Der Termin beim Neurologen war vor zwei Wochen. Es war ein netter Arzt, der sich die Probleme meiner Tochter in Ruhe anhörte. Ich hatte den Eindruck, dass er ihr unbedingt helfen wollte und nicht gleich alles auf die psychische Schiene schob. Es wurde bei dem Termin ein EEG gemacht, nach dessen Auswertung alles auf eine milde Form von Epilepsie (Absencen) hindeutete. Meine Tochter reagierte sofort rebellisch. Sie sagte, dass sie die Probleme aber doch nur bei niedrigem Blutdruck habe und es daher mit dem Kreislauf zusammenhängen müsse.
Der Arzt zeigte sich daraufhin schon etwas verärgert und wies darauf hin, dass meine Tochter wegen dieser Diagnose auch erst einmal keinen Führerschein machen dürfe. Sie wollte wissen, wann das denn möglich sei. Schließlich wollte sie das bald angehen. Der Arzt sagte, dass sie erst nach einem Jahr Anfallsfreiheit fahren dürfe. Er verschrieb ein Medikament und klärte noch über die möglichen Nebenwirkungen auf.
Als wir aus der Praxis raus waren, fing meine Tochter an zu toben. Sie lasse sich nicht ihr Leben kaputt machen wegen einer Erkrankung, die sie nicht habe. Ich versuchte sie zu beruhigen und sie davon zu überzeugen das Medikament zu nehmen. Sie sagte zu, das Rezept in der Apotheke einzulösen.
Hallo Mareike,
ich kann absolut nachvollziehen, dass bei euch zur Zeit der Haussegen schief steht.
Auch, dass du dir große Sorgen um deine Tochter machst.
Deine Tochter ist eine sehr junge Frau, gerade volljährig geworden.
Wahrscheinlich hatte sie Träume, wie sie durch den Führerschein Freiheit und Selbstständigkeit erfahren könnte.
Dieser schöne Traum wurde nun von einer Sekunde zur nächsten erstmal zunichte gemacht.
Das ist ein unglaublicher Schock für deine Tochter, dieser hätte die meisten anderen Erwachsenen auch erschüttert.
Schließlich ist da jetzt erstmal diese Ungewissheit für sie.
Wie es weitergehen wird mit ihrer Erkrankung.
Es gibt aber auch gute Nachrichten: wenn sie ein Jahr ohne Absencen war, wird meistens die Erlaubnis erteilt, dass man den Führerschein doch noch machen darf.
Dafür muss sie sich aber regelmäßig untersuchen lassen, damit es dokumentiert wird.
Ich würde ihr jetzt erstmal genügend Zeit lassen, um die ganzen Neuigkeiten sacken zu lassen.
Bestimmt spricht sie auch mit ihrem Freund darüber und vielleicht sogar mit dessen Eltern und anderen Leuten.
Wenn sich die Situation entspannt hat, dann könnt ihr nochmals miteinander in Ruhe reden und die weiteren Schritte gemeinsam überlegen.
Natürlich kann sie sich auch eine Zweitmeinung einholen.
Schadet nie!
Gewöhnlich sollte ein Neurologe fähig sein, ein EEG richtig zu interpretieren, er hat schließlich täglich damit zu tun.
Aber wenn es deiner Tochter Sicherheit gibt, dann ist eine Zweitmeinung unabdingbar.
Ihr bekommt das hin, wenn die Wogen geglättet sind lässt es sich besser reden. 🍀