Wie geht es denn Deinen Kolleginnen und Kollegen mit der Regelung?
Wenn die auch Probleme damit haben, wäre es doch sinnvoll, sich zusammen zu tun und gemeinsam als Servicekräfte das Gespräch mit dem Chef zu suchen und ihm zu erklären, daß man sich als Mitarbeiter unwohl fühlt, diese unüblichen und ggf. sogar illegalen Praktiken dem Kunden gegenüber zu vertreten. Und daß es für die Servicekräfte eine enorme mentale Belastung darstellt, ständig deswegen in unangenehme Konfliktgespräche verwickelt oder sogar beschimpft zu werden. Daß man als Servicekraft dadurch die Freude an der Arbeit verliert und ggf. mit dem Gedanken spielt, in einem anderen Restaurant zu arbeiten.
Bei dem aktuellen Arbeitskräftemangel in der Gastro sollte das den Chef schon nachdenklich stimmen.
Abgesehen von den rechtlichen Konsequenzen für ihn als Betriebsinhaber, wenn das Gebaren tatsächlich illegal ist. Wenn dem so ist, kann er auch nicht von seinen Mitarbeitern verlangen, daß diese ein unzulässiges Verfahren vor dem Gast verteidigen.
Außerdem könnte man als Argument noch anführen, daß es mitnichten schneller geht, wenn nur ein Gast für alle bezahlt, da ja die diesbezüglichen Diskussionen mit den Gästen den Zahlungsprozeß mindestens genauso lange aufhalten.
Unabhängig von der rechtlichen Zulässigkeit verliert er durch den Ärger Gäste und hat dadurch wirtschaftlichen Schaden.
Außerdem rechnet sich das trinkgeldmäßig für Euch Servicekräfte nicht. Entweder bekommt Ihr aufgrund der Verärgerung und des coperto gar kein Trinkgeld. Zumindest bekommt Ihr aber durch die gemeinschaftliche Zahlung vermutlich weniger Trinkgeld als wenn jeder Gast einzeln zahlen würde.
Insgesamt würde ich also nicht versuchen, den Gast zu ändern, sondern das Gespräch mit dem Chef suchen, damit er seine Verfahren und Vorgaben so anpasst, daß ein konfliktfreies und angenehmes Arbeitsklima für seine Servicekräfte entsteht, um gutes Personal im Betrieb zu halten, und gleichzeitig eine angenehme Abwicklung des Zahlungsprozesses für die Gäste erfolgt, um wirtschaftlichen Schaden von seinem Betrieb abzuhalten.