Sehr gut beschrieben und das Bild Deiner Mutter, das sich daraus ergibt, spricht Bände.
Wichtig ist wirklich nur, dass Du aus dieser belastenden Gedankenschleife herauskommst, denn Du bist nur für Dich verantwortlich und was einem selbst nicht gut tut, das hat im Leben keinen Platz.
Weder Du noch Profis können da wohl noch eine Veränderung erwirken, es ist schlicht zu spät. Das zu akzeptieren ist nicht leicht, aber der erste und wichtige Schritt für den restlichen Weg.
Verzeihen ja, das kann man, nicht für das Gegenüber relevant, nur für sich selbst. Es gibt auch keinen Grund, das der Mutter zu kommunizieren, weil man damit Gefahr läuft, dass sie wieder aufdreht und präsenter wird, was Du nicht gebrauchen kannst.
Um die Tiere tut es mir mehr leid, wenn ich ehrlich bin, denn sie können nichts dafür, dass Deine Mutter nichts auf die Reihe bekommt. Es gibt die Tiertafel, aber ob sie sich dort beliebt macht, das sei dahingestellt. Auch dort gibt es Regeln, die ich jetzt nicht im Detail kenne, aber ich denke, dass die Rationen auf 1-2 Tiere begrenzt sind.
Die Tiere sind Mittel zum Zweck. Einerseits kompensiert meine Mutter damit, dass sie sich sonst nicht gebraucht fühlt, andererseits wird mit den Tieren emotionale Bestätigung eingeklagt.
Sie selber braucht keine klimatisierte Wohnung, aber die Tiere brauchen sie
Sie selber braucht keine große Wohnung, aber die Tiere brauchen sie
Für sie selber hat sie genug, Geld aber die Tiere brauchen so viel Geld
usw....
Die Tiere sitzen jeweils zu zweit in kleinen Plastik-Käfigen, ein bisschen Streu, ein Holzhaus, das wars. Aber in ihrer Wahrnehmung "tut sie alles für die Tiere" und das wird natürlich von ihr immer betont um bei mir und Anderen emotionale Bestätigung einzusammeln. Reagiert man nicht wie erhofft, ist sie bitterlich böse und wirft einem emotionale Kälte und sonstwas vor.
Es ist der gleiche Spiel seit meiner frühesten Kindheit, wobei früher zu Lebzeiten meine Oma viel abgefangen hat. Ich erinnere mich aber an Gespräche am Küchentisch zwischen meiner Mutter und meiner Oma.
Mal war der unerträgliche Kollege, der fiese Chef oder ein gemeiner Kunde. Meine Oma tröstet meine Mutter über Stunden und Wochen. Dann meldete sich meine Mutter auf der Arbeit krank, weil es ja so "unerträglich" war. Dann kündigte ihr der Chef. Dann bekam sie Arbeitslosengeld und klagte über die Arbeitslosigkeit.
Meine Mutter verhielt sich immer wie das Kind vor einer Klassenarbeit. Einige Tage vorher bekommt das Kind angeblich Husten und hält sich für unheimlich schlau bereits das einige Tage vor der Arbeit anzukündigen. Am Tag der Klassenarbeit tut das Kind dann sterbenskrank und sagt mit gestellt heiserer Stimme "Ich muss zur Schule, wir schreiben die Mathearbeit" um zu erreichen, dass die Mutter sagt "Bleib zuhause, so kannst du die Arbeit ja nicht schreiben".
Und bei meiner Mutter schiebt halt auch immer was vor. Und wenn sie mal dabei erwischt wird, dann hat sie es "vergessen" oder verdreht Dinge im Nachhinein. Teilweise ist das eiskalt böse. Aber gleichzeitig kann sie so dumm, vergesslich, naiv und weinerlich sein, dass man sich denkt, dass sie das doch garnicht böse
meint. Das ist tatsächlich auch einer ihrer Lieblingssätze wenn sie etwas schlechtes getan hat: "Das habe ich doch nicht böse
gemeint".
Sie bezeichnete eine Dame am Schalter einer Bank (in Hörweite!) mal mit einem rassistischem Schimpfwort. Als ich meiner Mutter daraufhin einen bösen Blick zuwarf meinte sie ebenfalls laut hörbar nur "Das habe ich ja nicht böse gemeint. Von denen gibt es bestimmt auch Gute"
Selbst wenn ich meine Mutter treffe, achte ich daher inzwischen darauf, dass wir niemals unter Menschen sind. Selbst in den Garten geh ich mit ihr nicht, weil ich schräg gegenüber einen türkisch stämmigen Nachbarn habe...