger psychisch schwer krank (Psychose) ist und man ihn nicht zu einer Behandlung zwingen kann (wie im hier schon mehrfach geschilderten Fall meiner Schwester), aber die eigene Lebensqualität dadurch massiv beeinträchtigt wird
etc.

Wie soll das dann erst gehen, wenn man auch noch dauerarbeitslos ist, nur ganz wenig Geld hat, selber schwer krank ist? Ist doch kein Wunder, wenn ein Mensch, der nicht mal Kontakt zu Arbeitskollegen und Nachbarn und vielleicht auch sonst nichts hat, was ihm Halt gibt (wie z.B. der christliche Glaube), sich dann eines Tages bei einem erneuten Schicksalsschlag umbringt. Wer das dann als Flucht bezeichnet, macht es sich verdammt einfach.
 
Zuletzt bearbeitet:
hallo,


meine schwester hat sich mit 26 Jahren das lebe genommen. ich war damals 30 und es war ein dermaßener schock. sie war damals in einer psych.Klinik und am Telefon wurde mir mitgeteilt, dass sie sich aus dem 9 stock in den Tod gestürzt hat. ich habe nur geschrien und wurde kurz ohnmächtig. danach konnte ich den klingelton des Telefons nicht mehr hören- musste alles geändert werden. wenn ich ihn wo anders vernahm geriet ich in panik für viele jahre.

ob es nun eine flucht war bei ich weiß ich nicht. sie war psych. krank und wusste vielleicht gar nicht , was sie tat. sie sprach vorher schon oft davon fliegen zu können, bezeichnete sich als jesuine (weibl. Jesus) und was weiß ich noch alles. dann kam noch starker Drogenmissbrauch dazu. völlig gaga !

am tag davor - eine freitag - sprachen wir noch ab, was sie essen wolle , da ich sie übers we abholen wollte du wir am sonntag auf ein Konzert gehen wollten . Judas priest! war nicht meine musik , aber ihr zu liebe wollte ich mir ihr hin.

es ging ihr nicht besonders gut in dem Gespräch, aber sie war mehr oder minder "normal". später macht ich mir lange vorwürfe, ob ich nicht hätte zu ihr fahren sollen an dem tag und nicht erste am samstag.


ich kann nur sagen, dass ihr Suizid die Familie nachhaltig geschädigt hat. gut, war sie eh schon - aber das war dann das topping!


ich kann mir nur vorstellen, mich zu beseitigen, wenn ich schwer krank wäre und schmerzen hätte - aber das kann man ja heute auch anders regeln!

gruß
 
Die Fälle, in denen jemand im Vollbesitz seiner geistigen und psychischen Kräfte einen sog. Bilanzselbstmord begeht, sind nach meiner Wahrnehmung seltener.

Wobei es hier natürlich so ist, wie mit z.B. seltenen Krankheiten. Auf seltene Krankheiten wird aufgrund ihrer vermeintlichen Seltenheit selten untersucht. Dadurch wird die Krankheit öfter übersehen, und die "offizielle" Seltenheit bildet die Realität nicht richtig ab.
Hinzu kommt, dass die eigene Haltung die eigene Wahrnehmung enorm beeinflusst. D.h. ein Therapeut, der selber sagt, gegen Bilanzsuizide ist selbst er machtlos, wird u.U. aus eigenem Interesse heraus, Suizide nicht als Bilanzsuizid gelten lassen wollen. Oder die Menschen, die anderen eine Pflicht zum Leben auferzwingen wollen. Für die ist ein Bilanzsuizid ja gar keine denkbare Möglichkeit, weil in deren Augen ja jedes Scheißleben mit Freude genossen werden muss.
Ich persönlich denke, das Bilanzsuizid viel häufiger vorkommt, als es "offiziell" aussieht bzw. glauben gemacht wird.

]
Wie soll das dann erst gehen, wenn man auch noch dauerarbeitslos ist, nur ganz wenig Geld hat, selber schwer krank ist? Ist doch kein Wunder, wenn ein Mensch, der nicht mal Kontakt zu Arbeitskollegen und Nachbarn und vielleicht auch sonst nichts hat, was ihm Halt gibt (wie z.B. der christliche Glaube), sich dann eines Tages bei einem erneuten Schicksalsschlag umbringt. Wer das dann als Flucht bezeichnet, macht es sich verdammt einfach.

Sehe ich auch so. Und sowas wäre für mich klassischer Fall von Bilanzsuizid. Und hier von "Heilungschancen" einer ja garnicht vorhandenen psychischen Krankheit zu sprechen ist unredlich. Hier kann man nur mit harten Drogen oder Gewalt den Suizid verhindern. Sonst geht da nichts mehr ( außer natürlich echter Hilfe, aber die ist ja systemseitig nicht vorgesehen ).
 
Wenn selbst enge Angehörige von Selbstmordabsichten und/oder Depressionen nichts wissen, bis es zu spät ist, dann ist es für Außenstehende so gut wie ausgeschlossen, davon zu erfahren und zu handeln. Fragen wie "Will Selbstmord begehen - kann nicht mehr - was ist die einfachste Methode?" tauchen am laufenden Band in Foren wie "gutefrage" oder auch hier auf, und was dabei auffällt, ist, daß die TE so gut wie nie angeben (wollen), was denn nun konkret falsch läuft in ihrem Leben, daß sie an Selbstmord denken. Ab einem bestimmten Stadium scheinen Leute mit Selbstmordabsichten einfach sämtliche Augen zu verschließen gegen die Chancen, die sie hätten - ich meine, wer ins Internet gehen kann, der findet immer einen Ansprechpartner, der gute Tipps übrig hat, von denen der eine oder andere sogar funktionieren täte. Aber ab einem bestimmten Zeitpunkt scheint einfach eine Klappe herunterzugehen, ab der der Betreffende nichts mehr anderes im Kopf hat als den Selbstmord, alles andere wird einfach ausgeblendet. Da hilft dann keine Psychoanalyse mehr, weil derjenige einfach nichts mehr mitteilt oder aufnimmt, da kann man ihn eigentlich nur noch bei den Schultern nehmen und solange durchschütteln, bis sich - hoffentlich - ein Fünkchen Verstand reaktiviert und die Scheuklappen wegfliegen. Oder ihn zum eigenen Besten in die Klapse schicken wenn nicht.
 
Danke Nicclas, für Deine Worte. Die brauchte ich gerade. Ich hätte, wenn ich könnte, etwas Ähnliches geschrieben. Kann ich aber nicht. Ich klebe gerade zitternd an der Decke.

Boh!!! Gute Tipps!!! Die brauche ich, wenn ich mein Fahrrad reparieren will. Tipps, wenn ich vor dem Baum stehe und die Schlaufe schon hängt (auch nur bildlich)?

Noch besser das Abschieben in die KLAPPSE!

Ich glaube, man kann keine einzige solche Situation mit einer anderen vergleichen. Die sehen maximal von außen ähnlich aus. Mehr aber auch nicht. Und wer weiß schon, welche Last ein anderer trägt?
 
du wählst den weg der gewalt. aus hilflosigkeit.

pass auf. autounfall. ein schwerverletzter. man kämpft um sein leben. den nimmst du an den schultern und schüttelst ihn? na toll.

jemand der selbstmord in betracht zieht. da ist die seele schwerverletzt.

und warum wählst du das wort klapse?

Wenn jemand Selbstmord versucht und noch lebend gefunden wird, wird er doch üblicherweise - nach medizinischer Versorgung - gleich zur psychiatrischen Begutachtung eingewiesen, oder? Also, warum nicht lieber gleich BEVOR er es versucht? Nachsicht ist besser als Vorsicht, oder was?

Jemanden, der körperlich verletzt ist, schüttel ich nicht, aber bei jenen bin ich dazu geneigt, bei denen anscheinend im Hirn was verrutscht ist. Was ist die beste, schnellste und im Sinn des Wortes "durchschlagendste" Methode, beispielsweise eine Frau zu "kurieren", die einen hysterischen Anfall bekommt und alles zusammenschreit (vielleicht weil sie eine Maus oder Spinne oder sonstwas sieht - solche Tussis gibt es bekanntlich)? Die Antwort ist simpel - Du scheuerst ihr eine. DER Hysterieanfall ist sofort gegessen - einfach weil sie damit nicht rechnet, eine geschnalzt zu bekommen, statt "Mitleid" und "Mitgefühl" und was sie sich sonst alles zu erhalten einbildet. Die zweitwirksamste Methode ist, zwar nicht körperlich hinzulangen (da bekanntlich Körperverletzung), sondern sie lautstark und vor Publikum auszulachen - eine genauso schallende Ohrfeige für die Psyche, und nicht mal strafbar. Und das Schöne an beiden Fassungen ist, diese Tussi überlegt sich das nächste Mal genau, ob sie sich trauen kann, wieder einen Hysterieanfall zu markieren, oder ob sie ab sofort nonchalanter reagiert. Und ganz ehrlich, wenn ich mir so Schilderungen von (Ex--)Selbstmordkandidaten lese, dann denke ich mir schon manchmal, wenn da rechtzeitig jemand geschüttelt hätte... denn jemand, der sich voll auf sein psychisches Leid konzentriert und darum herumrotiert wie der Besoffene um die Litfaßsäule, ist einfach nicht darauf eingestellt, plötzlich körperlich angegriffen zu werden. Der Reflex von Gegenwehr, der sich automatisch einstellt, aktiviert zuweilen ganz phantastisch den Überlebensinstinkt. Man darf dann nur nicht beim Schütteln stehenbleiben, sondern muß weiterschreiten zur konkreten Hilfestellung, denn dann erst können Schutz, Fürsorge, Bindung und das alles greifen.
 
... aber ich schätze, wenn ich jemandem mit Depression bis zum Selbstmord begegnen täte und den auch kurzerhand durchschütteln täte, wär mir ein Überraschungseffekt sicher. Überraschung, egal welcher Art, zerreißt stupiden Trott und Denkblockaden, ist somit der erste Schritt zur Veränderung. 🙂
 
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