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Mein Freund ist gestorben

Hallo, ihr Lieben!
Ach Jette, es tut mir so leid, daß du immer wieder in solche tiefen Löcher fällst. Bitte schreib immer, wenn du dich so schlecht fühlst. Ich lese es und bin in Gedanken bei dir ud verstehe dich, wies dir geht.

Ich lese gerade viel über "Loslassen", ein schreckliches Wort irgendwo, aber die, die darüber geschrieben haben, reden nicht von vergessen und etwas "abhaken", sondern davon, daß wir lernen müssen, wie auch du Sigi wohl sagen möchtest, daß unser Horizont so eingeschränkt ist durch unsere Trauer und wir nicht mehr sehen, wie vielfältig das Leben ist, daß wir aber noch da sind, und zu jung, um so ungern weiterzuleben.
Liebe Jette, bei mir ist das ja alles viel neuer als bei dir, deshalb geht das auch ganz besonders an dich.
Ich weiß nicht, ob man da wieder alleine rausfindet, bitte, versuche doch noch einmal, bei einem anderen Psychologen um Hilfe zu bitten.
Da sind so viele Sachen, die von alleine wohl nicht mehr besser werden.
Das ständige Denken und Grübeln, überhaupt sich mal vorstellen, daß man mal wieder froh und unbeschwert sein kann, sich über was freuen, mal gerne aufwachen..
Allein dadurch, daß die Zeit vergeht, wird glaube ich, nichts besser.
Bei mir wirds auch eher jeden Tag schlimmer. Aber ich habe immer wieder Hoffnungsschimmer, daß das Leben weitergehen kann.
Ich denke aber soviel darüber nach, daß Tag für Tag vergeht, und ich aber nichts tue, nur grübeln.
Bei mir zieht sich auch täglich die Schlinge um meinen Hals enger, ich fühle mich krank, kann nicht zum Arzt, die ganzen Rechnungen lähmen mich zusätzlich.
Jette, so kanns doch nicht weitergehen!
Fang DU an, was zu ändern!
Ich hab ne Idee für dich:
Ruf deinen Hausarzt an, rede offen mit ihm, frag ihn, was für Möglichkeiten es gibt. Gerade du brauchst gute und erfahrene und einfühlsame Trauerhilfe. Du stehst wahrscheinlich nach über einem Jahr noch unter einer Art Schock, das schaffst du nicht allein!
Bitte überwinde dich und versuchs noch mal.
So wie jetzt ist das doch kein lebenswertes Leben mehr. Ich bin auch hin- und hergerissen, ob ich noch will überhaupt,
aber es nützt ja nichts, wer weiß, wie lange wir noch zu leben haben. Vielleicht noch sehr lange sogar.

Ich drücke euch und wünsche euch viel Kraft und Zuversicht!
Claudia
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Claudia, du wirkst ja so richtig hin und her gerissen. Man möchte ich auch zurückdrücken 🙂#

Du machst das gut, wenn du solche Bücher oder Artikel liest, weil du anderen Gedanken die Chance gibst, in dir Fuß zu fassen.

Machs gut und danke für die guten Wünsche, brauche sie auch jeden Tag, nur anders wieder.

Sigi
 
Hallo, Ihr Lieben,
ich bin heute zum ersten Mal hier im Forum, weil es mir genauso ergangen ist. Vor mittlerweile 6 Wochen habe ich auch meinen Mann am morgen tot aufgefunden, in seinem Sessel, er war einfach so eingeschlafen. Er war zwar 20 Jahre älter als ich, aber trotzdem noch viel zu jung zum Sterben. Leider hat er aber nicht auf mich gehört, denn ich habe schon seit Wochen auf ihn eingeredet, er sollte zum Arzt gehen und als am Abend vorher noch heimlich den Rettungswagen bestellt hatte und die Sanitäter ihn mit ins Krankenhaus nehmen wollten, hat er sich auch strikt geweigert. Seitdem ist nichts mehr wie früher, logisch. Erst habe ich mir noch Vorwürfe gemacht, was hätte ich noch tun sollen oder können. Aber alle sagen, vielleicht hat er es ja schon geahnt und wollte es auch so.
Seitdem habe ich auch wieder angefangen zu trinken, obwohl ich schon lage Zeit damit aufgehört hatte. Das finden meine Kinder 22 und 18 auch nicht gut. Aber es stimmt, der Alk hilft da überhaupt nicht, man weiss es ja auch selbst, doch irgendwie denkt man, dudurch wird es vielleicht besser. Und das schlimste ist ja noch, mein Mann starb genau 4 Tage nach seinem Geburtstag und 4 Tage vor unserem Hochzeitstag, warum hat er mich einfach so verlassen? Das frage ich jeden Tag, er hat immer gesagt, dass er mich liebt, bis zum Schluss, aber warum geht er dann so einfach?
Leider kann das keiner erklären und werde wohl nie eine Antwort darauf finden.
 
Gudi, erstmal meine Anteilnahme an dem was du durchmachst.

Will aber einfach mal reagieren, was mir so auffällt.

Du schreibst über deinen Partner, als wäre er ein drittes Bein von dir gewesen. Warum .... tut er das, wo er doch an mir hängt, wo er doch mir gehört, wo ich doch mit ihm noch.... usw. So liest sich das.

Letztlich ist er aber eine Person für sich und seine Entscheide mögen gar nichts mit dir zu tun haben. Damit brauchst du auch deine Fragen nicht mehr beantworten lassen, weil er hat dich ja jetzt auch nicht mehr verletzt in dem er sich von dir losriss und dabei Teile deines Körpers quasi mit verletzte. Nein, er hat für sich Probleme gehabt und für sich gehandelt.

Klar, kann ich jetzt voll daneben liegen oder auch zu deutlich sein, aber versuche trotzdem, diese Gedanken zu durchdenken, auf deinen Fall anzuwenden und so etwas Abstand zu gewinnen, ihn für sich handeln zu lassen, was er ja tat.

In der schweren Aufgabe, Dinge zu beurteilen, die eigentlich nur du beurteilen kannst . . . aber du wolltest ja andere Meinungen, sonst wärst du nicht hier . . .

Sigi
 
Ja, Sigi,
Du magst schon recht haben, mit Deiner Meinung und wenn man das von der Seite sieht, ist es auch ganz anders. Da kann ich schon irgendwie klarer denken und fragen kann ich meinen Mann ja sowieso nicht mehr. Aber in dem Moment der Trauer kommen mir nun mal solche Gedanken und daher mache ich mir ja manchmal selbst Vorwürfe, dass ich nicht energischer war, mit dem Arztbesuch z.Bsp. Aber ich weiss ja, dass es nichts bringt und es wird wohl auch richtig sein, wenn meine Hausärztin sagt, für ihn war es besser so, als wenn er im Krankenhaus an irgendwelche Aparate angeschlossen wurden wäre. Denn die Todesursache steht ja nicht fest, meine Ärztin vermutet sie nur, nachdem ich ihr die Vorgeschichte erzählt habe.
Aber trotzdem vielen Dank für Deine Meinung, es ist doch leichter, wenn man darüber reden, oder schreiben kann.
 
Hallo, ihr Lieben alle,
hallo liebe Gudi,
es ist schön, daß du dich hier angemeldet hast.
Ich möchte dir mein tiefes Beileid ausdrücken.
Und dir sagen, daß du nicht allein sein mußt mit deiner Trauer.
Es gibt hier viele, die mit dir mitfühlen können, ich auch.
Und wenn der Alkohol dazu kommt, wirds katratrophal.
Ich kriegs auch mit, und versuche es jeden Tag wieder, das einfach auszuhalten, nur sind die Tage so lange, und wenn man diesen Schmerz mal kurzzeitig abschalten kann..
Aber je länger du das zuläßt, desto schwerer wird alles.
Versuche, so schnell, es geht, wieder aufzuhören damit!
Schreib wieder, egal, wie dirs geht.
Deine Traurigkeit, Schmerz und Ängste "landen" hier, und werden verstanden, und du bist nicht mehr allein damit.
Alles Liebe und viel Kraft für dich
und für euch alle
Claudia​
 
Hallo, alle zusammen
Hallo Claudi,
danke für Deine netten "Worte".
Es ist mir auf jeden Falle klar, dass ich endlich wieder "leben" muß und dass es mit Alkohol überhaupt nichts wird. Aber Du wirst es sicher auch wissen, wenn sa ein schreckliches Ereignis so plötzlich und unerwartet eintritt, fällt man erst einmal in ein riesiges tiefes Loch.
Manchmal frage ich mich, wie es anderen Menschen geht, die auf so einen Todesfall irgendwie vorbereitet sind, durch eine lange schwere Krankheit zm Beispiel. Sind die Hinterbliebenen dann gefasster, natürlich auch sehr traurig, aber vielleicht anders?
Aber schon morgen werde ich den ersten Schritt tun ins Leben, ich gehe zu einer Pastorin im Nachbardorf, denn die hat mir angeboten mit mir über diese Trauer zu sprechen. Ich war sehr überrascht, denn ich bin eigentlich nicht kirchlich erzogen wurden, aber ich habe ihr Angebot dankend angenommen. Hast Du das auch gemacht? Warst Du auch mal in so einer Trauergruppe, wo Menschen sind, denen es auch so geht?
Ich denke schon dass es mir helfen wird.
Viele liebe Grüße
 
darauf kann man sich nicht "vorbereiten"...

Ich war "jahrelang vorbereitet" -- hab eines meiner Kinder nur paar Jahre bei mir haben dürfen. Sozusagen das ganze kurze Kinderleben als "wissende" Mama immer gewußt,was unvermeidlich kommt.
(Es gibt beschissene unfaire Krankheiten --die NICHT selbstverursacht/selbstbeschleunigt sind)

Nein...gar nichts ist "einfacher".
Nein---auch nach sehr vielen Jahren ist der Schmerz nicht "weg".

naja...ob ich tobe,wüte,kämpfe...theatralisch bin,verzweifelt nur noch in einer Zimmerecke liegen will...ob ich mich selbst hinterherstürzen möchte--- der Schmerz wird NICHT geringer .

Der Schmerz verzieht sich auch nicht im Rausch.
Dann gehts es mir noch kotzübler.
Entweder will man (sich) aufgeben --oder...man will das nicht.

Das waren meine Gedanken.

Am "Stoff",an (legal erhältlichen) Medikamenten um mir den Grips taub zu schießen,mich paar Jahre ins Koma zu dopen,hätte es nicht gemangelt. Die Versuchung war immer neben mir und grinste mich fies an. Und---DIESE Variante hätte auch paar "Mitbürgern" sehr gepaßt.:mad:
Und--in meiner Familie gibts nicht nur den Opa,der sich totsoff.

Viele Leute um mich waren sehr "substanzliebend"... (Medikamentenmißbrauch --eine "Entschuldigung" gab es immer).

Es geht nicht um STARKSEIN,es geht nicht um "Heldentum" --ein Häufchen Elend ist JEDER in diesen Lebenskatastrophen.

Wenn man sich gehen lassen will,findet man immer einen Grund,
HAT MAN IMMER EINEN GRUND.

Sich nicht aufzugeben...da kann man niemandem einen Vorwurf machen,wenn man den Grund nicht sieht,nicht sehen will im Leid.

Mir war zeitweise ALLES egal.
Aber...als ich die Diagnose erfuhr ,hab ich mir gewünscht,daß ich nie in die Knie gezwungen werde und mich aufgebe.

Die Freiheit, nie den eigenen ÜBERLEBENSWILLEN zu verlieren,
blieb mir erhalten. Bis jetzt jedenfalls.

Das war ich meinem Kind schuldig..das sich nicht für's Weiterleben entscheiden konnte.
...und---meinen anderen Kindern!!! (Macht Eure Augen auf!)

*****************************************

Ich wünsche Euch,daß Ihr genug Wut entwickeln könnt --auf unfaire
Schicksalsschläge.

Ich wünsche Euch,daß Ihr die Selbstachtung wiederfindet und
Euch nicht auch EURE Lebenszeit klauen laßt.

Oder..daß Ihr jemanden findet,der Euch gepflegt zurück ins Leben tritt... der Euer Schamgefühl munterruft ..Euch lehrt,den Schmerz auszuhalten . Man schafft es. auch,wenn man nie ein Held ist...

Aus Achtung vor Euren Lieben... und aus Achtung vor dem Leben ansich.

Irgendwie geht es doch um das Prinzip... läßt man es mit sich machen..?!

tröstende Umarmung dem,der es möchte und lieber Gruß

Micky
 
Hallo, Ihl Lieben,
Hallo, Micky,
nachdem ich Deinen Beitrag gelesen hatte, war mir klar, dass es genau die Antwort war, die ich eigentlich auch erwartet hatte. Es stimmt auf solch ein schreckliches Ereignis kann man sich nicht "vorbereiten". Erst recht nicht, wenn es um das eigene Kind geht, denn ich glaub das ist für Eltern immer das allerschlimmste.
Aber es stimmt auch, man darf sich nicht selbst aufgeben, schon gar nicht, wenn man noch Kinder hat.
Du hast mir Mut gemacht und heute blicke ich schon ganz anders in die Welt als noch vor einer Woche z.Bsp.
Ich wünsche auch allen, die so etwas durchmachen viel Mut.
Ich weiß, der Schmerz wird nie irgendwie richtig vergehen, denn ich habe nach dem ganz plötzlichen Tod meiner Mutter, die ich sehr geliebt und geachtet habe, fast 15 Jahre lang getrauert. Immer wenn ich auf sie zu sprechen kam, kamen bei mir auch die Tränen. Erst nach so langer Zeit hat sich das beruhigt, jetzt kann ich über sie reden und auch manchmal lustige Erlebnisse beschreiben.

Euch allen, alles liebe und gute und viele Grüße.
 

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