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Deichgräfin
Gast
Dr. House;867192 Oder ist der böse weiße Mann jetzt auch dafür schuld? @ Deichgräfin: Der Text ist nur zum kotzen! Ich habe noch nie so viel Relativierung von unmenschlichen Verbrechen gelesen.[/quote meinte:Meinen Link hast du wahrscheinlichauch nicht "ganz" gelesen,
sondern nur den von mir eingestellten Teil.
Mal empfangen sie ihn mit einem Hagel von Pfeilen, mal flüchten sie überstürzt – Sydney Possuelo stößt bei jenen, die er vor Ausrottung schützen will, anfangs stets auf Mißtrauen und Feindseligkeit.
Seit über vierzig Jahren streift Possuelo als „Sertanista“, Waldläufer, nur zu oft monatelang ganz allein durch Amazonien, sucht Kontakt zu den letzten, völlig isoliert lebenden Indiostämmen. Derzeit sind es noch etwa zwei Dutzend, die ebenfalls allen Grund haben, den Weißen nicht zu trauen, von schlimmsten Untaten erfuhren, Massaker überlebten.
„Früher war es völlig normal, daß bei Expeditionen der staatlichen Indianerbehörde FUNAI in Stammesgebiete stets vierzig, fünfzig Indios getötet wurden – das konnte ich nicht akzeptieren!“ Die staatliche Erdölgesellschaft Petrobras steckte ganze Indiodörfer in Brand.
1987, kurz nach der Militärdiktatur, gründet Possuelo eine eigene FUNAI-Abteilung für isolierte Stämme, will mit allen Mitteln das brachiale Eindringen von bewaffneten Goldgräbern, Großgrundbesitzern und Bergbaufirmen in den Lebensraum der Ureinwohner verhindern. Denn stets wurden auch Seuchen eingeschleppt, tödliche Krankheiten verbreitet, gegen die Indianer keine Abwehrkräfte besitzen, deshalb zu hunderten, gar tausenden starben.
Possuelo erzielte zumindest Teilerfolge, wird Brasiliens auch international bekanntester Indianerexperte. Sogar die britische Königin ehrt ihn letztes Jahr in London für seine Verdienste. Kaum zu glauben – das Tropenland hat nur noch vier Sertanistas. „Viele waren wir nie – in Brasilien hat immer nur eine kleine Minderheit die Menschenrechte verteidigt.“
Der bärtige Possuelo, Vater von sechs Kindern, überlebte Abstürze von Kleinflugzeugen im Urwald, versank mit dem Kanu immer wieder in reißenden Strömen, verlor gar Zähne, als ihn Indiogegner attackierten, sich mit ihm prügelten. ...........
Waren die fern der sogenannten Zivilisation lebenden Stämme früher tatsächlich glücklicher?
Possuelo bejaht dies. „Je mehr sich Brasiliens Indianer unserer materialistisch-technologischen, doch spirituell so armen, modernen Welt kulturell annähern, umso unglücklicher werden sie.
“Große Ethnien mit einer reichen Feierkultur seien dramatisch dezimiert worden. „Deshalb treffen wir heute bestenfalls noch auf isolierte Gruppen von vierzig, siebzig oder maximal einigen hundert Angehörigen – manchmal hat sogar nur noch ein einziger Indio überlebt.“
Der Waldläufer nennt es skandalös, direkt unanständig, solche Stämme ohne Schriftsprache und Geldverkehr sozusagen gewaltsam in das Universum der Weißen hineinzustoßen.
Annäherung und Integration seien unaufhaltsam, sollte aber so lange wie möglich aufgeschoben werden.
„Andererseits könnten die Indios eines Tages von sich aus ihre Isolation aufbrechen.“ Wütend macht ihn die Zerstörung Amazoniens durch das Agrobusiness, die hochtechnisierte Landwirtschaft. „Der massenhafte Soja-Anbau ist eine regelrechte Pest, vernichtet immer mehr Urwald, bedroht die Existenz der Indianer!“ Brasiliens Soja wird größtenteils in die USA und nach Europa exportiert, dient dort als billiges Viehfutter.
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