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Mein Freund ist gestorben

Hi, ihr Lieben,
ja, das wird wohl noch ein Problem. Wie auch du, Jette, (glaube ich),hab ich mich hauptsächlich über meinen Freund definiert.
Mit mir alleine konnte ich noch nie etwas anfangen, außer mich zu betäuben. Auch reden geht mit keinem, meine Failie will ich nicht noch mehr belasten. Meine Kinder sehen eh schon hilflos zu, wie ich körperlich immer mehr verfalle.
Das Schreiben hier ist mir eine große Hilfe.
Ich war ziemlich bald bei einem Psychiater, den ich schon als Neurologen gekannt habe, der hat mir auch nur eine Packung Antidepressiva in die Hand gedrückt.
Ich würde gern nochmal hingehen und ihn fragen, ob das alles ist, was er so anzubieten hat, aber dann bleib ich doch lieber liegen und verschiebe das, wie alles andere auch, von Tag zu Tag.
Am liebsten garnicht raus müssen.
Überall ist Angst und Erinnerungen, die mich umhauen. Letzthin mußte ich mir einen Wintermantel kaufen, was für ein Horror, zwischen diesen vielen Menschen, die alle so geschäftig sind, da wollte ich nur weg, da gehöre ich nicht mehr dazu.
Der Hannes hat erst vor paar Wochen zu mir gesagt, daß wir uns dieses Jahr eine richtig schön gemütliche Weihnachtszeit machen, jetzt ist das alles unerträglich. Ach Jette, wenn ich mir vorstelle, wie es dir dabei gehen muß. Dich kann ich nur immer wieder bitten, geh nochmal zu einem anderen Psychologen!
Ein Jahr so ganz allein mit deinem Schmerz, das ist schon viel zu lange!!!
Jetzt bin ich auch k.o. vom Schreiben. Danke, daß ich das hier darf!!!
Liebe Grüße
Claudia
 
Hallo Claudia, du hast mir nur indirekt geantwortet, ein wenig so, als wäre ich giftig 😉

Aber es zeigt mir doch, dass meine Vermutung in die richtige Richtung geht. Wenn du aus dem Zustand herauskommen willst, musst du dich mit dem Problem beschäftigen, wie du beziehungsmäßig tickst. Ist nicht einfach, aber bringt dich näher dahin wo das Elend steckt. Das könnte man ja auch für Jette annehmen, wenn ich darf.

Ich bin da auch nicht drüber stehend, denn ich leide eher unter dem gegenteiligen Zug, zuviel Eigendrehung zu brauchen, mich nicht so "blind" binden zu können. Natürlich kann ich das, solche wie ich wissen das nur zu gut, wie das geht, weil man sich ohne veranlagte Bindungstiefe sehr viel Gedanken machen muss, wie die Welt abläuft, sehr gut auskennen muss, um dasselbe zu erreichen, was du im Blindflug lebst, tiefe Zufriedenheit, wenn du nur festgehalten bist und Panik, wenn man dich loslässt. Eigentlich ja was Tolles, besonders, für den dem das fehlt, wenn er so was ansieht, aber es hat wie gesagt auch seine Schattenseiten, die du scheinbar prall erlebst.

Gehörst du zu denen auf der anderen Seite, dann kannst du zwar Verbundenheit genauso gut leben, vielleicht noch viel besser, weil du dir sehr große Empfindsamkeit angeeignet hast, um das zu können, was Leute wie du einfach so können, aber so jemand ist nie fest verwurzelt, er ist immer in der Lage das zu lösen und das macht es so jemand schwer in Bindungen, wenn Ablenkungen auftreten.

Interessiert dich das? Findest du dich irgendwo wieder? Ich meine all das ist nicht nur auf meinem Mist gewachsen, es gibt sehr gute Bücher darüber.

Udo Lindenbergh. Dir bekannt? Natürlich, denke ich.

Habe grad vorhin einen älteren Song gehört:

"Wenn ich mal geh,
sollst du nicht solange weinen,
weil über dunklen Wolken
Millionen Sterne scheinen"

Wie empfindest du dabei?

Gut gemeinte Grüße

Sigi

PS: das sage ich jetzt nicht im Hinblick auf deine Trauer, diese Wolken sollst und musst du ausleben,
ich meine es im Hinblickauf das Oben erörterte
 
Hallo Sigi,
nein, ich finde dich nicht "giftig", kann mir nichtmal vorstellen, was du darunter verstehst...;-)
Ich finde, ich habe ziemlich deutlich geantwortet.
Ja, diese "Eigendrehung", die ja ein Gefühl von Liebe und Verantwortungsgefühl zu sich selbst ist, muß ich wohl lernen, wenn ich weiterleben will, ohne jeden Tag mehr kaputt zu gehen, so wie es jetzt ist.
Der Lebenswille ist anscheinend auch da, sonst würde ich hier wohl nicht schreiben, aber ich kann noch nicht klar nachdenken, über mich, und wie es weitergehen soll, daß das alles vielleicht irgendwann mal wieder besser wird.
Ich kämpfe schon mit jeder Kleinigkeit, das fängt schon morgens an, überhaupt aufzustehen, irgendwie das Notwendigste schaffen, und endlich wieder schlafen, was aber meist erst in den Morgenstunden geht.
Dieser Schmerz läßt sich nicht mit dem Verstand lindern, oder noch nicht.
Ich möchte euch ganz herzlich danken, daß ich das hier sagen darf, wem sonst.
Liebe Grüße, ganz besonders an dich, Jette!,
Claudia
 
Hallo Claudia,

als Außenstehende sehe ich 4 verschiedene aber sehr wichtige Standpunkte bei dir.

1. Die Verarbeitung von Verlust. Du hast einen Menschen verloren, der dir Nahe stand. So etwas haut den gesündesten Menschen erstmal um, und zwar ganz gewaltig. Verlust löst Schmerz aus und mit dem Schmerz fertig zu werden, ist nicht einfach. Da fällt der gesündeste Mensch zuerst mal in ein tiefes schwarzes Loch, aus dem er wieder raus finden muss, um weiter zu leben.

2. Aus deinen Worten lese ich heraus, dass du mit dir selbst nicht im klaren bist, mit dir selbst sehr viel Probleme hast, dich selbst nicht wirklich lieben kannst. Ich sage das mal ganz unverblümt: Du bist an sich nicht gesund - gehst mir dir selbst nicht gesund um. Deine ganz persönliche Situation, dein ganz persönlicher Zustand hindert dich daran, den Verlust eines geliebten Menschen auch gesund zu verarbeiten.

3. Hast du zudem auch ein Alkoholproblem?

4. Du bist auch Mutter. Dein Sohn schaut nicht nur zu - er leidet unter dieser Situation.

Liebe Claudia, kein Mensch auf dieser Welt ist wirklich gesund. Wir haben alle unsere Probleme. Und kein Mensch hat das Recht, zu verurteilen, weil niemand wirklich sehen kann, was in einem anderen Menschen tatsächlich vorgeht. Was wir allerdings auch nie machen dürfen, ist uns selbst zu verurteilen und uns damit zu verlassen und uns im schlimmsten Unheil liegen zu lassen. Ich habe das Gefühl, dass genau das bei dir passiert. Du hast dich aufgegeben. UND DAS IST SEHR SEHR SCHADE!!!!

Ich kann dir nur sagen, dass es immer einen Weg für uns gibt. Es ist nie zu spät! Aber, es liegt immer nur an uns selbst, diesen Weg zu finden - ausnahmlsos IMMER.

LG Truth




 
Hallo Claudia,

ich habe mir die letzten Trads von Sigi und Truth mal genauer durchgelesen..habe genauer darüber nachgedacht und bin immer zu den ein und selben Ergebnis gekommen....Ja Sie haben wohl in einigen Absätzen Recht, allerdings muss ich noch dazu sagen...ich weiss nicht ob eben "Aussenstehende" DAS verstehen können was in uns vorgeht. Sicherlich wenn jemand geht der Dir sehr..sehr nahe stand fällt man in ein Loch, dort wieder rauszukommen oder wenigstens ein Licht am Ende des Tunnels sehen zu können wird wird wohl sehr schwer werden und manchmal schafft es der Mensch nicht mehr von allein. Dies dann zu erkennen und sich dann proffesionelle Hilfe zu suchen...dazu muss auch der Wille da sein, dazu kommt eben noch das Umfeld meiner Meinung dazu...also Familie, Freund ect, wie stehen die zu einem...sind Sie für einen in dieser Situation da. Der Mensch ist eigentlich für ein Einzelgänger nicht konzepiert...im Gegenteil ich denke immer an den Satz aus der Physik: da wo ein Körper ist kann kein zweiter Körper sein....bei den Menschen ist es aber so: da wo ein Körper ist WILL ein zweiter Körper sein! Das sieht man schon im alltäglichen Leben. Liebe Claudia...gib nicht auf, schau immer deine Kinder an und Du siehst IHN....er wird immer bei Dir sein...er will nicht das Du leidest, er will Dich wieder lachen sehen. Ich weiss gegen die Gefühle ist man stellenweise hilflos...man möchte Sie steuern, kann aber nicht.
Liebe Claudia...man ich kann Dich so gut verstehen, aber lass deine Kraft, die m.E. noch in Dir steckt, raus...es wird kein leichter Weg und oft geht man wieder zwei Schritte zurück aber solange man wenigstens einen Schritt nach vorn macht lohnt sich dieser Kraftakt.
Bitte bleib hier...schreib weiter wann immer Dir danach ist...Ich denke an Dich!

Nur das Beste
Jette
 
Hi, ihr Lieben. Erstmal danke!, ich sauge alles, was ich hier lese, auf.
Jette, meine Kinder sind nicht von meinem Freund, ich wurde geschieden, als sie noch klein waren, dadurch habe ich damals auch das Trinken angefangen und lange Depressionen gehabt.
Liebe Truth, du hast sehr recht, wegen meinem Sohn versuche ich ja immer wieder, möglichst wenig zu trinken und weiter zu machen, ich sehe auch, daß er leidet, wenn ich so verfalle.
Aber etwas konstruktives gegen diesen Verlustschmerz zu tun, ist so verdammt schwer. Das geht ja beim Aufwachen schon los.
Ich war immer ein Mensch mit wenig Selbstbewußtsein, habe dies erst die letzten Jahre mir antrainiert, hatte das Leben zuletzt gut im Griff. Nicht zuletzt, weil ich auch eine für mein Alter wirklich hübsche Frau war, und einen unerschütterlichen Optimismus, dachte ich, entwickelt habe. Und immer den festen Glauben hatte, daß alles wieder gut wird.
Das alles ist weg.
Ich sehe alt und verhärmt aus, erschrecke, wenn ich mich im Spiegel sehe, auf der anderen Seite ist es mir auch wieder total egal..Ich traue mir absolut nichts mehr zu, weiß, daß es so nicht weitergeht, weiß aber auch nicht, wie man daran etwas ändern kann.
Es stimmt schon, ich habe keinen Bock mehr aufs Weiterleben, es ist nichts mehr da, worauf ich mich freue oder was mich interessiert. So allein fühle ich mich wie ein Nichts. Aber ich wäre wohl nicht hier andrerseits, wenn ich mich schon aufgegeben hätte.
Ich will ja wieder in dieses Leben finden, bleibt ja nichts anderes übrig,ich weiß nur nicht wie.
Vielleicht schafft es die Zeit...
Erzwingen läßt sich der Lebenswille nicht.
Ich wünsche dir, liebe Jette und euch allen möglichst viele schöne Momente für heute,
und danke
Claudia
 
Hallo zusammen, erstmal danke für den Kommentar von Truth, der unter 4. sehr auferbauende Dinge aussagt, und das gilt für Menschentypen wie Jette und Claudia, aber auch für andere, auch für mich.

Wenn Jette schreibt, andere können nicht verstehen, dann mag sie Recht haben, aber auch nicht. Gegenteilige Menschen (ich führ das jetzt extra mal an, weil wenn ich einen ausgeglichenen Menschen anführe, kommt nicht raus was ich meine, weil er meist von allem was hat) hängen gemäß dieser Psychologie nicht so sehr an einer Beziehung, sie hängen an anderen Dingen, die sie als "Fähigkeiten" erlernt haben, um auch beziehungslos durchs Leben zu kommen. Und wehe, diese brechen zusammen, dann erleben sie ähnliches,nur anders. Also kann es durchaus Menschen geben, die die Härte, mit der Claudia oder Jette sowas trifft verstehen, wenn auch aus einer ganz anderen Position.

Weil es ist einfach hart, wenn einem genommen wird, was zum Über-Leben gehörte, eine Beziehung oder eben Werkzeuge, um ohne Beziehung auszukommen.

Liebe Claudia, danke für deine guten Wünsche und denke nicht, dass wir alle (sag ich jetzt mal so) auf einem Podest stehen und dich trösten, die du geduckt vor uns kauerst. NEIN, wie schon vorher jemand sagte, haben wir alle unsere Gebrechen und nur weil jemand nicht genau das hat, was du hast, sagt das noch gar nichts, er kann es andersherum haben. Es ist doch schön, wenn man etwas verstanden wird, etwas von der Lebensbewältigung der anderen mitbekommt und sich nicht ganz allein fühlt, auch wenn das hier alles nur virtuell ist, mit allen Vor- und Nachteilen.

Viele liebe Grüße an dich zurück und wenn du mal was über das Lesen willst, was ich dir an-erzählte, frag (also die Lebensbewältigung durch Festhalten und durch Werkzeuge) nach.

der Sigi
 
Liebe Claudia,

ich sehe deinen Kampf und ich kann nachvollziehen, wie wahnsinnig es dich macht, aus diesem Teufelskreislauf nicht ausbrechen zu können. Ich kenne deine Leere und ich kenne auch das Gefühl nur zu funktionieren. Was ich nicht kenne ist dein Herz und alles was es bis heute erlebt hat - manche Sachen hast du hier erzählt, doch ich habe das Gefühl, dass das die Spitze des Eisberges ist, weil ich eben selbst die Erfahrung gemacht habe, dass erst ein ganz ganz großer Leidensdruck kommen muss, bevor wir es schaffen uns wirklich zu befreien. Durch meinen Befreiungsakt habe ich aber auch erfahren, dass wir niemanden anderen retten können. Wir können Trost spenden, wir können in den Arm nehmen (was ich jetzt mal virtuell tue - ganz fest), aber wir alle sind keine Retter. Dein geliebter Hannes hatte dich vielleicht auch mal gerettet. Jetzt ist er nicht mehr da und du bist wieder auf dich allein gestellt. Es kommt darauf an, dass wir den Weg finden, uns selbst zu retten, dann halten wir all den Dingen Stand, die uns in unserem Leben begegnen. Manchmal haut es uns vielleicht trotzdem um, aber wir stehen viel schneller und viel leichter wieder auf. Dieser Weg sieht bei jedem anders aus, weil jeder sein ganz ganz eigenes Schicksal in sich trägt.

Du triffst hier viele liebe Menschen an - ich habe mich sehr gefreut über die Worte von Sigi und von Jette und besonders über deine Worte - weil es ehrliche Worte sind. Und das ist doch schon mal etwas schönes. Manchmal sind es diese "kleinen Dinge" die das Leben bereits farbenfroher machen 🙂.

Liebe Grüße
Truth
 
Ihr Lieben,
ich will euch nur einen schönen 1. Advent wünschen!!

Ich sollte wohl auch mal in den Keller gehen, wenigstens paar Weihnachtssachen hochholen und hinstellen. Haben tu ichs ja tütenweise, hab immer total gern geschmückt. Jetzt komm ich mir fast blöd vor, das Zeug hochholen und hinstellen. So ohne jedes Gefühl dabei.
Ich schaffs bis jetzt noch nicht mal aus dem Bett, hab so Kopfweh und kann kaum schlucken. Stinknormale Erkältung, aber ein Grund, liegen zu bleiben.
So möchte ich euch einen möglichst angenehmen Sonntag wünschen!!!
Ganz liebe Grüße
Claudia
 
Danke für die guten Wünsche und die Erklältung - manchmal kommt man dabei auf andere Gedanken (siehe Weihnachtszeug raufholen),
Gedanken, die einen zurückholen, wie wenig unser Leben wert ist, wenn wir z. B. eine schwere Erklärung nicht überwinden könnten und wie wertvoll doch der Körper ist, der dass dann schafft und dass der noch viel mehr schaffen könnte, dürfte usw.

Ich wünsch dir was Gutes und interessante neue Gedanken, auch wenn die Erkältung quält, lass dich inspirieren.

Sigi
 

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