Hallo Tati!
Ich bin auch noch relativ jung, aber eben längst erwachsen... so kommt es, dass alle Welt von mir erwartet den Tod meines Vaters (ist genau 1 Jahr her) einfach prompt so wegzustecken. Alle sagen einem so schlaue Sätze wie "Aber guck mal, wenn jemand sein Kind verliert, DAS ist doch viiiiieeeeel schlimmer!" Und mich hat das echt so verletzt...was für ein Unsinn! Mein Dad war für mich das was Dir Deine Mama bedeutet hat: Mein bester Freund, nächster Vertrauter, außerdem mein einziger Halt im Leben, derjenige der mich immer geliebt, gebraucht und unterstützt hat... mit ihm habe ich alles verloren. Zudem war er so ein toller, besonderer und liebenswerter Mensch. Ich konnte so gut mit ihm über wirklich jedes Thema reden und diskutieren, er hat mich geistig gefordert und hatte immer Rat... außerdem war er so lustig und an so vielem interessiert - es hat einfach große Freude gemacht mit ihm zusammen zu sein. Und er war eben mein zuhause. Mir kommen jetzt schon wieder die Tränen wenn ich daran denke.... Er fehlt mir so sehr. Ich kann es gar nicht in Worte fassen...
Auch mein Vater ist so plötzlich und viel zu früh gegangen. Von einer Sekunde zur anderen war er einfach weg. Ohne Vorwarnung. Ich hab auch noch immer das Gefühl, dass es ein schlechter Alptraum sein müsste aus dem ich nur aufwachen will. Und ich glaube schon, dass man mit einem späteren Tod leichter seinen Frieden machen könnte - wenn man sieht, dass jemand alt ist, gebrechlich, sein Leben gelebt hat... bei meiner Oma z.B. war es bei aller Traurigkeit eben auch eine Erlösung für sie gehen zu dürfen. Es war ok so - sie hatte ein langes Leben und alles erlebt. Meinem Vater und Deiner Mutter wurde dagegen ein ganzer Teil des Lebens vorenthalten... und uns beiden Kindern damit eben auch! Mein Vater wird nie erleben wie ich heirate, niemals Großvater sein... meine Kinder werden keinen Großvater haben. Na klar ist das ein Unterschied zu jemandem der seine Eltern erst verliert wenn er selbst schon 50 oder so ist. Damit möchte ich keine Wertung aufstellen oder sagen dass eines "schlimmer" als das andere ist!!! Es ist nur anders... Ich glaube auch, dass man selbst als Kind des Verstorbenen etwas fester im eigenen Leben stehend, also älter, besser mit der Trauer umgehen könnte... also wenn man selbst schon Mann und Kinder hat z.B... älter und erfahrener ist. Klar wäre es auch dann immer sehr hart und schlimm die eigenen Eltern zu verlieren! Aber wenn man eben noch jünger ist, wie wir, dann fehlt einem eben ein ganzer Lebensabschnitt mit diesem Elternteil und vielleicht brauchte man eben auch einfach noch mehr den Rückhalt und den Rat der Mutter oder des Vaters als jemand der schon älter ist... wie gesagt, ich möchte nicht werten, Trauer ist alles andere als ein dummer Wettbewerb! Aber ich verstehe Dich in Deinem Verlassenheitsgefühl und dem Gefühl der Ungerechtigkeit, dass Du Deine Mama so früh verlieren musstest sehr gut, Tati.
Fühl Dich gedrückt und alles Liebe!