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Mein Freund ist gestorben

Hallo liebe Claudia, Jette, Momo,

eben schrieb ich eine private Nachricht an Claudia, aber jetzt las ich die letzten Beiträge hier und denke, dass es auch Jette, Momo und anderen gut tun würde, die Nachricht zu lesen - daher poste ich sie nun hier:

Eine kleine Erzählung aus meinem Wochenende:

mein Bruder hat am Samstag seine beiden kleinen Töchter (1 und 3) getauft, und am Sonntag hat sein Sohn (7) seinen Geburtstag nachgefeiert. Wir sind alle hin gefahren, "beide" Familien (die meines Bruders und meiner Schwägerin), sehr langjährige Freunde meines Bruders (die auch meinen Vater schon lange kannten), unser befreundeter Pfarrer (der uns getraut und alle unsere Kinder getauft hat), UND: meine Mutter mit ihrem neuen Partner. Ihr, die sich immer einen Kopf gemacht hat, was die Leute denken, war es diesmal egal. Sie steht zu ihm und weiß, dass er sie sehr glücklich macht. Und es war ihr ein Bedürfnis, dass er ihre Familie kennen lernt.

Der eine oder andere war sicherlich ein wenig überrascht, sie wieder mit jemandem zu sehen. Und auch unser Pfarrer wusste noch von nichts. Meine Mutter hat ihn am Anfang zur Seite genommen und ihm alles erzählt. Er hat sich für sie gefreut. Und zu Ihr folgenden Satz gesagt, den ich mit Dir teilen möchte:
"Den Toten geht es gut. Um sie müssen wir uns nicht sorgen. Wichtig ist, dass WIR auf Erden es schaffen, wieder glücklich zu werden."

Das hat meiner Mutter sehr geholfen. Vielleicht auch Euch...?

Lieben Gruß,
Natascha
 
Hallo liebe Claudia, hallo Natascha und alle anderen hier!

Ein schöner und wohl wahrer Satz von Natascha hier. Dazu möchte ich auch noch eine kleine Geschichte erzählen.
Ich habe meinen Papa ziemlich genau vor einem halben Jahr verloren. Er starb an Krebs - der hat ihn niedergerafft, es ging innerhalb eines Jahres ganz steil bergab und zu Ende. Mein Papa war mir einer der wichtigsten, wenn nicht über alle Zeit der wichtigste Mensch im Leben.
Wenige Stunden bevor er im Krankenhaus ganz ruhig einschlief war ich mit meiner Mama bei ihm. Er war schon irgendwie weit weg, beinah nicht mehr ansprechbar, hatte die Augen geschlossen, wußte aber, daß wir da sind. Er hat unsere Namen genannt, er hat gerufen: "Ich bin tot, ich bin tot, Kinnersch glaubt mir, ich bin tot!" Wir haben natürlich immer zu ihm gesagt, nein, Du bist nicht tot, Du bist hier bei uns, Du kannst uns doch spüren und hören. Er reagierte immer wieder: "Nein wirklich, ich bin tot, ich bin tot - Tote können sehen - ich kann Euch sehen!" Er rief das so eindringlich. Nichts mehr von seiner schwachen Stimme der letzten Tage davor. Danach hat er noch kurz ein letztes Mal seine Augen geöffnet und mich angeseh'n.
Ich weiß nicht, ob es wahr ist, aber für mich war er zu dem Zeitpunkt schon in einer anderen Welt, fernab der Erde. Für mich war es, als wollte er uns mitteilen, daß er schon weg ist und er schon weiß, daß er uns trotzdem immer begleiten wird und sehen kann. Es war ein Irrsinns Erlebnis!

Vielleicht macht es auch Euch Mut, wie es mir Mut macht.

Ich wünsche Euch einen schönen Nachmittag!

gruß in-silence
 
Liebe In-Silence, das glaube ich auch, nein, ich meine, zu wissen, daß unsere Toten nach wie vor bei uns sind.
Ich habe auch große Angst davor, wenn meine Mutter auch noch stirbt, sie ist schon 80, aber auf der anderen Seite weiß ich, daß sie dann mit meinem Vater und meinem Freund gemeinsam auf mich aufpaßt.

Das, was du erlebt hast, beeindruckt mich sehr,
und bestätigt das, was ich auch empfinde.

Ganz lieben Gruß an dich
Claudia
 
Hallo Claudia und In-Silence,

ja, der Tot ist etwas sehr gewaltiges. Mein Vater hatte auch Krebs und starb vor einem Jahr. Ich war bis zum letzten Moment bei ihm. Was das in mir ausgelöst hat, habe ich ja in meinem (einzigen) Blog beschrieben.

Man kann es nicht in Worte fassen, mich hat es sehr mitgenommen und der Moment des Sterbens hat sich tief in mein Gehirn gebrannt.

Mein Vater hat nicht mehr gesprochen, nur noch schwer geatmet, aber meine Mutter und ich haben ihm viele liebe Worte gesagt, und aus irgendeiner inneren Kraft heraus habe ich ihm gesagt, dass er gehen darf, und unsere Liebe mitnehmen soll. Ich glaube, das hat ihm geholfen. Denn kurz darauf ist er in unserem Beisein gestorben.

Meine kleine Tochter (damals ein halbes Jahr alt) war auch da, mit einer Psychologin im Nachbarzimmer. Nachdem Papa gestorben war, habe ich sie draußen im Kinderwagen spazieren gefahren, bis sie einschlief. Danach habe ich sie schlafend neben Papas Bett gerollt. Da lagen sie, beide schlafend. Auch ein Bild, das ich niemals vergessen werde.

Papa hatte am Ende einen ganz friedlichen Gesichtsausdruck. Ich glaube, es ging ihm gut. Und geht ihm noch heute gut.

Deshalb bin ich einerseits sehr traurig, dass er nicht mehr bei uns ist, und andererseits irgendwie gewiss, dass er behütet ist, und damit beruhigt. Und ich weiß, dass er tief in mir ist - ich habe viel von ihm in mir.

Deshalb ist er nicht wirklich weg - ich trage ihn mit mir mit und meine Erinnerungen an ihn machen ihn unsterblich. So wie auch die Eigenschaften, die ich von ihm habe, und die meine Kinder von mir haben werden...

Ich glaube, für die Seele gibt es nicht Raum noch Zeit, nur sind wir zu klein und einfach, um das wirklich zu verstehen. Wenn wir es wüssten, ginge es uns besser. Denn dann wüssten wir auch, dass unsere Lieben nach wie vor bei uns sind. Das einzige, was wir akzeptieren müssen ist, dass wir sie nicht mehr sehen und nicht anfassen können. Aber wir können sie S P Ü R E N...

Dafür müssen wir uns aber Zeit nehmen, Momente der Stille, des Atmens...

Liebe Grüße,
Natascha
 
Hallo Liebe Claudia,

ich sende Dir einen dicken Bündel warme Sonnenstrahlen, auf das Sie dein Gesicht und deine Seele erwärmen und Dir Licht spenden sollen.

Ich denke viel an Dich!
Nur das Beste
Jette
 
Hallo, guten Morgen,
danke, daß ihr da seid.

Die letzten Tage hat mir nicht mal mehr die Arbeit geholfen.

Ich kann mich so genau erinnern, was wir gemacht, was wir geredet haben.

Wir haben noch einige Stunden gemeinsam,
bis ich dann zu mir gefahren bin und kein Mensch weiß, wann und wie genau mein Freund ganz alleine gestorben ist.

Warum kann ich nicht einfach diesen Tag zurückdrehen und bei ihm bleiben, vielleicht hätte ich ihn retten können.

Ich bin froh, daß ich heute nicht arbeiten muß, diese letzten Stunden will und muß ich mit ihm allein durchleben.

Der Riesenschmerz dabei ist, daß ich jetzt weiß, was heute Nacht passiert und ich nichts ändern oder rückgängig machen kann.

Hier hat das Oktoberfest angefangen, wie letztes Jahr auch, aber da habe ich es garnicht wahrgenommen, und dieses Jahr ist es der Horror, überall sind ausgelassen Feiernde unterwegs,
ich möchte garnicht rausgehen,
aber fühle mich auch schlecht, weil ich mich nicht endlich traue, auf den Friedhof zu gehen.
Vielleicht überwinde ich mich doch noch, ich hoffe es.

Ich bin froh, daß ich mich hier im Forum ein bißchen ablenken kann,
mein Kopf dröhnt, ich weiß nicht, ob vom Weinen oder weil ich nicht mehr aufhören kann.
Alles ist nicht genug, diesen Schmerz erträglicher zu machen.

Ich bin trotzdem dankbar, daß ich dieses erste Jahr überlebt habe, ich hoffe, es war das schlimmste,
aber glaube auch nicht mehr, daß das so schnell besser werden wird.

Liebe Grüße
Claudia
 
Hallo liebe Claudia, ich habe keine Worte für Dich. Aber ich bin da, denke an Dich und halte in Gedanken Deine Hand.

Du bist nicht alleine. Und wenn Du jetzt nicht auf den Friedhof kannst, dann ist das auch gut.

Dein lieber Schatz ist in Deinem Herzen. Da wird er bleiben.

Letztes Jahr ist mein Vater gestorben. Ich war nur zweimal auf dem Friedhof. Er ist bei mir, das spüre ich und das gibt mir Trost.
 
Liebe Momo,
ich habe deine letzte PN hierher gesetzt, weil sie vielleicht anderen Trauernden hilft.

momo28 meinte:
Liebe Claudia,

ich kann dein Leid nur allzugut verstehen.

Hier ist nochmals mein Thread zum 5. Todestag meines Mannes. Vielleicht hilft es dir ein klein wenig, da zu lesen.

http://www.hilferuf.de/forum/trauer/79207-wieder-ein-3-mai.html

Dein Freund ist bei dir. Egal was geschieht.

Und vielleicht kannst du auch bald sagen, er geht nicht mehr neben dir aber in dir mit.

LG

Momo,
ich verstehe, was du meinst.

Das ist es ja auch, was ich mir erhoffe und glaube zu wissen, daß mein Freund das auch will.

Daß ich weiterlebe, er sich mitfreuen kann, daß ich wieder Freude am Leben habe. Ich brauche ihn noch für alles..

Liebe Momo, ein Jahr ist noch keine Zeit, um loszulassen,
aber man muß der Zeit wohl Zeit geben..

5 Jahre..
Ist dein Leben wieder besser geworden?

Schafft man dies wirklich ohne ständige innerliche Trauer ?

Können wir wirklich aktiv etwas machen (ich meine jetzt nicht, daß wir äußerlich wieder am Leben "aktiv" mitwirken, sondern,
wie es in dir, mir, allen Verlassenen, ganz innendrin aussieht.

Oder ist es ausschließlich die Zeit,

oder ein unverhofftes neues Lebensgefühl, auf das man immer hoffen kann/muß, eine neue Liebe?, oder uns freuen für das, was wir noch haben können,

das solchen Menschen wie uns Trauernden die Lebensfreude zurückgibt?

Danke Momo, daß ich etwas von dir dazu hernehmen durfte, um vielleicht Antwort zu bekommen..

Seid lieb gegrüßt
Claudia
 
Liebe Claudia,

auch von mir noch ein Gruß an Dich heute, Deinem allzu schwierigen Tag. Ich möchte jetzt nicht so viele Worte verlieren, möchte nur sagen, daß ich viel an Dich denke heute und sehr sicher bin, daß Dein Hannes ganz ganz nah bei Dir weilt! Mach so weiter Claudia, und laß Dich nicht unterkriegen - ich finde es sehr sehr stark, was Du in Deinen letzten Postings geschrieben hast! Man merkt einfach, daß Du eine sehr starke Person bist kämpfst und auf einem guten Weg bist - gib' diesen nicht auf!!

lieben gruß
in-silence
 
Liebe Claudia,

zu deinen Fragen, insbesondere zu der Zeit möchte ich Dir ein Gedicht hier und jetzt auf dem Weg mitgeben:

Hoffnung...

Dein Name steht in meinem Herz,
du hast ihn tief dort eingebrannt.
Die heiße Glut in deinen Augen
hat das Eis daraus verbannt.

In ihm brennt lodernd heiß das Feuer,
wandelt Schmerz in dunklen Rauch.
Doch umgibt es wie ein Schleier
der Sehnsucht frostig kalter Hauch.

Einsam tief im Schnee vergraben,
hoffnungslos im Eis verloren,
sehnt es sich nach deiner Wärme,
die auftaut was einst zugefroren.

Doch spür ich sie nicht, sie ist wohl verschwunden.
Was sie zurückließ war ewiges Eis.
Das lodernde Feuer ist lang schon erloschen
und mit ihm die Wärme, doch das Herz schlägt noch leis.

Was auch geschieht, es wird nicht verstummen,
denn ist der Rest auch gestorben, die Hoffnung lebt fort.
Vielleicht wird alles anders, vielleicht so wie früher.
Vielleicht befreist du mein Herz noch aus diesem Ort.

Noch pocht es leise von Hoffnung beseelt,
noch will es wissen, was der Schleier verbirgt.
Doch stirbt auch die Hoffnung, dann ist es zu spät,
der Wille verloren und das Leben verwirkt.

Dann gefriert das Blut, der Strom versiegt,
der Körper bebt vom Schmerz besiegt.
Das Herz erstarrt, das Leben schwindet,
keine Fessel mehr die Seele bindet.

Die Stille allein hält dann einsam noch Wacht.
Es bleibt weder Leid noch quälender Schmerz.
Die Sehnsucht verliert sich im Dunkel der Nacht,
wenn die Hoffnung entschwindet dem schreienden Herz.

Doch noch schürt die Hoffnung beständig die Glut
und so schreit die Flamme im Herzen nach dir.
Noch fließt heiß durch die Adern das Blut
und mit ihm die Angst vor dem Erfriern…

Hoffnung, liebe Claudia dürfen und müssen wir alle haben. Wenn dies nicht mehr gegeben, erst dann können und müssen wir gehen.

Liebe Claudia, sei stark....ich bin und versuche dies ebenfalls jeden Tag, trotz vieler unendlicher emotionaler Rückschläge.

Ich umarme Dich...Ich verstehe Dich und wir alle hier sind bei Dir...Du bist nicht allein....eigentlich nie, denn dein Hannes ist und wird IMMER bei sein.

Nur das Beste
Jette
 

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