(Fettmarkierung von mir.)
Woher hast du diese Weisheit? Bei den meisten Paaren ist es doch so, dass sie zunächst mal tatsächlich beides in dieser einen Person finden. Sie schenken und erhalten Liebe UND sie schenken und erhalten eine hohe sexuelle Befriedigung. Beides in einer Person.
Wir Menschen sitzen der Idee der Romantik auf, die Sex als Ausleben der von Liebe/von Verliebtheit auffast, das Sex-haben ist Ausdruck der Liebe. Aber das stimmt so nicht.
Es sind 2 Paar Schuhe, Zum Einen Liebe, zum Anderen sexuelles Begehren, sie bestehen nebeneinander und können beliebig kombiniert werden.
Ich kann Sex haben als Ausdruck von Liebe (Sex innerhalb einer Liebesbeziehung), ich kann aber genauso Sex haben ohne jegliche Liebe/Sex haben, ohne den, mit dem ich Sex habe, zu lieben.
Und Liebe und Beziehung geht mit Sex, aber ich kann auch jemanden lieben und gar nicht mit ihm schlafen.
Der unglaublich tolle Sex, der am Anfang der meisten Beziehungen stattfinden, ist doch nichts, was man sich nur einbildet oder einredet. Hier ist es dann einfach eine Tatsache, dass eine Person beide Aspekte erfüllt.
Der tolle Sex am Anfang einer Beziehung findet nicht deswegen statt, weil der jeweilige Partner beide Aspekte - Befriedigung der Liebe und Befriedigung der Sexualität - erfüllt, sondern weil in den ersten Wochen, in der man zusammen ist, die Verliebtheit so groß ist, dass man ständig zusammen sein möchte, sprich der Sex ist hier vor allem Ausdruck der Liebe, man möchte sich ständig nahe sein in dieser Phase und Sex ist da die höchste, die vollkommenste Form.
Da stört es dann meistens auch nicht, dass man bestimmte sexuelle Praktiken nicht ausleben kann, da der Sex nicht an sich wichtig ist, sondern die Intimität mit dem Partner und gemeinsamer Sex ist da die beste Ausdrucksform, d.h. man poppt oft miteinander, obwohl man viele Praktiken nicht umsetzen kann (Genauso ist es im Prinzip auch, wenn man eine reinen sexuellen Kontakt hat, also nur mit jemandem Sex hat, ohne ihn zu lieben oder in einer Beziehung zu leben. Man trifft sich regelmäßig zum Poppen, obwohl man sich sonst eigentlich nicht leiden kann. Einfach weil man sexuell so harmoniert).
Aber diese Verliebtheitsphase geht vorüber und damit treten dann auf einmal die Fehler des anderen in den Vordergrund, wobei sexuelle Mangelgefühle (Sexuelle Phantasien, Praktiken, die man nicht gemeinsam ausleben kann, weil der Partner sie nicht teilt) nur ein Teil sind, denn auch die Liebe zum Anderen ist nicht mehr so rosarot, sondern man sieht eben auch die Mängel im Partner, die rosarote Verliebtheit weicht einer nüchternen Art von Liebe.
Wenn also die eigentliche Frage lauten muss, warum sich das bei vielen Menschen irgendwann ändert, warum der Partner irgendwann nicht mehr beide Bedürfnisse befriedigen kann, dann komme ich eben zu der Begründung, die ich in meinem vorherigen Beitrag schon geschrieben habe. Einer oder auch beide Partner, werden irgendwie trägt, unflexibel, sind nicht mehr offen für Neues, für Veränderung. (Und das meine ich nicht nur sexuell, sondern generell aufs Leben bezogen.) Diese Trägheit für dazu, dass man den Partner nicht mehr aufregend und interessant findet. Die Sexualität ist m. E. einfach nur der Aspekt, wo das am deutlichsten zu spüren ist. (Einfach weil es ein starker Trieb ist.) Aber in den allermeisten Fällen findet man seinen Partner auch emotional nicht mehr so besonders aufregend und interessant. Man macht sich was vor, wenn man behauptet, dass er einem emotional immer noch das gibt, was man braucht, nur sexuell nicht mehr. Ich bin ziemlich sicher, dass meistens beides abhanden kommt. Der sexuelle Aspekt ist nur der, der als drängenderes Problem empfunden wird.
Auch hier sitzen wir Menschen wieder der Idee der Romantik auf. Menschen finden sich nicht deswegen kaum noch interessant, weil sie träge sind oder sich als Mensch nicht weiterentwickeln, sondern weil wir von Mutter Natur so konstruiert sind, dass wir keine lebenslange Beziehung wollen.
Denn: Ziel des Zusammenkommens von Mann und Frau ist es, für Nachwuchs zu sorgen, ist diese Aufgabe erfüllt, ist der Sinn der Beziehung aus biologischer Sicht vorbei.
Das ist der Grund, warum sich viele Paare trennen, wenn die Kinder aus dem Haus sind.
"Unlimited" hat den Sachverhalt auch sehr gut beschrieben.