Hallo,
da bin auch ich mal wieder, mache eine Pause in meinem Kampf gegen die Wirtschaftskrise, Umzug, Kindern, Streit mit einem Mitarbeiter und zwischenzeitlich großen Zweifeln, ob ich das Richtige mache oder die Firma nicht einfach hinschmeißen sollte, denn sie zehrt an meinen Kräften, zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, dass ich an meine Grenzen stoße - aber dann ständen vier Menschen auf der Straße und mein Verantwortungsgefühl ist zu groß. Also suche ich weiter nach neuen Möglichkeiten und werde das Pferd schon schaukeln, irgendwie...
Aber das ist ja hier nicht Thema, auch wenn das alles mit Papa zutun hat und ich mich oft frage, ob ihm bewusst war, was er mir da hinterlässt...
Eigentlich aber möchte ich etwas zum Thema Zeit sagen. Heute habe ich angefangen, um Papa zu trauern. Nach genau acht Monaten. Bis heute war ich unter Schock, und habe nur meinen kranken und schwachen Vater vor meinem inneren Auge gesehen...
Aber eben musste ich endlich wieder an meinen gesunden Papa denken, der mit fröhlicher Stimme und voller Tatendrang ans Telefon geht, wenn ich anrufe, "na, mein Schnutzelchen" sagt und ansonsten nicht viel, weil der das nicht braucht, weil eh klar ist, dass er mich liebt. Der mich sein lässt, wie ich bin, mich nicht kommentiert, und gleichzeitig da ist und einspringt, wenn er meint, jetzt geht es doch in die falsche Richtung. Der die schönen Dinge des Lebens genießt, ein gutes Essen, einen guten Rotwein, einen schönen Blick über die Landschaft, Spaziergänge - Momente einfach. Und der dann zu meiner Mutter sagt (selbst, als er schon krank ist): "Ach, geht es uns nicht gut?"
Ich vermisse seinen verschmitzten Blick und seine Brummelstimme, sein nicht viel sagen und doch so präsent sein, seine Nähe und Distanz, sein Lächeln und seine Augen, die so hellblau leuchten, wenn er einen hellblauen Pulli an hat.
Und das alles beginnt nun, nach acht Monaten. Die Bilder meines kranken Papas ohne Haare mit traurigem Blick rücken etwas zurück (obwohl ich sie noch lange voll Entsetzen in mir tragen werde), und die Bilder meines gesunden Papas kommen hervor, und mit ihnen meine Trauer, mein Vermissen, endlich. Ich bin traurig und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass er mir jetzt ganz nah ist. Er lebt in mir weiter, so wie er war, als er gesund war.
Es tut gut, Euch zu schreiben, denn das sind die Momente, in denen ich weinen kann.
Nehmt Euch Zeit um zu trauern, und verliert gleichzeitig nicht den Horizont aus den Augen, zu dem Ihr Euch hinbewegt, um wieder stabilere und durch das Geschehene gereifte Persönlichkeiten zu werden.
Alles Liebe,
Natascha