Eine Erklärung, "warum" Kinder getötet werden.
Indio-Infantizid
Vor allem in Europas Medien wurde es Mode, aus scheinheiliger „politischer Korrektheit“ völkerkundliche Fakten aus der Dritten Welt gezielt zu unterdrücken. Sydney Possuelo hat indessen keinerlei Probleme damit, außergewöhnliche Stammestraditionen, darunter die Kindstötung, zu erläutern. So halten Indiomütter verschiedener Stämme weiterhin an dem Brauch fest, mit Mißbildungen wie Blindheit oder Bewegungsschäden zur Welt gekommene Babys sofort zu töten. Nach indianischer Logik wären diese Kinder unter den harten Bedingungen der Wildnis nicht überlebensfähig. In einer Entbindungsstation der Amazonasstadt Manaus hatten Hebammen, ohne Kenntnis des Brauchs, einer Yanomami-Mutter die Defekte an den Geschlechtsorganen ihres gerade geborenen Sohnes erklärt und sie daraufhin alleine gelassen. Die Frau tötete das Kind auf der Stelle. Sie kann dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden, da laut Gesetz nicht akkulturierte Indios als strafunmündig angesehen werden. Gemäß einem Experten der staatlichen Indianerschutzbehörde FUNAI dulden die über zehntausend Yanomami-Indios keine Kinder mit Geburtsfehlern:“Wenn ein Baby mit einem physischen Problem zur Welt kommt, das später verhindert, alle Lebensfunktionen zu übernehmen, wird es sofort eliminiert.“
Das Indianerkulturzentrum in Sao Paulo erläutert, daß bei den noch traditionell lebenden Stämmen zudem bei Zwillingsgeburten stets eines der beiden Babys getötet wird. Die Mütter sähen es als unmöglich an, sich im komplizierten Urwaldalltag um zwei Kinder gleichzeitig zu kümmern und daneben auch noch die Wildnis zu durchstreifen, alle nötigen Arbeiten zu tun. Jedes erwachsene Individuum müsse dazu fähig sein, ohne fremde Hilfe zu überleben. Indianergruppen, die im Einflußbereich kirchlicher Missionsstationen leben, haben den Angaben zufolge den Brauch der Kindstötung abgelegt, ließen sich davon überzeugen, daß es sich dabei um eine Sünde handele. Auch ist bekannt, daß Nonnenjene Kinder aufziehen, die andernfalls getötet worden wären. Im Alto Xingu gehört bei den Stämmen der Iaualapitis,Camaiuras, Cuicuras und Meinacos noch diese Art der Kindstötung zum Alltag, betonen Anthropologen. Die Mütter, heißt es, verscharren Kinder mit Behinderungen, aber auch solche, die Resultat von Ehebruch, Inzest oder sexueller Gewalt sind, sofort nach der Geburt. Zudem gibt es Stämme, die beide Zwillinge töten. Nach indianischem Glauben sei eines der Kinder gut, das andere böse. Da man nicht wisse, welches das gute sei, opfere man eben beide.
Sydney Possuelo ist der Meinung, daß solcher „Infanticidio“ keineswegs als Straftat angesehen werden dürfe:“Es handelt sich hier um seit vielen Generationen überlieferte Traditionen.“ Possuelo erinnert an die Niederschriften des Brasilienreisenden Pero Vaz de Caminha, der die Schönheit der indianischen Körper herausstellte. „Die Europäer, mit einer ganzen Serie von Krankheiten befallen, trafen auf dunkelhäutige Indianer, mit schöner, glatter Haut. Physische Defekte waren mit der Zeit durch den Infantizid eliminiert worden, wie durch eine Auswahl der besten Gene. Derartiges schockiert unsere Gesellschaft – aber wir provozieren doch viel heiklere Dinge, die nicht den geringsten Nutzen bringen. In einer indianischen Gemeinde ist jeder einzelne verantwortlich für alles, was er ißt und benutzt. Ein Behinderter kann nicht richtig jagen. Im Falle der Zwillinge tötet man manchmal das Erstgeborene. Man muß einfach sehen, daß sich eine Indiomutter vom Morgen bis in die Nacht um ihr Kind kümmert. Sie wird erst dann ein weiteres Kind bekommen, wenn das andere nicht mehr gestillt werden muß. In jedem Kontext handelt man auf bestimmte Weise, aber ich denke, wenn die Tradition bestimmt, daß ein Baby nicht lebenbleiben soll, würde ich das respektieren, selbst wenn es wehtut. Andernfalls würde ich die Indianerrechte verletzen.
Brasilien - Isolierte Indianerstämme und der „Infanticidio“