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Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht krank

AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Zufriedenheit entsteht, wenn man sich nichts vorzuwerfen braucht.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Mir geht es ganz genauso.
Ich hab ein Fach mit sehr geringem Einkommen studiert und mir mit 18 keinen Kopf gemacht, was später wird. Mir ging es um Selbstverwirklichung. Jetzt Jahre später weiß ich dass es ein Fehler war, aber ich kann es mir finanziell nicht leisten noch einmal alles umzuwerfen.

Noch bitterer ist es wenn du weißt, was dich als Alternative glücklich machen würde.
Bei mir wäre das Medizin. Hab etliche Praktika in Krankenhäusern gemacht. Ich hatte sogar schon die Zusage. Du weißt, dass es dich glücklicher machen würde, aber gleichzeitig ist dir klar, dass es nicht geht.

Viele denen es so geht, versuchen dann das Problem auf andere Weise zu kompensieren. Sie werden Mutter/Vater kriegen 3 Kinder und versuchen das zu kompensieren. Frei nach dem Motto: Wenn ich nicht im Job durchstarte, dann will ich wenigstens beweisen, dass ich eine gute Mutter sein kann.
Per se wird das aber nichts bringen, da die Kinder irgendwann aus dem Haus sind und man mit 60 auf der Couch sitzt und sich fragt warum man dieses oder jenes nicht anders gemacht hat.

Da ich das weiß, nehme ich vom Kinder kriegen eher Abstand.
 
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Ich suche irgendwie mich selbst.

Wenn du gar nicht weißt was die Alternative wäre, liegt die Sache natürlich anders.
Auf der anderen Seite ist das Gras ja immer grüner. Das merken auch viele, die ne Weltreise machen und am Ende gar nicht so glücklich sind, weil sie nicht wussten was sie gesucht haben.

Vielleicht liegt der Hase auch woanders im Pfeffer und dir gehts psychisch nicht gut.
 
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Weil ich mir jeden Tag Vorwürfe mache. Ich hatte nie den "Traumberuf" schlechthin, bei mir lief auch in der Schulzeit nicht alles nach "Plan". Falsche Arbeitgeber, keine Perspektive, kein Vorankommen, auch Selbständigkeit hatte ich versucht, leider aufgrund des Preiskampfes ebenfalls ohne Erfolg. Kommt man dann noch mit Leuten zusammen bei denen scheinbar alles wie am Schnürchen läuft, kann man wirklich verzweifeln.

Vor allem aber ist es die ungewisse Zukunft, ich habe die Mitte 30 überschritten und manchmal das Gefühl ich stehe wieder völlig am Anfang. Ein plagendes Gefühl, als sei der Zug einfach abgefahren.

Kann ich gut nachvollziehen. Geht mir ganz ähnlich, auch mit dem Bekanntenkreis. Auf das Statusdenken und den oberflächlichen Schrott pfeife ich allerdings schon lange, was aber insbesondere in der Provinz öfter nicht besonders einfach ist.

Das Problem ist wirklich, dass irgendwann alle Züge abgefahren sind. Und dann steht man trotz Berufserfahrung und Abschlüssen öfter wieder komplett am Anfang. Es gibt ja trotz aller Reden über den angeblichen Bedarf an "älteren ArbeitnehmerInnen" (ich fühle mich mit Ü30 wirklich noch nicht sonderlich alt) und dem "lebenslangen Lernen" eigentlich keine wirkliche Unterstützung von Ämtern oder gar Arbeitgebern. Und wenn Quereinsteiger gesucht werden, dann verlangen sie trotzdem oft genau die Abschlüsse, die ArbeitnehmerInnen in diesem Bereich normalerweise haben.

Wenn man selbst gar nicht wirklich weiß, ob dieses oder jenes nun wirklich die richtige Wahl wäre, wird es noch schwieriger. Und warum sollte mensch eigentlich sein Leben mit der immer gleichen Tätigkeit verschwenden? Ich könnte mir momentan einen komplett anderen Bereich vorstellen als meine jetzige "Profession", die eher prekär geprägt und auch nicht wirklich meine Welt ist. Nach Gehaltstabelle wollte ich zwar auch nie studieren, aber es hätte auch Fächer gegeben, die mir deutlich mehr entsprochen hätten.

Von den Schwierigkeiten der Vergangenheit, die andere sich oft nicht einmal wirklich vorstellen können, ganz abgesehen. Denn warum habe ich das damals weiter studiert, obwohl ich schon wechseln wollte? Weil ich dort eigentlich zum ersten Mal in meinem Leben auf Menschen traf, die meine Interessen teilten, freundlich und hilfsbereit waren. Ja, unter diesen Umständen glaube ich schon lange, dass diese Arbeitswelt nur krank machen kann. Dazu gibt es ja auch Dutzende Studien. Und schon Marx hat von der Entfremdung geschrieben, was sich insbesondere durch die stetige Zunahme an Spezialisierung enorm verstärkt hat. Der Mensch ist vielseitiger als eine Maschine, die stetig die gleichen Aufgaben und Tätigkeiten erledigt. Und wenn man durchschnittlich 40 Stunden die Woche mit Lohnarbeit verbringt, sollte das ja auch einigermaßen den eigenen Interessen entsprechen. Bei 20 Stunden könnte ich mir auch eine Tätigkeit vorstellen, die mir weniger liegt. Manchmal denke ich aber auch, ob nicht einfach ein Beruf etwa als Straßenbahnfahrer (da sucht man öfter auch Quereinsteiger) nicht eine Option wäre. Klar, da hätte ich mir alles möglich sparen können. Andererseits ist der Job einigermaßen sicher und gut entlohnt. Vor allem hat man seine Ruhe und muss sich nicht mit allerlei Blödsinn herumschlagen. Ich glaube, das kann auch ganz vorteilhaft sein, denn seine restliche Zeit verbringt man dann eben mit Dingen, die einen wirklich interessieren - anstatt noch abends E-Mails zu checken oder sich auf irgendwelche überflüssigen Meetings vorzubereiten.
 
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Ohne mir nun alle Seiten durchgelesen zu haben.
Mein Rat, hör auf dich nach andern zu messen. Es gibt immer ein der irgendwo besser sein wird.

1. Du versuchst dich nach deinen Vater zu richten
2. Amboss oder Hammer? Beides braucht man um etwas zu erschaffen und hey wer hat wohl mehr Gewicht wenn man ihn auf den Fuß bekommt 😉🙄
3. Selbstzweifel sind ein Ansporn etwas zu verändern. Mess dich nicht an andere und was sie für Autos oder was auch immer haben.
4. Mach dir mal bewusst was du bisher gutes getan hast, schreibe dir auf ein großes Blatt Papier oder Tapete, A. Was hast du gutes getan, B. Was hast du bisher gelernt und gemacht und C. Welche Menschen hast du kennen gelernt über die du dich freust und was sie mit dir gemacht haben.
Das hängst du dir mal an eine Wand und schaust da immer mal drauf.
5. Du bist Antriebslos weil du nicht weißt was du wirklich willst und weil du nicht weißt was du willst, glaubst du, du kannst nichts richtig und nichts gut. Hör auf damit.
6. Du kannst dir einen Therapeuten suchen oder du machst was Ehrenamtliches, etwas wo du nicht an deine Leistungen gemessen wirst, sondern einfach nur Dank erhälst für das was du den Menschen die weniger haben oder können, von dir bekommen. Sei für andere da!
7. Stell dir vor wie es wäre wenn du nicht das hättest was du nun hättest. Was wäre wenn morgen nichts mehr stehen würde, wenn du nicht das essen könntest was du möchtest, keine warme Heizung hättest, kein Strom, kein Augenlicht, kein gar nichts mehr, weil es entweder nicht mehr existiert oder du krank wärst. Also hör auf zu jammern und denke an die, die es nicht haben - geh in ein Krankenhaus und schau dir da mal das Ehlend an, die haben ganz anderes Sorgen als "den richtigen Beruf". Die sind froh wenn sie überhaupt noch mal die Vögel zwitschern hören können. Also mach was draus!
Und zu guter Letzt, stell dir die Arbeit wie etwas vor, das du der Gesellschaft zurück geben wirst. Es muss dir nicht super gefallen und du musst dich nicht klasse mit allen verstehen, doch du gibst deinen Leuten etwas zurück, genauso wie der Müllmann der deine Reste abtransportiert, so wie der Arzt der in deinem Ort sitzt und so wie der Pfleger da ist und viele Stunden für wenig Geld ableistet. Also betrachte einfach immer beide Seiten.
 
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Ich suche irgendwie mich selbst. (...)

Mein Anliegen war einfach ein paar Ratschläge zu finden ob und wie man (auch ohne den "Erfolg") zu einem zufriedeneren Leben finden kann. Ich weiß dass es mein Vater gerne gesehen hätte wenn ich auch Karriere gemacht hätte, auf der andern Seite eiferte ich immer den Erfolgsmenschen in der Familie nach, ohne zu hinterfragen was für mich eigentlich machbar oder das Richtige ist. Dann war ich immer sehr anfällig bei den "Machern", speziell diejenigen sehr Extrovertierten, die scheinbar jeden Tag das Rad neu erfinden. Das fiel mir insbesondere bei gesellschaftlichen Anlässen sehr schwer und ich hätte oftmals in mich zusammensinken können.
Man findet sich nicht selbst, indem man anderen nacheifert und deren Ansprüche zu erfüllen versucht. Viel eher denke ich, dass das unglücklich macht.

Das ist das Kranke an unserer (westlichen Leistungs-) Gesellschaft, dass es nicht mehr um den Menschen, sondern um seine Leistungsfähigkeit geht. Dass das Fühlen nur noch über den beruflichen Werdegang erfolgt. Also ob man sich "als jemand" fühlt oder als Versager, weil die soziale Zugehörigkeit und die Anerkennung davon (und nur davon) abhängen.

Wie sieht es denn mit eigener (gegründeter) Familie aus, dem Partner, Freunden..? Ich denke, wenn einem vermittelt wird, dass man sein darf, weil man ist (und wie man ist), dann würde dieses Versagerdenken weitgehend (bzw. ganz) in den Hintergrund treten. Vielleicht muss es auch "Klick" machen, auf was es im Leben ankommt. Erfahrungen sammeln, ein reeller Mensch zu sein, das mit anderen teilen können... (?). Zumindest kann man ein Haus, ein Boot und ein Luxusauto nicht "mit rübernehmen". Was für einen Sinn hat sowas also im Endeffekt? Richtig: keinen.

Ich muss wohl davon wegkommen dass der einzig erstrebenswerte Weg im Leben Karriere und daraus erschaffener Materialismus sind?
Ja. 😉
 
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@ Harag, du hast wesentliche Dinge richtig erkannt: Ich bin antrieblos (aufgrund Misserfolg und der Suche nach dem "unbekannten Besseren") Ich eifere jedem nach der Erfolg hat bzw. malträtiere mich damit "du musst auch... um jeden Preis".

Es ist dann manchmal ein Auf-und ab, hierzu dein letzter Abschnitt: natürlich ist mir bewusst, dass manche Menschen Probleme haben, wogegen meines Jammern auf hohem Niveau ist. Manchmal gelingt es mir dann auch tatsächlich durch Schicksale anderer sagen zu können: eigentlich geht es dir doch ganz gut.

@ Pinguin, auch du greifst wesentliche Punkte auf, die eigentlich meiner Denkweise entsprechen.

Manchmal könnte ich diese Leistungsgesellschaft verfluchen, dieses permamente Höher, schneller, weiter. Ich vermisse oft die einfachen und schönen Dinge, wofür manche offenbar überhaupt keinen Kopf mehr haben, Hauptsache nach Feierabend weiter erreichbar sein und jeden Monat noch mehr leisten.

Ich habe mich sogar schonmal gefragt ob ich in diese Gesellschaft richtig hineinpasse. Wahrscheinlich bin ich auch charakterlich einfach nicht der Typ für irgendwelche höheren Positionen. Da ich aber zeitlebens um mich herum immer damit konfrontiert wurde, hat sich im Kopf manifestiert: "du bist nicht genug, es wird höchste Zeit dass..., der Erfolg muss her, sonst wirst du nicht glücklich....

Ein aktuelles Beispiel: ich schäme mich auf ein bevorstehendes Treffen mit alten Schulkameraden zu gehen weil ich Angst habe, dass ich als einziger mit einem älteren Kleinwagen daherkomme und sehe schon die ganzen Daimler der anderen. Was könnten die dann von mir denken? Traurig aber wahr, ich fühle mich damit selbst absolut nicht wohl. Vor dem was dann im Verlauf des Abends gesprochen wird graust es mir auch schon. Wahrscheinlich wehen mir dann wieder diverse Abschlüsse um die Ohren, bis die Frage kommt "und was machst du so?". Ach, nur ein bisschen Bürokram...

Erst an Ostern musste ich wieder Geschichten über mich ergehen lassen wie toll mein Cousin und Cousine doch sind, beide teilweise im Ausland studiert, der Vater Abteilungsleiter einer renommierten Firma. Könnt ihr euch vorstellen dass mir die Lust vergeht da überhaupt noch hinzugehen?
 
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Manchmal könnte ich diese Leistungsgesellschaft verfluchen, dieses permamente Höher, schneller, weiter. Ich vermisse oft die einfachen und schönen Dinge, wofür manche offenbar überhaupt keinen Kopf mehr haben, Hauptsache nach Feierabend weiter erreichbar sein und jeden Monat noch mehr leisten.

Die Leistungsgesellschaft ist nicht das Problem. Das Problem ist , dass Du da unbedingt oben mitschwimmen willst, obwohl es weniger auch täte.

Ich habe mich sogar schonmal gefragt ob ich in diese Gesellschaft richtig hineinpasse. Wahrscheinlich bin ich auch charakterlich einfach nicht der Typ für irgendwelche höheren Positionen. Da ich aber zeitlebens um mich herum immer damit konfrontiert wurde, hat sich im Kopf manifestiert: "du bist nicht genug, es wird höchste Zeit dass..., der Erfolg muss her, sonst wirst du nicht glücklich....

Dann lass Dich halt nicht immer unter Druck setzen. Suche Dir Deinen eigenen Weg, mit dem DU zufrieden bist.

Ein aktuelles Beispiel: ich schäme mich auf ein bevorstehendes Treffen mit alten Schulkameraden zu gehen weil ich Angst habe, dass ich als einziger mit einem älteren Kleinwagen daherkomme und sehe schon die ganzen Daimler der anderen. Was könnten die dann von mir denken? Traurig aber wahr, ich fühle mich damit selbst absolut nicht wohl. Vor dem was dann im Verlauf des Abends gesprochen wird graust es mir auch schon. Wahrscheinlich wehen mir dann wieder diverse Abschlüsse um die Ohren, bis die Frage kommt "und was machst du so?". Ach, nur ein bisschen Bürokram...

Dann gehe nicht hin, wenn es Dir jetzt schon davor graust. Oder stehe zu Deinem Job. Den Bürokram muss auch jemand erledigen. Das ist nichts ehrenrühriges wofür man sich schämen müsste.
 
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Ich weiß halt nicht wohin es führt wenn ich anfange überall fern zu bleiben, aus Angst ich könnte innerlich wieder zusammenbrechen oder irgendjemand könnte wieder was sagen das mich triggert.

Eigentlich merke ich jetzt schon dass ich irgendwie ein Sonderling werde. Meistens schlecht gelaunt, antriebslos und resigniert - eben mit den Gedanken ich akzeptiere mich selbst nicht, und schon gar nicht was ich ereicht habe, immer mit der "Einsicht" dass sowieso alles zu spät ist und der Wunschzustand nie mehr erreicht werden kann.

Meine Partnerin bekommt das auch schon zu spüren 🙁
 
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Ja, dann stehe halt zu dem was Du tust und was Du bist.

Nicht jeder ist für den Chefsessel geboren und nicht jeder will das auch.

Man muss zufrieden sein. Das ist das wichtigste.

Du versaust Dir sonst das ganze Leben.
 

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