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Kann man denn eigentlich wirklich jeden Menschen helfen ?

und was Leidarien angeht wie: bestraft für ein ganzes Leben...da singe ich nicht mit...da mache ich nicht mit...so viel Macht würde ich niemals einem Täter überlassen...ums verrecken nicht!
Und wer einem Opfer ein zu trichtern versucht dass ein erlebtes Trauma so schlimm war dass der das REcht hat für immer am Boden sitzen zu bleiben den würde ich gerne direkt und unverblümt in den Hintern treten.

Was das Alleinsein angeht....jedem steht es frei sein Leid zu teilen..sich einen guten Partner zu suchen, der Verständnis zeigt...wer wird dazu gedrängt zu funktionieren, sich in die Mutterrolle drängen zu lassen oder in eine Partnerschaft in der man einen Partner hat der nie zuhört?

Interessant finde ich das viele immer so sehr das rückwärts die Vergangenheit betonen......eine ehemalige Chancenlosigkeit bedeutet doch noch lange nicht ewige Chancenlosigkeit...es sei denn man überträgt die Vergangenheit (das Gefühl der Ohnmacht etc.) ständig ins Hier und Jetzt und die Zukunft...

Das ist ja super Tyra, dass Du einen Liebsten hast, der Dir zuhört!

Leidarie, ist gut gesagt!
Ich habe ebenfalls mein ganzes Leben, (seit ich 14 war) hart gerabeitet! Härter als andere, dass kannst Du glauben!
Ich habe die Ernährerrolle übernommen, für einen Mann und 2 Kinder.
Ich habe mit der vielen, auch körperlich schweren, Arbeit meine Vergangenheit versucht zu kompensieren. Das hat bis Mai letzten Jahres auch wunderbar funktioniert! Bis ich zusammenbrach, weil der Druck immer mehr arbeiten zu müssen, immer größer wurde!
Du stellst Dich hin und sagst, jeder ist quasi selbst Schuld, wenn er es nicht schafft klar zu kommen...
Ich kämpfe nun seit über einem Jahr ganz hart für und um mein Leben! Ich musste aber eben erkennen, dass niemand dir wirklich Hilfe geben kann, ausser Du selbst und genau das ist es doch was Du hier doch die ganze Zeit so laut von Dir gibst!
Weißt den einen erwischt das Unglück mehr, den anderen weniger.
Ich bin jemand den es mehr erwischt...
4 Jahre sex. Missbrauch während dessen Prügel von Mitschülern, hänselein immer nieder gemacht wo es nur ging (alles zur gleichen Zeit) dann bekam ich einen Hund, durch diesen wurde die Missbrauchssituation beendet, da ich nur noch mit dem unterwegs war, dieser Hund wurde von den Russen beim spazieren gehen vor meinen Augen getötet, qualvoll...
Und ich habe diesen toten Hund in meine Jacke gewickelt und ihn zu dem Russenlager getragen. Ich bin in das Sperrgebiet eingedrungen und habe den Hund vor dem Tor nieder gelegt. Dann bin ich ein Stück zurück und habe auf die Kugel gewartet, doch sie kam nicht...
Das war das erste Glück, was ich in meinem Leben bis dahin hatte!
Das zweite Glück sind meine Kinder, denn ohne die hätte ich den Kampf letztes Jahr nicht auf genommen! Nur die beiden haben mir die Kraft verliehen!
Und mein Elternhaus konnte ich mir leider auch nicht aussuchen, denn da waren auch nur Alkoholiker und Analphabeten. Meine Schulischen Leistungen waren schlecht, aber nicht weil ich zu dumm war, nein weil ich mir überlegen musste wie ich nach Hause komme ohne verprügelt oder vergewaltigt zu werden!

So nun bin ich selber Schuld, das ich immer wieder diese Phasen habe, in denen alles hoch kommt und ich nicht fähig bin eine normale Beziehung zu einem Mann zu hegen.
 
wie sieht es JETZT aus Apy..was tust du derzeit um deine Lage zu verbessern? Oder geht es dir mittlerweile besser?

Und mit Verlaub die Frage: das mit dem Hund und dessen Leiche vor dem Lager ab zu legen war ja eine recht selbstmörderische Aktion bei der du großes Glück hattest das überlebt zu haben, oder?
Warum das geliebte Tier nicht fernab der Russen privat begraben?
Und wieso konntest du nicht vorher ohne Hund unterwegs sein? Den Punkt verstehe ich nicht so ganz....

Wieso alleinige Ernährerrolle und ständige Überbelastung? War oder ist dein Mann krank, behindert oder faul?
Ich habe auch mit Arbeit kompensiert..aber nicht nur..mit Arbeit meinte ich auch verarbeitungsarbeit..sich nen Partner oder Freunde suchen mit denen man über alles reden kann und damit inneren Stress abbauen zum Beispiel...Ablenkung allein ist ja oft nicht gut...und ständige Überbelastung führt in den Zusammenbruch..ich neige auch dazu oft an meine Grenze zu gehen und muss da immer aufpassen...dazu habe ich einige Freunde und auch meinen Partner engagiert...die helfen mir da ein wenig bei. Ich habe auch drauf geachtet für mich und nicht nur für andere (z.B einen Mann oder so) zu arbeiten...weil ich meine Belastungsgrenze kannte und mich damit überfordert hätte..es reichte mir zunächst mich selbst ernähren zu können...und bei meinen Partnern habe ich Gleichgesinnte die ebenfalls wert darauf legten sich selbst ernähren zu können geachtet...Bei mir hat das teilweise gut funktioniert. ich habe mich einer frühen Verheiratung entzogen...Anträge und Gelegenheiten waren da, aber ich wollte nicht...
Ich wusste damals genau dass ich nach den negativen Vorerlebnissen mit meinem Vater (der hat zwar "nur" geschlagen, aber das reichte an sich schon) auch keine normale Beziehung zu einem Mann oder eine stressfreie Ehe hätte führen können...daher habe ich mich rangetastet an die Sache...langsam und immer mutiger werdend.....Und bis dahin und nebenher hatte ich andere Pläne...habe einige Jahre Party gemacht (natürlich nebenbei gearbeitet etc.), ausprobiert das Leben zu genießen und musste mich erstmal vom Traumaschock erholen und erst mal gucken und überlegen was ich wirklich will....und gewartet bis ich einem guten Partner begegnet bin....hat lange gedauert, aber sich gelohnt geduldig zu sein. Kinderwunsch hatte ich nie...wollte mich lieber meiner Literatur, Arbeit, Forschung etc widmen....das sind sozusagen meine Kinderchen..welche die recht brav und unkompliziert sind. Natürlich nicht so kuschelig..aber das ich nicht der Kuscheltyp bin dürfte man ja bereits mitbekommen haben.

Stimmt niemand kann wirklich Hilfe geben..aber an sich kann man sich ja selbst helfen, oder? Inwiefern könntest du dir derzeit helfen um deine Lage ein bissel zu verbessern?
Anderen Mann? Paarberatung? Traumatherapie?

Oder geht es dir mittlerweile besser...nach einer Traumatherapie oder ähnlichem und du kommst nun gut zurecht und fühlst dich wohl in deiner Mutterrolle und Rolle als Ehefrau? Ich meine mit zwei Kindern hast du ja bereits auch sehr viel geleistet und kannst stolz darauf sein, oder? Was ist mit deinen Kindern? Als liebevolle Mutter werden sie dir ja auch viel Liebe geben können die so einiges an vergangenem Leid wett machen, oder?

Ich habe übrigens nirgendwo geschrieben dass jeder selbst schuld daran ist wenn er nicht klar kommt, sondern lediglich dass jeder mit verantwortlich ist für sein Schicksal...du hattest sehr großes Glück damals nicht wegen der Hundesache hopp gegangen zu sein..ich hoffe du weisst das zu würdigen und ehrst jeden neuen Tag der dir zur Verfügung steht und nutzt deine Lebenszeit um das Beste für dich draus zu machen.

Ich drücke dir die Daumen!
Tyra

was ist mit deinem Mann?...hast du den auf deine Bedürfnisse ein wenig einstellen können? Was leistet er zur Partnerschaft? Und wie ist der so drauf?

Und das es dir auch heute noch immer wieder schlecht geht daran ist logischerweise vor allem und hauptsächlich der damalige Täter schuld ..ich hoffe du hast ihn angezeigt? Das wird ja dann auch ein klein wenig Leid geglättet haben dürfen, oder? Für Gerechtigkeit muss man ja um seines Seelenheils wegen sorgen....leider oft auch mal wieder hauptsächlich alleine...aber mithilfe von Leuten die einen dabei unterstützen können. Für meine Gerechtigkeit habe ich gesorgt und Ausgleich erhalten...wie sieht es bei dir aus?
Gab es Gelegenheit dazu?
 
Zuletzt bearbeitet:
„Wer interessieren will, muß provozieren.“


( Salvador Dali, surrealistischer Maler, Schriftsteller, Bildhauer, Bühnenbildner und Schauspieler )



Wohl wahr.
 
nicht verstehen wollen oder nicht können?

@ Darkside : genau so ist es--reiner Fakt--
manche können nicht wollen ,
manche wollen nicht können -aus Angst vor der ungewohnten Situation, aus Mutlosigkeit... tausend verschiedene Gründe.

Und auch das Verbleibenwollem im Leidenszustand ist eine "Wunde",
ist eine fatale Folge der Gewalt.
Etc. ... die Diskussion darüber mögen Psychologen und Psychiater führen. Finde solch akademisches Erörtern auch irritierend - für Opfer völlig runterziehend,oder?

@Tyra : Ich nehm Dir nicht ab,daß Du mich nicht verstanden hast.

Das "Glück oder Pech" ist nicht in erster Linie der "spätere Lebensverlauf" .

Kann ja sein,ich unterliege da einem Irrtum,aber der Knackpunkt ist NICHT das später "taffe" Verhalten ,der Wille,an sich zu arbeiten etc.
Deine Darstellung kommt bei mir so an,als wären die,die es NICHT hinbekommen "keine klugen selbstbewußten Ladies " und so weiter.

Und um "im Leid sitzen bleiben wollen "geht es schon gar nicht.
Da klingen böse Zwischentöne...

Selbst als nicht "noch immer betroffenes Opfer" fällt mir das Lesen Deiner Zeilen sehr schwer---es bringt Beklemmung.

Wie mag es noch im Bewältigen steckenden Opfern gehen ?
(Und Verärgerung---weil --DU KÖNNTEST korrekt nachdenken über z.B. die Hinweise und Gedanken von Sori. Bei mir kommt es nicht so an,als würdest Du es aufrichtig,ehrlich,ernsthaft tun. Nicht immer jedenfalls.)

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Also--ich versuchs nochmal,vielleicht hilft der Gedanke ja jungen Opfern oder hinsehenden Angehörigen :

Das Glück und der Unterschied besteht im BEGINN ,oder sogar VOR DEM BEGINN der Gewalt!

Ein junges Opfer,das noch keine Chance oder Gelegenheit oder Fähigkeit hatte, GENERELL über sich,über andere Menschen nachzudenken, das weder Geschichten hörte (die bilden die Wertevorstellungen) ,

das noch nicht lesen kann,das vielleicht Einzelkind ist...das überrumpelt wird von schlimmen Ereignissen etc.--
ein solches Opfer hat "alle Schleusen offen" ,

konnte weder ein Muster im Kopf bilden ("das ist schlecht"),noch hat es Reflexionstechniken intus.

Die Gewalt trifft mit aller Härte voll in die Kinderseele.

Es wird verdrängt,sich gespalten, abgeschottet...im Nachhinein eine Reaktion versucht.
Alles passiert DANACH.

Für diese Opfer gibt es dummerweise nicht den "inneren Schutzwall",der wurde mit der ersten "Aktion" für lange,immer verhindert.

Alles ,was kommt ,ist Re-Aktion .Lebenslang oft.
Nur wenige erstarren nicht innerlich-- vielleicht bist Du so eine Ausnahme.
Ich weiß nicht,wann bei Dir das bewußte "Erkennen","Werten" begann.
Schön,wenn Du so fein alles hinbekommst ...

NORMALERWEISE haben aber frühtraumatisierte Kinder die Möglichkeit nicht . Ursache ist einfach die REIHENFOLGE.

Wer aber sehr zeitig die Umwelt erkennt,wer schon als sehr junges Kleinkind "Stimmungen erfaßt", merkt,wann Situationen "komisch" sind --und sich bewußt ist,daß er die Situation als KOMISCH empfindet,selbst,wenn alle drumrum es nicht zu bemerken scheinen...der hat das Glück,sich wappnen zu können.

Bei dem wird nie Gewalt "ungeschützt in die Seele treffen".

Es ist eine Art "geimpft sein".

Du siehst das in einer Kinderkrippe---welche Kinder reagieren auch auf Körpersprache ,welche Kinder erkennen sofort die "verlogenen Bussi-bussi-Tanten" .

Es gibt Kinder,die sind mit 1 Jahr schon pfiffig--- KEIN VERDIENST,TYRA! - die haben ein funktionierendes Frühwarnsystem.
Im Babyalter sind Menschen wie kleine Hundewelpen--- Du erkennst sofort die mit dem "guten Instinkt".

Und das ist weder taff noch mutig noch intelligent noch eine Leistung---
die Gabe des "Umweltkritischsehens " ist GLÜCK!

Irgendein Gen aus Vorzeiten. Der siebte Sinn.

Und dieses Glück läßt solche Kinder immun sein gegen TIEFE FOLGEN von Gewalt! Solche Kinder zittern nie ,wenn ein Erwachsener brüllt--die weinen vielleicht..aber die haben in ihrem Blick

"Ich weiß,daß Du Dich falsch verhältst" .

Das sind die Kinder,die es KÖNNTEN--sich selbst rausziehen,sich wehren...

Aber der Großteil begreift erst Jahre später!
Der Großteil kann erst viel später im Worte fassen,was die "Glücklichen " schon WISSEN,bevor sie SPRECHEN KÖNNEN.

Frag Dich doch mal,warum so viele hochintelligente (!),lebenserfahrene Leute (siehe im HR hier!) oft erst nach JAHREN
bemerken--da ist was komisch,da WAR vielleicht was..und auf einmal kommen KINDERJAHRE voller Grauen ins Bewußtsein ?

Ihr Körper hat eben so reagiert....im NACHHINEIN die Schotten dichtgemacht--hinsichtlich der Faktenerfassung,der Erinnerung,des "Bewußtwerdens",des ERKENNENS der WAHRHEIT ---nicht hinsichtlich der VERLETZUNGEN.

Die sind ungehindert in die Seele geknallt.

Weil der Maßstab für "gut und schlecht und peinlich und anzüglich" in Kleinkindern leider nicht vorhanden ist. Nur bei den wenigen.

Und daran ist NICHT eine innere Einstellung schuld oder Doofheit oder Charakterschwäche.
Sondern nur die subjektive Verfassung.

Wegen einer Psychologenallergie 😉 (meine "Eltern" banden selbige in ihre Gewalt mit ein ) kann ich nicht mit "fundiertem Wissen" dienen -
trage vielleicht Eulen nach Athen.

Es sind vielleicht anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse ?

Aber: auf Deine langen Abhandlungen nun mein Versuch --
auf mich trifft das jedenfalls zu--und das ist der gravierendste Unterschied innerhalb meines "Beispielfalles--Geschwister und ich"--> nachweisbar und überprüft hab ich schon als Baby im Körbchen (bis wann paßt man da rein?) krasse Situationen bei uns zu Hause erfaßt und als "völlig übergriffig" in mir abgespeichert.

Und meine Mutter war GESCHOCKT,als ich ihr 15 Jahre später mal diese Ereignisse schilderte-- bis hin zum Muster der Gardinen und ihrer Frisur ...und dem,was sie so tat,um mich "ruhig zu stellen".

Und im Unterschied zu meinen Geschwistern hab ich schon mit 2Jahren beim in die Ecke-gestellt-werden nicht brav "Ja,ich schäme mich" geantwortet--sondern - auch Stunden später 😎 gesagt:nein,ich weiß nicht,wie "schämen" geht.
Etwas kam mir "komisch" vor und ich habe NICHT gekuscht.
WAHRHEITSFANATIKER. Nicht "kleiner Held" ,nicht ach so taff.
Ich konnte nicht anders .Es hätte sich unrichtig angefühlt.

Und-- sag mir nicht,sowas sei "Verdienst" und eigene Mühe blablum--- es ist angeborener Schutzreflex..was weiß ich.

Daß man später "verarbeiten wollen" muß,daß man viel steuern kann durch den Willen,okay--aber-- Du unterschätzt ganz gewaltig den "Grundschutz",den Du anscheinend eben auch in die Wiege gelegt bekamst.

Du verwechselst m.E. die Anlage mit dem "Wollen".

Ich finde etliche Deiner Darlegungen völlig "schief" ,und wenn sie noch so hochwissenschaftlich untermalt werden.

Jemand außer mir verstanden,was ich mir so rausgewurstelt hab?
😱😱😱

Gut Nacht!

Micky
 
Zuletzt bearbeitet:
wie sieht es JETZT aus Apy..was tust du derzeit um deine Lage zu verbessern? Oder geht es dir mittlerweile besser?
Ich kämpfe jeden Tag auf`s Neue! Ich fahre Rad manchmal am Tag 95 km, ich betätige mich mit Farben künstlerisch und ich kümmere mich um meine Kids!

Und mit Verlaub die Frage: das mit dem Hund und dessen Leiche vor dem Lager ab zu legen war ja eine recht selbstmörderische Aktion bei der du großes Glück hattest das überlebt zu haben, oder?
Warum das geliebte Tier nicht fernab der Russen privat begraben?
Und wieso konntest du nicht vorher ohne Hund unterwegs sein? Den Punkt verstehe ich nicht so ganz....
Natürlich war dies eine selbstmörderische Aktion, sie sollte ja auch so ausgehen! Den Punkt kann man nur verstehen wenn man es erlebt hat, denke ich! Mein Täter war unser Nachbar und immer wenn ich ins oder aus dem Haus wollte fing er mich ab, aber nicht nur, es gab auch andere Gelegenheiten für ihn, naja ist auch egal, ist vorbei... Als ich den Hund hatte musste ich "nur noch" Heil nach Hause kommen, dann war ja mein Hund für mich da! Mit ihm konnte ich dann das Haus verlassen oder auf die Toilette gehen usw. Alles zu erklären würde hier alles sprengen...
Durch diesen Hund habe ich ein Jahr Leben geschenkt bekommen! Ich war damals 14 als es passierte... Die Russen haben ihren abgerichteten Hund auf meinen gehetzt und der hat meinen regelrecht zerfleischt... Ich stand da stocksteif und wie eingefroren... Danach durfte ich mir ihr lachen reinziehen und den Spruch "Zivilhund scheiße" Meine Familie weiß bis heute nicht wie der Hund starb, das trage ich noch immer mit mir rum... Wenn ich es damals erzählt hätte, dann wäre die Stasi dagewesen... Ich konnte es icht erzählen... Niemand der dies nicht erlebt hat kann sich vorstellen was dieses Erleben heißt und ich finde es tot traurig, dass sich Leute wie Du hinstellen und sagen naja bist selbst dafür "Verantwortlich" oder nein, Du sagst Mitverantwortlich. Ich bin nicht mitverantwortlich für alles was mir passiert ist! Ich bin nicht dafür verantwortlich das ich als 3 jährige zusehen musste wie mein Bruder im Kindergarten in einen Sack gesteckt und rausgetragen wurde, ich bin nicht dafür verantwortlich, dass ich von der Erzieherin im Kindergarten geschlagen wurde, für nichts! Nein Ich lasse mir von niemandem eine Mitschuld einreden!!! Ich bin in Therapie und selbst meine Therapeutin sagt mir , das sowas wie mit dem Hund nicht therapiert werden kann... Überlege bitte in Zukunft erst einmal wie Du Dich hier weiter äußerst!

Wieso alleinige Ernährerrolle und ständige Überbelastung? War oder ist dein Mann krank, behindert oder faul?
Mein Mann ist krank, in seinem Beruf kann er nicht mehr arbeiten und was anderes hat er nie gefunden

sich nen Partner oder Freunde suchen mit denen man über alles reden kann und damit inneren Stress abbauen zum Beispiel...
Mach das mal wenn Du mit niemanden reden kannst, weil Du niemandem vertrauen kannst! Ich konnte nicht mal meiner Therapeutin vertrauen! Mitlerweile schätze ich sie sehr, aber ich vertraue ihr deshalb trotzdem nicht voll! Ich kann das nicht! Ich habe auch meinem Mann nich vertraut!


Stimmt niemand kann wirklich Hilfe geben..aber an sich kann man sich ja selbst helfen, oder? Inwiefern könntest du dir derzeit helfen um deine Lage ein bissel zu verbessern?
Anderen Mann? Paarberatung? Traumatherapie?
Was schreibe ich eigentlich hier die ganze Zeit? Natürlich helfe ich mir selbst! Meine Lage verbessern? Das ich nicht lache, ich ackere schon ein ganzes Jahr daran meine Lage zu verbessern! Meinen Mann hab ich vor die Tür gesetzt, meine Arbeit aufgegeben, umgezogen, zur Kur war ich, soll ich weiter machen???
Meine therapeutin kommt mit Vorschlägen, die gut sind, wirklich gut! Allerdings nicht zu mir passen! Vorher habe ich gelesen, andere in eine Leben pressen... genau das Gefühl hab ich im Moment...
Ich verarbeite alle in meinen "Leidarien" wie Du es nennst!
Für mich ist es harte Realität und ich setze mich mit diesen Gedichten mit dem ganzen "Schrott" auseinander. Das ist meine Verbesserung meiner Lage!



Und das es dir auch heute noch immer wieder schlecht geht daran ist logischerweise vor allem und hauptsächlich der damalige Täter schuld ..ich hoffe du hast ihn angezeigt? Das wird ja dann auch ein klein wenig Leid geglättet haben dürfen, oder? Für Gerechtigkeit muss man ja um seines Seelenheils wegen sorgen....leider oft auch mal wieder hauptsächlich alleine...aber mithilfe von Leuten die einen dabei unterstützen können. Für meine Gerechtigkeit habe ich gesorgt und Ausgleich erhalten...wie sieht es bei dir aus?
Gab es Gelegenheit dazu?
Schuld ist nicht der Täter von damals, nein, die Täter! Es gab nicht nur einen! Denn jede Tat die mir widerfahren ist hat seinen Täter, sei es die Kindergärtnerin, oder der Mitschüler, oder der Nachbar oder die Russen oder, oder, oder
Angezeigt habe ich den Nachbarn nach 25 Jahren, also letztes Jahr und was hat es mir gebracht? Das einizge positive war die Erleichterung nach der Aussage, in der ich das erste mal überhaupt alles erzählt habe. Welche Leute, die da unterstützen??? Alle reden von Hilfen in Form von Unterstützung! Aber wo ist sie??? Ich habe keine gefunden! Der weisse Ring? Ha das ich nicht lache, da kam nichts! Wildwaser? Kam auch nichts weiter, ausser die Aussage ist alles verjährt... Dabei wußten die noch nicht einmal welche Gesetze zu dieser Zeit galten... Man muss alles allein machen und nur wenn Du stark bist, dann schaffst Du es und nur weil ich so verdammt stark bin, gehe ich meinen Weg weiter!
Gerechtigkeit? Ausgeich? Da kann ich nicht mitreden, denn ich muss um jedes kleine Stück in meinem Leben sehr hart kämpfen und ich glaube wenn Du an meiner Stelle wärst, dann würdest Du auch anders reden! Denn niemand kann sich vorstellen wie es ist ständig unter einem inneren Zwang zu stehen Leistung zu bringen! Oder mit 10 Jahren zu Hause alles zu machen was an Behördensachen anliegt, sich gleichzeitig einen Kopf zu machen wie man dem Missbrauch entkommt, sich ebenfalls gleichzeitig überlegen muss wie man aus dem Angriffsbereich der Mitschüler kommt...
Ich finde das dies wirkliches "Überlebenstrainig" war und das ich dies verdammt gut gemeistert habe, auch wenn es ncht immer geklappt hat mich zu entziehen! Nach dem Tod meines Hundes bin ich von zu Hause weg, mit 14 und von da an hab ich meine Lehre gemacht und hart gearbeitet! Trotzdem hörte meine "Pechsträhne" nicht auf...
Das Resultat immer mehr Arbeit immer öfter krank und Ärzte die nicht erkannten das ich Psy. Hilfe brauchte. Bis ich letztes Jahr eben an meinen jetzigen Hausarzt geriet... Ihm danke ich dafür unendlich!!! Wäre er nicht gewesen, dann wäre ich heute nicht mehr!
 
Alleinige Opfer der Gesellschaft gibt es nicht, die Gesellschaft ist nicht schuld daran wenn einige täter ihre Nudel nicht unter Kontrolle halten können und gegen die Regeln und Gesetze verstossen.)...

Das sieht die Gesellschaft anders. Der Gedanke, dass es die Aufgabe des Staates ist, seine Bürger vor Gewalt zu schützen, ist Grundlage des Opferentschädigungsgesetzes. Er zahlt den Leuten einen Ausgleich für den Schaden, den er nicht verhindert hat. Das Geld holt er sich dann, wenn möglich, beim Täter zurück.


Tuesday
 
es waren zwei Welten

@ Apy :

Ja- in Deiner Lage trifft ein Vor-Schlag noch empfindlicher.

Boah...das sind Erinnerungen,die holen Geräusche hoch-- das Gewehrknattern (Hat wieder einer versucht,abzuhauen ) -die Jungs waren glaub ich 16 -für drei Jahre "im Bruderland"- wenn Du deren Gewalt/Aktionen zu spüren bekamst, half Dir NIEMAND.
Denen war alles egal---und "offiziell" gab es keine Konflikte mit den "Freunden" .

Uns haben zwei dieser dann sicher brutal abgestraften Jungs (16 !)
den vollbeladenen nagelneuen Trabbi zerschrotet ---weil sie ohne Fahrschule ("Was ist das Zeichen für Hauptstraße in der DDR ?" ) durch Halle fahren mußten -- drei Kleinkinder,meine hochschwangere Mutter und der Fahrer --zum Glück nur leichtere Verletzungen-- wir hatten am NÄCHSTEN TAG ein neues Auto---das sagt alles.
"Zu niemandem ein Wort".
Die standen heulend vor meinem Vater --und er hat dann zu den Volkspolizisten gesagt,daß WIR schuld gewesen wären.
Die hatten KRIEGSRECHT --bis 1985 bestimmt---
da konnte man nicht auf "geistig normale" Leute hoffen.

Deine Darlegungen lassen anklingen,wie BRUTAL die Zeit war.
Da sind Fragen nach "Warum hast Du nicht..." so derartig ABSURD!

Hm...auch deshalb hab ich keine Strafanzeige gg.meinen "Vater" gemacht---SED,Schöffe... auch Mädels kamen fix in den Jugendwerkhof nach Torgau. Einmal falsch geguckt..."aufsässig".
(Hey...es verjährt nicht...vielleicht zeig ich den "jetzt Greis" doch noch an)

Da waren die Experimente mit was weiß ich für Psychopharmaka
extrem harmlos - in der "Kinderklinik".
Was hatte ich für ein Riesenschwein!

"Mir wird immer furchtbar seltsam...alles schwankt.."---und die Chemielehrein in der Krankenhausschule setzte durch,daß ich nix mehr nehmen mußte.
Es gab Sachen,die kann man in DIESEM STAAT gar keinem erklären.

Es gab keine "Gesetze"--oder höchstens auf dem Papier---und OHNE BEGRÜNDUNG konnte das Papier für nullundnichtig erklärt werden.
"Gegen Gesetze" haben die Täter ja oft nicht mal verstoßen---DAS ist ja das Verrückte gewesen.
Schlimmer als die schlimmste Phantasie.
Und die, die "normale Bürger" waren und NICHTS von sowas mitbekamen,schwören noch heute jeden Eid,daß das ein bürgerfreundlicher Staat war. *lufthol*

Apy--- richtig "verstehen" kann ich Deine Situation garantiert auch nicht--- aber ich ahne das Ausmaß.
"Der rote Ochse" war immer in den geflüsterten unter vier Augen Gesprächen. WEN hättest Du um Hilfe bitten sollen?

Und weiß um so mehr die heutigen Gesetze und Möglichkeiten zu schätzen. Immerhin DARF man heute " HILFE!!! " rufen.

Wünsche Dir,daß Du nicht zusammenbrichst--daß Du Menschen findest,zu denen Vertrauen möglich wird... daß Du nicht jede Nacht Alpträume hast...daß Du nicht innerlich zerbröselst sondern
es weiter versuchst...für Deine Kinder.

Und daß Dir niemand HEUTE NOCH auf der Seele rumtrampelt.

🙁🙁🙁 Umarmung? Es tut mir so leid ...



Micky
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

zunächst mal, mir hat mal jemand gesagt, dass der Missbrauch als Kind oder auch eine Vergewaltigung, schwere Traumata eben, keine Verletzung der Seele sind, sondern eher wie das Abtrennen eines Arms oder Beins. Viel schwerwiegender also als "nur" eine Verletzung. Und sie sollte auch so behandelt werden.

Wer ein Bein verliert, kann ohne Zweifel später trotzdem einen Marathon laufen, aber er wird immer in einer Sonderklasse laufen. Nicht weil er ein "Krüppel" ist, sondern weil seine Startvoraussetzungen völlig unterschiedlich sind. Es wäre ihm gegenüber nicht fair ihn gegen jemand laufen zu lassen, der nicht mit den gleichen Einschränkungen kämpfen musste wie er.


Dann möchte ich sagen, dass mich viele Beiträge in diesem Thread traurig machen. Ich stelle mir vor, ich wäre ein Betroffener, würde in diesem Forum Rat suchen und diesen Thread als erstes aus Neugierde öffnen. Was bekomme ich denn hier zu lesen? Dass mir nicht zu helfen ist und daran bin ich selbst schuld, weil ich ja zu schwach bin. Es gibt eben Gewinner und Verlierer.

Toll!

An der Stelle würde ich doch das Forum zumachen und mich wieder in meinem Schneckenhaus verkriechen.


Ich kenne sehr viele Schwersttraumatisierte. Und ich bin es auch selbst.
Ich habe meine Kindheit in Isolation verbracht. Meine Geschwister und ich durften keinen Kontakt zu Außenstehenden haben. Um mal auf den Einstiegsbeitrag zu kommen. Unser Erzeuger war ein gefühlskalter Machtmensch und unsere Mutter psychisch krank. Sie lebte im Wahn und wir Kinder waren ihre Feinde.

Einige der angeblich "Unrettbaren", die ich so kenne, haben verantwortungsvolle Jobs; da muss ich wohl einige Leute hier schwer enttäuschen. Darunter sind Ärzte, Erzieher, Altenpfleger, die Marketingchefin eines namhaften Bankhauses, eine Kinder-Psychologin, etc. Einige leben in stabilen Partnerschaften, haben Kinder. Eigentlich sind die meisten von ihnen die sozialsten Menschen, die ich kenne. Und wir sprechen hier von wirklich schwer traumatisierten Menschen.

Das Trauma macht aus den Menschen doch keine gehirnamputierten Idioten. Es schränkt ein. Es stört das normale Leben. Deswegen sind die meisten trotzdem starke Persönlichkeiten. Ich meine, hallo, wären sie das nicht, wären sie tot. Man muss verdammt stark sein, um in seiner Kindheit den Missbrauch zu überleben.


Über Therapie mit traumatisierten Menschen habe ich eine ganze Menge gelernt. Sie funktioniert nicht, wenn die Metaebene nicht stimmt. Das heißt, wenn der Therapeut menschlich scheiße ist, kann man die Therapie in der Pfeife rauchen.

Er muss gefestigt sein, souverän. Auch muss er sich auf Auseinandersetzungen einlassen können. Er muss warmherzig sein. Vor allem aber muss er verdammt ehrlich und authentisch sein. Dann klappt es auch mit dem Klienten 😛

Gerade wenn es um Kindesmissbrauch geht, so haben diese Kinder gelernt Menschen wie ein Buch zu lesen. Man kann denen nichts vormachen. Ihr Leben hing davon ab, dass sie genau beobachtet und analysiert haben. Die durchschauen jedes Spiel. Und leider spielen viele Therapeuten eine Rolle.

Es ist eh schon ein 6er im Lotto einen Platz bei einem Traumatherapeuten zu finden, aber dann muss der auch noch menschlich einwandfrei sein. Das ist leider fast unmöglich.

Ein Traumatherapeut muss ganz viel leisten. Leute, die missbraucht wurden, sind natürlich misstrauisch und je größer das Leid, umso größer das Misstrauen und umso schwerer fällt es den Leuten sich zu öffnen. Es macht mich traurig, dass das hier so dargestellt wird, als wollten sich die Leute nicht helfen lassen. Die wollen genau wie jeder andere auch glücklich sein und ein erträgliches Leben führen! Die können sich nur nicht öffnen. Sie müssen erst Vertrauen aufbauen. Und das kann eben lange dauern.

Ist das Vertrauen erst mal da, wird es sehr leicht wieder erschüttert, oft durch Kleinigkeiten. Der Therapeut vergisst eine E-Mail zu beantworten, er muss einen Termin verschieben, er reagiert vielleicht unterschwellig ein wenig gereizt, weil er einen miesen Tag hatte. Ein schwer traumatisierter Mensch kann diese Aggression wahrnehmen, egal wie unterschwellig sie abläuft und bezieht sie sofort auf sich.

Aber nichtsdestotrotz kommt man an die Leute ran. Man muss sich da halt Mühe geben. Und da sind die Therapeuten durchaus gefragt. Es ist keineswegs Sache des Klienten. Um traumatisierte Menschen muss man kämpfen, will man sie ins Leben führen.


Ich bin schon einigen Traumatisierten begegnet, die als "untherapierbar" galten und ich konnte ihr Vertrauen gewinnen. Das ist gar nicht so schwer. Ich habe sie einfach sein lassen. Und ich hatte Geduld.

Es gab eine Frau, die kam immer zu unserem Treffen und sagte nie mehr als ein Hallo. Sobald man ihr Fragen stellte (z.B. wie ist das Wetter heute?) verschwand sie sofort. Die Gruppe hat das auf mein Anraten hin einfach akzeptiert. Ich hab mich immer sehr gefreut, wenn sie kam, weil es mir zeigte, sie fühlt sich bei uns wohl. Sonst würde sie ja nicht so oft kommen. Ich habe sie immer mit einem "hey, schön dich zu sehen" empfangen. Es gab Leute, die kannten sie von anderen Orten und die sagten alle, die Frau redet nie.

Es dauerte zwei Jahre.

Eines Tages meinte sie, ob sie uns mal was wegen ihrer Freundin fragen könnte.

Die komplette Gruppe hielt gemeinschaftlich die Luft an und eine Sekunde herrschte völliges Schweigen. Dann platzten alle Leute gleichzeitig raus: "Klar, ja, natürlich." Damit war das Eis gebrochen. Nun kriegen wir sie nicht mehr gestoppt 😀. Stellt sich raus, das ist eine ganz Süße. Total frech und schlagfertig. Sie ist richtig lebhaft. Nun erzählt sie gelegentlich sogar schon von den schlimmen Dingen, die sie erlebt hat.

Es tat ihr einfach gut, dass sie in unserer Gruppe angenommen wurde, wie sie war. Es dauerte halt, bis sie Vertrauen fasste, aber sie fasste Vertrauen.

Zu ihr meinten die Therapeuten auch, sie will ja nicht mitarbeiten ...


Eine andere Geschichte.

Ich habe eine Freundin, die auch schwersttraumatisiert ist. Sie konnte nicht mit dem Fahrstuhl fahren. Als ich sie das erste Mal besuchte, bin ich halt mit ihr ganz selbstverständlich die Treppen hoch und runter. Viele Monate später plante ich wieder einen Besuch bei ihr und da sagte sie am Telefon zu mir: "Du, ich habe es geübt." Ich so: "Was geübt?" Und sie antwortete: "Das Fahrstuhlfahren. Wenn du kommst, will ich mit dir Fahrstuhlfahren."

Das war so süß. Weil ich beim ersten Mal so selbstverständlich mit ihr die Treppen gelaufen bin, wollte sie mir beim nächsten Besuch eine Freude machen und zeigen, dass sie es auch schaffen kann mit dem Fahrstuhl zu fahren. Sind wir dann auch. Aber nur bis zum ersten Stock. Für weiter reichte ihr Mut noch nicht 😀. Das war eines der schönsten Geschenke, die ich je bekommen habe. Und sie sagte, weil ich sie nicht gedrängt habe, weil ich keine schlauen Reden darüber gehalten habe, wie albern ihre Angst doch sei.


Ich bin ja selbst auch schwer traumatisiert und es gab eine Zeit in meinem Leben, kurz nachdem ich von den Tätern weg bin, so von 17-23 eigentlich, da war ich völlig aus der Kontrolle, habe versucht mich selbst zu zerstören, hatte schwere psychotische Schübe, habe ganz wild um mich geschlagen. Ich war definitiv eine Gefahr für mich und andere. Wäre ich damals einem Psychiater in die Hände gefallen, der hätte mich in der Geschlossenen weggesperrt und den Schlüssel weggeworfen.

Was mich gerettet hat, war die Liebe meines Partners.

In der Zeit sind ganz viele Wunden geheilt und ich habe damals viel über Traumatherapie gelernt, obwohl er ja kein Therapeut war und das eigentlich "nur" eine Beziehung war.

Die meisten der Betroffenen hier werden wissen, was ich meine, wenn ich sage, mancher Schmerz ist so gewaltig, dass man glaubt, davon wahnsinnig zu werden. Das kam in der Zeit bei mir alles hoch. Ich hatte ganz üble Zusammenbrüche. Manchmal haben wir Tage hintereinander stundenlang irgendwo auf dem Boden gesessen und ich habe Rotz und Wasser geheult, bis ich gekotzt habe und er hat mich einfach nur gehalten. Ganz fest gehalten.

Wenn ich dann manchmal hier so lese: "Man darf das Trauma seinem Partner nicht zumuten. Man muss da in Therapie an sich arbeiten, damit man keine Belastung ist ..."

Ohne Leo wäre ich verloren gewesen. Ich hätte niemals im Leben einen Therapeuten so nah an mich ran gelassen. Das ging nur, weil ich meinen Partner sehr geliebt habe und ich um ihn und die Liebe gekämpft habe. Ohne ihn hätte ich niemals einem Menschen vertrauen können. Das musste ich durch ihn erst mühsam lernen.

Nach dem Selbstmord meiner Zwillingsschwester war ich in so einer Art Kloster der Sekte, in der meine Mutter war. Die Priester dort haben mich völlig isoliert. Niemand durfte mit mir sprechen, mich nicht mal anschauen. Ich war die Ausgeburt des Bösen und man hat mir immer gesagt, man muss mich von Menschen fern halten, weil ich ihnen schade, sie ins Unglück ziehe, in die Dunkelheit. Ich habe oft Tage auf den Knien verbracht und Bibelstellen aufgesagt. Immer wieder die gleichen. Und manchmal war ich auch für Tage in einem dunklen Raum weggesperrt. Und es war immer nur eiskalt.

Nach solchen Phasen der sehr langen völligen Isolation, oft lange ohne Wasser und Essen, ließ mich dann so ein Priester in seinen Raum kommen. Und dann bot er mir Wasser an. Aus der holen Hand. Und du hast brennenden Durst und gleichzeitig weißt du, der wird dich immer mehr in seine Nähe zwingen. Wenn du jetzt nachgibst, wird es sein wie eine Lawine. Es wird alles über dir zusammenschlagen und du wirst dich nicht mehr wehren können.

Und diese Sehnsucht nach ein bisschen Wärme, nach einem bisschen menschlicher Nähe.

Es war immer meine Entscheidung. Ich musste ja nicht aus der Hand trinken. Ich musste seine Berührungen ja nicht zulassen. Und ich habe entschieden, sexuelle Handlungen zuzulassen.

Vonwegen Vergangenheit hinter sich lassen ... das kommt jedes Mal bei mir hoch, wenn es um Nähe geht. Ich kann auch noch immer keine nassen Hände sehen. Das haut mich total weg. Dann bin ich wieder dieses Kind ...

Und die Schuld? Schön wär's, wenn ich sagen könnte, das war alles unter Zwang. War es eben nicht. Es war meine verdammte Entscheidung. Und da ist ganz viel Selbsthass in mir, dass ich nachgegeben habe. Obwohl ich wusste, worauf es hinauslaufen würde.

Mein Partner sagte damals: "Und es ist gut, dass die Schuldgefühle da sind." Denn ohne sie müsste ich zugeben, wie völlig hilflos ich in diesem Moment gewesen bin und wie absolut manipulierbar der Mensch ist. Ich würde jede Sicherheit verlieren. Es fällt mir so schon schwer Menschen zu vertrauen ... mir selbst zu vertrauen.

Ich kann das vom Verstand her erfassen. Ich kann Abhandlungen darüber schreiben, warum ich keine Schuld trage, aber ich glaube nicht, dass ich vom Gefühl jemals durch diesen Moment durchgehen kann und diese Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein noch mal spüren kann.

An der Stelle werde ich immer verletzlich sein. Und mir persönlich tut es sehr weh, wenn ich dann hier im Forum lesen muss: "Du willst ja nicht therapiert werden. Du willst ja nichts ändern. Der Täter hat keine Macht über dein Leben."

Tja, aber vielleicht muss ich ihm diese Macht geben, um bei klarem Verstand überleben zu können?!

Ich merke, dass Beiträge in diesem Forum für mich retraumatisierend sind. Das ist mir in den letzten Tagen klar geworden.

Ich kann sowas hier nicht lesen, ohne dass es den ganzen Dreck der Vergangenheit hoch holt:

Viele Therapien versagen weil Gewaltopfer die Sache oft herunterspielen oder nicht ernst nehmen, zu verklemmt und eingeschüchtert sind, sich nicht genug öffnen können oder wollen,...

Manchmal hat das durchaus mit nicht Wollen zu tun (dann wenn man damit ganz gut durchkommt und auch gewissen Nutzen zieht..aus der Schonhaltung der Umwelt z.B.) denke ich...manchmal aber auch mit (eingebildetem) nicht Können....

Bei einigen kann man sehr große Verbesserungen erzielen, bei anderen nicht. Einige lernen sehr schnell, haben sowas wie erleuchtende Momente und machen rasche Fortschritte..andere krebsen langsam voran, erwarten zu viel, verlieren leicht die Geduld und brechen zu schnell ab, wieder andere sperren sich, arbeiten nicht mit aus Schiss vor Veränderung oder der eigenen Courage oder weil sie einfach nicht die Hürde über die Schamgrenze schaffen und in sich selbst und in ihrem Leid/Trauma stecken bleiben....

aber ab nem gewissen Alter wächst..egal ob Trauma oder nicht die Eigenverantwortung dahingehend wie es weiter gehen wird...Das ist Hauptjob jedes menschen...hier bleibe ich halt bei meiner harten Meinung. Jeder hat dann als Erwachsener die Verantwortung für seine Lebensplanung (und auch Entscheidung: Traumatherapie ja oder nein etc.) , Partnerwahl etc.

Ich les das und all das, was die Täter mir immer eingetrichtert haben, kommt wieder hoch. Du bist selbst schuld. Du willst es ja nicht anders. Du bist selbst verantwortlich. Du willst nicht mitarbeiten. Du bist böse.

Kennen wir Betroffene das nicht alle? Dass wir an allem Schuld sind? Dass wir widerborstig sind? Dass wir eben die Verlierer des Lebens sind? Schwach und klein und ängstlich und darum darf man das alles mit uns machen?

Mir schlagen solche Sätze jedes Mal eine Verletzung.



Was zum Beispiel sollen solche Aussagen?

Aber darüber hinaus hat jeder Mensch (ab nem gewissen Alter...Pubertät) auch die Grundfähigkeit das eigene Verhalten, Denken kritisch zu beurteilen und zu reflektieren...um zu erkennen was einem gut tut, richtig ist oder nicht so gut und eher ungünstig ist. Diese Fähigkeit geht auch nicht durch ein Trauma verloren..ein Trauma erschwert das reflektieren...aber an sich reicht ja bereits die Blitzintuition zu erkennen: der Täter ist scheisse, das Umfeld ist scheisse...FLUCHT.

Bei Kindern, die mehr oder weniger massiv misshandelt werden, wird die Entwicklung der Fähigkeit zu beurteilen und zu reflektieren gestört. So was lernt ein Kind doch erst. Aber ganz viele Tätern verhindern diesen Lernschritt durch ihre Manipulationen. Die Betroffenen müssen das im Erwachsenenalter erst mühsam lernen. Und das lernt sich wirklich sehr mühsam.

Täter haben die Macht dir glauben zu machen, dass er der Gute ist.

Und nicht nur das, am Ende glaubst du, dass du es ganz genau so gewollt hast. Und wenn du dich von ihm abwendest, wirst du zum gemeinen Verräter deiner selbst und des Täters, der der einzige Mensch in der Welt ist, der es gut mit dir meint.

Man lebt in einer Täterwelt und wenn man da raus kommt, muss man erst lernen, wie es sich in der anderen Welt lebt.


Und dann sind da solche Aussagen:

Bei dieser Meinung bleibe ich und beziehe mich hierbei nicht auf den kleinen Jungen der missbraucht wurde sondern den späteren Mann der entweder EX-Opfer sein wird oder das Opfer der Vergangenheit bleibt weil er in der Vergangenheit weiter lebt.....

Trauma ist nie Vergangenheit. Ein Geruch, ein Bild, ein Wort, ein Laut ... und du bist wieder da.

Ex-Opfer? Ist jemand, der ein Bein verliert jemals Ex-Betroffener???




Ich weiß, Tyra, du amüsierst dich oft über meinen Weichspülergang. Aber ich bin nicht nur selbst schwersttraumatisiert, sondern ich kenne auch sehr viele Menschen, die in ihrer Kindheit wirklich durch die Hölle sind. Und weißt du was, in solchen Momenten, wo man abstürzt, wo die Vergangenheit wieder da ist, da helfen einem keine tollen Thesen und große Gedankenkonstrukte darüber, dass man seine Schuldgefühle und Ängste überwinden muss.

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, das Einzige, was dir da raushilft, ist Liebe. Wenn du irgendwo im Außen einen Anker hast, dann kannst du kämpfen.

Das ist der Grund, warum ich mit Herzenswärme und Liebe auf die Menschen zugehe. Weil mit einem Arschtritt befördert man die Leute nur tiefer in die Hölle rein. Das ist retraumatisierend.

Welchen Zweck soll es haben Menschen, denen man ein Bein abgetrennt hat, kräftig in den A**** zu treten, sie sollen gefälligst die Vergangenheit hinter sich lassen und losmaschieren, damit sie nicht zu den Verlierern der Welt gehören??? Ich meine, hallo???

Soll das Hilfe sein?


Was mich zu der Frage bringt, ob man wirklich jedem Menschen helfen kann.

Das ist eigentlich irrelevant. Man sollte eher fragen: Hat jeder Mensch die Chance auf Heilung, vollständig oder auch nur in Teilen. Die Antwort ist einfach: Es ist allein wichtig, dass jeder Mensch fähig ist zu lieben und jeder Mensch kann geliebt werden. Und darin liegt ganz viel Heilung.


Ich möchte an der Stelle noch eine Buchempfehlung geben. Eigentlich ja für drei Bücher. Wenn jemand wissen will, ob auch schwerste Traumatisierungen wenigstens zum Teil heilen können, sollte er sich die folgenden Bücher zulegen:

Sie nannten mich "Es": Der Mut eines Kindes zu überleben: Amazon.de: Dave J. Pelzer, Ulrike Ziegra: Bücher

Der verlorene Sohn: Der Kampf eines Kindes um Liebe und Anerkennung: Amazon.de: Dave Pelzer: Bücher

Ein Mann namens Dave: Eine Geschichte von Triumph und Vergebung: Amazon.de: Dave Pelzer: Bücher

Sehr schwer zu lesen. Das war sogar für mich starker Tobak, wie diese Frau ihren Sohn gequält hat. Und manche von diesen Bildern blieben hängen. Aber vielleicht auch deshalb, weil einige der Geschehnisse nah an meiner Geschichte sind. Aber es lohnt sich auf jeden Fall sie zu lesen. Letztendlich macht es Mut, dass es einen Weg in die Heilung gibt. Und auch bei ihm war es die Liebe.



Tuesday
 
eine tiefe Verbeugung...

...Dir ,Tuesday ,für diesen Beitrag.:herz: Genial.

Retraumatisierung- geht mir auch so in den letzten Tagen.
Irgendwie ist das Faß voll. 🙁
(Vorm Winter sollte man das Wasser rauskippen...)

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

@ Admin:

Ich plädiere,diesen Beitrag auf der Hauptseite zu verlinken.

Vielleicht könnte jemand mit Verstand solche Schlüsselposts sammeln?
Eine Art Zusatzordner unter "Soforthilfe" z.B.?
 
Danke Tuesday für diese ehrlichen und bewegenden Worte.

@Micky: Wegen Deinem Vorschlag sind wir ohnehin gerade im Moderatorenteam im Gespräch. Gebt uns ein bisschen Zeit - wir arbeiten dran.
 

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