Hallo Andreas,
ich denke, der entscheidende Punkt ist der, den Du jetzt auch für Dich erkannt hast, daß man eine Wohnsituation nicht auf ewig und unveränderlich festgelegt betrachten darf.
Einmal Haus, immer Haus - gerade für Alleinlebende - ist nicht unbedingt der richtige Gedanke.
In anderen Ländern als Deutschland ist es viel selbstverständlicher, Eigentum zu kaufen und wieder zu verkaufen, die Wohnsituation an die eigene Lebensphase anzupassen. In Deutschland ist der Gedanke noch viel zu oft, wenn man erst mal ein Eigenheim hat, zieht man da nie wieder aus und muß es daher so instandhalten, daß es bis zum Lebensende perfekt und immer auf dem neuesten Stand ist.
Mein Ansatz ist ein anderer: Wie lange passt es noch für mich, wie lange fühle ich mich noch wohl und wieviel muß ich bis zu dem Moment eines Wechsels investieren.
Ich habe schon in sehr unterschiedlichen Wohnverhältnissen gewohnt
- 5 Jahre als Kind in einer Minimietwohnung
- 15 Jahre als Kind/Heranwachsende in einem riesigen Haus mit großem Garten
- 8 Jahre ein Einzimmerappartment als erste eigene Mietwohnung
- 20 Jahre in einer 80 qm Eigentumswohnung mitten in der Stadt
- fast 2 Jahre im 10 qm Wohnmobil auf Reisen
- seit 6 Jahren in einem wunderbaren alten 150 qm Haus mit großem Garten in einer Kleinstadt
Alle Wohnformen hatten ihre Vor- und Nachteile.
In den Wohnungen war es immer schon lauter als im Haus. Aber entscheidend war meist, die Veränderung im Laufe der Jahre. Plötzlich lag das Elternhaus, das vorher ruhig im Grünen lag, an einer vielbefahrenen Straße am Rand eines Gewerbegebiets. Aus den ruhigen Geschäften und Bäckereien gegenüber der ersten Mietwohnung in der Stadt wurden Kneipen und Cafes mit abendlicher Lärmbelästigung. Während die ersten Jahre in der Eigentumswohnung ruhig und gediegen waren, veränderte sich die Struktur der Nachbarn. Die älteren ruhigen Miteigentümer zogen aus oder verkauften, lebhaftere lautere Menschen zogen ein, jüngere neue Eigentümer renovierten Monate lang über oder unter mir, Kinder trampelten mir auf dem Kopf rum... Während vorher eine Eigentümergemeinschaft bestand, die gemeinschaftliche Interessen verfolgte, die Reparaturen und Renovierungen mit Augenmaß verfolgte, gab es plötzlich Eigentümer, die gar nichts investieren wollten, selbst fast pleite waren oder die Wohnungen nur als Renditeobjekte ansahen, sich nicht weiter dafür interessierten, weil sie selbst dort nicht lebten... Dann kam ein Investor, der mehrere Wohnungen aufgekauft hatte und damit fast die Mehrheit der Stimmen besaß und versuchte, absurd teure Maßnahmen durchzusetzen...
Jedes Mal gab es einen Punkt an dem ich nicht mehr zufrieden war mit den Wohnverhältnissen und dann etwas passenderes gesucht habe.
Nie war ich glücklicher als in meinem jetzigen Haus in den letzten 6 Jahren. Die Ruhe, Großzügigkeit, Selbstbestimmtheit, Garten, Lage - alles wunderbar - für meine aktuelle Lebensphase.
Ich bin mir aber auch sicher, daß auch hier der Punkt kommt, wo es nicht mehr passt.
Ich richte mich darauf ein, hier noch 10 - 15 gute Jahre zu verbringen und mir ab 70 Jahre etwas kleineres Altengerechteres zu suchen.
Genau wie Du habe ich keine Familie/Nachkommen. Ich muß mich also darauf einstellen, mir perspektivisch eine Wohnsituation zu schaffen, in der ich realistisch noch gut selbstbestimmt leben kann, wenn ich alt bin, bevor es dann (hoffentlich erst sehr sehr spät) einen allerletzten Schritt vielleicht in ein Pflegeheim geht.
Bis dahin genieße ich mein wunderbares Haus und diese aktuelle Lebensphase.
Da ich aber plane, es irgendwann zu verkaufen und mich wieder zu verkleinern, habe ich auch nicht den Druck, es für alle Eventualitäten und die Ewigkeit zu sanieren. Es wird auf einem Stand gehalten wie es jetzt und in den nächsten 10 - 15 Jahren für mich gut ist und dann kommt wieder eine andere Wohnsituation.