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Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht krank

Flo12

Aktives Mitglied
Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht krank

Hallo,

ich schreibe hier weil es mir gerade mal wieder so richtig schlecht geht.

Kennt jemand das Gefühl zeitlebens irgendwie die A-Karte gezogen zu haben, bzw. ein ewiger Suchender zu sein?
Oder das Gefühl bei allen anderen würde es besser laufen, und man selbst hat stets das "Falsche" gemacht?

Lohnt es sich dem beruflichen Erfolg ewig hinterherzujagen oder zu versuchen ihn zu "erzwingen"?

Ich habe verschiedene Stationen im Leben gehabt, keine hat mich dazu geführt.

Stattdessen mache ich mich immer mehr kaputt, indem ich mich selbst verurteile: warum oder wie sind andere dazugekommen, ich bin nichts wert, ich habe versagt...

Mein Vater sagte immer zu mir: willst du Hammer oder Amboss sein...
Er selbst schaffte es aus den berühmten "einfacheren" Verhältnissen nach oben - ich kann es ihm leider nicht nachmachen.

Dazu hinterfrage ich auch immer: wo und wie entsteht Zufriedenheit, kann es wirklich immer nur um die Karriere gehen.... lohnt es sich schlaflose Nächte durchzumachen immer wegen dem Gefühl der "Unzulänglichkeit"
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Die Frage lässt sich natürlich nur individuell beantworten. Manche Menschen gehen in ihrem Beruf richtig auf und dementsprechend hat der Beruf natürlich einen hohen Stellenwert für diese Menschen. Für andere ist es nur Mittel zum Zweck, um sich das Leben zu finanzieren. Für mich liegt es irgendwo in der Mitte - ich mag meinen Beruf, arbeite im Großen und Ganzen gerne und habe bestimmte berufliche Ziele, die ich noch erreichen möchte. Aber alles ist der Job nicht.

Und du musst prinzipiell gar nichts. Weder dem Erfolg hinterherjagen, noch ihn erzwingen oder sonstwas. Du kannst auch damit zufrieden sein, einfach "gut" in deinem Beruf zu sein. Du musst kein beruflicher Überflieger sein und nicht alles in deinen Job stecken.

Was ist denn für dich Zufriedenheit? Bist du unzufrieden, weil dein Vater und andere beruflich erfolgreicher zu sein scheinen und du deshalb das Gefühl hast, auch unbedingt erfolgreich sein zu müssen?
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Was ist denn für dich Zufriedenheit? Bist du unzufrieden, weil dein Vater und andere beruflich erfolgreicher zu sein scheinen und du deshalb das Gefühl hast, auch unbedingt erfolgreich sein zu müssen?

Ich glaube das ist der Knackpunkt, ja. Vor allem weil mir eben wenig bis nichts gelungen ist. Das Problem ist dass ich mich selber damit kaputtmache.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Wie kommst Du auf schlaflose Nächte?

Alles Gute


Weil ich mir jeden Tag Vorwürfe mache. Ich hatte nie den "Traumberuf" schlechthin, bei mir lief auch in der Schulzeit nicht alles nach "Plan". Falsche Arbeitgeber, keine Perspektive, kein Vorankommen, auch Selbständigkeit hatte ich versucht, leider aufgrund des Preiskampfes ebenfalls ohne Erfolg. Kommt man dann noch mit Leuten zusammen bei denen scheinbar alles wie am Schnürchen läuft, kann man wirklich verzweifeln.

Vor allem aber ist es die ungewisse Zukunft, ich habe die Mitte 30 überschritten und manchmal das Gefühl ich stehe wieder völlig am Anfang. Ein plagendes Gefühl, als sei der Zug einfach abgefahren.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Hallo Flo,

die Leute, die ihren Wert (nur) über materiellen Erfolg (dieser ist ja hier gemeint!) definieren, denken beschränkt. Nach meiner Erfahrung kompensieren die damit ein Minderwertigkeitsgefühl. ZB, dass sie keine wirklich guten Menschen sind und keine wirklich sinnvollen vernünftigen Werte haben und leben. Nur immer "Mein Haus, mein Boot ...". Das kann's doch nicht sein!

Wer halbwegs daran interessiert ist, ein guter Mensch zu sein, der hat sich im Grunde nichts vorzuwerfen. Und andere ihm erst Recht nicht!

Den Spruch Deines Vaters finde ich übrigens oberdoof. Vielleicht befindest Du Dich (teilweise) auch in einem falschen Umfeld. Allerdings ist diese auf materiellen Erfolg beschränkte Denke ziemlich weit verbreitet. Leute, die nur mit ihrem Erfolg prahlen, sind in meinen Augen ziemlich armselig. Und wenn die andere mit ihrer Denke auch noch runtermachen (natürlich, um besser dazustehen!), würde ich die in diesem Punkte auch als schlechte Menschen betrachten.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Die Frage ist ja , was man unter Erfolg versteht.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Hallo Jusehr,

wahrscheinlich ist es das Gefühl "in der Luft zu hängen" während andere "sattelfest" sind, und speziell wenn man dann mit Leuten zusammenkommt die wieder eine Stufe in der "Karriereleiter" gemacht haben, fühlt man sich wirklich wie der letzte Dreck. Natürlich wird einem heute ja auch überall eingebleut was man sein muss und was man haben muss (siehe mein Haus, mein Daimler usw..)

Kann auch sein dass ich im falschem Umfeld bin. Mein Vater prahlt halt immer damit dass er es von 1 Mark zum Erfolgsmensch geschafft hat, bzw. immer dieses "jeder kann es doch schaffen mit Ehrgeiz und Schweiß....mein Onkel war ebenfalls erfolgreich, nur ich bin halt das schwarze Schaf der Familie, dass seinen Weg nicht gefunden hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Hallo Jusehr,

wahrscheinlich ist es das Gefühl "in der Luft zu hängen" während andere "sattelfest" sind, und speziell wenn man dann mit Leuten zusammenkommt die wieder eine Stufe in der "Karriereleiter" gemacht haben, fühlt man sich wirklich wie der letzte Dreck. Natürlich wird einem heute ja auch überall eingebleut was man sein muss und was man haben muss (siehe mein Haus, mein Daimler usw..)

Kann auch sein dass ich im falschem Umfeld bin. Mein Vater prahlt halt immer damit dass er es von 1 Mark zum Erfolgsmensch geschafft hat, bzw. immer dieses "jeder kann es doch schaffen mit Ehrgeiz und Schweiß....mein Onkel war ebenfalls erfolgreich, nur ich bin halt das schwarze Schaf der Familie, dass seinen Weg nicht gefunden hat.


Was ist denn dein Anspruch, was willst du noch erreichen? Dein Haus, dein Daimler?
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Meine Großeltern haben mir auch immer erzählt sie ihr Haus Stein für Stein mühsam aus dem nichts aufgebaut haben ...

Gerade in unserem Alter lieber TE (Mitte Ende 30) kommt bei vielen die erste Zwischenbilanz. Da haben die ersten richtig Karrierie gemacht, Familie, Kinder und man selber eben nicht. Traumberuf? Hat den irgendjemand hier?

Wie Jusehr aber zurecht sagt, die Denke "Mein Haus, mein Boot ..." sollte aber nicht dein Glück bestimmen. Manch einer würde alles Geld gegen Famile oder Gesundheit eintauschen. Ein anderer Stellt am Lebensende erst fest, dass er eigentlich nie glücklich war weil er immer nur dem Geld nachgejagt ist.

Das wichtige ist, dass du nichts bereuen musst und deswegen würde ich jedem empfehlen sich im Leben Mühe zu geben. Selbst wenn man nicht die großen Ziele erreicht, kann man sagen "ich habe es versucht". Damit meine ich nicht alles für seinen Beruf zu opfern aber eben am Ende nicht sagen zu müssen "Hätte ich doch besser gelernt und damals mir mehr Mühe gegeben". Scheitern kann jeder. Das ist kein Grund zum unglücklich sein. Was wirklich frustet ist aber nicht das Scheitern, sondern das Gefühl daran bewusst Schuld zu sein.
 
AW: Lohnt es sich dem "Erfolg" ein Leben lang hinterherzujagen? Berufswelt macht kran

Wo stehst du denn beruflich momentan? Und wo genau würdest du gerne hin?

Mein Vater prahlt halt immer damit dass er es von 1 Mark zum Erfolgsmensch geschafft hat, bzw. immer dieses "jeder kann es doch schaffen mit Ehrgeiz und Schweiß....

Das sehe ich nicht so. Klar, Ehrgeiz und Motivation gehören dazu, wenn man etwas erreichen möchte. Aber eine gute Portion Glück gehört (leider?) auch dazu.

Ich bin erst mit 30 an die Uni, habe mich danach selbstständig gemacht, mir teils die flalschen Geschäftspartner ausgesucht und bin dann erstmal pleite gegangen und hatte Schulden - das war ein Schlag ins Gesicht. Es hat Jahre gedauert, bis ich mich davon wieder erholt und die Kurve doch noch irgendwie gekriegt hatte. Und ich arbeite in einem Nischenbereich, in dem ich gut bin und in dem ich gerne arbeite, und trotzdem hat es sehr, sehr lange Zeit nicht geklappt. Und selbst jetzt ist mein Haus, mein Daimler nicht Teil des Progamms. Dass ich beruflich in großen Teilen "versagt" habe (zumindest wenn man Versagen daran misst, dass man direkt die Karriereleiter bis zum Daimler-Haus-Level aufsteigt, was ich vermutlich in meinem Leben nicht mehr werde), heißt aber nicht, dass ich persönlich versagt habe. Und ganz genau das ist meiner Meinung nach der Knackpunkt.

Du hast verschiedenes versucht und nicht alles hat geklappt. Daran bist du aber nicht schuld und dafür solltest du dich nicht fertigmachen.
 

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