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Offfener Brief an Herrn Christian Klar

Tigger_48

Mitglied
Sehr geehrter Herr Klar,

ja,ich sage absichtlich "Herr Klar",weil ich mich bei dem Gedanken Sie zu duzen einen Brechreiz verspüre.Sie kommen nach 26 Jahren aus dem Knast.Warum eigentlich?Haben Sie eine Strafe abgesessen,die Sie verdient haben?Sie wollten eine Strafe als Märtyrer,als Kriegsgefangener.Aber Sie waren zu feige für einen Hungerstreik wie Holger Meins.Sie waren 26 Jahre verschwunden und nun tauchen Sie wieder auf.Wer will Sie eigentlich hier draussen?Die Talk-Show-Moderatoren?Die Verlage?Herr Peymann?

Sie,sehr geehrter Herr Klar,haben nicht diese Gesellschaft verändern wollen.Sie sind nichts weiter als ein Mörder,dem es egal war,wer Ihr Opfer wurde.Polizisten,Begleiter,Passanten,Botschaftsangehörige,Flugpassagiere.Sie haben einfach um sich geballert,um irgendeinen Prominenten im Kofferraum wegzufahren.Für Sie ist kein Platz in unserer Gesellschaft.

Sie,sehr geehrter Herr Klar,haben dafür gesorgt,das die politische Linke (zu der ich noch immer gehöre) in Ihren Dunstkreis gezogen wurde.Wer gegen Atomkraft war in den 70ern und 80ern war Terrorist.Nein,Herr Klar,ich finde Sie zum Kotzen.Widerstand gehört zu einem legitimen Anspruch einer Gesellschaft.Gegen Brokdorf Steine zu werfen war für mich legitim.Gegen Franz-Josef Strauß als Kanzlerkanditaten auf die Straße zu gehen und dem drohenden Kuschel-Faschismus die Zähne zu zeigen war für mich legitim.
Ich fand mich damit immer in Ihrer Ecke.Meine Eltern konnten nicht unterscheiden zwischen Ihnen,dem Mörder und mir,dem linken Demonstranten.Und große Teile der Gesellschaft auch nicht.

Lieber Herr Klar,wir brauchten Sie nicht und wir brauchen Sie auch heute nicht.Kein politischer Widerstand braucht Sie.
Ich bin heute fast so alt wie Sie und habe Ihre Taten hautnah miterlebt.Ich verachte Sie und Ihre Mittäter,weil Sie nur glauben,sie wären ein Terrorist.Sie sind keinen Deut besser als jeder Irre der ein Kind umbringt oder seinen Nachbarn.

Ich verachte Sie weiterhin,weil Sie nichts zeigen was nach Reue aussieht.Wenn diese Gesellschaft schon entscheidet,das Sie freikommen,tauchen Sie bitte ab.Schreiben Sie kein Buch,halten Sie sich von Talk-Shows fern.Ich bin gegen die Todesstrafe.Bitte sorgen Sie dafür,das ich meine Meinung dazu nicht ändere.

Leben Sie nicht wohl,fühlen Sie sich immer verfolgt von dem Schatten Ihrer Opfer.Von dem Hass der Gesellschaft.Diese Gesellschaft,die Sie angeblich ändern wollten.Ein banaler Lügner waren Sie auch noch.

Gehen Sie uns aus dem Weg !!!!
 

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mikenull

Urgestein
Tut mir leid, aber solche "Briefe" sind mir völlig unverständlich. Christian Klar hat seine Strafe in Kürze vollständig abgesessen und sollte - nein, er wird sich - um vollständige Eingliederung in die Gesellschaft bemühen. Und damit dem Steuerzahler nicht mehr zur Last fallen. Jeder hat eine zweite Chance in diesem Land. Ich stehe jedenfalls dazu.
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Hallo Herr Tigger,
haben Sie nie einen Fehler gemacht, ihn zwar bereut - dies aber den Betroffenen nicht mitgeteilt? Gibt es in Ihrem Repertoire so etwas wie Gnade und Vergebung? Dürfen Menschen sich irren, auch schwer irren oder tragisch irren? Halten Sie sich Ihre eigenen Fehler ein Leben lang vor. Legen Sie immer den härtest denkbaren Maßstab an? Sind Sie ohne Fehler und dürfen Steine (nicht gegen Brokdorf-Zäune, sondern auf Herrn Klar) werfen, ohne als Richter berufen zu sein? Wenn Sie diese Gesellschaft (immer noch) nicht so möchten, wie sie ist - inklusive der Option auf Gnade und Recht - dann wäre vielleicht in einem anderen Land (mit Todesstrafe und Gnadenlosigkeit) eher eine Heimat für Sie. Bevor Sie Herrn Klar das Recht absprechen, in diesem Land seinen Platz zu finden, sollten sie vielleicht überlegen, ob Sie dieses Land und seine Moral repräsentieren - ich hoffe, dass dem nicht so ist.
Werner

P.S. Kennen Sie den Satz, dass man keinen Menschen verurteilen soll, ehe man nicht einen Tag in seinen Schuhen gegangen ist? Ihre Haltung von heute erinnert mich fatal an die, die die RAF damals zu ihren Taten getrieben hat - auch sie maßten sich an, wer in diesem Land leben durfte und beschlossen gleich mit, dass die Todesstrafe eingeführt werden muss. Zwischen großer Idee und Tyrannei ist offenbar nur ein kleiner Weg ...
 

Tigger_48

Mitglied
Ich habe Fehler gemacht.Ja.Ich habe Ideale vertreten und an vieles geglaubt,was nach Gemeinsinn aussah.Ich kann gut jemanden ein Recht auf Gnade zusprechen,der in seinem Leben Fehler gemacht hat.Vielleicht sogar eine Tötung.
Wenn ich politische Motivation als Vorsatz für Mord heranziehe,dann hat man ein Recht auf Gnade verwirkt.Es gibt kein Land,wo ich hinmüsste.Weil wir eine Gesellschaft sind,die aus gutem Grund die Todesstrafe abgeschafft hat.
Welche Doktrin Herr Klar nun auch künftig vertritt,er wird daran auch noch verdienen,an seiner Vergangenheit,an seinen Opfern.
Das ist die Gnade,die unsere Gesellschaft für Herrn Klar hat.
Jeder andere Intensivtäter,der nicht so bekannt ist,hat diese Chance der Resozialisierung nicht.
 

mikenull

Urgestein
Warum sollte man keine Gnade erfahren, wenn oder weil die Motivation für die Taten politisch war? Das Gesetz kennt diese Ausnahme eben erst gar nicht und überhaupt ist das Wort "Gnade" völlig falsch. Christian Klar wird seine Strafe vollständig absitzen und hat eben keine Gnade erfahren.
Und was Herr Klar in Zukunft vertritt scheint ziemlich ungewiss, denn das er sich in die Öffentlichkeit begibt - wie z.B. Herr Book - ist eigentlich nicht anzunehmen.
 
B

Benjamin-29

Gast
Widerstand gehört zu einem legitimen Anspruch einer Gesellschaft.Gegen Brokdorf Steine zu werfen war für mich legitim.
Sag mal, Tigger - wenn du Steine "gegen Brockdorf" geworfen hast - hast du die Steine dann in Richtung des AKW selbst geworfen, oder in die Richtung der Polizisten?
 
H

hablo

Gast
es ist mir auch unverständlich, warum man klar raus lässt.
seine äußerungen lassen nicht den eindruck erwecken, dass er sich um eine resozialisierung bemühen würde.

auf der anderen seite zeigt seine freilassung, dass der staat nicht derjenige ist, den er zu bekämpfen denkt.
es ist nicht nur für die angehörigen der opfer ein hohn, dass man klar frei lässt - aber dadurch, dass man bei klar die selben juristischen instrumente angewandt hat wie bei 'normalen' mördern, hat der staat einen weiteren stillen sieg über die RAF davongetragen....
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Wenn ich politische Motivation als Vorsatz für Mord heranziehe,dann hat man ein Recht auf Gnade verwirkt.
Könnte es sein, dass sich die RAF-Terroristen ebenso im Recht fühlten (zu unrecht natürlich) wie die Attentäter vom 20. Juli 1944? Sie sahen doch (ich versuche einmal, mich in sie hinein zu versetzen) eben jene braunen Herren von damals immer noch oder wieder an der Macht, wieder das hitlersche Leistungsprinzip und den Kampf um "Raum" (jetzt in der Wirtschaft) auf dem hohen Sockel, wieder der Kampf des kapitalreichen und militärisch überlegenen Westens gegen andere Völker (Vietnam).

Sie sind doch Jahrgang 1948, Tigger und können das besser einschätzen als ich: Wurde damals thematisiert, in welcher Notwehrsituation es als letztes Mittel legitim ist, einen Tyrannen durch Gewalt zu stürzen - oder ein Tyrannensystem? Oder wurde diese Diskussion versäumt? Ich habe als Jugendlicher die Briefe Bonhoeffers aus dem Gefängnis gelesen und mich schon gefragt, in welcher Situation würde ich, hätte ich die Möglichkeit, einen Tyrannen wie Hitler auch töten würde.

Können wir den ehemaligen RAF-Angehörigen wenigstens dieses Nachdenken abnehmen - auch wenn sie einen verhängnisvollen Weg gegangen sind? Da ist für mich schon ein Unterschied zu einem Mörder, der um des Mordens willen tötet oder weil er sich etwas im Besitz des anderen aneignen will.

Stellen wir uns einmal einen Moment lang vor, in 50 Jahren ist das Ergebnis der kapitalistischen Marktwirtschaft (falls sie sich wieder gegen die soziale M. durchsetzt) eine völlig ausgebeutete und ökologisch zerstörte Erde, auf der vielleicht noch 6 Millionen Menschen leben können, aber nicht mehr 6 Milliarden. Wird man dann womöglich die damaligen Linken, RAFler, frühen Grünen, die Al Gores und die Autoren von "Grenzen des Wachstums" in einem Atemzug mit Karl Marx und anderen heute etablierten Größen nennen, die eine Entwicklung vorhersahen und, wenn auch in hilflos-menschenverachtender Weise, versuchten, etwas dagegen zu tun?

Also ich persönlich würde durchaus gerne einmal einen langen Spaziergang mit Herrn Klar machen und ihm zuhören, was ihn damals zu solchen Taten bewegte, auch wenn ich sie furchtbar und sinnlos finde.
 

mikenull

Urgestein
Heute Abend fiel in der "Lindeenstraße" ein guter Satz dazu.
Irgendjemand hat gesagt: Na und, Klar kommt frei, weil er seine Strafe hinter sich hat. Albert Speer hat hundertmal so viele Tote auf dem Gewissen und mußten keine 26 Jahre sitzen.
 

Micky II

Aktives Mitglied
Tut mir leid, aber solche "Briefe" sind mir völlig unverständlich. Christian Klar hat seine Strafe in Kürze vollständig abgesessen und sollte - nein, er wird sich - um vollständige Eingliederung in die Gesellschaft bemühen. Und damit dem Steuerzahler nicht mehr zur Last fallen. Jeder hat eine zweite Chance in diesem Land. Ich stehe jedenfalls dazu.
Herr Buback, der Sohn des ermordeten Generalbundesanwaltes Buback, hat die Freilassung des Christian Klar aufgrund einer richterlichen Entscheidung akzeptiert. Dies machte er in der Sendung des WDR - Kölner Treff - geleitet von Bettina Böttinger am Freitag den 28.11 deutlich. Allerdings verwies er dabei auf sein Buch: Der zweite Tod meines Vaters. Aus diesem soll hervorgehen, inwieweit er den Rechtsstaat und seine Organe infrage stellt. Hierbei, so äußerte er sich, soll es zu vielen Ungereimtheiten in den Ermittlungen etc. gekommen sein.

Das entschuldigt nicht das Handeln von Terroristen, beileibe nicht, aber es könnte einen in vielen Dingen nachdenklich stimmen. Drum wäre es sicherlich interessant dieses Buch zu lesen.
 

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