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Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht krank

AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Hallo Anonym und Andreas,

vielen Dank für den Zuspruch.

Ich würde sogar nichtmal sagen dass ich nichts "Gescheites" gelernt hätte, ich habe eben eine kaufmännische Ausbildung und (weil ich es mir selbst noch beweisen wollte) ein Abendstudium zum Betriebswirt drangehängt - neben dem Beruf. Das liegt jetzt aber auch schon wieder Jahre zurück und gebracht hat es mir nichts, weil ich einfach nicht den richtigen Arbeitgeber gefunden hatte, oder es eben (weil nicht wirklich akademisch) nicht anerkannt wird.

Auch in der Selbständigkeit hatte ich mich versucht, natürlich immer auf Anraten des Vaters (Hammer oder Amboss).
Hat aber auch nicht geklappt. Hatte den Konkurrenzdruck bzw. Preiskampf einfach unterschätzt.

Ene Neuorientierung steht (mal wieder) an, und ich habe das Gefühl dass alles bisherige irgendwie für die Katz war. Ein Freund von mir hat einfach nur die Ausbildung beim Daimler gemacht und verdient das Doppelte, hat ständig (Kaffee)-Überstunden, muss sich keinen rausreißen, im April Thailand, im Sommer Panama, im Herbst USA....

Es ist einfach dieser Drang auch in einer Schiene zu fahren in der man zufrieden sein kann. Dieser Druck was "Besseres" zu sein, resultiert wahrscheinlich aus dem Mangelbedürfnis heraus und weil es andere mehr oder weniger vorleben.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Was machst Du derzeit und was würde Erfolg für Dich bedeuten?
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Was machst Du derzeit und was würde Erfolg für Dich bedeuten?

Derzeit regle ich den kaufmännischen Ablauf in einem kleinen Betrieb, der aufgrund einer Insolvenzsache jetzt auch in Schwierigkeiten steckt. Im Grunde bin ich nichts weiter als Sachbearbeiter.

Was würde Erfolg für mich bedeuten, gute Frage.

Nach den "Ansprüchen" die mein Umfeld an mich stellt müsste ich sagen aus der "Masse" herausstechen, überdurchschnittlich verdienen, diverse Connections, diverse Freiheiten, immer oben auf, immer irgendwie "mit dabei". Ich hoffe ihr versteht was damit gemeint ist. So wie die Typen die immer in den Spielshows auftreten. Neben dem Job noch dies und das, 2 Ehrenämter, schickes Haus, 2 perfekte Kinder, alles was angepackt wird gelingt usw... klar ob das immer alles stimmt ist eine andere Frage.

Wenn ich in mich selbst gehe, hinterfrage ich andererseits ob es im Leben nur darum gehen sollte aus materieller Sicht so erfolgreich wie möglich zu sein.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Und mit was wärst Du zufrieden?

Ich meine , dass eine Arbeit, mit der man sein Auskommen hat , ohne größere finanzielle Sorgen und die Spaß macht auch etwas ist, was man nicht unterschätzen sollte.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Und mit was wärst Du zufrieden?

Ich meine , dass eine Arbeit, mit der man sein Auskommen hat , ohne größere finanzielle Sorgen und die Spaß macht auch etwas ist, was man nicht unterschätzen sollte.


Ich suche irgendwie mich selbst. Ich will auf der einen Seite "jemand sein", auf der anderen Seite denke ich mir manchmal was für ein Spießrutenlauf die Arbeitswelt doch irgendwie ist, bis auf diejenigen die halt ihr Herzblut entdeckt haben.

Das meinte ich auch mit dem ewigen "jagen" - was einen mit den Jahren irgendwann ausbrennen lässt, weil man Erfolg eben nicht erzwingen kann. Natürlich mündet das manchmal ins Jammertal "warum bin ich nicht, warum habe ich nicht, warum ist es bei mir so und bei anderen so gelaufen"

Das ist natürlich auf Dauer auch keine Alternative.

Mein Anliegen war einfach ein paar Ratschläge zu finden ob und wie man (auch ohne den "Erfolg") zu einem zufriedeneren Leben finden kann. Ich weiß dass es mein Vater gerne gesehen hätte wenn ich auch Karriere gemacht hätte, auf der andern Seite eiferte ich immer den Erfolgsmenschen in der Familie nach, ohne zu hinterfragen was für mich eigentlich machbar oder das Richtige ist. Dann war ich immer sehr anfällig bei den "Machern", speziell diejenigen sehr Extrovertierten, die scheinbar jeden Tag das Rad neu erfinden. Das fiel mir insbesondere bei gesellschaftlichen Anlässen sehr schwer und ich hätte oftmals in mich zusammensinken können.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Vielleicht solltest Du mal rausfinden , was DU eigentlich willst.

In unserem Fall , meinem Mann und meinem ist es so, dass wir gerne die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit und Reisen haben.

Das bedeutet, so viel zu verdienen , um genügend für das alles zu haben und noch etwas auf Reserve sparen zu können, aber nicht zu ackern , bis man tot umfällt um noch mehr zu haben.

Für mich bedeutet eine gute Arbeitsstelle zu haben, wenn ich eigenverantwortlich arbeiten kann und mir nicht viel reingequatscht wird und ich es mir selber einteilen kann.

Das haben wir und dann sind wir zufrieden.

Man kann immer mehr haben wollen und sich ständig mit anderen vergleichen. Nur wird man damit nicht glücklich.

Irgendjemand hat immer mehr von irgendwas. Die Frage ist ja , welchen Preis derjenige dafür bezahlt. Denn alles hat seinen Preis.

Und jede Medaille hat 2 Seiten. Wenn man sich aber ständig mit den anderen vergleicht und dabei immer nur die glänzende Seite der Medaille der anderen betrachtet, wird man sehr, sehr unglücklich werden.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Und jede Medaille hat 2 Seiten. Wenn man sich aber ständig mit den anderen vergleicht und dabei immer nur die glänzende Seite der Medaille der anderen betrachtet, wird man sehr, sehr unglücklich werden.

Da bin ich scheinbar mittendrin 🙁

Es war wirklich schon so, dass egal wo und mit wem ich zusammen war, ich immer schon versucht habe zu hinterfragen WIE macht er das und WAS macht er genau. Weil ich im Anderen immer nur den Erfolgreichen gesehen habe, und natürlich aus dem Zwangsgefühl heraus, endlich auch zu meinem "Recht" (sprich Erfolg) kommen zu müssen. Oft hatte ich auch schon Angst dass solche Themen wieder angesprochen werde und ich innerlich einknicke.

Der Sprich des Vaters lastete dabei eben auch immer auf meinen Schultern. Quasi wenn du nichts Eigenes erschaffen hast und damit (unabhängig von anderen) über die Zielspur kommst, "reicht" es nicht.

Im Grunde genommen wünsche ich es mir genauso wie du kasiopaja, heisst keine finanziellen Nöte und trotzdem mal hier und da in den Urlaub können. Wobei es wahrscheinlich darauf hinausläuft dass ich irgendwann ein kleines Haus erben werde, also eine gewisse Absicherung da ist. Ich fürchte aber selbst dann wäre immer noch das Gefühl vorhanden selbst nichts erreicht zu haben.

Ich muss wohl davon wegkommen dass der einzig erstrebenswerte Weg im Leben Karriere und daraus erschaffener Materialismus sind?
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Unglaublich erfolgreich sein im Beruf geht oft zulasten einer anderen Lebensqualität. Nur sieht man das nicht, wenn man nur dem Erfolg nacheifert.

Entweder hat man zu wenig Zeit für die Freizeit und die Familie, wobei da nicht selten auch die Familien daran zerbrechen oder es geht zulasten der Gesundheit oder der Freundschaften oder, oder.

Es ist nicht immer Gold, was glänzt.

Im übrigen muss man, wenn so erfolgreich sein will auch unglaublich viele Dinge tun, auf die man null Bock hat. Ich kenne Vorstände, die müssen sich auf tausend Veranstaltungen sehen lassen, weil es sich so gehört, obwohl sie in der wenigen Freizeit, die sie haben, viel lieber mit ihren guten Bekannten und Freunde im Biergarten ein Bier trinken würden.

Die gehen auf unglaublich viele Geschäftsessen mit feinstem Essen, dabei wäre ihnen eine Grillwurst mit ihrer Familie oder ihren Freunden viel lieber.

Sie müssen sich mit Leuten unterhalten und diplomatisch und freundlich sein, die sie nicht abkönnen.

Sie haben wenig Zeit für Menschen, die sie schon ewig kennen und bei denen sie sicher sein können, dass diese nicht nur wegen ihrer Stellung freundlich zu ihnen sind.

Usw. usw.

Ich würde das nicht wollen.

Gut die wollen das so und haben sich dafür entschieden. Aber es ist halt nicht alles immer nur toll.

Alles hat zwei Seiten.

Man muss wissen, was man will.
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Das ist vermutlich das, was ich nie sehe.

Ich weiß nur eines: dass ich eigentlich eher authentisch sein möchte und dieses diplomatische und oberflächlichen Gedöns in diversen Kreisen eigentlich nicht mein Ding ist. Auch hätte ich keine Lust ständig die von dir genannten Verpflichtungen zu haben. Der Onkel meiner Freundin ist auch so ein Beispiel, Abteilungsleiter bei einer Bekannten Herstellerfirma, mit ihm kann man sich aber nur über Mauritius und seine Projekte unterhalten, ausserdem hört er sich gerne selbst reden.

Aber was soll ich sagen, neulich hatte ich Pech mit meinem Auto, bei dem eine größere Reparatur anstand.
"Freund" Daimler entgegnete, warum ich mir denn kein "vernünftiges" Auto holen würde, was bei ihm halt beim Daimler anfängt. Sicherlich könnte ich mit Hängen und würgen auch solch ein Statussymbol finanzieren, aber anhand davon wird ja offensichtlich schon geurteilt was ich bin oder wie es finanziell um mich steht.

Wenn wir ehrlich sind, ist es doch sowas wie eine gesellschaftliche Norm, dass man im Laufe des Lebens studiert, erfolgreich im Beruf ist, und nach und nach die "perfekte Familie und das perfekte Umfeld" aufbaut.
Das ist mir aus eigener Kraft nicht gelungen und wird mir wahrscheinlich auch nie gelingen.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Warum bekommst Du nicht für Dich heraus, was für Dich wichtig ist.

Wer sich immer nach der Norm streckt ist ziemlich unfrei.

Und wenn der Onkel mich gefragt hätte , warum ich mir nicht mal ein vernünftiges Auto kaufen könnte, hätte ich ihm erwidert, dass das ein vernünftiges Auto ist oder ob er schon mal ein unvernünftiges gesehen hätte.

Ich hatte auch jahrelang einen kleinen, kostengünstigen Hyundai Atos, der noch nicht mal elektrische Fensterheber hatte. Aber er sah ulkig aus und mir gefiel er. Sowas hatte nicht jeder. Und er erfüllte seinen Zweck.

Am Anfang haben alle drüber gelacht, weil er so ulkig aussah, als ihn dann abgegeben habe und es erzählte, hatten sie sich so an die ungewöhnliche Form gewöhnt, dass sie meinten, es sei sehr schade, dieses kleine, niedliche Auto herzugeben und ein ganz gewöhnliches Auto würde gar nicht zu mir passen.

Man muss sein Ding manchmal einfach durchziehen und dahinter stehen, dann gewöhnen sich die anderen schon daran und es wird normal. Und wenn es normal ist , dass man unnormal ist.
 

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