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Offfener Brief an Herrn Christian Klar

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Die Leute hatten Angst, waren schockiert. Auch wenn das hier jetzt einige zu leugnen versuchen.
Vllt. hatten ja manche die Reaktion nicht, weil sie einfach mal kaltes Blut behielten und sich nicht durch Medien Angst machen liessen. Selbst wenn 1.000 Zivilisten im Jahr durch Guerilla-Anschläge gestorben wären, das Risiko, ebenfalls urplötzlich und brutal, im Verkehr zu sterben, wäre immer noch viel höher. Aber bei der größeren Verkehrsgefahr sind die Leute nicht schockiert oder haben Angst.

Und dann musste dir mal überlegen, dass gerade diese völlig irrationale Angst (weil etliche normale Lebensrisiken um Größenordnungen höher sind, und wir sie nicht schlimm finden, und z.B. uns nicht gegen Grippe impfen), dem Staat in die Hände spielt, der wird repressiver, was dann am Ende den Terroristen in die Hände spielt, weil sie nen besseres Feindbild haben.
Am Ende macht man genau das Falsche, wenn man Angst bekommt, man reitet sich als Bürger, getriezt vom repressiven Staat, dadurch nur tiefer hinein.

Die GSG9 auf Autobahnen auf Raser- und Dränglerjagd zu schicken, hätte sicher mehr Tote verhindert als ihr Einsatz gegen die RAF.
 
um auf den Eingangsposts zurückzukommen...

ich sehe da beide Seiten.

Auf der einen Seite kann ich vom Verstand her die Gründe nachvollziehen, die unser Gesetz dazu bringt, jedem eine 2. Chance einzuräumen und somit jedem die Möglichkeit zu geben, auch eine lebenslängliche Strafe nach einer bestimmten Dauer zu beenden. (seltsam daran nur das Wort "lebenslang"). Mein Menschenbild sagt mir, dass sich jeder ändern kann und jeder auch diese Chance erhalten sollte...

Auf der anderen Seite verstehe ich auch die Empörung und das Unverständnis über diese gesetzliche Regelung. Da gibts Opfer (und ja nicht nur bei Klar, sondern bei vielen Tätern - nur ist dieser Fall halt so bekannt), die lebenslänglich drunter leiden und zwar wirklich lebenslänglich. Die haben keine 2. Chance. Weil die Angehörigen tot sind oder weil die Narben von Missbrauch ewig bleiben, egal wie sehr man sich bemüht. Und die sehen plötzlich, dass der Täter frei ist. Das ist schwer zu verstehen - zumindest mit dem Herzen...

Das ganze hat was mit dem Gefühl von Machtlosigkeit zu tun und damit, dass man gefühlsmässig mal wieder auf der Verliererseite steht...

Ich denke, mit ein bisschen logischem Denken auf der einen Seite und ein bisschen Empathie auf der anderen Seite müssten beide Ansichten nachvollziehbar sein.
Juristisches Recht ist nicht immer gerecht.
 
🙂 ich bin ja einer 'der Leute' die Angst hatten - wird wahrscheinlich verdrängt sein.😎

...Juristisches Recht ist nicht immer gerecht.

Es ist vollkommen richtig - Juristisches Recht ist nicht immer gerecht - kann es gar nicht sein - weil Menschlich.

Zum 'Opfer' sein möchte ich etwas anmerken. Natürlich passieren schreckliche Dinge in der Welt - die 'eigentlich' keiner braucht. Fakt ist aber: sie passieren. Und sie werden - solange es Menschen gibt passieren. Wer diesen Satz 'glaubt'
Da gibts Opfer ..., die lebenslänglich drunter leiden und zwar wirklich lebenslänglich. Die haben keine 2. Chance.
Das ganze hat was mit dem Gefühl von Machtlosigkeit zu tun und damit, dass man gefühlsmäßig mal wieder auf der Verliererseite steht...
wird wirklich 'Opfer' bleiben. Weil er oder sie sich in die 'Schublade: Opfer' selbst einsortiert hat. Dieses Statement finde ich sehr 'gefährlich', weil es die quasi die Möglichkeit dem Schmerz und der Trauer einen Platz zu geben und wieder ein 'gutes' Leben zu leben ausschließt: Einmal Opfer, immer Opfer.

Es stimmt auch nicht mit meinen Beobachtungen überein. Ich kenne einige Überlebende aus KZs, einige aus Internierungslagern der Japaner in Indonesien, ich kenne einige vergewaltigte Frauen... ich würde mal behaupten alles keine Lappalien. Und doch haben die meisten davon es geschafft sich aus ihrer Opferrolle zu befreien (übrigens ohne Götter jedwelcher Art) und wieder ein Leben zu leben. Die im groben Einhellige Meinung ist: Ja, das war schrecklich und ich würde meinem schlimmsten Feind diese Erlebnisse nicht wünschen. Aber sie sind ein Teil meiner Vergangenheit und haben dazu beigetragen wie ich heute bin. Daher kann ich diese Erlebnisse als ein Teil von mir akzeptieren.
Daher denke ich, der Satz ist falsch und verkennt die 'Verarbeitungskapazitäten' des Menschen.
 
🙂 ich bin ja einer 'der Leute' die Angst hatten - wird wahrscheinlich verdrängt sein.😎
Sag mal - du hast doch ein paar Psychologie-Vorlesungen gehört: Viele Leute waren am z.B. am 11.09. geschockt und standen weinend vor dem Fernseher. Andere bleiben bei solchen Ereignissen völlig ruhig und verbinden damit auch keinerlei Ängste - selbst wenn sie selbst betroffen sind.
Gibts da irgend eine Erklärung, woran das liegen kann?


Ich kenne einige Überlebende aus KZs, einige aus Internierungslagern der Japaner in Indonesien, ich kenne einige vergewaltigte Frauen... ich würde mal behaupten alles keine Lappalien. Und doch haben die meisten davon es geschafft sich aus ihrer Opferrolle zu befreien (übrigens ohne Götter jedwelcher Art) und wieder ein Leben zu leben. Die im groben Einhellige Meinung ist: Ja, das war schrecklich und ich würde meinem schlimmsten Feind diese Erlebnisse nicht wünschen. Aber sie sind ein Teil meiner Vergangenheit und haben dazu beigetragen wie ich heute bin. Daher kann ich diese Erlebnisse als ein Teil von mir akzeptieren.
Daher denke ich, der Satz ist falsch und verkennt die 'Verarbeitungskapazitäten' des Menschen.
Das ist ziemlich genau das, was ich Catcry mitteilen wollte.
Werten oder vergleichen kann man diese Verarbeitungskapazitäten aber in keinem Fall !
 
Wer das was ich geschrieben habe "kalt" und "zynisch" nennt, der kann diese Zeit damals nicht miterlebt haben. Es ware eben nicht so, das "normale" Menschen Angst vor Anschlägen der RAF hatten. Man sollte bedenken das sich diese Terroristen auf ein sehr breites Feld Sympathisanten verlassen konnten - anders wären die Anschläge eben gar nicht möglich gewesen.
Und natürlich habe ich schon zweimal erwähnt, das die RAF erst ab der Entführung der Landshut eine gewisse Gefahr für den Normalbürger darstellte.
Freilich sind Polizisten ums Leben gekommen. Dies waren die Kollateralschäden, die Herr Baum diese Woche erwähnt hat.
 
die nervösität war in städten wie frankfurt oder stuttgart wohl größer als bspw. in nordrhein-westfälischen großstädten, und auf dem land sicher noch geringer....
das wird auch seine gründe gehabt haben

meine eltern haben bis in die siebziger im märkischen kreis gelebt.
in hemer war zu dieser zeit noch viel militär: bundeswehr, kanadier, briten.
eigentlich ein grund, nervös zu sein.....
aber es hielt sich wohl in grenzen.
sie sagten, viel 'sei auch an ihnen vorbei gegangen'.
natürlich habe man nachrichten gehört mit manchmal mulmigem gefühl, aber angst in dem sinne weniger....

hätte ich erst auch nicht gedacht, muss ich zugeben....
 
Der Problem liegt darum sicherlich nicht bei unseren Gesetzen. Die sind zwar nicht perfekt, aber ich wüsste nicht wo auf der Welt es Bessere gäbe. Ich für meinen Teil wüsste auch nicht, was ich an unseren Gesetzen besser machen könnte.
Wenn du dazu einen guten Vorschlag hast, dann lass mal hören.

Zuerst einmal muss die Beweispflichit von Seiten der Opfer auf die der Täter verlegt werden. Nicht Opfer müssen menschenunwürdige Gutachten über sich ergehen lassen, sondern Täter müssen nachweisen, dass sie zu solchen Taten nicht fähig sind. Das wäre schon mal ein guter Anfang.

Therapien für Täter sind gut und notwendig. Aber genauso wichtig wäre es, dass die Opfer Therapie bekommen könnten. Das ist in Deutschland aber nicht so. Es gibt nur ganz wenige Traumatherapeuten in Deutschland und die Krankenkasse zahlt keine ausreichende Therapie. Die derzeit zur Verfügung stehenden Stunden sind viel zu wenig.

Dass man in einem humanen Rechtsstaat Täter irgendwann entlässt und versucht sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren, kann ich nachvollziehen und akzeptieren. Aber diese Täter müssten gezwungen sein sich mindestens 300 Kilometer oder so vom Opfer fern zu halten. Es müsste Meldepflichten geben. Die Leute gehören unter Aufsicht.

Im Augenblick haben wir in Deutschland Tätergesetze. Ich erlebe es jeden Tag wie Opfer gedemütigt und unglaubhaft gemacht werden, wie ihnen jede Hilfe verweigert wird.

Traurig zu sehen, wie es überall um die Gesetze geht und um Christian Klar. Und dass alles so seine Richtigkeit hat.

Es hat aber auch seine Richtigkeit, dass die Opfer und Angehörige entsetzt sind und dass der Co-Pilot sein Bundesverdienstkreuz zurück gibt. Eigentlich sind das die Leute, um die es gehen sollte und für die wir Verständnis haben sollten.

Vom Standpunkt des Rechtstaats aus hat es sicherlich seine Richtigkeit Klar zu entlassen. Aber aus der Sicht der Opfer nicht und das sollte und muss man respektieren. Wie kann man sich darüber aufregen, dass die Opfer sich wünschen, dass dieser Mann im Gefängnis verrottet? Und dass sich hier jemand, der in die politische Situation der damaligen Zeit aktiv involviert war, Luft macht und seinen Anmut verkündigt, finde ich absolut legitim.

Im Übrigen sind wir doch alle "Opfer" von Christian Klar. Vor der RAF war es durchaus möglich ein Flugzeug ohne aufwendige Sicherheitschecks und damit ohne Angst zu betreten.


Tuesday
 
... standen weinend vor dem Fernseher. Andere bleiben bei solchen Ereignissen völlig ruhig ...

🙂 ich war wohl eher einer der ruhigen.

Ja, dazu gibt es inzwischen 'Theorien' allerdings weniger von den Psychologen. Z.B. hat das was mit Stressresistenz zu tun, dazu vielleicht für interessierte aus Bayern alpha Herrn Spitzer zur Einführung:
Geist & Gehirn: Videothek 2. Staffel | Geist & Gehirn | BR-alpha | BR

Interessant sind dazu auch Studien bei Leuten deren Kindheit nicht so 'toll' war - die sind meist besser in der Lage mit Stress umzugehen als Leute die eine prima und sehr behütete Kindheit hatten. (Da geht es natürlich immer um statistische Ergebnisse - einzelne Leute können immer mal andere Erfahrungen haben).

Ein interessantes Buch dazu ist auch 'Kagen: Die drei Grundirrtümer der Psychologie'.

 
@ Polux:
das kam von meiner Seite sicher dramatischer rüber als ich ausdrücken wollte. Natürlich gibt es Opfer, die sich mit der Tat (sei es nun etwas, das ihnen selbst geschehen ist oder der Mord an einem Angehörigen) auseinandersetzen und drüber wegkommen. Die "gut" damit leben können und nicht ewiges, heulendes Opfer sind.
Das meinte ich aber gar nicht. Denn Du kannst auf der eine Seite gut verarbeitet haben, dass deine Tochter ermordet wurde, aber Du wirst sie ja trotzdem nicht vergessen (würdest Du ja auch nicht, wenn sie an Krebs oder sonstwas gestorben wäre). Und Du wirst immer wieder Gedanken daran haben - das bedeutet ja nicht, dass Du jedes Mal in eine tiefe Depression fällst.
Und Du weißt genau, Du wirst Dein Kind NIE wieder sehen, egal was Du machst, egal wie viel Du kämpfst. Das ist unwiderruflich weg. Klar - so wie Du sagst - shit happens. Aber natürlich kommen in so einem Moment, wenn der Täter dann freigesprochen wird oder frei kommt, weil seine Haft beendet ist, auch widersprüchliche Gefühle hoch. Ist doch logisch.

Kaum eine vergewaltigte Frau oder kaum ein KZ-Opfer würde dem direkten Peiniget cool gegenüberstehen und sagen "ich finde es richtig, dass du jetzt Dein Leben leben darfst". Und das sagen sie, TROTZ dass sie ihre Geschichte aufgearbeitet haben. Und eben auch, TROTZ dass sie vielleicht eigentlich wissen, dass es juristisch so sein muss.

Also, wie gesagt, es ging mir hier nicht um fehlende Verarbeitungsstrategien, sondern einfach um ganz natürliche Emotionen.
 
...Kaum eine vergewaltigte Frau oder kaum ein KZ-Opfer würde dem direkten Peiniget cool gegenüberstehen und sagen "ich finde es richtig, dass du jetzt Dein Leben leben darfst". ...
Also, wie gesagt, es ging mir hier nicht um fehlende Verarbeitungsstrategien, sondern einfach um ganz natürliche Emotionen....

Ja und nein. Ich denke zwischen 'cool' und 'panisch' gibt es noch viele Zwischentöne.
Und ich denke genau darum geht es - dem Peiniger gegenüber zu stehen (evt. nur 'mental'). Ihn/Sie auch nicht zu 'schonen'. Täter und Opfer sind - ob sie das wollen oder nicht 'voneinander abhängig'. Nur indem sie sich miteinander 'auseinandersetzen' können beide etwas lernen. Das wird ein schmerzhafter Prozess sein - wenn er 'gut' läuft für beide. Ist aber zur 'Gesundung' nötig.
Die vergewaltigten Frauen die ich kenne haben alle an einem Programm teil genommen das sie mit Tätern in Kontakt brachte. Natürlich wurde der Prozess sehr gut begleitet. Sie bekamen dabei auch die Möglichkeit ihre, sehr verständliche, Wut los zu werden. Und alle diese Frauen sagen inzwischen genau das zum Täter: Ich finde es gut, dass du dein Leben jetzt weiter lebst.

'Ganz natürliche Emotionen' sind richtig und wichtig. Meiner Ansicht nach bleiben viele leider darin stecken und vertun so eine Chance vor allem mit sich selbst 'Frieden' zu schließen. Damit will ich in keiner Weise das Leiden von Opfern schmälern - im Gegenteil.
 
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